Die Gartenkunst — 1.1899

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DIE GARTENKUNST

Verschiedenes.

Anfertigung von Gartenplänen. Unsere heutige Zeit
stellt bekanntlich an des Einzelnen Berufstüchtigkeit im Kampf
um eine gedeihliche Lobensexistenz ganz enorme Anforder-
ungen, — auf der einen Seite stehen erhöhte Nachfragen und
Ansprüche des Konsumenten, auf der anderen ein stetig ver-
mehrtes Angebot des Produzenten; letzteres zeitigt allerdings
oftmals eine Konkurrenz, die mit unlauterem Wettbewerb
grofse Ähnlichkeit besitzt. Nach allgemeinem Urteil darf bei
der in Deutschland bestehenden Gewerbefreiheit ein jeder
eine beliebige Erwerbsthätigkeit wählen, auch kann er jeder-
zeit zu eigen gehörige Waren oder Erzeugnisse aller Art zu
einem vereinbarten Preise veräufsorn. Gegen unreelle Verkaul's-
machinationen gewähren dem Kaufmann die Gesetzes-
bestimmungen gegen unlauteren Wettbewerb einen beachtens-
werten Schutz, auch der Mii'sbrauch geistigen Eigentums wird
strafrechtlich verfolgt (Gesetz vom II. Juni 1870).

Trotz all diesem anrufbaren Schutze treten doch zuweilen
auf verschiedenen Gebieten recht krasse Mifstände zu Tage,
von denen sich auch die Gartenkunst nicht ganz frei
sprechen kann.

Seit einigen Jahren sind verschiedenfach „gartentechnischo
Bureaus" erstanden, die es sich zur Geschäftsaufgabe machen,
Gartonpläne, Entwürfe von Parterren, Teppichbeeten u. s. w.
für Gärtner und Privatpersonen anzufertigen (auch unter
Verschwiegenheit). Diesbezügliche Preistarife werden in alle
Kreise versendet, nnd sind kostenfrei von jedermann zu be-
ziehen. Gegen einen derartigen Erwerb wäre durchaus nichts
einzuwenden, wenn nicht die gestellten Preisforderungen zu-
weilen so niedrig bemessen wären, dafs sie einer unverant-
wortlichen Herabwürdigung des landschaftsgärtnerischen
Schaffens gleichkommen. So inseriert z. B. ein garten-
technisches Bureau folgendermal'sen: „Gartenpläne liefert
schnell, preiswert und verschwiegen das gartentechnische
Bureau von......"

Die Preise für Anfertigung von Gartenplänen sind folgende:

1. Gartenpläne: Tuschzeichnungen und Feder-

zeichnungen in Strich- und Punktiermanier,

pro Quadratdecimeter........Mk. 1,00

2. Gartenpläne: Farbig angelegte Gartenpläne,

pro Quadratdecimeter........Mk. 1,60

Tarife ähnlicher Art könnte ich noch mehrere anführen,
doch möge dies eine Beispiel genügen.

Wir enthalten uns über derartige Thatsachen jeder weiteren
Kritik, die Bekanntgabe in Fachkreisen dürfte genügen. Man
fragt sich jedoch unwillkürlich, welche Gründe mögen den
Fachmann veranlassen, seine geistige Arbeit zu solchem
Schundpreis zu verschleudern'?

Einen Anhaltspunkt für derartige Forderungen (unbe-
nommen einer persönlichen Vereinbarung) bieten bekanntlich
die von unserem Verein herausgegebenen allgemeinen Be-
stimmungen über Vermessungen, Entwürfe u. s. w. Sind
diese Preissätze (zumal bei grofsen Anlagen) zu hoch bemessen,
so genügt ein diesbezüglicher Antrag auf Revison oder Um-
änderung, und der verehrl. Vorstand wird gewifs einer solchen
wichtigen Angelegenheit ein geneigtes Ohr schenken.
Durchaus verwerflich aber ist es, dem Publikum solche nach
Art eines bekannten Grofsbazarunternehmens aufgestellten
Preise zu offerieren, ein derartiges Verfahren ist gleich-
bedeutend mit einer schweren Schädigung des eigenen Berufes,
deren Tragweite vollständig unterschätzt wird.

H. B. Jung, Köln a/Rh.

Mit Bezug auf die neu geplanten Anlagen im Park von
Sanssouci entnehmen wir der „Voss. Ztg.", dafs dieselben in
der Hauptsache den Zweck haben, die grofsartige Torrassen-
anlage vor der Orangerie von deren Höhe herab nach Süden
bis zur Verbindung mit der Hauptallee nach dem Neuen
Palais fortzusetzen. Die Durchführung dieses Gedankens ist
um so erfreulicher, als mit verhältnismäfsig geringen Kosten
die prächtige Terrasse auf die doppelte Länge gebracht wird
und dabei — wie der Plan lehrt — zugleich eine alte historische
Stätte, die der berühmten Marmorkolonnade Friedrichs des
Grofsen, wieder zu Ehren kommt. Eine Hauptschwierigkeit,
die sich dem "Vorhaben entgegenstellte, war die Durchführung
der Achse der Orangerie über den an Sanssouci vorbeigehenden
Weg, an dem ein bekanntes Erfrischungslokal gelegen ist.
Indessen sind die mit der Prüfung der Frage betrauten Be-
hörden nach längerer Verhandlung zu dem Ergebnis gekommen,
dafs der von dem Baumeister Felix Wolff in Berlin gemachte
Vorschlag bei einer geringen Verschiebung und Tieferlegung
des alten Weges wohl zu erreichen sei. Die Fortführung
geschieht unter geschickter Aufnahme der durch die früheren
Architekten und Gärtner gebotenen Motive und unter Ein-
fügung von Springbrunnen, Statuen und Vasen ganz im Sinne
der bereits bestehenden hochpoetischen Anlage. Das in Berlin
ausgeführte gewaltige Modell ist früher bereits dem Kaiser
vorgelegt worden und hat in allen wesentlichen Teilen
inzwischen wohl die nötige Zustimmung gefunden. Durch
diese neue Orangerieterrasse worden die Anlagen von Sanssouci
mit denen des Neuen Palais in sehr viel bessere und bedeut-
samere Beziehung gebracht als jetzt, durchaus den grofsen
Plänen der Vorgänger des jetzigen Herrschers entsprechend.
Die alte Strafse wird dann nicht mehr hemmend zwischen den
schönsten Teilen des weltberühmten Parkes liegen, vielmehr
durch ein vornehmes Gewölbe mit monumentalen Fassaden
überbrückt werden. Die neuen Gartenlagen gewinnen alsdann
einen würdigen Ruhepunkt an dem ehemaligen Kolonnaden-
platz, den vor 150 Jahren Knobelsdorff im edelsten Stile ge-
schaffen hat. Dort standen ringsum die gewaltigen Monolithe
aus schlesischem Marmor, verbunden durch breite, von ver-
goldeten Vasen und Kindergruppen bekrönte Bogen. Die
Säulen mufsten später dazu dienen, beim Bau des Marmor-
palais auszuhelfen, wohin sie auf Walzen geschafft, dabei
aber um ein beträchtliches Stück gekürzt wurden. Man wird
heute diese Kolonnade, die Hunderttausende gekostet hat,
nicht wieder aufleben lassen können, vielleicht aber könnte
hier einer Büste Knobeldorffs, zur Erinnerung an seine Tätig-
keit für Friedrich II. zur Aufstellung kommen. Das Modell
der neugeplanten Anlage ist fünf Meter lang und hat die Höhe
eines Zimmers in einem vornehmen Hause, also weit über
vier Meter.

Zu der Ausstellung der Pläne für den Südwest-
Friedhof in Düsseldorf schreibt der dortige „General-Anzeiger"
folgendes: Bei dem allgemeinen Interesse, welches die Anlage
eines solchen öffentlichen Friedhofes beansprucht, ist es recht
sehr zu bedauern, dafs nicht sämtliche eingelaufenen Arbeiten
(60) ausgestellt werden. Die Auffassung der Herren Preis-
richter wird zwar dem Publikum in den prämiierten Plänen
zur Kenntnis gebracht, es giebt zweifellos aber auch andere
Auffassungen, welche ebensowohl ihre Berechtigung haben
und ihren Endzweck, nicht nur einen praktischen, sondern
auch einen wirklich schönen Friedhof zu schaffen, ebenso gut,
wenn auch in anderer Weise erreichen. Diese verschiedenen
Ideen auch der Bürgerschaft zur Veranschaulichung zu bringen,
ist wohl eine berechtigte und leicht zu erfüllende Forderung.
Die Anlage des Hauptfriedhofes (Tannenwäldchen) läfst ja
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