Die Gartenkunst — 1.1899

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DIE GARTENKUNST I, 4

recht vorteilhaftes Feld zur Dekoration. Am Gebäude ent-
lang führt wieder ein 45 cm breiter Pliosenweg, in der
Anlage selbst ein solcher von 50 cm Breite; letzteren um-
rahmt eine 50 cm breite Epheukante, welche sich nach
der Terrasse zu bis auf 10 cm verschmälert. Den Hinter-
grund bilden nur Blattpflanzen, welche durch das Profil
r. s. wohl zur Genüge gekonnzeichnet sind, den Abschlufs
nach vorn bilden ebenfalls Blattpflanzen, als Rhapis
flabelliformis, Areca Baueri und sapida, Phoenix canarionsis,
Dracaena indivisa, Phormium, Bambusa sowie kleinere
Trupps blühender Pflanzen in je einer Farbe, zur Erreichung
einer gewissen Ruhe, welche selbstverständlich durch zu
viele Farben nicht erzielt werden kann. Die Bepflanzung
des Teppichbeetes in dem oberen, der Fontäne sich ati-
schliofsenden Teil besteht aus Alternanthora amabilis, cin-
gefafst von Santolina, die Palmetten in der Mitte werden
von Alternanthera versicolor, umrahmt von Mosembrian-
themum cordifolium, die beiden nächsten Flächen von
Alternanthera paronychioides aurea, der Rand von ganz nie-
drigen IresineWallisii(übrigens eine ganz herrliche Wirkung),
die äufsersten Teile der Palmetten von Alteranthera versi-
color grandis mit Kleinia repens als Einfassung gebildet.
Wenn ich nun die Beschreibung der Anlage C. hiermit be-
ende, so will ich doch noch hinzufügen, dafs 92 Fenster
Einblick in den Garten gewähren, jedes dieser Fenster
ist mit einem bepflanzbaren Behälter aus Majolika-Kacheln
versehen. Diese Behälter werden jährlich dreimal neu
bepflanzt, im Winter mit feineren Nadelhölzern, diesen
folgen von Mitte März bis Ende Mai Evonymus japonica,
die dritte Bepflanzung ist dann die sommerliche.

Wenn Herr Geheimrat Prof. Dr. Wittmack die Be-
schreibung der Hotelgärten in der „Gartenflora" schliefst:
„Wir aber freuen uns vor allem des Prinzips wegen, dafs
endlich dem Gartenbau in Gebäuden mit reicher Archi-
tektur auch ein würdiger Platz eingeräumt ist, und wir
danken den Erbauern, dafs sie so die harmonische Ver-
bindung der Baukunst mit der Gartenkunst ermöglicht
haben. Mögen immer beide Künste Hand in Hand gehen!"
— so danke ich ihm für diese trefflichen Ausführungen,
ganz besonders aber danke ich meinen Herren Auftrag-
gebern für die mir bereitgestellten Mittel, welche mir er-
lauben, die Anlagen jederzeit in bestem Zustande zu
erhalten, sowie für das mir stets bewiesene Vertrauen,
mit welchem es sich in unserer schönen Gartenkunst so
herrlich arbeitet.

Friedhofsanlagen.

Landschaftsgärtnerische Betrachtungen über Kirchhöfe
und Friedhofsanlagen in Bremen.*)
Von C. Ohrt, Bürgerpark-Direktor, Bremen.

Noch kein Jahrhundert ist vergangen seit jener Zeit,
wo die hiesigen städtischen Kirchhöfe für Boerdigungs-

*) Wir beginnen hiermit die Veröffentlichung einer Reihe
von Artikeln, betreffend die zeitgemässe Frage: „Welche

zwecke geschlossen und neue Friedhöfe auf Befehl des
damals auf der Höhe seiner Macht stehenden Kaisers
Napoleon I. aufserhalb der Stadtthore angelegt werden
mufsten.

Die alten bremischen Kirchhöfe waren in Anlehnung
an ihre architektonische Centrale, die Kirche, und in Rück-
sicht auf die allseitig dieselben begrenzenden Strafsen und
Bauwerke im geradlinigen, regelmäfsigen Stile gehalten.
Architekten und Bauführer waren es meistens, welche die
Anregung zur Einteilung jener alten Kirchhöfe gaben.
Sie gingen von dem richtigen Grundsätze aus, dafs die
beste Ausnutzung der in ihrer Ausdehnung beschränkten
Kirchhofsfläche nur durch Hinüberführung der geraden
Linien auf diese zu erreichen sei, was sich in Anbetracht
der Vorherrschaft der nächsten Umgebung durch die
Architektur auch stilistisch logisch von selbst ergab.

Bei Beginn der Anlage der beiden Friedhöfe aufserhalb
der Stadtthore, welche nach Eröffnung der im sogenannten
modernen Stil geschaffenen grofsen Friedhofsanlagen in
Walle und zum Rhiensberg um die Mitte der 70er Jahre
geschlossen wurden, glaubte man auch die alte Idee der
Regelmäfsigkeit in der Linienführung mit zum Thore hinaus-
tragen zu müssen, und da zu damaliger Zeit Gartenkünstler,
die in energischer Weise mit Wort und Schrift für eine
passendere neue landschaftliche Friedhofseinrichtung im
freien Gelände aufserhalb der Stadt eintraten, nicht vor-
handen waren, oder ihren Standpunkt dem damaligen Zeit-
geist nicht aufzuzwingen vermochten, so blieb „Papa"
Architekt zunächst noch am Ruder und alle neuen An-
ordnungen fielen d'emgemäfs wieder eckig und kantig aus,
hinauf, oder nach Architektenwort, hinab bis auf Baum
und Strauch, welche sich unter Anwendung von Messer
und Schere dem erhabenen Willen der Schablonenkünstler
fügen mufsten.

Anders gestaltete sich die Sache bei der Einrichtung
der beiden vorgenannten neueren Friedhöfe. Man wollte
sich vorwiegend von landschaftlichen Gesichtspunkten
leiten lassen und verfolgte damit den klar ausgesprochenen
Zweck, mehr wie dies bei. der alten einförmigen Methode
möglich war, den Beerdigungsstätten ihren verstimmenden,
schreckenerregonden Charakter zu nehmen; man wollte
durch die leichte Anmut und Gefälligkeit der Formen die
Leidtragenden trösten und ihre Trauer durch die ewige
Schönheit der wechselnden Naturformen mildern helfen.
Die starre Form der Regelmäfsigkeit der Feldereinteilung,
die den alten Stil des Gräberkultus kennzeichnete, sollte
fallen, man wollte nicht mehr reihenweise geradlinig hin-
gestreckt sein, man wollte ruhen je nach der Eigenart
seiner vorherigen Bestimmung an einer Stelle, die eine
geschmackvollere Ausstattung unter den wechselvoll sich
verändernden und sich wieder verjüngenden Vegetations-
bildern der lebendigen Schöpfung zuliefs.

An solchen geweihten, durch Naturschönheiten stim-
mungsvoll erhöhten Stätten, wollte man den materiell all-

Schritte sind zu unternehmen, um parkartige Friedhöfe zu
erstreben," und bitten unter Bezugnahme auf die Verhand-
lungen, Heft II Seite 36, um recht rege Beteiligung seitens
der geschätzten Leser dieser Zeitschrift. Der Vorstand.
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