Die Gartenkunst — 1.1899

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DIE GARTENKUNST

der Strafse 20 und der verl. Motzstrafse*) unterblieben, ein-
mal weil dann die Platzfläche allzusehr durch Wege zer-
schnitten würde, dann auch weil durch einen solchen Weg
sich hier nur eine um 5 m kürzere Verbindung hätte her-
stellen lassen, als der Weg um die Anlage herum darstellt.
Die Wege sind als Kieswege gedacht mit einem schmalen
Mosaikstreifen in der Mitte.

Die Platzmitte wird eingenommen durch ein kreisförmiges
Schmuckstück: Ein Wasserbecken, in welchem ein monu-
mentaler Springbrunnen Aufstellung finden kann, bildet
die Mitte. Es wird zunächst umgeben von einer Pflanzung
niedriger, schön blühender Staudengewächse, Gräser,
Schwertlilien u. dergl., aus welcher sechs gröfsere Bambus-
büsche hervorragen. Die anschliefsende Rasenfläche ist
mit Solitärpflanzen, darunter nicht zu hohe schöne Nadel-
hölzer, besetzt. Den Rand schmückt eine Blumenrabatte,
die nach innen und aufsen mit einem schmalen Streifen
Epheu eingefafst ist. Die Mittelfläche liegt gegen den
Rand um etwa einen halben Meter vertieft. Der Übergang
wird durch eine kleine Böschung gebildet.

In der Richtung der verl. Motzstrafse und Strafse 20
schliefsen sich diesem Mittelstück zwei seitliche Schmuck-
flächen an, die ähnlich behandelt sind (Rabatten mit Blumen,
Epheustreifen, vertiefte Mittelfläche etc.). Die fächerförmigen
Blumenstücke, welche sich dem Wege um das Mittelstück
anschliefsen, werden seitlich durch Gruppen aus schön
blühendem, niedrigem Gehölz flankiert. An den mit Halb-
kreisen abschliefsenden Enden der Schmuckflächen liegen
kreisrunde Blumenarrangements, die je einen Kunstgegen-
stand, etwa eine Vase oder ähnliches, zum Mittelpunkt
haben sollen.

Für Bildwerke (einerlei ob allegorische Darstellungen
oder Denkmäler) sind an dem das Mittelstück umgebenden
Kreiswege Standorte vorgesehen, die noch hinten eine als
Hintergrund dienende Pflanzung erhalten. Die übrig
bleibenden Flächen sind als Rasenbahnen mit Strauch-
gruppen in zwangloser Gruppierung behandelt. Bei der
Verteilung der Sträucher (Laubhölzer und immergrünen
Sträucher) soll berücksichtigt werden, dafs die höher
wachsenden Arten nach dem Platzrande hin verteilt werden,
damit sie den Übergang von den hochragenden Baum-
kronen zu den nach der Platzmitte hin anzuordnenden
niedrigen Gesträuchen bilden.

Mehrere Sitzbänke sind aufser den schon eingangs er-
wähnten an den den Platz durchkreuzenden Wegen vor-
gesehen. Auch haben zwei Bedürfnishäuschen in den
Strauchgruppen, welche die beiden der Strafse 19 und der
verl. Neuen Winterfeldtstrafse gegenüberliegenden Spitzen
der Rasenflächen besetzt halten, Platz gefunden.

*) In Betreff der Stral'senbozoiclmungen "bitton wir, den Entwurf
Seite 42 des vorigen Heftes dieser Zeitschrift gefälligst vergleichen zu
wollen. D. Red.

Ausgeführte Gartenanlagen.

Die Gartenanlagen der Innenhöfe des Hotel Bristol
nnd des Savoy-Hotel in Berlin.*)

Von W. Wendt, Landschaftsgärtner, Berlin.

(Hierzu 3 Pläne.)

Am 2. Juni 1898 erfreuten sich die genannten Gärten
des Besuchs des „Vereins Deutscher Gartenkünstler" so-
wie sämtlicher Ausschüsse des „Vereins zur Beförderung
des Gartenbaues in den Königlich Preufsischen Staaten".
Bei Gelegenheit dieser Besuche wurde der Wunsch aus-
gesprochen, die Abbildung und Beschreibung dieser von
mir ad B. und C. entworfenen und ausgeführten Arbeiten
— A. ist von mir in etwas anderer Gestalt übernommen —
unserem Vereinsorgan zur weiteren Kenntnisnahme der
Mitglieder zu übergeben. Diesem Wunsche nachkommend,
bringe ich die Grundrisse mit einigen Profilen und be-
merke zur Erläuterung folgendes:

Die Anlage A. (Seite 63) war, wie bereits erwähnt, als
ich die Pflege 1895 übernahm, in demselben Grundrifs,
aber in anderer Ausführung vorhanden; ich habe mich
bemüht, in Änderung der Beetformen sowie in der Be-
pflanzung ein dem Hotelbau entsprechendes Bild zu schaffen.
Wenn ich eine Beschreibung der drei Gärten unternehme,
so lege ich derselben den Tag des Besuches zu Grunde,
mit dem besonderen Bemerken, dafs zwar die gröfseren
Dekorationsgruppen im wesentlichen den ganzen Sommer
über dieselben bleiben, die Bepflanzung der Blumengruppen
hingegen fast monatlich wechselt. Im Winter besteht die
Gesamtdekoration ausschliefslich aus besseren Nadelhölzern,
die der Teppichbeete aus Semperviven, sowie farbigem
Moos und bunten Steinen. Anlage B. (Seite 65) ist meiner-
seits im Herbst 1897 ausgeführt, infolge des Erweiterungs-
baues des Hotel* Bristol. Anlage C. (Seite 67), Savoy-Hotel,
habe ich im Frühjahr 1895 übernommen, ist seitdem aber
gänzlich geändert, so dafs von der ursprünglichen Anlage
nichts übrig geblieben ist. Betreffs der allgemeinen Deko-
ration gelten für B. und C. dieselben Ausführungen wie
für A.

Um die Anlage A. führt ein 60 cm breiter Fufssteig
aus Fliefsen; der innere Weg ist 50 cm breit und mit
rotem Kies belegt. Die Bepflanzung der Blattpflanzen-
gruppen zeigen wohl zur Geniige die Profile c d und e f;
das mittlere Rasenstück wird durch eine Epheukante ein-
gerahmt, die eingezeichneten beiden stärkeren Punkte sind
Araucaria imbricata von ca. 1,70 m Höhe. Die Mitte des
vorderen runden Beetes ist bepflanzt mit Agaven und ver-
schiedenen Succulenten, eingefafst von Evonymus radicans;
das 50 cm breite Band wird unterbrochen durch 8 starke
Punkte von Phalangium variegatum, darum Alternanthera
versicolor; das ganze Band, sowie die 8 kleinen Rundteile
sind eingefafst von Mentha rotundifolia, gefüllt mit Alter-
nanthera amoena. Das Teppichbeet am anderen Ende des

*) Herrn Wendt wurde für seine hervorragenden Leistungen, die er
durch Anlage und Unterhaltung dieser Gärten bewiesen, vom Dekorations-
ausschurs des .,Vereins zur Bef. des Gartenbaues etc." eine grofse silberne
Medaille zuerkannt. D. Bed.
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