Die Gartenkunst — 1.1899

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DIE GARTENKUNST 151

Haushaltungsplan für 1899 genehmigt ist, wird behufs Revision
der vom Verein aufgestellten Honorarsätze eine sicbengliedrige
Kommission, bestehend aus den Herren Bertram-Blaswitz,
Hampel-Berlin, Klawun-Lichterfelde, Müller-Grunewald, Ko-
wallek-Köln, Siesmayer-Frankfurt a./M. und Tripp-Hannover
eingesetzt. Bei der Wahl des nächstjährigen Vororts entspinnt
sich eine längere Aussprache und wird, da eine Einladung
nicht vorliegt, die Bestimmung dem Vorstande überlassen.
Der vom Stadtgärtner Herrn Schmidt-Dortmund in letzter
Minute eingereichte Antrag, der Dortmunder Gartenbauaus-
stellung Ehrenpreise für Schülerarbeiten zur Verfügung zu
stellen, wurde, da derartige Anträge schon wiederholt abge-
lehnt worden sind, verworfen. Nach kurzer Frühstückspause
hält Herr Direktor Cordes einen Vortrag über die Kunst im
Gartenbau und die Architektur, welcher allgemeinen Beifall
fand und wofür die Versammlung durch Erheben von den
Sitzen dankte. Das inzwischen eingegangene Danktelegramm
des zum Ehrenmitgliede ernannten Herrn Obergartendirektor
Bouche-Dresden gelangte alsdann noch zur Verlesung.

In unmittelbarem Anschlüsse hierin fand im Stadtpark das
Festessen statt. Der Saal und die Tafel waren auf das
prächtigste mit Palmen und Blumen geschmückt. Die Reihe
der Trinksprüche eröffnete der Vorsitzende, Herr Klaeber, mit
einem Hoch auf den Kaiser und Grofsherzog. Der Schrift-
führer feierte das gastfreundliche Mannheim als eine Stadt,
welche sich die Pflege der Gartenkunst zur Aufgabe gemacht
habe und keine Kosten scheue, noch gescheut habe, um Mann-
heim nach gartenkünstlerischen Grundsätzen zu verschönern.
Der Stadt und seiner Vertretung galt das Hoch.

Herr Bürgermeister Bitter dankte für die der Stadt Mannheim
zum Ausdruck gebrachte Anerkennung und versichert, dafs in
Mannheim dem Verein Deutscher Gartenkünstler die gröfsten
Sympathieen entgegengebracht würden. Die schwungvollen
Worte des Redners klangen in ein Hoch auf den Verein Deutscher
Gartenkünstler aus. Herr Lippel-Mannheim entbot namens des
Festausschusses und der Mannheimer G ärtnerschaft den G ästen
den Willkommengrufs. Herr Beitz-Köln gedachte in humor-
vollen Worten der Damen. Herr Liefhold-Mannheim bewill-
kommnete namens der Mannheimer Handelsgärtnervereinigung
die aus Nah und Fern erschienenen Gäste, während Herr Tripp-
Hannover auf das gute Einvernehmen zwischen den Handels-
gärtnern und der Mannheimer Stadtgärtnerei sein Glas leerte.
Noch weitere Reden hielten Herr Cordes-Hamburg, der des
Vorstandes gedachte, Herr Dr. Ulm-Mannheim, welcher das
gute Einvernehmen zwischen der Süd- und norddeutschen
Gärtnerschaft lobte und Herr Schoch-Magdeburg, welcher in
begeisterten Worten auf die Gegend hinwies, die noch heute
in dem nahen Schwetzingen die klassischen Werke eines
Meisters wie Skell vor Augen habe. Die zahlreich anwesenden
Damen wurden von Herrn Prestinari-Mannheim durch kost-
bare und geschmackvoll arrangierte Rosensträufse erfreut. In-
zwischen war nachstehendes Antworttelegramm des Grofs-
herzogs eingegangen:

An den

Vorsitzenden des Vereins Deutscher Gartenkünstler,
Herrn Klaeber, in Mannheim.
„St. Blasien. Ich danke den Mitgliedern Ihres
Vereins für deutsche Gartenkunst mir eine so werte
Huldigung darzubringen und wünsche Ihren Bestrebungen
noch reichliche Erfolge. Friedrich, Grofsherzog."

Nach aufgehobener Tafel, während welcher auch die
vielen anderen zahlreich eingegangenen telegraphischen Grüfse
zur Verlesung gelangten, begab sich die Gesellschaft nach

demStadtpark, um die unter der sachkundigen Leitung des Herrn
Hessel stehenden herrlichen Anlagen zu besichtigen. Die ge-
schmackvoll angelegten Blumenarrangements erregten allge-
meinen Beifall, welcher sich noch erhöhte, als hei einbrechender
Dunkelheit eine feenhafte Beleuchtung der ganzen Anlage
stattfand. Eine überaus freudige und fröhliche, sowie ein-
mütige Stimmung hielt die Teilnehmer bis zur Mitternachts-
stunde zusammen.

Der zweite Tag galt der Besichtigung der Plan-Aus-
stellung und soll hier fürs erste nur bemerkt werden, dafs
eine solche Ausstellung noch nicht stattgefunden hat. Mit
wenigen Ausnahmen hatten unsere gröfsten Städte, die eigene
Parkverwaltungen haben, Zeichnungen, Photographieen und
Pläne eingesandt, welche ein instruktives Bild der Anlagen,
ihrer Art und Ausdehnung gaben. Selten dürfte auch ein
Raum für Ausstellungen so gut geeignet sein, wie die Wandel-
gänge des grofsherzoglichen Schlosses, wo die Ausstellung
stattfand. Nicht minder gebührt aber unserem verehrten
Kollegen Herrn Lippel das Lob für die einheitliche und ge-
schmackvolle Einrichtung und Aufstellung. Die Zeilen sind
zu beschränkt, um hier näher darauf einzugehen und wird
demnächst eine nähere Beschreibung folgen. Dem schlofs sich
ein Rundgang durch die herrlichen Schlofsanlagen an. Am
Nachmittag wurde der mit Palmen, Lorheerbäumen und Blatt-
gewinden geschmückte Dampfer bestiegen; die Fahrt ging
rheinaufwärts bis zum zukünftigen Stadtwald, welcher ein
Geschenk des Herrn Konsuls Reifs an die Stadt ist. Hier
wendete sich das Schiff und nach 1 stündiger Fahrt kamen die
Türme der alten sagenumwobenen Stadt Worms in Sicht. An-
gesichts der grofsen Rheinbrücke wurde wieder gedreht und der
Abfahrtsstelle zugesteuert. Am Abend war ein Festkommers im
Stadtpark, bei dem die Gäste im Auftrage der Stadt bewirtet
wurden, während der Gesangverein „Flora" zu Mannheim durch
seine herrlichen Weisen für den geistigen Genufs Sorge trug.
Nur zu bald rief die niedergehende Sonne zum Auseinander-
gehen. Weifs.

Bücherschau.

Die Königliche Gärtner-Lehranstalt am Wildpark bei
Potsdam. 1824—1899. Festschrift zur Erinnerung an das
75jährige Bestehen, bearbeitet von Th. Echtermeyer, In-
spektor der König]. Gärtner-Lehranstalt am Wildpark bei
Potsdam. Verlag von Paul Paroy, Berlin. Preis gebd. 8 Mark.

Eine schönere Festgabe konnte den Teilnehmern an der
so würdig verlaufenen Jubiläumsfeier wohl kaum beschert
werden, als das genannte vornehm ausgestattete und mit 50
wundervollen Gartenansichten aus der Umgebung Potsdams
und einem meisterhaften Portrait Lennes geschmückte Buch.
Damit nun auch diejenigen, denen es nicht vergönnt war, an
der erhebenden Feier teilzunehmen, seien es nun ehemalige
Schüler oder Freunde der Anstalt, ein dauerndes Andenken an
das 7 6jährigo erfolgreiche Wirken derselben sich erwerben können,
ist dafür gesorgt, dafs das Werk im Buchhandel käuflich zu
zu haben ist, und wir glauben, dafs keinem die Ausgabe gereuen
dürfte, sich den Besitz desselben anzueignen. Die Geschichte,
Entwickelung und der Zweck der Anstalt, ebenso die mannig-
faltigen Lehrgänge werden ausführlich und in anziehender
Weise beschrieben. Sehr interessant sind die im VII. Abschnitt
aufgeführten Themata der letzten sieben Jahre für die schrift-
lichen Arbeiten der Abiturienten der Anstalt, die vom Kura-
torium ausgewählt und unter Klausur bearbeitet worden sind.
Höchst wertvoll ist das als Anhang beigegebene Verzeichnis
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