Die Gartenkunst — 1.1899

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DIE GARTENKUNST

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Verschiedenes.

Untersuchungen über Sickerwassermengen. Unter
diesem Titel bringt Herr H. Badoux, gegenwärtig Kreisförster in
Montreux, in den „Mitteilungen der schweizerischen Centrai-
anstalt für forstliches Versuchswesen" eine höchst interessante
Studie, an -welcher einige bis jetzt völlig unbekannte Eigen-
schaften unserer Kulturböden an der Hand von 3 erläuternden
Tabellen bewiesen werden. Da der Gegenstand auch für
unsere Kreise von Wichtigkeit ist, so mag es gestattet sein,
unter Weglassung der Beweisführung, die Resultate der
Forschung des Herrn Badoux hier kurz mitzuteilen.

Bis jetzt wurde allgemein angenommen, dal's Humus und
Sand das Wasser schneller durchsickern lassen als Kalk und
Thon. Der Verfasser beweist an der Hand von Messungen,
welche im Adlisberg bei Zürich und im Haidenhaus gemacht
wurden, dafs das Gegenteil der Fall ist.

„Das Maximum der Sickerwassermenge nach einem Regen-
fall tritt bei Thon und Kalk 1—2 Tage früher ein als bei Sand
und Humus."

Die Erklärung dieses Phänomens liegt in der Fähigkeit
des Bodens, das Wasser zurückzuhalten. Sand und Humus
besitzen dieses Vermögen in nur sehr geringem Maalse, so
dafs die gröfste Wasserkapazität, d. h. jener Zustand des
Bodens, welcher eine weitere Wasseraufnahme nicht mehr
zuläfst, sehr bald, nachdem sie erreicht worden ist, wieder
verlassen wird. Kalk und Thon halten das Wasser viel länger
zurück. Die gröfste Wasserkapazität wird also längere Zeit
beibehalten, so dafs neu hinzutretende Wassermengen nicht
mehr aufgenommen werden können und sofort wieder in die
Tiefe abfliefsen. Herr Badoux hat für diese Annahme den
Beweis erbracht. Er mafs die durchsickernde Wassermenge
zu einer Zeit, als alle 4 Bodenarten die gröfste Wasserkapazität
erreicht hatten und fand, dafs dann das abfliefsende Sicker-
wasser-Quantum bei allen Bodenarten ungefähr das gleiche
war.

Es sei gestattet, bei diesen Ausführungen noch einer persön-
lichen Vermutung Ausdruck zu verleihen. Früher wurden bei
Entwässerung sumpfiger Ländereien die Röhrenleitungen zuerst
mit einer Schicht Sand bedeckt.*) Heute hat man diese
Methode verlassen und umgiebt die Röhren statt mit Sand mit
einer Schicht festgestampften Thones. So sagt J. Kopp in
seiner „Anleitung zur Drainage": „Für die erste, die
Röhren unmittelbar bedeckende Lage mufs in allen
Fällen ein fetter, feuchter Thon oder Lehm ver-
wendet werden und zwar selbst dann, wenn dieses
Material sich in den Gräben nicht vorfindet und erst
herbeigeschafft werden müfste." Es ist nach den
Badouxschen Untersuchungen wahrscheinlich, dafs dieser Thon
nicht, wie sich Kopp ausdrückt, bewirkt, dafs das Wasser „nur
tropfenweise" abfliefst, sondern das er dasselbe im Gegen-
teil viel rascher durchsickern läfst, als dies bei einer Sand-
abdeckung der Fall wäre.

A. Usteri, Landschaftsgärtner, Zürich V.

Unter dem Titel „Coniferen im Blumen-Garten" schreibt
Gardeners Chronicle:

Es giebt wohl wenige Pflanzen, die, wenn richtig ange-
ordnet, eine Anziehung und eine solche Zierde des Gartens
bilden, wie gut gezogene Coniferen. Die Wahl der einzelnen

*) viele auch: E. Andrei, l'art des jardins, Paris 1879, dessen diesbe-
zügliche Belehrungen man am hosten in der Art benutzt, dass man sie
als Andeutungen dessen betrachtet, was unter allen Umständen zu ver-
meiden ist.

Arten ist durch ihre Widerstandsfähigkeit, durch ihre zu-
künftige Ausdehnung, durch die Lage des Standortes, ob ge-
schützt oder frei, ob feuchter oder trockener Untergrund, so-
wie durch ihre Beschaffenheit selbst bedingt. Einzelne Arten
eignen sich nur für bestimmte Bodenarten, andere nehmen mit
jedem Sandboden fürlieb, während wieder andere nur im
moorigen Boden oder an Ufern beziehungsweise in deren Nähe
gedeihen, wie z. B. Sequoia rempervirens, Taxodium distichum,
Pinns Strohns und Juniperus virginiana. (Dieser wächst bei uns
aber auch in trockenem Sandboden.) Grundwasser im Erd-
reich lieben Coniferen nicht, da, wenn nicht alle, so doch die
meisten in ihrer Heimat an Abhängen vorkommen, wo ihr
stattlicher Wuchs besonders zur Wirkung gelangt.

Gegen heftige Winde sollten die besseren Coniferen immer
geschützt und zur Deckung gegen Windbruch Pinus austriaca
und P. Pinaster angepflanzt werden. Als schönste Coniferen,
die einem jeden Garten zur Zierde gereichen, vorausgesetzt
dass ihr Standort ein richtiger ist und den Wurzeln die Möglich-
keit, im Erdreich sich auszudehnen, gegeben ist, werden nach-
stehend aufgeführte empfohlen. Der Verfasser empfiehlt ausser-
dem eine gute Melioration des Bodens vor dem Pflanzen, ein
vorsichtiges Zurückschneiden der langen Wurzeln nnd ein ge-
schicktes Schneiden der Krone, sowie eine sorgfältige Pflan-
zung und Anpfählung derselben nach dem Einsetzen in das
Erdreich.

Von den Fichten und Rottannen sind genannt:

Picea pungens Engelm., P. excelsa Lk. mit ihren vielen
Spielarten, P. nigra Lk., P. oricntalis Lk., P. polita Carr. Es
folgen dann von den Weiss- oder Edeltannen: Abies magni-
fica Murr., A. concolor Lindl., A. concolor lasiocarpa Lindl.,
A. grandis Lindl , A- Webbiana Lindl, und A. Pinsapo Boiss.

Von den Hemlockstannen, die einen herrlichen Schmuck
in jedem Garten geben: Tsuga Mertensiana Carr., eine aus
Columbien stammende Art, T- canadensis Carr. mit ihren vielen
Varietäten, Pseudotsuga Douglasii Carr. und Tsuga Pattoniana
Engelm; ferner Araucaria imbricata Pav., Cedrus atlantica
Manetti, C. DeodaraJ-ioud. mit ihren Abarten,C. Libani Barr.,
Crgptomeria japonica Don., 0. j. elegans Veitch. und C- j.
nana; viele Cypressen und Wachholderarten, Larix Kaempferi
Fort, und Libocedrus decurrens Torr.

Das Genus Pinus bietet viel Arten von eleganter Form,
während einige sich durch die Schönheit ihres Stammes aus-
zeichnen wie Pinus Pinea L., P. Coulteri Don., P. insignis
Dougl., welche aber nur in wärmeren Lagen gedeihen, P.
Jeffregi Murr., P. Sabiniana Dougl., P. Cembra L., P. excelsa
Wall., P. Lambertiana Dougl. und P. Strobus L.

Nicht minder schön ist die Familie der Thuja, besonders
Tltujopsis borealis hört, mit seinen Abarten und Th. dolabrata
Sieb. etZucc, der ebenfalls in verschiedenen Spielarten vor-
kommt. Nicht zu vergessen ist dann noch Sequoia gigantea
Torr. Zum Schlüsse wird darauf aufmerksam gemacht, dass
es für das Anwachsen der neugepflanzten Coniferen sehr von
Vorteil ist, wenn in den ersten Jahren um die Pflanze herum
die Baumscheibe vom Rasen befreit wird.

Wenn wir hier in Deutschland und besonders in den nörd-
lichen Gegenden auf einzelne Arten des Klimas wegen ver-
zichten müssen, so giebt es immerhin noch genügend viele sich
durch leichte Form, schöne Färbung und stattlichen Wuchs aus-
zeichnende Coniferen, so dass die Verwendung derselben in
unseren Parks nicht genug empfohlen werden kann. Vielleicht
regen diese Zeilen dazu an, einen Meinungsaustausch über die
malerische Anordnung der Coniferen in Gruppen als Kern-
pflanzungen wie als Vortrupps herbeizuführen. Weifs.
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