Die Gartenkunst — 1.1899

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DIE GARTENKUNST

weil sich seine vollständige Unfruchtbarkeit dadurch nicht
erklären läfst. Kreuzungsvei suche zwischen Lab. vulg.
und Cytisus purp, sollen stets vergebens unternommen
worden sein. Darwin erzählt davon: „Befruchtete ich den
ersteren mit Pollen des letzteren, so kam ich einem Erfolg
am nächsten; denn es bildeten sich Schoten, aber 16 Tage
nach dem Verwelken der Blüten fielen sie wieder ab."
Sehr interessant sind nun die Angaben, die Adam selbst
über die von ihm gezogene Pflanze machte. Diese Angaben
werden von Poiteau in den Annales de la Soc. d'Horticult.
de Paris, Tom. VII, 1830, p. 93, veröffentlicht. Darnach fügte
Adam „in der gewöhnlichen Weise ein Stück Rinde des
C. purpureus in den Stamm des C. Laburnum ein und,
wie es oft vorkommt, blieb die Knospe ein Jahr lang
schlafend. Dann produzierte das Rindenstück viele Knospen
und Schöfslinge; einer von ihnen wuchs aufrechter und
stärker, mit gröfseren Blättern als die Schöfslinge des
C. purpureus und wurde infolgedessen fortgepflanzt" Nun
macht Darwin dazu weitere Bemerkung: „Es verdient nun
spezielle Beachtung, dafs diese Pflanzen von Mr. Adam
als eine Varietät von C. purpureus verkauft wurden, ohne
dafs sie geblüht hatten, und der von Poiteau. veröffentlichte
Bericht erschien, nachdem die Pflanzen geblüht hatten,
aber ehe sie die merkwürdige Neigung gezeigt hatten, auf
die zwei elterlichen Species zurückzuschlagen. Hier liegt
also kein irgendwie denkbares Motiv für eine Fälschung
vor, und es ist auch schwer einzusehen, wie hier ein Irrtum
hätte obwalten können." Danach also ist Cytisus Adamii
keine Hybride, die auf dem gewöhnlichen Wege der Samen-
produktion, sondern durch „Knospen-Variation" ent-
standen ist. Sie gleicht daher im wesentlichen den Pfropf-
hybriden, den so sehr lehrreichen Erscheinungen, die jedem
Gärtner und Gartenfreund so viel Stoff und Gelegenheit zu
sehr anregenden Versuchen geben. Wir mir scheint, ist
diese Art der Erzeugung von Pflanzenvariationen bei vielen
Gärtnern wenig bekannt. Und dennoch giebt es so sehr
viele Beispiele von Pfropfhybriden.

Betreffs Laburnum Adamii bemerke ich noch, dafs der
Rückschlag sich auch auf das Laub erstrecken kann.
Während die gedreiten Blätter des Lab. Adamii bedeutend
gröfser sind, als die von Cytisus purpureus, fand ich einzelne
Zweiglein, deren Blätter dem zierlicheren Laube von Cytisus
zum Verwechseln ähnlich waren.

Johannes Schomerus, Jena.

Araucaria imbricata in Deutschland,

F. Ledien, Dresden.

(Hierzu eine Abbildung.)

Angeregt durch den Artikel der „Zeitschrift für Garten-
bau und Gartenkunst" in No. 22 des Jahrgang 1898, pag.
133 über- die Verwendung der genannten Araucaria in Eng-
land und die dazu gesetzte Anmerkung der Redaktion er-
laube ich mir, eine deutsche Pflanze derselben Art im Bilde
einzusenden. Ich möchte diesem Baume umsomehr ein An-
denken sichern, als man soeben daran geht, ihn zu ver-

pflanzen, was ihm möglicherweise das Leben oder wenig-
stens doch einen Teil seiner tadellosen Schönheit kosten
dürfte. Der Baum steht bis jetzt in dem jedem Dresdner
bekannten, herrlich direkt an der Elbe gelegenen Garten
des im vorigen Jahre verstorbenen Herrn Oberjustizrates
Dr. Stein. Dieser Herr figuriert schon seit den fünfziger
Jahren in der Geschichte des Dresdner Gartenbaues und
in derjenigen der Gartenbau-Gesellschaft „Flora" als ein
auf dem Gebiete der Einführung von wertvollen Neuheiten
aufserordentlich thätiger Pflanzenfreund; sein Garten und
dessen umfangreiche Gewächshaus-Anlagen waren ein
Schatzkästlein und bis zuletzt zeigte die Camellien-Samm-
lung einen Sortenreichtum, der wohl kaum noch irgendwo
anzutreffen sein dürfte, seitdem der Inhalt der Gewächs-
häuser neulich unter den Hammer kam und in alle Winde
flog.

Die Lage des Gartens begünstigte jedenfalls jede Art
von Gartenliebhaberei. Die Nähe der Elbe und der früher
viel ausgedehnteren Kiefernbestände in Blasewitz und der
Schutz, den Blasewitz von den Sandsteinhängen von Losch-
witz bis Pillnitz gegen die trockenen und kalten Ostwinde
aus der Sächs. Schweiz erhält, erlauben die Kultur einer
grofsen Anzahl nicht überall harter Gewächse und äufsern
sich schon bei einem flüchtigen Durchwandern des Ortes
in dem prächtigen Gedeihen aller Coniferen und immer-
grünen Gehölze wie Hex, Rhododendron etc. etc. Natür-
lich giebt es an allen grofsen Strömen Deutschlands und
an der Küste ähnlich günstige Lagen, so dafs man wohl
dem Wunsche Ausdruck geben darf, dafs in Privatgärten,
welche die wünschenswerte Gelegenheit bieten, öfter Ver-
suche mit. der Anpflanzung ähnlicher hochinteressanter
Pflanzen gemacht werden möchten. Dafs wir nicht blofs
mit kümmerlichen Erfolgen zufrieden zu sein brauchen,
beweist der abgebildete Baum und auch z. B. die be-
rühmte alte Camellie im Pillnitzer Hofgarten. Wenn die
Erfolge der Dresdener Pflanzenfreunde und Berufsgärtner
mit der Anzucht empfindlicher Pflanzen einfach immer da-
mit abgethan werden, dafs bei uns das Klima ausnahms-
weise günstig sei, so möchte ich nach längerer Beobach-
tung und Vergleichung desselben mit demjenigen gewisser
Küstengegenden und andererseits demjenigen von Gegenden
mehr kontinentalen Charakters, wie Schlesiens östlich von
Breslau, diese Erklärung nur in sehr beschränktem Mafse
gelten lassen. Das Klima von Dresdens Umgebung wird meist
verkannt. Auf eine Reihe milder Winter folgt gewöhnlich ein
ungewöhnlich kalter, der alle Errungenschaften der milden
Jahre über den Haufen werden würde, wenn man nicht
schon mit der Zeit gelernt hätte, mit solchen Faktoren zu
rechnen. Die im sächsischen Fürstenstamme von Alters,
her sprichwörtliche Neigung zum Gartenbau und zur Pflege
nur widerwillig sich fugender Kulturpflanzen hat die Gärtner
immer wieder ermutigt, die einschlägigen Verhältnisse auf
das Eingehendste zu studieren. Die Kenntnisse in der
Platzwahl und geeigneten Behandlung zur Erzielung reifen
Holzes, ferner die Ausbildung der geeignetsten und-billig-
sten Schutzmethoden sind Errungenschaften der Intelligenz,
speziell der Dresdner Gärtner, die Ihnen noch heute nie-
mand streitig macht. Ich selbst bin eingewandert und
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