Die Gartenkunst — 1.1899

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DIE GARTENKUNST

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zweifellos mit bestem Erfolge zur Gartenausstattung' verwendet
werden können.

Herr Landschaftsgärtner Vogeler-Charlottenburg hielt
seinen angekündigten Vortrag über ßepflanzung von öffent-
lichen Strafsen und Feldwegen. Mit ßecht gab der Herr
seiner vollen Entrüstung darüber Ausdruck, in welcher Weise
hier heute noch in den meisten Gegenden unseres Vaterlandes,
besonders in den östlichen und nördlichen Teilen, gesündigt
wird. Der allein mal'sgebendo gärtnerische Fachmann wird
auch heute noch in nur seltenen Fällen zu Rate gezogen. Der
Königl. Bauinspektor, der Dorfschulze entscheiden mit souve-
räner Machtbefugnis allein und pflanzen unter 100 Obstbäumen
womöglich 100 verschiedene Sorten, wenn überhaupt Obst-
bäume gepflanzt worden, unbekümmert um die Lehren und
Erfahrungen, welche seit 3 Dezennien unsere staatlichen
Gärtnerlehranstalten, unsere renommierten Baumschulen bekannt
geben. Neben der mangelhaften Sortenauswahl wird auch
das Pflanzmaterial in sträflichster Weise vernachlässigt. Fälle,
in denen man dem neu gepflanzten Obstbaum einen abge-
hauenen Weidenstamm als Pfahl gab, der nach Art der Tann-
häusersage kräftig grünte und gedieh, während der Obstbaum
unter der Konkurrenz seiner vielf'räl'sigen Stütze zurückging,
sollen an der Wende unseres Jahrhunderts auch nicht ver-
einzelt bleiben. Vielleicht wird man im nächsten Jahrhundert,
wenn der neue Schutzzoll erst die amerikanische Obsteinfuhr
lahm gelegt hat, sich zur Besserung entschliefsen.

Eine rühmliche Ausnahme machen die öffentlichen Strafsen
im Königreich Sachsen und besonders im Anhaltischen, wo
man schon seit Jahrzehnten von Staatswegen die Obst-
anpflanzung auf öffentlichen Strafsen energisch befördert und
heute natürlich die von Jahr zu Jahr sich steigernden Erfolge
einheimsen kann. Im Anhaltischen besteht ein Gesetz, wo-
nach jeder Besitzer von Landstraisen verpflichtet ist, diese
mit Obstbäumen zu bepflanzen, so zwar, dafs jeder zehnte
Baum ein Wildbaum ist. Welchen Ursachen diese Bestimmung
entsprungen ist, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden.
Wo man aus bestimmten Gründen gezwungen ist, an öffent-
lichen Strafsen Laubbäume anzupflanzen, da empfahl der
Redner, grofse und schwerlaubige Arten, als Kastanie, Platane,
Walnufs zu vermeiden zu Gunsten der kleinlaubigen Gehölze,
wie Linden, Acer dasycarpum, Eschen. Auch die abwechselnde
Pflanzung kontrastierender Baumarten, wie Acer dasycarpum
und Ulmus campestris, Tilia intermedia und Betula alba ist
an solchen Strafsen mit Erfolg durchzuführen. Der Herr
Redner schlofs an seine mit edlem Eifer vorgetragenen Worte,
die den vollen Beifall ernteten, den Appell, der Verein möge
energischer Fühlung mit dem landwirtschaftlichen Ministerium
suchen, um seinen Bestrebungen auch dort mehr Anerkennung
zu sichern, als es bisher geschehe. Besonders sei die Ein-
sendung unseres Vereinsorgans an die obige Instanz regel-
mäfkig zu veranlassen, was man allseitig mit freudiger Zu-
stimmung begrüfste. Es wurde dem Vorstände anheimgegeben,
den laufenden Jahrgang, sobald er vollzählig sei, gebunden
an das Ministerium zu senden.

Zum Schlufs gab der Herr Vorsitzende noch ein neues
Bewässcrungsverfahren, besonders empfehlenswert für Stral'sen-
bäume, bekannt.

Der Vorsitzende: Der stellvertretende Schriftführer:
Pintelmann. Klawun.

Bücherschau.

Die Düngung der Gartengewächse mittelst künstlicher
Düngemittel. Dr. R. O 11 o. Verlag von N. Kalosse. 1899.
Preis 1,50 Mk.

Vorstehende Darstellung behandelt an der Hand prak-
tischer Anleitung die Nährsalz-Düngung gangbarer Gemüse-
arten, des Tabaks, Weins, Hopfens, der Ziersträucher, Rosen,
Obstbäume sowie diverser Töpfpflanzen. Die Verdienste des
Verfassers auf dem Gebiete der Agrikultur-Chemie sowie
Düngungsversuche nach neueren Richtungen sind bereits an-
erkannt, und trägt vorstehende Erläuterung nur zur Bestäti-
gung derselben bei. Wir können dem Verfasser nur bei-
stimmen, wenn er u. a. sagt (p. 21): „Ein einzelner Nährstoff
kann nur in dem Maal'se wirken, als alle übrigen im ent-
sprechenden Verhältnisse vorhanden sind oder gleichzeitig ge-
geben werden." Desgl. p. 22: „Auch ein zu grol'ser Ueber-
schuls an leichtlöslichen Salzen vermag nachteilig einzuwirken,
besonders dann, wenn der Boden die grolsen Nährstoffmengen
leicht löslicher Salze auf einmal erhält." Auf Grund persön-
licher und zwar gegenteiliger Beobachtung können wir uns
dagegen der p. 31 enthaltenen Aeulserung nicht anbequemen,
indem es dort heilst: „Die mit Nährsalzen begossenen Pflanzen
kommen nach den bisherigen Erfahrungen mit weit weniger
Wasser vorwärts als andere (also nicht gedüngte Pflanzen).
Diese Erscheinung steht im Zusammenhange mit der schnellen
Aufnahme der Nährstoffe." Wir sind auf Grund unserer gleich-
falls dahingehenden Topfdüngungsversuche zu der allgemeinen
Regel gekommen: Je intensivere Düngung um so notwendiger
für die Pflanze erhöhte Wassergabe. Bei den Versuchen des
Verfassers fällt die fast durchgehend bevorzugte Behandlung
mit Wagnerschcn Nährsalzen in verschiedenen Marken auf,
deshalb, weil in greiseren Betrieben meist zu reinen Salzen,
d. h. möglichst unvermischten, gegriffen zu werden pflegt.
Wir vermissen daher Parallelversuche mit solchen, z. B.
Thomasmehl, schwefeis. Ammon etc. in reinem Zustande.
Wenn Verfasser bei seinen Vergleichsversuchen ungedüngte
Pflanzen als Basis annimmt, so ist dagegen zunächst kein
Einwand zu erheben, sofern es sich darum handelt, gelegentlich
der Vergleiche eine möglichst neutrale Zone zu schaffen.
Wertvoller, ja notwendiger erscheint indessen bei diesen Ver-
gleichen die Gegenüberstellung von solchen mit natürlichem
Dünger versehenen Versuchspflanzen mit denen durch sogen,
künstlichen Dünger erzielten Resultaten, notwendig deshalb,
weil die tierischen wie menschlichen Abfallstoffe zumeist in
betreffender Wirtschaft, dem Grol'sbetriebe vorhanden sind und
weil man gleichzeitig leichter damit an das Verständnis des
Kultivateurs heranzukommen vermag. Die Düngung mit den
wirtschaftlichen Abgängen sind allbekannte Erscheinungen,
nur über die hierbei in Betracht zu ziehenden notwendigen
Mengenverhältnisse im Zusammenhang mit deren entsprechen-
der Wirkung ist sich der Züchter nicht ganz klar.

So würden wir auch nicht die Versuche fast nur mit
Wagnerschen Nährsalz - Marken ausgeführt befürworten
können, sondern vergleichender Weise Salze in einer Form,
wie bereits oben erwähnt. So lehrreich und dankenswert die
dem Texte eingefügten Abbildungen von Topfdüngungs-
versuchen an sich auch sind, so fehlerhaft erscheinen uns die
hierzu gegebenen Unterschriften: „mit Nährsalz" oder „mit
gröl'sereh Mengen Nährsalz" gedüngt. Das giebt für den sich
Unterrichtenden, namentlich für den Schüler kein genaues
Verständnis. Hier soll doch in erster Linie genaue Angabe
über Menge, Form und Zeitdauer der einzelnen Dunggabe er-


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