Die Gartenkunst — 1.1899

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DIE GARTENKUNST 21

Preisbewerbungen.

Die preisgekrönten Entwürfe, betreffend die wird der Hauptwert bei der Beurteilung der Projekte auf

künstlerische Gestaltung des Platzes Z im Weichbilde besonders wirkungsvolle landschaftsgärtnerische Anlagen,

der Stadt Schöneher0-. aucn otwa in Verbindung mit kleineren Zierbauwerken.

' Sitzanlagen, Springbrunnen oder auch mit einem Vder

(Hie^u 6 Abbildungen.) o > r o

mehreren Bildwerken etc., gelegt. Gefordert wird ein
Das von der Berlinischen Bodengesellschaft, der Eigen- Übersichtsplan im Mafsstabe 1 : 500, ein detaillierter Grund-
tümerin des genannten Platzes erlassene Preisausschreiben rifsplan im Mafsstabe 1 : 200 und skizzenhafte Längs- und
hat einen ganz überraschenden Erfolg gehabt, indem 66 Ent- Querschnitte durch den Platz in demselben Mafsstabe nebst
würfe eingegangen sind, an denen sich Gartenkünstler und einem Erläuterungsbericht. Eine Vogelperspektive ist er-
Architekten fast in gleichem Verhältnis beteiligt haben. wünscht.

Während sich die ersteren durch die Einfachheit und Ruhe Das Preisgericht bestand aus folgenden Herren : Wilde,
der Gesamt-Disposition und durch das Verständnis für das erster Bürgermeister; Hampel, Kgl. Gartenbau-Direktor;
ihnen gewohnte Material auszeichneten, suchten die Archi- Hundrieser, Bildhauer und Professor;- Jaffe, Kgl. Kreis-
tekten durch ihre geübtere Kunstfertigkeit im Zeichnen, durch bauinspektor, Stadtrat; Kyllmann, Kgl.Baurat;' Leidig. In-
kühne und flotte, oft allerdings sich etwas ins Excentrische genieur, Stadtrat; Haberland, Direktor der Berliner Boden-
verlierende Projekte, die aber zum Teil die Unkenntnis der gesellschaft. Für die drei besten Lösungen standen drei
Wirkung des zur Verwendung gelangenden Pflanzenmaterials Preise von 700, 500 und 300 Mark zur Verfügung. Die
verrieten und den architektonischen und bildnerischen öffentliche Ausstellung der Entwürfe fand vom 2. bis 24.
Schmuck zu sehr in den Vordergrund treten liefsen, die Januar im grofsen Rathaussaale zu Schöneberg statt. Durch
Sinne zu bestricken und das klare Urteil zu bestechen. Erteilung eines Preises geht der Entwurf in das Eigentum
Ja. einige dieser Entwürfe glichen mehr einem Ausstellungs- der Gesellschaft über. Zwei weitere Entwürfe, die wir
platze von Statuen, Obelisken, Springbrunnen, architektoni- gleichfalls zur Veröffentlichung bringen, sind zum Ankauf
sehen Sitzbänken etc., als einem zur Ruhe und Erfrischung empfohlen worden.*)
einladenden Pieckchen Erde inmitten des tobenden Grofs-
stadtgetriebes. Im allgemeinen ist aber auf einen grofsen

Teil der eingegangenen Entwürfe ein anerkennenswerter L Erläuterungsbericht zu dem mit dem ersten Preise

Pleifs und eine bedeutende Arbeitskraft verwendet worden, ausgezeichneten Entwurf.

und es befinden sich auch unter den nicht prämiierten Verfasser: Eneke, Kgl. Garteninspektor und Lehrer an der

. , t-. i i Kgl. Gärtner-Lehranstalt, Wildpark,

solche von hervorragender künstlerischer Bedeutung. ° ' 1

In dem Programm für die öffentliche Preisbewerbung, Kennwort: „Ruhe."

das von dem Kgl. Kreisbauinspektor und Stadtrat Herrn Bei der Ausarbeitung des Entwurfs kommen folgende

Franz Jaffe, welchem Herrn überhaupt ein grofses Verdienst Momente in Betracht.

bei dem ganzen Zustandekommen des Preisausschreibens 1. Wegführung. Die Achsen der Strafsen sind als

gebührt, ausgearbeitet worden ist, wird der Hauptwert bei 5 m breite Wege des Platzes weitergeführt. Hierdurch

der Beurteilung der Projekte auf besonders wirkungsvolle wird ein bequemes Überschreiten derselben ermöglicht. Es

landschaftsgärtnerische Anlagen gelegt, was besonders her- ist aber auch für einen Rundgang auf dem Platze gesorgt,

vorgehoben zu werden verdient. Wir lassen dasselbe zur welcher den Spaziergänger nicht wieder auf die Strafsen

besseren Orientierung in seinen wesentlichen Punkten hier hinausführt.

folgen: 2. Behandlung der begrünten Flächen. Es ist

Der Platz Z, im Schnittpunkte der Verlängerung der ein einheitlicher, ruhiger Gesamteindruck angestrebt. Durch

Motz- und Neuen Winterfeldt-Strafse innerhalb des Weich- Pflanzung ist ein für das Auge des Besuchers bezw. An-

bildes der Stadt Schöneberg und an der Gemarkungsgrenze wohners oval erscheinenderPlatz herausgeschnitten, welcher

von Charlottenburg gelegen, soll durch landschaftsgärt- ringsum von Gehözanpflanzungen eingeschlossen erscheint,

nerische Anlagen in Verbindung mit kleineren Bauwerken Sie ist so angeordnet, dafs sie an den Schmalseiten der

und Skulpturen geschmückt werden. Für die äufsere Plan- Anlage und an den Einmündungen der Querwege zusammen-

gestaltung ist der durch den Magistrat der Stadt Schöne- hängend hoch und kräftig ist, während sie dazwischen auf
berg aufgestellte und genehmigte Platz- und Strafsenplan, 1,50 m herabsinkt, so dafs die Passanten auf dem herum
welcher auch die aufserdem projektierten Strafsenzüge

nebst Vorgärten etc. enthält, mafsgehend. Die Bebauung *> ™r «'suchen diejenigen Herren deren Entwürfe mit den

° ° Kennworten: „Omega", ,, I annhauser" und „Gmha" versehen waren

des Platzes durch ein gröfseres Bauwerk, etwa eine Kirche sioh wegen event Veröffentlichung ihrer Pläne mit der Redaktion
oder dergl. soll vorläufig ausgeschlossen sein, vielmehr baldmöglichst in Verbindung setzen zu wollen. D. Red.

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