Die Gartenkunst — 1.1899

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DIE GARTENKUNST

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September-Oktober. Die Blätter, die unten mehr herz-
förmig mit länglicher Spitze, oben eirund-lanzettförmig
sind, haben einen dichten silberweifsen Filzüberzug, der
durch den seidenartigen Glanz noch sehr gehoben wird.

Leider kommt es vor, dafs* diese Färbung zuweilen
nicht ganz konstant ist, was jedoch an den jungen Pflanzen
sich schon bemerkbar macht.

Gleich anderen einjährigen 8onnenbhmien wird auch
diese Art im Frühjahr ausgesäet, und es ist gut, sie zeitig
in Töpfe zu pflanzen und dann erst an ihren Bestimmungs-
ort zu plazieren.

Sie eignet sich ausgezeichnet zum Bepflanzen von ge-
mischten Gruppen und Rabatten, ebenso für kleine Trupps
im Rasen, und bin ich fest überzeugt, dafs sie alle Erwar-
tungen vollauf erfüllt.

Wie nun bei vorhergehender die hübsche Blatt-
färbung die Hauptrolle spielt, so ist es bei der noch zu
erwähnenden klafterhohen Sonnenblume, H. orgyalis D. C.
die Form und Anordnung des Blattes. Sie wurde im Jahre
1879 aus Nord-Amerika eingeführt und zählt zu den aus-
dauernden Arten.

Der verhältnismäfsig dünne mit abwechselnd stehen-
den Blättern besetzte Stengel erreicht eine Höhe von
2l/2—3 m und verzweigt sich erst an der Spitze, die Blätter,
die sehr dicht aneinander gereiht sind, haben bei einer
Breite von 1—1% cm eine Länge von 13—20 cm und
sind länglich lanzettförmig, meistens etwas nach unten ge-
krümmt und von grüner Farbe.

Die kleinen hellgelben Blumen haben anfangs eine
grünlichgelbe, später braune Scheibe und erscheinen später
als bei vorhergehender; sie stehen einzeln auf langen dünnen
Stielen, die zusammen eine Pyramide bilden.

Diese Art ist durch ihren eigenartigen Charakter von
ausgezeichneter Wirkung, wenn sie nur am richtigen
Platze Verwendung findet. Sie ist vorzugsweise als Solitär-
pflanze im Rasen oder in der Nähe von Teichen und
Wasserläufen zu verwenden, wo sie sich sehr effektvoll,
ausnimmt, wenn sie mit Geschick angebracht ist. Hat man
schwächere Pflanzen, so empfiehlt sich ein loses Zusammen-
pflanzen mehrerer Exemplare, wie überhaupt alle derarti-
gen Pflanzen niemals zur vollen Geltung kommen, wenn sie
einzeln oder nnr zu zweien zusammen stehen, so grofs-
artig ihre Wirkung ist, wenn sie zu 5— 8 oder mehr zu-
sammengepflanzt werden. A. Sturm, London.

Solanum pyracanthum Lam.

Von der artenreichen Gattung Solanum haben wir
viele Vertreter, die zum Bepflanzen von Gruppen und
Rabatten oder als Einzelpflanzen und truppweise im Rasen
stehend von unschätzbarem Werte sind. Abgesehen von
den bekannteren Spezies als: marginatum, laciniatum, robus-
tum u. a. m., die hier vielfache Verwendung finden, ist es
besonders Solanum pyracanthum, das sich vergangenen
Sommer im Hyde-Park so glänzend bewährte.

Dasselbe wurde schon ums Jahr 1789 aus Madagaskar
eingeführt und ist im Freien als einjährig, im Gewächs-
haus als ausdauernder Halbstrauch zu behandeln, doch
möchte ich letzteres Verfahren weniger empfehlen, daj die
Pflanzen infolge ihrer überaus reichen Bestachelung etwas
unbequem zu handhaben sind.

Der gerade, ästige Stengel erreicht eine Höhe von
50—100 cm und noch darüber, ist sehr stark mit geraden

2— 4 cm langen, orange oder fast scharlachroten Stacheln
besetzt, wie auch die Blattnerven, die von der gleichen,
Farbe sind, oben sehr zahlreich, unten weniger mit ebenso
gefärbter Bewaffnung ausgerüstet sind.

Die gestielten, 12—15 cm langen Blätter sind stark
buchtig bezw. fiederteilig, an der Basis ungleich endend
und von mattgrüner Farbe, wie auch der Stengel. Die
Blumen sind häufig weifslich gestreift, und heben sich die
die orangefarbenen Staubgefäfse von dem weifsen stern-
förmigen Schlund sehr gut ab; sie haben einen Durch-
messer von l'/a—27a cm und erschienen an den hiesigen
Pflanzen ziemlich spät. Der Kelch ist behaart, zuweilen
auch stachelig. Die Beeren sind von runder Form und im
reifen Zustande von gelblicher Farbe.

Im Frühjahr gleich anderen Sommergewächsen aus-
gesäet , dann eingetopft und während des Sommers in
lockere, doch nahrhafte Erde ausgepflanzt, entwickeln sie
sich an einem freien, möglichst warmen Standort ganz
ausgezeichnet.

Nicht in den Blüten oder Früchten liegt der Hauptwert,
sondern in der lehhaft gefärbten und überaus zahlreichen
Bestachelung. Für runde Gruppen mit Mittelpflanze und
passender Bodenbedeckung bezw. Einfassung ist Solanum
pyracanthum entzückend schön, und möchte ich dasselbe
für derartige Zwecke ganz besonders empfehlen. Aber
auch zur Ausschmückung der Rabatten, in gemischten
Gruppen oder frei im Rasen stehend, ist dasselbe sehr
effektvoll, doch sollte es da nie einzeln, sondern zu

3— 5 so zu sammengepflanzt werden, dafs sich die Pflanzen
leicht berühren.

Mögen diese Zeilen manchen zur Anschaffung anspornen,
dann ist auch der Zweck derselben erreicht.

A. Sturm, London.

Gehölze.

Laburnum Adamii Petz et Kirchn.

Wohl allen Lesern dieser Zeitschrift dürfte dieser
eigentümliche Bastard bekannt sein. Er ist nach K. Koch
ein Blendling von Lab. vulgare X Cytisus purpureus und
Lab. alpinum X Cytisus purpureus. Seine Eigenart liegt
in der Blüte. Die ursprünglich in der Bastardform vor-
herrschende Farbe der Blumen ist schmutzig-rot. Sie
schlägt aber in fast allen Gegenden in die Farbe der Eltern
zurück, so dafs neben dieser eigentlichen Blumenfarbe die
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