Die Gartenkunst — 1.1899

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140 DIE GARTENKUNST I, 8

Pariser Parkanlagen.
Georg Hannig, Gartentechniker der Stadt Metz.

Es ist interessant, die Parkanlagen der grofsen Seine-
stadt zn durchwandern und dabei Vergleiche zu ziehen
mit deutschen Gewohnheiten. Um aber zu einem richtigen
Urteil zu gelangen, ist es notwendig, ein wenig sich in
das Pariser Leben, das von dem unsrigen bedeutend ab-
weicht, hineinzudenken. In Paris ist es nicht möglich,
zumeist wegen des ungeheuren Verkehrs, die Plätze der
verkehrsreichsten Stadtteile mit Gartenanlagen zu schmücken,
wie dies selbst Berlin noch zu thun in der Lage ist. Man
begnügt sich hier in den meisten Fällen mit der Aufstellung
eines Kühlung spendenden Springbrunnens, der im Gegen-
satz zu der bei uns üblichen Einrichtung auch nachts und
während des ganzen Winters in Thätigkeit bleibt. Die
Zahl der öffentlichen Schmuckplätze steht daher im Ver-
gleich zu unserer Reichshauptstadt weit zurück.

Ein grofser Wert wird dagegen auf Baumpflanzung
in den Strafsen gelegt; allerdings eignet sich Paris aufser-
ordentlich gut dazu mit seinen vielen breiten und zweck-
mäfsig angelegten Boulevards und Avenüen, welche die
Stadt nach allen Richtungen durchschneiden. Die hier
gepflanzten Bäume sind aufserordentlich gut gepflegt und
bilden den Hauptschmuck der Boulevards, obwohl das
Pflaster oft nicht das beste ist, d. h. durch Wagenverkohr
starke Erschütterungen verursacht. Vorzugsweise sind es
Rüstern, die zur Anwendung gelangt sind, deren Anspruchs-
losigkeit ja auch bei uns hinreichend bekannt ist.

Es giebt also, wie schon oben erwähnt, nur Verhält-
nismäfsig wenig von Verkehrsstrafsen umgebene Schmuck-
plätze, dafür aber um so mehr in die Häuserkarrees einge-
sprengte kleine Parks, die zum grofsen Teile Schöpfungen
Napoleons III. sind und oft von grofsem Geschmack Zeug-
nis ablegen, dabei den Bedürfnissen der Bevölkerung mehr
Rechnung tragen, als dies bei uns der Fall ist. Einer der
bedeutendsten ist der Jardin du Luxembourg. Mitten
in der Stadt gelegen und von bedeutender Ausdehnung,
ist er eine der wertvollsten Erholungsstätten der Stadt.
Ursache seiner Entstehung war wohl das alte, prächtige
Luxemburg-Palais, das heute Senatsgebäude ist und mit
seinen altfranzösischen Formen den gröfsten Teil des
Parkes beherrscht. Vor der Rückseite dieses Palais —
mit der andern Front grenzt es an eine belebte Strafse —
dehnt sich ein ungeheures Parterre aus, bei dessen An-
blick man unwillkürlich an den Wallotschen Entwurf zur
Umgestaltung des Königsplatzes erinnert wird. Kein Baum,
kein Strauch unterbricht hier die endlosen Kies- und
Rasenflächen, nur für Wasserkunst, Steinbalustraden und
Standbilder ist in dieser sonnendurchglühten Fläche ge-
sorgt. Im weiteren Umkreise jedoch finden wir sehr
schöne, schattige Alleen, die mit zahlreichen Bänken und
Stühlen zur unentgeltlichen Benutzung versehen sind. Es
ist hier wie überhaupt in allen Parks in- oder aufserhalb
der Stadt für eine Gelegenheit zum Ausruhen besser ge-
sorgt als bei uns, wo die wenigen vorhandenen Bänke in
der Regel von früh bis spät von Kindermädchen und
Schnapsbrüdern mit Beschlag belegt werden.

An einzelnen Punkten, so östlich vom Palais, finden
wir auch malerisch angelegte Teich- und Kaskadenanlagen,
die von Wasservögeln aller Art belebt sind, und den
starren Eindruck des Parterres wieder aufheben. Abge-
storbene Baumstämme, die vielfach Verwendung gefunden
haben, und rankender Epheu geben dieser ganzen Partie
ein wirklich anmutiges, fesselndes Bild.

Kaum minder grofs ist der Jardin des Tuileries,
der, im vornehmsten Teile der Stadt gelegen, sich von
dem alten Königspalast des Louvre bis zum Place de
la Concorde in rechteckiger Form erstreckt. Sämtliche
Wege sind sehr breit und schneiden sich im rechten
Winkel. Gehölzgruppen in unserem Sinne giebt es hier
nicht, doch finden wir prächtigen, alten Baumbestand, so
dafs hier im Sommer stets angenehme Kühle herrschen
mag. Zwei Springbrunnen von ungeheurer Gröfse unter-
brechen diesen historischen Park, der zum Teil auf den
Ruinen des 1870 völlig zerstörten Tuilerienschlosses ent-
standen ist.

Nach dem Überschreiten des Place de la Concorde,
der für jeden Deutschen interessant ist durch die umflorte
Statue von Strafsburg, gelangen wir in die vornehmste
Strafse von Paris, in die Avenue des Champs-Elysees.
Zu beiden Seiten dieses grofsartigen Strafsenzuges befinden
sich gärtnerische Anlagen, die zu allen Jahreszeiten die
Aufmerksamkeit auf sich lenken. Das milde Klima er-
möglicht es, viel immergrüne Sträucher anzuwenden, die
in Deutschland höchstens am Rhein noch gedeihen würden.
In geschickter Weise sind die Gehölzgruppen damit durch-
setzt, so dafs auch im Winter das Bild ein recht lebendiges
ist. Reich ausgestattete Konzertpavillons und Cafes wechseln
in bunter Reihe mit öffentlichen Monumentalbauten — auch
die Präsidentenwohnung liegt an dieser Strafse. Evonymus,
Rhododendron, Wellingtonien sieht man hier in stattlicher
Gröfse ohne jeden Winterschutz, auch Ligustrum ovali-
folium, Ruscus, Bambus und Prunus Laurocerasus, die bei
uns ebenfalls ziemlicb winterhart sind, leider jedoch fast
nie angewendet werden, findet man in grofser Zahl. Sehr
beliebt ist auch die Anwendung zahlreicher Staudenarten
auf den Blumenbeeten für den Frühjahrsflor. Das ganze
Arrangement zu beiden Seiten der Avenue ist so geschmack-
voll, dafs es auch zur Winterszeit den Besucher fesselt
und beim deutschen Fachmann offene Bewunderung her-
vorruft. Die Strafse hat mäfsige Steigung bis zum grofsen
Triumphbogen, und von hier hat man einen prächtigen
Überblick über die gesamte grofsartige Avenue, in der
Baumeister und Gartenkünster in seltener Harmonie das
Beste geleistet zu haben scheinen.

Von hier ist es nicht weit zum Jardin d'A colimation,
der eine äufserst gelungene Vereinigung eines zoologischen
und botanischen Gartens ist, und den jeder Reisende un-
bedingt aufsuchen sollte. Allerdings ist hier weniger Wert
auf Vollständigkeit der Sammlungen als auf geschmack-
volle Anordnungen gelegt, aber dieses Ziel ist vollkommen
erreicht. Die Gewächshäuser sind von vorzüglicher Kon-
struktion und auch der Pflanzenbestand ist der denkbar
beste. Besonders schön war eine Gruppe im Freien aus-
gepflanzter Camellien, die auch während des ganzen Winters
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