Die Gartenkunst — 1.1899

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DIE GARTENKUNST

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Pflanzenmaterials, den wir in einer der nächsten Nummern
zur allgemeinen Kenntnis bringen werden.

Redner hatte gleichzeitig eine grosse Anzahl interessanter
Photographien der Borsigschen Wintergärten und Gewächs-
häuser vorgelegt und wurde ihm für den anregenden Vortrag
der Dank allseitig durch Erheben von den Sitzen ausgedrückt.
In dem sich hieran anschliessenden Meinungsaustausch wurde
besonders die Heizungs- und Lüftungsanlage des Näheren be-
sprochen.

Von grossem Interesse waren die ausgestellten, hellrot
gefärbten Blütentrauben von Calanthe VeiUhii, einer Erd-
orchidee, die sich zur Schnittblumen-Kultur vorzüglich eignet,
da sich die Blumen 4—6 Wochen halten. Leider sind die
Bulben noch zu teuer, um eine Anzucht im grösseren Umfange
vorzunehmen.

Herr Hering, Inhaber der Görmsschen Rosenschule zu
Potsdam, nahm hierauf Veranlassung, auf die in der 2. Bei-
lage zu No. 48 der „Berliner Gärtner-Börse" gegebene falsche
Richtigstellung einiger in dem Vereinsberichte Seite 278 der
„Zeitschrift für Gartenbau und Gartenkunst" angeführten
Rosennamen hinzuweisen, indem die genannten Sorten that-
sächlich Fisher and Holmes, so genannt nach einer englischen
Firma, nicht Fisher Holmes, und Mrs. (Mistress) John Laing,
nicht Mr. (Mister) John Laing hiessen; letztere Rose sei der
Frau eines Gärtners in Forest-Hill (London) gewidmet, von
Bennet gezüchtet und von Evans 1887 in den Handel gegeben
worden. In Betreff der in demselben Berichte angeführten
Weinsorten, deren Namen ebenfalls von der „Gärtner-Börse"
bemängelt worden sind, bemerkt Herr Clemen, dass er sich
hierbei nach der in der „Gartenflora", Jahrgang 1897, Seite 594,
von Herrn Geheimrat Professor Dr. Wittmack angewandten
Schreibweise gerichtet habe; dort seien die Namen genau so,
wie er sie gebracht, angeführt. Hinsichtlich des Wortes
Marocco habe er sich allerdings nachträglich überzeugt, dass
dasselbe im Englischen Morocco geschrieben werde.

Zum Schluss teilte der Vorsitzende mit, dass über die auf
der Tagesordnung stehende Frage: „Welche Schritte sind zur
Erstrebung parkähnlicher Friedhöfe zu unternehmen?" erst in
der nächsten Sitzung verhandelt werden könnte, da der Refe-
rent, Herr Landschaftsgärtner Vogeler, behindert sei, in der
heutigen Sit ung zu erscheinen.

Der Vorsitzende: Der Schriftführer:

Fintelmann. Weiss.
Nachschrift.

Von Herrn Stumpp, Obergärtner der Freiherrlich He3dschen
Schlossgärtnerei zu Worms a. Rh., waren, leider erst am
Morgen nach dem Sitzungstage, einige Blumen von Cypripedien
eigener Züchtung eingegangen, eine Kreuzung von G. insigne
mit Spicerianum, letzteres als Samenträger. Die Pflanzen sollen
sich durch den kräftigen Wuchs von insigne und durch die
Schönheit der Blumen von Spicerianum auszeichnen, üppig
wachsen und willig blühen. Für die Sendung sei an dieser
Stelle nochmals bestens gedankt.

Nach Ansicht des Herrn Garteninspektor Weidlich, dem
wir diese Blumen, deren Vorzüglichkeit unleugbar ist, vor-
legten, sind dieselben bereits von Veitsch und Sander ge-
züchtet und unter den Namen Cypripedium Leeanum hört.
Veitch (G. insigne X Spicerianum) bezw. C. Leeanum superbum
(C- insigne Maulei X Spicerianum) im Handel.

Der Vorstand.

Im Gartenbauverein zu Liegnitz hielt in seiner letzten
Sitzung Herr Kgl. Gartenbaudirektor Stämmler einen Vor-
trag über die gärtnerische Studienreise nach Italien, die der-
selbe behufs Einkauf von Palmen im Auftrage der Stadt in
diesem Sommer gemacht hatte. In seiner Enleitung erläutert
der Vortragende der zahlreich besuchten Versammlung, die im
grossen Saale des Schiesshauses stattfand und in der auch
viele Vertreter der städtischen Behörden zugegen waren, die
Herstellung des im Anschlüsse an die Stadtgärtnerei neu er-
richteten Palmenhauses, dessen Entstehung und Ausschmückung
hauptsächlich der hochherzigen Gesinnung der gesamten Bürger-
schaft zu verdanken wäre. Unter Hinweis auf die im Saale
gleichzeitig stattfindende Ausstellung von in Italien gewach-
senen Palmen, vielen interessanten tropischen wie wildwach-
senden Pflanzen und von einer grossen Anzahl von Photo-
graphien italienischer Vegetationsbilder, schilderte derselbe
dann seine Reise durch Deutschland, welche zunächst den
Zweck hatte, die hervorragendsten Palmenhäuser kennen zu
lernen und zu besichtigen. So wurde in Magdeburg, Werni-
gerode, Köln, Mainz und Frankfurt a. M. behufs eingehenden
Studiums der in diesen Orten befindlichen Gewächshausbauten
längere Rast gemacht. Nach Durchquerung Süddeutschlands
und der Alpenländer war Italien erreicht. Im Hotelgarten zu
Lugano erblickte Herr Stämmler die ersten Palmen im freien
Lande, und zwar 3—4 m hohe Chamaerops excelsa, desgleichen
eine Anzahl verschiedener, bei uns in Kalthäusern zu über-
winternden Pflanzen. Während der Monate Dezember, Januar
und Februar werden dort die Palmen nur durch etwas Fichten-
reisig geschützt. Redner verweilte dann längere Zeit in der
herrlichen Gegend am Como-See und ging u. a. eingehend auf
die Palmenzüchterei von Ludwig Winter in Bordighera ein.
Diese Palmen eignen sich nach Ansicht des Vortragenden in-
folge ihrer vorzüglichen Durchwurzelung in den Kübeln, so-
wie durch eine vollständige Abhärtung, da dieselben den italie-
nischen Winter nicht selten bei 2—4 Grad R. unter Null durch-
machen, viel besser zur Winterkultur und zum Aufstellen im
freien Lande bei uns, wie die hier in Gutsgärtnereien oder in
Belgien gezogenen grossen Palmen. Ein grosses Interesse
erweckten ferner die von Herrn Alwin Berger aus dem Pracht-
garten der Palazzo Orlego zu La Mortala zur Verfügung ge-
stellten botanischen Seltenheiten, die teils an der Riviera wild
wachsend, teils bei uns als Schmuck- oder Nutzpflanzen kulti-
viert werden. Nicht minder allgemein anregend war ferner
eine mächtige, aus dem Bestände der Stadtgärtnerei stammende
und im Saale ausgestellte blühende Musa Ensete, die ihrer
kolossalen Grösse wegen bewundert wurde.

Herr Stadtrat Mattheus, der bekanntlich der eifrigste För-
derer der Liegnitzer Stadtanlagen ist, gab am Schlüsse der
Versammlung der Hoffnung Ausdruck, dass das neue Palmen-
haus den Bürgern nunmehr in spätestens 2—3 Wochen werde
zugänglich sein. W.

Bücherschau

Deutseher Garten-Kalender 1899. Herausgegeben von
M. Hesdörff er. Verlag von Paul Parey in Berlin. Preis 2 Mk.

Ein alter Bekannter, stellt sich dieser allgemein beliebte
Kalender wieder mit gewohnter Pünktlichkeit zur Jahreswende
ein. Auch in diesem 26. Jahrgange sind einige bemerkens-
werte Abhandlungen neu hinzugekommen, während andere
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