Die Gartenkunst — 1.1899

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DIE GARTENKUNST

Dieser günstigere Einflufs des Leinewassers dürfte jedoch
wohl weniger, wie man leicht anzunehmen versucht ist, auf die
wärmere Temperatur, als vielmehr auf die in dem Wasser mit-
geführten Düngerteilchen und sonstigen mineralischen
und organischen Bestandteile zurückzuführen sein, genau
so, wie man dem lehmigen Elbwasser eine besondere Dünge-
kraft für Wiesenflächen zuschreibt. Das Wasser der sehr
schnell fliefsenden Leine pflegt sich im Sommer nur sehr
wenig zu erwärmen und kühlt sich aufserdem auf dem unter-
irdischen Wege durch die Leitungsrohre wieder ab, so dafs
kein merklicher Temperaturunterschied zwischen beiden
Leitungen existiert.

Das Ideal für gärtnerische Kulturen würde es ja sein,
stets Wasser von gleicher oder noch etwas höherer Temperatur
als die Luft zu haben, denn die niedrige Temperatur des
Leitungswassers wird besonders im Frühling den zarten Pflanzen
verderblich, die in Glashäusern herangezogen und dann zur
Bepflanzung von Blumenbeeten benutzt werden.

Wie sich die hiesige Elufswasserleitung finanziell be-
währt und noch bewähren wird, läl'st sich noch nicht genau
feststellen, da dieselbe erst seit Anfang dieses Jahres in Be-
trieb ist. Jedenfalls spielen hier verschiedene Faktoren, wie
Kraftverbrauch bei Hebung des Wassers, Länge der Zu-
leitungen und sonstige örtliche und Terrainverhältnisse, eine
besondere Rolle. In Hannover dürften ganz besonders günstige
Verhältnisse herrschen, da Wasserkraft vorhanden ist und
das Wasserwerk selbst fast im Centrum der ebenge-
legenen Stadt erbaut werden konnte. Thatsächlich ist denn
auch der Preis für das Wasser, soweit es nach Wassermessern
abgegeben wird, auf die Hälfte des Trinkwassers gesetzt. Im
allgemeinen wird dieses Wasser nach Pauschalsätzen für das
Jahr und der Gröfse der zu bewässernden Flächen berechnet.
Fontänen werden nach der Gröfse des Strahlrohres gewertet
und zwar kosten:

1—3 mm Auslaufweite 25 Mark p. Jahr,
8—9 mm „ 50 „ „

Spreng- oder Spülwasser kostet bei einer Fläche bis
10 Ar 3 Pf. p. qm u. Jahr,
10-20 „ 2»/, „ „ „ » „
über 20 „ 2 „ „ „ „ „

Dafs sich diese Leitung auch technisch bewähren wird,
dürfte aufser Zweifel sein. Der Druck ist sehr gut und gleich-
mässig.

Ausser der städtischen Flufswasserleitung haben die
Herrenhäuser Gärten noch eine eigene Flufswasser-
leitung, die auch den '/2 Stunde entfernten Friedhof in
Stöcken versorgt. Diese Leitung unterscheidet sich dadurch
wesentlich von der obigen, dafs sie ihr Wasser unterhalb
der beiden Städte Hannover und Linden der Leine ent-
nimmt, wo aufser vielem Unrat verschiedene Fabrikbetriebe,
darunter mehrere chemische, ihre Abwässer in den Flufs
geleiten.

Nach den Erfahrungen des Friedhofsgärtners Brabandt
ist dieses Wasser für Topfpflanzenkulturen und Kübelpflanzen
(speziell Lorbeeren) nicht geeignet, so dafs er die Leitung in
seiner Gärtnerei aulser Betrieb gesetzt und wieder zum Brunnen-
wasser gegriffen hat. Selbst die auf den Gräbern ausgepflanzten
Blumen wie Lobelien, Pyrethrum, Sedum etc. leiden bei fort-
gesetzter Bewässerung. In den landschaftlichen Anlagen da-
gegen, die der städt. Gartendirektion unterstellt sind, habe ich
keine nachteiligen Folgen bemerkt. Im Gegenteil haben
Rasenflächen, Gehölz- und Ooniferengruppen, Blumen- und
Blattpflanzen nach Fertigstellung der Wasserleitung sehr

üppiges Wachstum und intensive Färbung angenommen, ob-
gleich die Anlagen anfang der neunziger Jahre auf vollkommen
magerem, sterilen Sandboden hergestellt wurden. Es soll dabei
nicht aufser Acht gelassen werden, dafs diesen Anlagen im
Gegensatz zu denjenigen in der Stadt eine vorzügliche Luft
und allwinterlich eine tüchtige Kompostdüngung zu gute ge-
kommen ist.

Der Druck der Herrenhäuser Leitung wechselt sehr, er ist
sehr minimal, wenn die gröfse Fontäne im grol'sen Garten
springt und abends nach 6 Uhr.

O. Sch ulze-Hannover.

Personal-Nachrichten.

Abel, Friedrich, langjähriger Sekretär der K. K. Garten-
bau-Gesellschaft in Wien, feierte am 18. September sein 40-
j ähriges Gärtner-Jubiläum.

Bergmann, Ferdinand, früherer langjähriger Leiter der
Gartenanlagen des Baron von Rothschild zu Ferneres bei Paris,
starb am 10. August im Alter von 73 Jahren.

Bifsmann, Otto, Obstbau-Inspektor, Gotha, feierte am
1. September sein 25jähriges Dienstjubiläum.

Claufs, Gustav, Landschaftsgärtner in Niederlöfsnitz, starb
am 21. August.

Geitner, Königl. Garten-Direktor, Berlin, wurde der Kronen-
orden IV. Klasse verliehen.

Hermann. Robert, bisher Obergärtner im Palmengarten
zu Leipzig, wurde als Friedhofsverwalter des neu errichteten
Ostfriedhofes in Gera angestellt.

Jochum, Ottomar. Herzogl. bayrischer Hofgärtner zu
Tegernsee, starb am 10. September im 54. Lebensjahre.

Rodigas, E., Professor, Direktor der Genter Gartenbau-
schule, wurde aus Anlafs des 50jährigen Jubiläums der Schule
der Kgl. belgische Leopolds-Orden verliehen.

Schomerus. Johannes, bisher Gartenbaulehrer an der
Gärtner-Lehranstalt in Köstritz, wurde zum Garteninspektor
der ausgedehnten Gartenkulturen zu Evenburg bei Leer be-
rufen.

Seeligmüller, Verwaltungsdirektor der Kaiserin Friedrich
auf Schlofs Friedrichshof bei Cronberg im Taunus, ist der
Kronenorden IV. Klasse verliehen worden.

De Vilmorin, Henry, Mitinhaber der weltberühmten Samen-
handlung Vilmorin-Andrieux & Co., Paris, starb am 23. August.

Verein deutscher Gartenkünstler.

Neu angemeldete Mitglieder.

Kühn, Gartentechniker, Berlin, Schlesische Str. 44.

Stille, K. Gutsbesitzer u. Rittmeister der Landw., Renkhausen

b/Lübbecke, Westf.
Zippelius, Garteningenieur, Metz-Sablon, Rue de Cuvry,

Für die Redaktion verantwortlich: E. C le m e n, Berlin S^V. 47, Viktoria-Park. — Verlag von Gebrüder Borntraeger, Berlin SWr. 46, Scliönebergorstr. 17 a.

Druck von A.W. Hayn's Erben, Berlin und Potsdam.
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