Die Gartenkunst — 1.1899

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I, 11 DIE GARTENKUNST 189

Preisbewerbungen

auf dem Gebiete der Gartenkunst der Gartenbau-Ausstellung für Westfalen und die Fürstentümer Lippe

vom 14. bis 24. September 1899.

Protokoll des Preisgerichts betreffend die Umgestaltung
des Westerliolzes zu Dortmund in einen Volkspark.*)

Die unterzeichneten Preisrichter traten am 13. Sep-
tember zusammen und begannen die Beurteilung der ein-
gegangenen Entwürfe mit einer gemeinsamen Besichtigung
des Geländes „Westerholz", sowohl bezüglich seiner Ober-
flächenbeschaffenheit, als auch bezüglich der vorhandenen
Baumbestände. Die Herren gelangten übereinstimmend zu
der Überzeugung, dafs sämtliche eingereichten Entwürfe
den Anforderungen der Aufgabe in praktischer und zweck-
entsprechender Weise nicht gerecht geworden sind. Hierzu
mögen die ungenügend präcisierte Fassung der Aus-
schreibung und die nicht ausreichenden Unterlagen wesent-
lich beigetragen haben.

Die Preisrichter haben daher einstimmig beschlossen,
den 1. Preis keinem Entwurf zuzuerkennen, hingegen den
nachfolgenden Entwürfen in Anerkennung der geleisteten
Arbeit folgende Preise zuzuerkennen:

1. Der Arbeit mit dem Motto: „Dortmund zum Wohle",
Verfasser Ernst Pinken, Köln, den 2. Preis von 750 Mk.

2. der Arbeit mit dem Motto: „Quercus", Verfasser
Eduard May, Frankfurt a. M., den 3. Preis von 500 Mk.

Ferner wird in Vorschlag gebracht:

3. der Arbeit mit dem Motto: „Erholung", Verfasser
J. Möhl & G. Schnitzlein, München, 400 Mk.,

4. der Arbeit mit dem Motto: „Waldwieso", Verfasser
Rud. Scholl, Homburg, 300 Mk. und

5. der Arbeit mit dem Motto: „Union", Verfasser Ferd.
Hurtzig, Köln, 300 Mk. zuzuerkennen.

gez. Schröder, H. R. Jung, Fr. Kreifs, R, Jürgens.

Über das Preisgericht der übrigen Pläne ist keinProtokoll
geführt, es haben nur die einzelnen Preise Erwähnung ge-
funden. Unterzeichnet haben hierbei nur die drei erstge-
nannten Herren.

Der Bericht über die gesamte Planausstellung folgt
weiter hinten.

Erläuteruiigsbericht zu dem mit dein II. Preis von 750 Mk.
ausgezeichneten Entwurf zur Umgestaltung des Wester -
holzes in eine Parkanlage.

Verfasser: Ernst Finken, Köln.

Motto: „Dortmund zum Wohle!"

Zweck der Umgestaltung.

Die Umgestaltung des Waldes „Westerholz" in einen
Volkspark soll derartig zum Ausbau gelangen, dafs auf

*) Die Bedingungen des Wettbewerbes sind Seite 135 d. Zeitschr.
bekannt gegeben worden. D. Red.

Die Gartenkunst.

diesem Gelände alles vorhanden ist, was in Vereinigung
mit landschaftlicher Schönheit die Annehmlichkeiten des
Aufenthalts zu erhöhen und zugleich alle Ansprüche,
die unsere heutige Zeit an derartige, dem Volkswohle
dienende öffentliche Anlagen stellt, zu befriedigen vermag.
Zufahrtswege.

In erster Linie kommt hierbei auch die Verkehrsfrage
in Betracht; vor allem müssen genügende Zufahrtsstrafsen,
auf denen sich jeglicher Verkehr glatt und ungehindert für
absehbare Zeit abwickeln kann, vorhanden sein. Solche
Strafsen sind hier östlich durch die Münster-Strafse (am
Fredenbaum) und südlich durch die verlängerte Unland-,
Schützen- und Gneisenau-Strafse gegeben. Bei dem grofsen
Strafsenrundplatz, dessen Mitte ein Lichtkandelaber ziert,
laufen vier mit Mittelbaumreihen bepflanzte Strafsen in
strahlenförmiger Anordnung zusammen, um von hier aus
Anschlufs an den das Parkgelände durchziehenden Fahr-
weg zu gewinnen, sowie zugleich den direkten Verkehr
nach Fredenbaum herzustellen. Eine weitere Verbindung
mit dem Fahrweg bringt die Verlängerung der projektierten
Gneisenau-Strafse, sowie die nord-östliche Ecke des Ge-
ländes an der Münster- und Seilerstrafse.

Restaurationslokale.

Mit beiden Restaurationslokalen, Fredenbaum und
Schützenhof, steht die Gesamtanlago in zweckentsprechen-
der Verbindung. Die hinten an den Fredenbaum sich an-
schliefsenden derzeitig bestehenden Anlagen sind unter
weitgehendster Schonung erhalten geblieben. An der nord-
westlichen Bucht des grofsen Weihers ist die Parkwärter-
wohnung projektiert, die, mit einer Meierei verbunden,
gleichzeitig als Kaffeehaus dienen kann, woselbst Flaschen-
bier, Milch, Kaffee u. s. w. zum Ausschank gelangen.
Sowohl über den Weiher, als wie westlich nach einem
Aussichtsturm bieten sich hübsche Fernblicke.

Weiher.

Der ca. 14 Morgen umfassende, durch reines Wasser-
leitungswasser zu speisende Weiher ist zum Kahnfabren
eingerichtet. Seine Lage ist derartig, dafs sich auf den-
selben mehrfach, teils vom Fahrweg, teils von den Fufs-
wegen, weite Ausblicke eröffnen. In dem Gewässer, das
dem Ruder- und Eissport dient und von Wasservögeln
belebt ist, liegen zwei Inseln, von welchen die eine in
wilder, mit Felsgrotten untermischter Bepflanzung durch
Brücken zugänglich ist. Die Sohle des Weihers liegt auf
69,65, der Wasserspiegel auf 7C,55. Der Wasserabflufs ist
auf dem kürzesten Wege nach dem an der Südseite ge-
legenen Aalbach geleitet. Der Weiher ist so angeordnet,
dafs er ziemlich die Mitte des Geländes einnimmt und zu-
gleich die tiefste Terrainfläche berührt. Er dient somit in

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