Die Gartenkunst — 1.1899

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28 DIE GARTENKUNST

worden. Eine originelle Gartenarchitektur zäunt den ellip-
tischen grofsen Mittelplatz gewissermafsen ein. Die in der
Mitte regelmäfsige, an den Rändern unregelmäfsigePflanzung
ist charakteristisch komponiert.

Bei „Bismarck" von demselben Autor wie No. 4
dominiert die Architektur. Die Ausführung des Riesen-
obelisks mit der Bismarckstatue, der Tempel, Säulen und
der zahlreichen anderen Ornamente würde unerwünscht
kostspielig sein. Die Gartenkunst kommt hierbei jedoch
auch nicht zu kurz, und das Ganze macht immerhin einen
imposanten Gesamt-Eindruck.

„Berolina" und „Dem Verkehr freie Bahn" sind
gute Arbeiten; sie haben verschiedene Ähnlichkeitsmoniente.
Es würde ermüden, ihre bereits mehrfach vertretene Grund-
disposition nochmals zu schildern. Die zeichnerische Aus-
stattung des zweiten ist brillant.

„Giulia" ist in der Disposition sehr gut geraten,
auch recht flott dargestellt. Als Work eines Anfängers
läfst diese Arbeit viel Gutes von der Zukunft erhoffen.

Eine Leistung ersten Ranges in Bezug auf Technik
des Zeichnens und Aquarellierens ist „Barbarossa", un-
streitig eine der fleifsigsten Arbeiten, aber der Entwurf
steht, vom gartenkünstlerischen Standpunkt aus betrachtet,
in keinem Verhältnis zur Darstellung. Teppichbeete und
Strauchgruppen von unregelmäfsigem Grundrifs mitten in
kleinen Rasenstücken sind undenkbar. Grofses Gewicht,
einer wichtigeren Sache wert, ist auf das Mosaikpflaster
gelegt. Die Mitte des Platzes ist zu schwach betont. Die
Teppichbeete sind in dieser Kleinheit unausführbar. Er-
innern den Autor andere Teppichbeete an Zuckerbäckerei,
wie es im Erläuterungsbericht zu lesen steht, so gemahnen
diese stilisierten Vögel, Insekten und Blumen bedenklich
an Häkelmuster.

Eine Reihe von Autoren versucht es, eine Landschaft
im natürlichen Stil gleichsam als Oase mitten auf die
Strafse zu zaubern mit Berg und Thal, Wasserläufen und
Teichen. Das droht in Spielerei auszuarten. So „am
Rhein", „Segen ist der Mühe Preis", „Ruhepunkt",
„Flora", „Landschaft". In „Piazza"^ liegt noch Sinn,
doch ist das Terrain viel zu klein, um auf die vorge-
schlagene Weise eine Wirkung zu erzielen.

Aufser den aufgeführten Arbeiten war die Kon-
kurrenz noch beschickt mit einer Reihe anderer Pläne, auf
welche wir nicht näher eingehen wollen, da sie zu wenig
neue charakteristische Momente und individuelle Züge hin-
zubringen, womit durchaus ihre Brauchbarkeit nicht in
Zweifel gezogen werden soll.

Im grofsen und ganzen hat die Konkurrenz von neuem
einen regen erfreulichen Gedankenaustausch zwischen
Baukunst und Gartenkunst bewerkstelligt. Diese beiden
Künste Hand in Hand sind in hohem Grade dazu berufen,
den gesteigerten ästhetischen Gefühlen des Volkes Rech-
nung zu tragen durch gemeinsames Schaffen von Werken,
welche gesundheitlich und dekorativ den höchsten An-
forderungen des modernen Kulturlebens genügen.

Wintergartenanlagen.

Über Wintergärten und deren Ausschmückung unter
Berücksichtigung des zu verwendenden Materials.

Vortrag, gehalten im Verein deutscher Gartenkünstler
am 12. Dezember 1898 von Weidlieh,
Königl. Garteninspektor und Vorsteher der Borsigschen Gärten
in Berlin.

(Hierzu die. Abbildungen Seite 29 u. 31.)

Sehr geehrte Herren!

Wenn ich heute über Wintergärten zu Ihnen spreche,
so werde ich diese doch nur in Betracht ziehen, soweit
solche durch Gewächshauspflanzen verschönert sind und im
Winter einen angenehmen Aufenthalt gewähren. Man unter-
scheidet auch hier wieder zwei verschiedene Arten von Winter-
häusern, solche, welche als grofses Gewächshaus bequem ein-
gerichtet sind und solche, die als grofser, heller Saal mit den
verschiedensten Pflanzen dekoriert, sonst aber salonartig ein-
gerichtet sind. Doch bevor ich auf das eigentliche Thema
eingehe, möchte ich Ihnen, da ich zuGartenkünstlern spreche,
so recht ans Herz legen, gerade diesen Teil bei Neubauten
und Neuanlagen besonders zu pflegen und den Besitzer
bezw. Auftraggebor dafür zu interessieren suchen; ein
guter Rat zu geeigneter Zeit fällt, von Ihrer Seite aus
angeregt, häufig auf recht fruchtbaren Boden. Die Anlage
von Wintergärten geht in der Neuzeit merklich zurück,
trotzdem es für den wohlhabenden Besitzer nichts An-
genehmeres und Abwechselungsvolleres geben kann, als
ein gut gepflegter Wintergarten. Ich habe in den letzten
Jahren viele Villen und Paläste entstellen sehen, wo Wert
auf wohlgepflegte Gärten und Parks gelegt wird für
den Sommer, wo die meisten Herrschaften garnicht an-
wesend sind, während für den Winter, den Herbst
und das Frühjahr ein solcher Sitz leider wenig bietet.
Was ist ein noch so herrlicher, mit allem Luxus ausge-
statteterPalast ohne einen Wintergarten, ohne einen Aufenthalt
unter Blumen? Meine Herren, prägen Sie sich diese Frage
ein, Sie werden hunderte von Antworten darauf geben
können. Man findet auch einige hübsche, mitunter prunk-
volle kleine Gewächshäuser, worin man alltäglich gezogene
Pflanzen findet, die man in jeder Markthalle für billiges
Geld beschaffen kann, auch findet man in einigen Villen
selbst kleine Erker und Salons mit Pflanzen angefüllt,
die aber ihres beschränkten Raumes wegen nur zum
Ansehen, aber niemals als angenehmer Aufenthalt für
den Besitzer dienen können. Wären diese Räume etwas
gröfser oder einigermafsen praktisch angelegt und ge-
schmackvoll arrangiert, so würden sich Menschen und
Pflanzen darin wohlfühlen. Kann dies einem mit allem
sonstigen Luxus umgebenenBesitzer imponieren? Ich glaube,
nein. Und trifft Sie, meine Herren, da nicht auch, wenn
auch indirekt, die Schuld? Doch darauf komme ich später
zurück.

Ein Wintergarten mufs bequem eingerichtet sein, auch
wenn er klein ist, seine Bauart mufs eine solche sein, dafs
man möglichst wenig Hindernisse im Gesamtbilde erblickt,
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