Die Gartenkunst — 1.1899

Page: 34
DOI article: DOI article: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/gartenkunst1899/0044
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
34 DIE GARTENKUNST I, 2

Ausstellungen.

Pariser Weltausstellung im Jahre 1900.

Mit grossem Interesse sehen wir den in Angriff genom-
menen Garten-Anlagen entgegen, die auch ein Zeugnis geben
sollen von der Stufe, auf der die Gartenkunst in .Frankreich
angelangt ist. Wenn uns auch die veranschlagte Summe von
über 1000000 Franken für die Ausstellungs-Anlagen etwas hoch
klingt, so wird doch derjenige, welcher das Ausstellungsterrain
besucht hat, zu der Überzeugung gelangen, dass von den
grossartigen Erdbewegungen, welche bereits vorgenommen
sind, grosse Summen verschlungen werden, ebenso für Fon-
tänen und andere Kunstbauten, die zur Verschönerung der
Anlagen beitragen sollen. Die vor uns liegende Fläche ist
eine vollkommen horizontale, in einem Häusermeere einge-
bettet, an deren Nordseite die Seine den Abschluss bildet-
Wohl finden wir bereits schön entwickelte Bäume und
Sträucher, die nach Möglichkeit geschont werden und zur
Ausschmückung der Ausstellung wesentlich beitragen werden.

Der Gartenkünstler sah sich infolge des ganz ebenen Ter-
rains gezwungen, teils dem französischen Geschmacke zu
folgen, teils durch künstliche Bodenbewegungeii die Anlage
mannigfaltiger zu gestalten.

Zur gegenwärtigen Zeit sehen wir das Ausstellungsterrain
in einem noch ziemlich aufgewühlten Zustande. Ein grosser
Teil der Bodenbewegungen ist schon geschaffen; die Haupt-
wege gehen bereits ihrer Vollendung entgegen, während die
Seitenwege zum Teil erst ausgegraben werden. Einzelne Baum-
gruppen heben sich bereits heraus. Die Fontänen und Teich-
anlagen sind ebenfalls im Fortschreiten begriffen. In unmittel-
barer Nähe des Eifelturmes finden wir noch die im Jahre 1889
ausgeführten englischen Anlagen mit ihren natürlich ange-
legten Teichen, Grotten und Wasserfällen. Diese werden in
der Mitte durch den Eifelturm in zwei Teile zerlegt, so dass
jeder Teil für sich eine eigene Anlage bildet. Sie sind sehr
gut erhalten worden, auch gut gepflegt und üben einen ange-
nehmen Eindruck auf den Besucher aus. Die Natur hat jetzt
erst das damals noch unvollständige Kunstwerk vollendet.
Wir finden gut entwickelte Exemplare von Trauerweiden,
Pyramiden-Pappeln, Akazien, Linden, Ahorn, herrliche Pyra-
miden von 4—6 m Höhe von Magnolia grandiflora, verschiedene
Coniferen etc., während Clematis, Epheu, Jasminum nuclifiorum
die verschiedenen Felsenpartien förmlich überwachsen haben
und die landschaftliche kleine Scenerie vollenden. Diese Teile
wurden am meisten geschont, wenn auch noch manch herr-
liche Exemplare von Bäumen zum Opfer fallen, so dürfte doch
vieles erhalten bleiben.

Im Innern des Ausstellungsraumes erkennen wir die Formen
einer geometrischen Anlage, es sind daselbst bereits einige
Alleen gepflanzt, auch zwei Musikpavillons sind ersichtlich.
Da ein grosser Teil der Anlage für das Publikum abgeschlossen
ist, ist es mir nichtmüglich, überdie einzelnen Arbeiten eingehend
zu berichten, jedoch hoffe ich in nächster Zeit weitere Mit-
teilungen in unserer geschätzten Zeitschrift machen zu können.

Um einen Gesamtüberblick über die Anlage zu erhalten,
bestieg ich den Eifelturm, von wo aus die einzelnen charak-
teristischen Merkmale der entstehenden Anlagen besser zu Tage
treten. Da die Anlage grösstenteils von diesem erhöhten Punkt
gesehen und beobachtet werden wird, muss die Führung der
Wege nach den Gesetzen der Gartenkunst auch derartig gehalten
sein, dass sich dieselben iu schön gestreckten Kurven hinziehen
und die entstehenden Rasenflächen angenehme Formen bilden.

Um das Ausstellungsterrain führt eine Allee, welche die
ganze Anlage mit einem grünen Rahmen umschliefsen wird.
Zur Bepflanzung gelangten ausschliesslich ältere Bäume mit
grösseren Baumkronen, die teilweise aus den vorhandenen
Beständen entnommen wurden, denn es ist hier die besondere
Aufgabe des Gartenkünstlers, möglichst schnell zum Ziele zu
gelangen resp. das Kunstwirk in einem schon vollendeten Zu-
stande zur Anschauung zu bringen.

Charles Schneider, Paris.

Preiserteilungen.

Für eine neue Gartenhalle im Zoologischen Garten

war kürzlich ein Wettbewerb ausgeschrieben worden, wozu
zahlreiche Arbeiten eingegangen waren. Da manche von
diesen die geforderte Mitverwendung von Birkenstämmen oder
ähnlichem Naturholz nicht genügend berücksichtigten, andere
aber das verlangte Obergeschol's und damit die malerische
Dachbildung zu stark betont hatten, wurden schliefslich nur
dreizehn Projekte für die engere Wahl zugelassen. Es er-
hielten den ersten Preis von 500 Mk. die Architekten Zaar
und Vahl (Motto: „Birkeiihalle"), den zweiten Preis von 300 Mk.
Architekt Friedrich Schulze (Grunewald), den dritten Preis
(200 Mk.) Gartenarchitekt Voigt in Eisleben (Motto: „Stämmig").
Dem Preisgericht gehörten u. a. die Bauräte Böckmann und
v. Grolsheim an, ebenso die Gartendirektoren Mächtig und
Geitner. Betreffs der Zeichnungen von Zaar und Vahl wurde
bemerkt, dal's der Entwurf sich besonders gut der gärtnerischen
Umgebung anschliefse und dal's es sehr vorteilhaft sei, die
Halle an der vorhandeneil „Waldschänke" vorbei zu führen.
Dieser Entwurf wurde zugleich für die Ausführung empfohlen.

(Voss. Ztg.)

Vereinsberichte

Verein deutscher Kartenkünstler.

Niederschrift der Sitzung vom 9. Januar.

Der erste Vorsitzende, HerrStadtgarteninspektor Fintelmann
eröffnet die äufserst zahlreich besuchte Versammlung und
heilst die Erschienenen anläi'slich des Jahreswechsels herzlich
willkommen. Nach Genehmigung der Niederschrift vom
12. Dezember vorigen Jahres wird die satzungsgemäl'se Auf-
nahme und Anmeldung der neuen Mitglieder vollzogen und
im Anschlüsse hieran bekannt gegeben, dafs am 7. Januar d. J.
ein langjähriges Mitglied, der Grol'sherzogliche Obergärtner
August Klett zu Ludwigslust nach fünfmonatlicher schwerer
Krankheit verstorben sei. Das Andenken an den Heim-
gegangenen wird seitens der Anwesenden durch Erheben von
den Plätzen geehrt.

Zur Auslage waren neben der laufenden Fachpresse,
welche einer neueren Einrichtung gemäl's eine Stunde vor
Beginn der Sitzung zum Lesen für die Mitglieder
ausliegt, noch die Mitteilungen des Esthländischen Gartenbau-
Vereins, Kataloge von Sattler und Bethge über Sämereien und
Neuheiten und von Holzinger — St. Avold über Baumschutz-
vorrichtungen, ferner die Jahresberichte des „Verband ehemaliger
loading ...