Die Gartenkunst — 1.1899

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DIE GARTENKUNST

es für die Anstalt selbst ganz schön ist, eine solche
Sammlung zu besitzen, den Schülern aber es hierdurch zu
bequem gemacht wird. Die Schüler sollen vor allen Dingen
selbst arbeiten lernen; sie sollen dahin gelenkt werden,
dafs sie sich vervollkommen wollen, und darum müssen
sie sich ihre Sammlungen selbst machen, selbst auf die
Gefahr hin, dafs sie nicht immer gleich das Richtige treffen.
Der Lehrer mag, soweit es ihm möglich ist, ihnen da-
bei helfend und ratend zur Seite stehen; aber er soll ihnen
nicht eine Arbeit wegnehmen, welche als eine recht
fördernde zu betrachten ist. Aus pädagogischen Gründen
könnte ich also mit Herrn Pritz nicht darin übereinstimmen,
dafs derartige Sammlungen von seiten des Lehrers herge-
stellt und den Schülern gezeigt werden, weil dies nämlich
gegen den Hauptzweck aller Erziehung, die Ausbildung
der Willenskraft, verstöfst und den Schülern Arbeiten
abnimmt, welche sie selbst ausführen sollen. Da-
gegen glaube ich, dafs Lehrer der Dendrologie recht be-
herzigenswerte Winke in dem Aufsatze des Herrn Fritz
finden, in welcher Weise sie ihre Schüler zu Sammlungen
anleiten können. Freilich ist auch hierbei eine Gefahr
vorhanden, nämlich die, dafs die Schüler in eine Art
Sammelwut geraten, die gerade bei eifrigen und guten
Schülern oft zu bekämpfen ist. Darüber aber werden
andere wichtige Arbeiten vernachlässigt, und mufs dann
der Lehrer bei Zeiten eintreten, um Schaden zu verhüten.

In der hiesigen Gärtner-Lehranstalt, wo die Lehrform
in der Dendrologie nach obigen Grundsätzen gehandhabt
wird, sind immer recht gute Erfolge hiermit erzielt worden.

Verschiedenes.

Der Gemeindeliaushaltplan der Stadt München pro
1899 enthält für Neuhorstellung und Unterhaltung der öffent-

lichen Anlagen folgende Mittel:

A. Einnahmen:

Aus Verkauf an Alleebäumen, Graswuchs etc. . . 10 584.— M.
B. Ausgaben:

I. Persönliche............ 12663.75 M.

II. Sachliche:

Für Unterhalt der Kulturgärten und Baum-
schulen .............. 14 600.— „

Für gewönlichen Unterhalt der Alleen und

Anlagen*) , . . . . . . . ..... . 73203.50 „ ,

Für aufsergewöhnlichen Unterhalt . ., . . 11 100.— „

Für Gehäudeiinterhalt........ . 7 285.22 „

Für Ueberwachung des königl. botanischen

Gartens während der Besuchszeit .... 600.— „

Für Neuherstellung' von 22 Alleen u. Anlagen . 66 b34.— „
Für Unterhalt der öffentlichen Brunnen (ein-

schliefslich der Wasserzinse)..... 10 109.— „

Für Unterhalt der Denkmiller, Gedenktafeln,

Thore, Portale, Wetterhäuschen etc. ... 9 384.61 „

Summa 205 470.08 M.

*) 144 Alleen und Anlagen mit einem Flächeninhalt von 142,809 Heetar
und l>7 Kilometer Alleen in doppelter Baumreihe entwickelt.

Ausgaben: 205 470.08 M.
Einnahmen: 10 584.— „

Reine Ausgaben: 194 886.08 M.

Eine bedeutende Errungensehaft in der Champignon-
kultur hat die Firma Friedrich Grunewald, Baumschule,
Zossen, gemacht. Infolge langjähriger Erfahrungen in der
Champignonzucht und angestellter Versuche ist es ihr gelungen,
solch ausgezeichnete, keimfähige Brut zu erzeugen, dafs sie
von jetzt ab in der Lage ist, ihren Abnehmern Garantie für
den Erfolg in der Champignonkultur zu geben, falls diese
genau nach der von ihr jedem Postkorb beigefügten Kultur-
anweisung ausgeführt wird. (Siehe das Inserat in der heutigen
Nummer.)

Vereinsberichte.

Verein Deutscher Kartenkünstler.

Niederschrift der Sitzung vom 13. November 1899.
Der erste Vorsitzende, Herr Städtischer Garteninspektor
Fintelmann, eröffnete die gut besuchte Versammlung und
gab an der Hand von Skizzen einige Erläuterungen über die
Einteilung des dem Verein überlassenen Platzes auf der
Weltausstellung in Paris. Es ist ein Raum von 200 qm in
der Gartenbauhalle, der in vornehmer Weise namentlich auch
dekorativ ausgestattet werden soll. Die Mitte wird das Modell
des grofsen Hamburger Centralfriedhofes in Ohlsdorf ein-
nehmen, während seitlich auf der oberen Terrasse in die
Wandfläche 2 Nischen laubenartig auszubauen sind, deren
trennende Mitte mit einem Sprinbrunen, umgeben von dekora-
tiven Blattgewächsen, geschmückt werden soll. Stühle und
Tische, für Gartenausstattung bestimmt, sollen in den Nischen
zu gefälligen Sitzarrangements aufgestellt werden, um auch
dem grofsen Publikum, für das die an den Wänden aufge-
hängten Gartenpläne doch nur teilweise ein Interesse haben
werden, Gelegenheit zum Verweilen zu geben. Eine kleine
Bleistiftskizze von der Hand unseres Herrn Vorsitzenden er-
läuterte treffend die Anordnung dieser laubenartigen Nischen.

Herr Handelsgärtner Körper - Fürstenwalde, Mitglied
unseres Vereins, gab einige Erläuterungen zu einem reichen
Sortiment von Wiesenpflanzen, Moosen, Gebirgskräutern, die
er mit ausgezeichnetem Erfolge auf seinem märkischen Sand-
boden erzieht. Besondere Erwähnung verdienen einige Rasen
bildende Pflanzen, als Arenaria caespitosa, dann auch Veronica
reptans'?, die im Sommer und Herbst ganz flach in saftig-
grünen Polstern auf dem Boden kriecht, während sie im
Frühjahr, übersäet mit kleinen Blüten, den eigenartigen Reiz
eines blauen Rasens bietet. Sollte dieser Effekt nicht manchen
sezessionistisch angelegten Fachmann zu Versuchen anregen ?
Warum soll unserer jüngeren Malergeneration allein das Vor-
recht bleiben, den Rasen blati zu malen. Der Gärtner ist
eben auch darin anderen, besser dotierten Berufsarten gegen-
über im Rückstände. Von weiteren interessanten Pflanzen
führte uns Herr Körper ein eigenartiges Sedum reflexum
cristatum vor, das genau wie ein Hahnenkamm wächst, ferner
Lamium album fol. var., eine lebhaft gefärbte Nessel, ebenso
ein weifsbuntes Polygonum. Saxifraga Cotyledon (syn. S.
pjnamidalis) wirkt besonders durch die 1 m hohen Blüten-
pyramiden, ferner wurden Saxifraga Hostii, S. Aizoon und S.
palmata, Sedum Lydium und verschiedene andere interessante
Gewächse vorgeführt, die alle im Freien überwintern und
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