Die Gartenkunst — 1.1899

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134 DIE G ARTENKUNST I, 7

gemacht. In "Bezug auf die Pariser Weltausstellung giebt der
Vorsitzende bekannt, dal's vor kurzem im Reichskommissariat
eine Sitzung stattgefunden habe, in welcher die anwesenden
Handelsgärtner sich für eine dauernde und nicht zeitweise Be-
teiligung an der Ausstellung ausgesprochen hätten und dafs
der Umfang der Beteiligung erst nach zu haltender Umfrage
festgestellt werden würde. Seitens des Vereins wären nunmehr
50 qm Tischf'läche und 100 qm Wandfläche angemeldet und die
Bedingung gestellt, dafs die Ausstellung zusammen mit anderen
gärtnerischen Produkten vermieden werde.

Der Schriftführer teilt hierauf die an anderer Stelle wieder-
gegebene Bekanntmachung des Stadt-Ausschusses zu Berlin,
betreffend die Einschätzung der Landschaftsgärtner zur Unfall-
versicherung, mit. Herr Schlegel-Schöneberg macht im An-
schlüsse hieran die Mitteilung von einem beim Ausästen eines
Strafsenbaumes vorgekommenen Unfall, welcher einen töd-
lichen Verlauf genommen habe. Die brandenburgische land-
wirtschaftliche Berufsgenossenschaft lehnte den Anspruch der
Hinterbliebenen auf Unterstützung ab, desgleichen dje Tiefbau-
genossenschaft. Nach einer Entscheidung des Reichsgerichts
vom 24. November 1890 (siehe Handbuch der Unfallversicherung
— 672 des Bücherverzeichnisses) ist ein Stral'senunterhaltungs-
(Tiefbau-)Betrieb dann anzunehmen, wenn die Bäume nur dem
Verkehr auf der Stral'se (der Sicherheit, Annehmlichkeit oder
Bequemlichkeit derselben) dienen; zu diesem Betriebe ist dann
auch das Schneiden und Kröpfen der Bäume zu rechnen und
sind daher die hierbei beschäftigten Leute bei der Tiefbau-
genossenschal't anzumelden. Der Schriftführer bemerkt hierzu,
dafs in den Ausführungsbestimmungen zum Gesetze unstreitig
eine Lücke sei, deren Beseitigung laut der vom Reichsver-
sicherungsamt gemachten Zusage zu erwarten wäre.

Alsdann nimmt Herr Stadtobergärtner Lippel-Mannheim
das Wort und erläutert das vom Ortsausschusse im Einver-
ständnisse mit dem Vorstande aufgestellte Programm der
12. Hauptversammlung. Behufs Beschickung der zu ver-
anstaltenden Plan-Ausstellung seien bereits Zusagen von
Hannover, Köln, Bremen, Hamburg, Aachen, Würzburg, Düssel-
dorf. Krankfurt, Freiberg,Karlsruhe, Kolberg,Stuttgart, München,
Berlin, Leipzig (Palmengarten), Mainz und Stral'sburg einge-
gangen. Mehrere andere Städte würden sich noch anschliel'sen,
so dafs eine grofse Reichhaltigkeit erzielt werden dürfte. Die
seitens der Stadt aus Anlal's der Anwesenheit des Vereins be-
willigten 3000 Mark ermöglichten es ferner, dafs der Preis für
die Teilnehmerkarte auf 4 MaT-k herabgesetzt werde. Redner
versichert zum Schlüsse, dafs seitens der Stadt und der Mann-
heimer Fachgenossen alles aufgeboten sei, um die Haupt-
versammlung anregend und interessant zu gestalten und bittet
uin rege Beteiligung seitens der Mitglieder. Herr Giemen legt
darauf mehrere prächtige Abbildungen von Scenerien aus dem
Grofsherzoglichen Schlofsgarten und Stadtpark zu Mannheini vor.

Der nächste Gegenstand der Tagesordnung betrifft die
Satzungen, welche abzuändern, die Einführung des Bürgerlichen
Gesetzbuches notwendig verlange. Der Entwurf wird in seinen
einzelnen Teilen verlesen und schliefst sich den bestehenden
Satzungen nach Möglichkeit an. Eine bemerkenswerte Änderung
ist die Zusammensetzung des Vorstandes, da das Gesetz dem
geschäftsführenden Vorstand bestimmte Pflichten auferlege und
die zunehmende Vergröfserung des Vereins auch die Vermehrung
der Vorstandsmitglieder erheische. Es sollen zu den bisherigen
Amtern mit der Mai'sgabe, dal's der stellvertretende Schrift-
führer in Berlin und Umgegend wohnen soll, noch 3 Beisitzer
kommen, deren Wohnsitz aufserhalb Berlins sei. Ferner sollen
die Ausschüsse um je 2 Mitglieder verstärkt werden, so dal's
in Zukunft ein jeder Ausschul's aus 5 (statt wie bisher 3) Mit-

gliedern besteht. Durch Eintragung in das von dem zuständigen
Amtsgericht zu führende Vereinsregister erlangt der Verein
Rechtsfähigkeit.

Der von Herrn Hofgärtner Hoffmann angekündigte Vortrag
„Die Petersburger Ausstellung und Reiseskizzen aus Livland
und Finnland" mul'ste der vorgeschrittenen Zeit wegen bis zur
nächsten Sitzung, die am 14. August stattfindet, verschoben
werden.

Der erste Vorsitzende: Der erste Schriftführer

Fintelmann. Weifs.

In der Monatssitzung des Vereins zur Beförderung des
Gartenbaues in den preufsischen Staaten wurde HerrKönigl.
Gartenbaudirektor Kumpel wieder auf zwei Jahre in das
Kuratorium der Königl. Gärtnerlehranstalt zu Wild-
park gewählt. Derselbe teilte bei dieser Gelegenheit mit,
dafs jetzt die Entscheidung im Ministerium gefallen sei, wo-
nach die Gärtnerlehranstalt als Staatsinstitut nach Dahlem
verlegt werden solle, dafs von einer Hochschule jedoch Ab-
stand genommen sei.

Bücherschau.

Kleine Laubholzkunde. Ein Handbuch für den gärt-
nerischen Unterricht. Nach „Deutsche Dendrologie" von Prof.
Dr. E. Könne bearbeitet von O sk. E. Kunze, Gartenbaulehrer
in Zerbst. Verlag von Ferdinand Enke in Stuttgart. Preis
ungebd. 3 Mk.

Das vorliegende Buch ist ein kleiner Auszug aus der
Köhneschen Dendrologie mit Hinzufügung einiger Garten-
varietäten und andererseits unter Weglassung' wichtiger Arten.
So wird z. B. von der Gattung Rosa keine einzige Art erwähnt
und zum Studium derselben auf diesbezügliche besondere Werke
hingewiesen. Dieses Verfahren hätte ebenso gut auch auf die
in dem Buche angeführten Gattungen: Quercus, Rubus, Prunus,
Cotoneaster, Lonicera, Ribes, Salix u. a. m. angewendet werden
können, da ein gründliches Studium derselben sich auch nicht
mit Hilfe des Kunzeschen Auszugs ermöglichen läfst, während
die Kenntnis einiger Rosenarten, wie z. B. rubiginosa, rubri-
folia, rugosa, spinosissima, canina, multiflora u. a. dem an-
gehenden Landschaftsgärtner sehr wünschenswert sein möchte.
Von grofsem Vorteil für ein Unterrichtsbuch in der Laubholz-
kunde wäre es auch gewesen, wenn die wesentlichsten Unter-
scheidungsmerkmale der einzelnen Arten einer Gattung durch
fetteren Druck hervorgehoben worden wären.

In der Einleitung schreibt der Verfasser wörtlich: „Den
Herren Fachlehrern soll dies Buch zum kurzen Anhalt beim
Unterrichte dienen, und giebt es noch genügend Raum zu
weiteren Ausführungen." In diesem Sinne möchte dasselbe
wohl den vom Verfasser erstrebten Zweck erfüllen. E. C.

„Grundzüge der Agrikulturchemie" von Dr. Richard
Otto, Lehrer der Chemie und Leiter der chemischen Abteilung
der Versuchsstation am Königlichen pomologischen Institut in
Proskau O./Schl. Berlin, Verlag von Paul Parey. In Leinen
gebunden 4 Mk.

Unter obigem Titel erschien vor kurzem ein neues Werk,
dessen Studium jedem Kachmanne zu empfehlen ist. Dieses
Buch des durch seine schriftstellerische Thätigkeit schon
bestens bekannten Verfassers ist in erster Linie für junge
Gärtner bearbeitet, es ist leichtverständlich geschrieben und
durch gute Abbildungen näher erläutert. Vorausgesetzt ist
dabei natürlich, dal's derjenige, der Agrikulturchemie betreiben
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