Die Gartenkunst — 1.1899

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DIE GARTENKUNST

diesen keck aufstrebenden Gehölzkonturen, in den feinen
Linien der Marmorfiguren mit den kontrastierenden Motiven,
und nicht zuletzt in der üppig rauschenden Fülle des
Wassers glaubt man ein Stück Villa d'Este auf deutsche
Erde gezaubert zu sehen.

Im Gegensatz hierzu ist der Hofgarten, bedeutsam wegen
seiner Lage vor dem Residenzschlofs, streng regelmäfsig
angelegt. Mit breiten Kastanienalleen umzogen, ist er der
eigentliche Promenadenplatz Münchens, als welchen ihn
die täglich veranstalteten Konzerte besonders geeignet er-
scheinen lassen. Für letztere ist ein inmitten angeordneter
graziöser Musiktempel bestimmt, während, entsprechend
der quadratischen Form des Platzes, 4 nach den Ecken zu
verteilte Blumenstücke mit stattlichen Fontänen das eigent-
lich belebende Element dieser vornehmen Promenade bilden.
Auch die vielen neueren Plätze, welche im weiten Stadt-
bild verteilt sind, zeigen alle das gleiche Streben, mit ein-
fachen Mitteln gute Wirkung zu erzielen. Wo es angezeigt
erscheint, reicheren Blumenschmuck zu entfalten, wie z. B.
am Obelisken auf dem Karolinenplatz, hat man mit feinem
Empfinden vorzugsweise durch einfarbige Blumen dem De-
korationsbedürfnis Rechnung getragen. Interessant war es
mir, zu sehen, wie man an einer Stelle seitens der Stadt-
gartenverwaltung dem originellen Empfinden des Architekten
gerecht wurde. Vor dem neuen Nationalmuseum, einem
reizvoll malerischen Monumentalbau des genialen Gabriel
Seidl, ist am Mittelportal ein kleiner nischenartiger Platz,
umgrenzt von den Zufahrtsrampen. Hier sollte nun, der
Laune des Architekten entsprechend, kein Rasen angelegt
worden, vielmehr eine Pflanze, die für breitere Ornamente
als Füllung zwischen Mosaiksteinen wirken könnte. Mit
gutem Erfolge hat man zu diesem Zweck Sedum spurium
in Anwendung gebracht.

Überhaupt berührt es in München aufserordentlich
sympathisch, überall wahrzunehmen, wie der Architekt, frei
von Überhebung, in Gemeinschaft mit dem Gartenkünstler
arbeitet und diesem im Rahmen seiner Kunst völlig freie
Hand läfst. Derartige Übergriffe, wie sie in anderen
Metropolen so zweifelhafte Erfolge zu Wege brachten, dafs
der Stadtbaurat die Gartenpläne entwarf und der Gärtner
das „Gesträuch" darnach anpflanzen konnte, sind hier glück-
licherweise unbekannt.

Ein auffallender Mangel, der im Sommer allerdings
nur dem Auge des Fachmannes in Erscheinung tritt, liegt
darin, dafs man auf keinem städtischen Platze immergrüne
Coniferen erblickt. Anfangs glaubt man, dies einer sonder-
baren Laune aufs Konto setzen zu müssen, bis man eines
besseren belehrt, einsieht, dafs hier ein höherer städti-
scher Faktor, in diesem Falle die schlechte Münchener
Kohlenfeuerung mitspricht, gegen den die besten Absichten
machtlos bleiben.

Unter den gröfsten Parkanlagen fesseln die Gasteig-
anlagen, die sich malerisch auf den hügeligen Ufern der
blaugrünen, flott strömenden Isar ausbreiten. Imposant
wirken hier die auf hohen Plateaus in das Baumgrün hinein-
gestellten Monumentalbauten des Maximilianeums und des
in hellenischen Formen erbauten neuen Friedensdenkmals.
Im Gegensatz zu diesen, von Effner geschaffenen, durch

ihre natürliche Hügelformation interessant wirkenden Gasteig-
anlagen finden wir im englischen Garten, dem grofsen vor-
nehmen Erholungspark der Münchener, den echten Sckell-
schon Stil. Weit ausgedehnte Rasenbahnen, mit breit ge-
schwungenen Gehölzlinien umrandet, ohne perspektivisch
sich verengernde Konturen, voll ausgorundete Wasserflächen,
denen ohne irgend welche Betonung der Uferränder streng
der Charakter der Flachlandschaft belassen ist. Im Gegen-
satz hierzu wirkt der mit dem Monopteros geschmückte
Hügel etwas gewaltsam, als wollte man absichtlich ihm den
Stempel des künstlich Geschaffenen erhalten, während
wiederum in den Felsengruppierungen am Wasserfall ein
solcher Grad von natürlicher Anordnung orreicht ist, dafs
hier schlechterdings Kunst und Natur sind eines nur.

Hat man in diesen Schöpfungen hervorragende Werke
der älteren Münchener Schule Sckell-Effner, die der Mün-
chener Gartenkunst ebenso den Charakter gegeben haben,
wie die Berliner im Zeichen Lenne-Meyer steht, so offen-
bart sich in den neuesten Münchener Anlagen das durch-
aus sympathische Streben, den eigenartig phantasievollen
Bauten der dortigen Architekten gartenkünstlerisch Eben-
bürtiges an die Seite zu stellen. Als Beispiel möchte ich
nur die Gartenpartien am neuen Ostfriedhof erwähnen, die
man in eigenartig stimmungsvoller Weise an die pompöse,
im Charakter eines römischen Campo Santo erbaute Toten-
halle anzugliedern verstanden hat.

Aber eine gewaltige Aufgabe steht dem bewährten
Leiter der Münchener Stadtgärten noch bevor, ich meine die
Umwandlung der Theresienwiese in einen modernen Park,
die heute leider noch so wenig weltstädtischen Zwecken
überliefert ist. Hier ist in der Ruhmoshalle mit der impo-
santen Bavaria ein hervorragender Stützpunkt für die
gärtnerischen Ideen gegeben. Vorläufig wird aber die
holde Schützerin der bajuvarischen Freiheit den Kranz wohl
noch lange Uber die Freuden der Münchener Volksfeste ge-
breitet halten.

Pflanzenernährung.

Düiigungsversuche bei (Joleus mit reinen Pflanzeiuiiüii'-
salzlösuiigen.

Von Dr. R. Otto in Proskau.

Wie in früheren Jahren, *) so habe ich auch im
Sommer 1898 Düngungsversuche bei Topfpflanzen mit
Lösungen von „reinen Pflanzennährsalzen" durchgeführt.
Als Versuchspflanzen dienten in diesem Jahre Topfpflanzen
von Coleus (Gartenvarietät mit roten gelbgeränderten
Blättern), welche vor Beginn des Versuchs alle ganz
gloichmäfsig geschnitten und auch sonst mit Ausnahme

*) Vergl. E. Otto, Düngungsvorsuche bei Topfpflanzen durch Bc-
giofsen mit Nilhrsalzlösuug; Gartenflora 1898 S. 210 ff. — Ausführlicheros
über die Anwendung der „reinen Pflanzennilhrsalze" findet sich in der
Schrift: B. Otto, Die Düngung der Gartengewächse mittelst künstlicher
Düngemittel. Proskau, A. Kaiesso, 1897. Pr. 1,50 Mk,
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