Die Gartenkunst — 1.1899

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1 2 DIE GARTENKUNST 33

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die Schmuckanlage im regelmäfsigen Stil ausschliefsli.ch
ins Arbeitsgebiet des Architekten, der als allein befähigt
bezeichnet wird, die Anlage in das richtige Verhältnis zu
ihrer baulichen Umgebung zu bringen. Worin die Be-
gründung dieser Behauptung derart schlagend und beweis-
fiihrend liegen kann, dafs selbst die Thatsache, dafs die
meisten Schmuck-Anlagen der Neuzeit gartenkünstle-
rischenUrsprungs sind, nicht an dem Satz zu rütteln vermag,
ist uns unerfindlich. Weil einstmals im Mittelalter, als die
Garteukunst noch in der ersten Entwickelung begriffen war,
es Architekten waren, welche die ersten regelmäfsigen
Gartenanlagen, die durch Gröfse und fürstliche Pracht Auf-
sehen erregten, im Anschlufs an von ihnen erbaute Schlösser
schufen?

Dieser Ruhm wird ihnen neidlos und unverkürzt ge-
gönnt, aber es knüpft sich nicht das Privileg daran, dafs
heute, nach so gewaltigem Umschwung der Dinge, der
Architekt noch immer der Einzigberufene ist, Gartenanlagen
in regelmäfsigen Grundrissen ins Leben zu rufen.

Was wir heute unter Gartenkunst verstehen, das hat
sich erst aus dem Überdrufs an der damaligen Garten-
kunst mit ihrer Verkünstelung und Verunstaltung der Natur
bis ins Geschmacklose hinein heraus entwickelt.

Was ist denn dem betreffenden Arbeitsfeld des dama-
ligen Baukünstlers, das in Achsendurchführung und Schaffung
von geradlinigen Perspektiven gipfelte, bis zum heutigen
Tage verblieben? Die meisten Gärton werden jetzt im
landschaftlichen Stil angelegt. Mit der Läuterung des
Geschmacks ist das ganze Gerümpel der Gartenarchitek-
tur, welche zu Zeiten Lenötres oder Knobelsdorfs die
Schlofsgärten beherrschte, über den Haufen geworfen.

Der Autor des erwähnten Artikels der Bauzeitung
geht von dem irrtümlichen Grundgedanken aus, dafs der
Gartenkünstler zwar Hervorragendes auf dem Gebiet der
Schaffung landschaftlicher Scenerion geleistet hat, dafs
aber geometrische Gliederungen von Gartenflächen in seiner
Praxis selten oder niemals vorkommen. Er scheint nicht
zu bedenken, dafs nicht nur die meisten grofsen und kleinen
Gärten ihre regelmäfsig konstruierten Einzel-Teile haben
(Rosengärten, Obstgärten, Blumengärten, Parterres etc.),
sondern dafs in alle n Fällen ein Übergang aus den strengen
Linien der Architektur zum ungebundenen Pormenspiel der
Gartenkunst durch rogelmäfsigo Gliederung der nächsten
Umgebung von Gebäuden geschaffen wird, wobei Lage,
Charakter und Stil des Gebäudes für die Ausdehnung und
Form der regelmäfsigen Gartenteile ausschlaggebend sind.

Dabei hat der Gartenkünstler vollauf Gelegenheit, die
Kunst zu üben, sich mit Achsenbeziehung, Symmetrie, Stil-
art etc. abzufinden, und dafs er die freieren Mittel seiner
Kunst in strenger architektonischer Zucht unter Umständen
besser zur Nutzanwendung zu bringen weifs, als der Bau-
künstler seine architektonischen Gefühle mit freien land-
schaftsgärtnerischen Grundsätzen in Einklang zu bringen
versteht, das zeigt eben wieder klar und deutlich das Re-
sultat des Schöneberger Wettstreits. F. Glum.

Gartentechnik.

Deutsche AVindniotore.

Die ungeheure Kraft der Luftbewegung wird bei uns
noch viel zu wenig ausgebeutet. Besonders für Wasser-
förderung bietet dieselbe durch den kostenlosen Betrieb
den besten und billigsten Motor. Wenn einmal durch
absolute Windstille derselbe versagt, so holt er es bald
wieder ein, indem er Tag und Nacht, ohne Aufsicht oder
Abwartung, ohne Futter oder Heizmaterial unser Arbeits-
sklave ist. Wenn im Gegensatz zu Amerika, wo Hundert-
tausende von Windrädern in Betrieb sind, bei uns noch
wenig Verständnis für diese vorhanden, so mag das an

Stahl-Windmotor für Pumpenbetrieb.

den bisher hier gebauten schwerfälligen Holzrädern liegen,
die starken Wind erfordern und dem Mifstrauen, das man
mit Recht amerikanischen Windmotoren wogen ihrer gar
zu leichten Bauart entgegenbringt. Die „Deutschen Wind-
turbinen-Werke" in Dresden haben nun unter Benutzung
alles Bewährten 2 Windräder lediglich aus Stahl und
Eisen, einfach und kräftig konstruiert — die Stahl-Wind-
turbine „Germania" für gröfsere Wasserförderung und
Maschinenantrieb, und den Stahlwindmotor „Herkules" für
Pumpenbotrieb. Besonders letzterer eignet sich ganz vor-
züglich für jeden Gartenbesitzer. Er sieht mit seinem
schlanken Turm gefällig aus, ist sehr billig, erfordert
keine Montage- oder Fundamentkosten und leistet soviel
auch bei leichtestem Wind, dafs selbst für grofse Betriebe
genügend Wasser vorhanden ist, auch wenn er nur ein paar
Stunden am Tage arbeitet, besonders wo ein Reservoir
angelegt ist. Die Fabrik übernimmt so weitgehende Garan-
tien, dafs eine Anschaffung des „Herkules" wohl überall
unbedenklich ist. _ Fritz Uhlig.
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