Die Gartenkunst — 1.1899

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18 DIE GARTENKUNST I; 1

Meinungsaustausch.

Architekt und Kartenkünstler!

In No. 8 der im ersten Jahrgang erscheinenden, aber
sehr rührigen Zeitschrift „Berliner Architekturwelt"
werden von einem Herrn Bruno Möhring Betrachtungen
angestellt über das bereits bekannte Preisausschreiben zur
Erlangung von Entwürfen für den Platz Z. im Gemeinde-
bezirk Schöneberg, deren Sinn dahin aufzufassen ist, dafs
der Architekt allein berufen sei, die gestellte Aufgabe in
richtiger Weise zu lösen, ihm müsse sich der Gärtner
„mit seinen Sträuchern und Beeten" unterordnen. Herr
Möhring spricht namentlich die Befürchtung aus, es würden
Entwürfe einlaufen, in denen grofse Rasenflächen mit
unregelmäfsig verteilten Pflanzungen und Plastiken vorge-
sehen seien, weil in dem Programm besonders betont
worden sei, dafs der Hauptwert auf schöne— landschafts-
gärtnerische Ideen gelegt werde. Also deshalb grofse
Rasenflächen mit unregelmäfsig verteilten Pflanzungen etc.
Welch eine naive Auffassung von dem Wesen der Garten-
kunst alias Landschaftsgärtnerei! Nein, Herr Möhring, diese
Befürchtung ist durchaus grundlos. Kein akademisch ge-
bildeter Gartenkünstler, Landschaftsgärtner, Gartenarchitekt
oder wie er sich sonst nennen mag, wird sich so lächer-
lich machen, die hier gestellte Aufgabe auf dem doch nur
winzig zu nennenden Platze landschaftsgärtneriscb in
Ihrem Sinne zu lösen suchen, er wird dies vielmehr land-
schaftsgärtnerisch oder besser gartenkünstlerisch in seinem
Sinne thun. Er wird die Verkehrswege der Nachbarschaft
verständigerweise berücksichtigen, er wird kein Verkehrs-
hindernis schaffen, sondern die unter den gegebenen Ver-
hältnissen verbleibenden nur kleinen Flächen zu einem
einheitlichen Ganzen architektonisch zu ordnen verstehen,
und zwar besser als es ein Architekt imstande ist, weil
er eben der berufene Fachmann ist.

Im weiteren Verlauf seiner Betrachtungen kommt Herr
Möhring auch auf die öffentlichen Plätze der Stadt Berlin
zu sprechen und erkennt an, dafs der Lützow-Platz einiger-
mafsen den modernen Anforderungen entspräche, die An-
lagen aber auf dem Gensdarmonmarkt seien verfehlt und
diejenigen auf dem Königsplatz wie auf dem Wilhelms-
platz unschön. Bezüglich des Gensdarmenmarkts können
wir uns der Anschauung des Herrn Möhring nur anschliefsen,
sie sind thatsächlich ihrem ganzen Umfange nach voll-
ständig verfehlt. Aber auch das ist verfehlt, den Garten-
künstlern hieraus einen Vorwurf machen zu wollen, denn
der Entwurf stammt, soweit wir unterrichtet sind, von
keinem Geringeren, als von einem — Architekten her-
Was jedoch den Königs-Platz und den Wilhelms-Platz an-
betrifft, so ist die Umgestaltung derselben eine schon seit
Jahren auch in gartenkünstlerischen Kreisen gestellte
Forderung, nicht weil die genannten Plätze unzweckmäfsig
angelegt waren, sondern weil sie es durch die sie um-
gebenden veränderten Verhältnisse geworden sind. A.

Vereinsberichte.

Verein deutscher Gartenkünstler.

Niederschrift der Sitzung vom 12. Dezember.

Nach Genehmigung der Niederschrift vom 14. November
wird eine Reihe von Anmeldungen von neuen Mitgliedern für
das Jahr 1899 erledigt und darauf bekannt gegeben, dass in
Zukunft eine Stunde vor Beginn der Sitzung sämtliche vom
Verein mitgehaltenen Fachjournale im Versammlungslokale zur
Einsicht für die Mitglieder ausliegen werden. Alsdann nimmt
der Schriftführer an der Hand der im Saale ausliegenden
Unterlagen Bezug auf den Wettbewerb, betreffend den Süd-
west-Friedhof zu Düsseldorf und macht darauf aufmerksam,
dass auch hier wieder gegen die vom Verein aufgestellten
Grundsätze gefehlt worden sei, indem im Preisgericht die
Fachmänner in der Minderheit seien. Ferner sei zu bemängeln,
dass die Unterlagen selbst in verschiedenen Massstäben ange-
fertigt seien, so dass jeder Mitarbeitende sich erst der Mühe
unterziehen müsse, den im Massstab 1 : 2600 gegebenen Nivelle-
mentsplan für die verlangte Zeichnung nach dem Massstab
1 : 1 000 umzuarbeiten.

Diese Arbeit hätte wohl den am Wettbewerb Teil-
nehmenden erspart werden können. Welche Höhenlage übri-
gens die Hauptzufahrtstrasse erhalten-Solle, sei aus den vor-
liegenden Plänen auch nicht ersichtlich, und doch wäre gerade
eine diesbezügliche Angabe unentbehrlich gewesen.

Vorgelegt werden und zur Kenntniss der Mitglieder ge-
bracht verschiedene eingegangene Drucksachen wie die Neu-
heitenliste von Sattler & Bethge zu Quedlinburg, Kataloge
von Scharmer, Baumschulen in Horst in Holstein, Henkel,
Grossh. Hoflieferant in Darmstadt, Goos & Koenemann, Stauden-
gärtnerei in Nieder-Walluf a. Rh., sowie die Preisliste von
E. Strauss, Köln-Ehrenfeld über verbesserte Gartengeräte.

In Sachen des neuen botanischen Gartens zu Dahlem
nimmt der Vorsitzende Bezug auf die im Verein zur Beförde-
rung des Gartenbaus, im Anschluss an einen von Herrn Land-
schaftsgärtner Brodersen über englische Gärten gehaltenen
Vortrag, über die bereits in Angriff genommenen Erdarbeiten,
namentlich aber darüber angestellten Betrachtungen, dass dem
Hauptfahrwege eine Führung gegeben sei, die den natürlichen
Höhenverhältnissen des von ihm durchschnittenen Terrains
gar keine Rechnung trüge und ein herrliches Thälchen damm-
artig durchquere, das wohl hätte erhalten bleiben können.
Während des Verlaufs der sich an diese Betrachtungen an-
knüpfenden Besprechungen sei nun bekannt geworden, dass
er der Verfasser des Entwurfs sei. Dies sei ja allerdings der
Fall, nicht aber, dass auch nach dem Entwürfe gearbeitet
worden sei, welcher Ansicht sich vielleicht viele, trotz der
von dem Herrn Garten-Inspektor Perring abgegebenen Er
klärung, dass der Fahrweg gerade innerhalb des Thaies um
ca. 80 m verschoben worden sei, zuneigen könnten. Er halte
es deshalb für seine Pflicht, an dieser Stelle ausdrücklich
darauf hinzuweisen, dass bisher nicht nach seinem Entwurf
gearbeitet worden, dass aber begründete Aussicht vorhanden
sei, nachdem er wieder zu Rate gezogen sei, das Thal er-
halten zu sehen, damit auch die von dem Herrn G eheimrat
Engler in ihren Einzelheiten und Grössenverhältnissen genau
festgelegte und bis an den Fahrweg heranreichende pflanzen-
geographische Abteilung keine Einbusse erleide.

Nunmehr erhält der Garteninspektor Herr Weidlich das
Wort zu einem Vortrage über Wintergärten und deren Aus-
schmückung unter Berücksichtigung des zu verwendenden
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