Die Gartenkunst — 1.1899

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I, Ö DIE GARTENKUNST 167

weifsblütige, weit undankbarere Form. Wie erstaunte ich, als
ich bei einem Ausflug nach Valenstadt, dem 428 m über M.
gelegenen Städtchen am Valensee an einer Mauer die Sporn-
blume entdeckte, und zwar über und über mit dunkelroten
Blüten bedeckt. Diese Beobachtung liefs in mir den Wunsch
entstehen, es möchte diese schöne Pflanze häufiger als dies
bis jetzt der Fall ist, in den Gärten verwendet werden. Dafs
die Staude strenge Winter nicht fürchtet und das intensive
Eot auch in unserm Klima nicht verliert, zeigen mir die Valen-
stedter Pflanzen. Die Anzucht geschieht durch Aussaat der
Samen im Frühjahr oder Sommer. Die nahe verwandten Arten
C. angustifolius DC. und 0. Sibthorpii Holdr. et Sart. scheinen
auch in Südeuropa selten aufzutreten. Usteri, Zürich.

Vereinsberichte.

Verein Deutscher Kartenkünstler.

Niederschrift der Sitzung vom \A. August 1899.

In Vertretung des am Erscheinen behinderten ersten Vor-
sitzenden eröffnet Herr Landschaftsgärtner Klaeber die zahl-
reich besuchte Versammlung und gedenkt zunächst des zu
Bergedorf bei Hamburg am 17. Juli d. J, im Alter von 67 Jahren
verstorbenen Baumschulenbesitzers Julius Rüppel. In ihm
verliere der Verein ein langjähriges Mitglied, das jeder Zeit
mit grofser Hingebung für die Interessen des Vereins mit
seinem reichen Können und Wissen eingetreten sei. Der Verein
beklage auf das schmerzlichste diesen unerwarteten Verlust und
werde dem Entschlafenen stets ein ehrendes Andenken be-
wahren. Die Mitglieder erheben sich zum Zeichen der Zu-
stimmung von ihren Sitzen. Alsdann wird satzungsgemäfs
die Anmeldung und Aufnahme neuer Mitglieder erledigt und
im Anschlüsse hieran auf das von der Dresdener Gartenbau-
Ausstellung herausgegebene Programm und auf die in demselben
enthaltenen Preisaufgaben aufmerksam gemacht. Desgleichen
werden die dem Verein zur Rezension übersandten Bücher
vorgelegt.

Der Schriftführer berichtet hierauf über die zu Mannheim ab-
gehaltene Hauptversammlung und betont besonders das aufser-
ordentlich liebenswürdige Entgegenkommen der Städtischen
Behörden und die rege und warme Teilnahme der Mannheimer
Gärtnerschaft (Im übrigen sei hier auf den der heutigen Nummer
beiliegenden Bericht verwiesen.)

Nunmehr hält Herr Hofgärtner Hoffmann den angekün-
digten Vortrag über: „Russische und Finnische Gärten". Inder
Einleitung bezeichnet der Redner Rufsland als das „Land der
Zukunft." Trotzdem schon heut in Petersburg Blumen aus
Nizza und Südfrankreich auf den Markt kommen, was zur
Folge habe, dafs der Preis für die einheimische Ware sehr
gefallen sei, wäre es möglich, viel Geld zu verdienen, da der
Russe viel Geschmack und Sinn für Blumen und Pflanzen habe_
Die gärtnerischen Kulturen lägen dort meistens in den Händen
von Deutschen oder in Deutschland ausgebildeten Gärtnern.
Redner schildert den Umfang des Geschäfts von Eilers in
Petersburg, welches aufser seiner Gärtnerei noch 7 Blumen-
geschäfte in der Stadt habe, geht dann auf die grofse Aus-
stellung über, welche sich des Besuches und regen Interesses
der höchsten Herrschaften zu erfreuen hatte, infolgedessen
auch die ganze Hofgesellschaft ohne Ausnahme erschienen
war, und bespricht eingehend die ausgestellten gartenkünst-
lerischen Entwürfe. Die Leistungen der französischen Land-
schaftsgärtner seien geradezu als überraschende zu bezeichnen,

Nicht nur einfache Pläne, sondern auch Photographien,
graphische Darstellungen des Geländes und sonstige Zeich-
nungen von meistenteils russischen Anlagen seien vertreten
gewesen. Während die deutschen Aussteller vereinzelt, jeder
für sich, ausgestellt und dadurch keine Wirkung erzielt hätten,
sei Frankreich auch hier geschlossen und einheitlich auf-
getreten.

Der Vortragende entwirft dann ein fesselndes Bild von den
dortigen Pflanzenkulturen und der praktischen Einrichtung der
Gewächshäuser, bei welchen auf Erstrebung einer gleich-
mäfsigen Temperatur bei Tag und bei Nacht ein Hauptgewicht
gelegt werde, und beschreibt im Anschlüsse hieran die grol'sen
Parkanlagen Petersburgs. Besonderen Reiz trotz der dort im
Gegensatz zu uns herrschenden geringen Vegetation übe der
Garten zu Pawlowsk aus, wo Herr Hofgärtner Katzer, welcher
gleichzeitig der beste Palmenzüchter sei, wirke. Der baltische
Garten weise gewissermafsen als Kuriosum die erste im freien
Lande ausgepflanzte Caragana arborescens auf. Einen im-
posanten Eindruck von der See aus mache das Kaiserliche
Residenzschlol's Peterhof mit seinen vielen Fontänen und
Wasserkünsten.

Die Reise geht dann über Wiborg, wo überall Gemüse-
kulturen zu erblicken sind, nach Imatra. Auf der ganzen
Strecke seien die Bahnhöfe mit Gartenanlagen umgeben. In
Finnland angelangt, überrasche die grolse Blumenproduktion,
die ihren Absatz nach den Kirchhöfen und in dem Gebrauch
des Finnländers, bei jeder Familienfestlichkeit sein Heim über
und über mit Blumen zu schmücken, fände. Redner geht so-
dann auf Riga über, welches die gleiche Vegetationserscheinung
wie Dorpat habe, und schildert in eingehender Weise die
dortigen städtischen Anlagen, welche in meisterhafter Weise
durch das unermüdliche Wirken des Herrn Gartendirektors
Kuphald entstanden seien. Die Vegetation sei hier schon
eine mannigfaltigere. Während Platanen noch nicht gedeihen,
wüchsen aber schon beispielsweise Tilia euchlora und ein
grofser Teil unserer Coniferen. Auenben, Magnolia Soulangeana,
Koelreuteria, Prunus Laurocerasus und ähnliche hielten hier
bei winterlicher Decke aus. Redner schliefst mit dem Ersuchen,
seitens des Vereins dahin zu streben, die deutsche Gartenkunst
in Rufsland mehr auszubreiten und der deutschen Landschafts-
gärtnerei ein Absatzgebiet zu eröffnen.

lleri' Look-Berlin kommt im Anschlüsse an den Vortrag
auf die Art und Weise der Behandlung der deutschen Aus-
steller in Petersburg zu sprechen, welche leider ohne die
nötige Führung gewesen seien. Sehr bedauerlich sei es, dafs
verlangt worden wäre, die Firmenschilder nur in französischer
Sprache anzubringen.

Herr Hoffmann bemerkt hierzu, dafs die Dresdener Handels-
gärtner unter der thatkräfügen Führung von Rud. Seidel in
Laubegast geschlossen und unter deutscher Firma ausgestellt
hätten.

Herr Habermann-Berlin ersucht den Vorstand, in Paris
nur unter deutschem Namen auszustellen. Der Deutsche sei
in Rufsland, wie in Frankreich, sehr geachtet und habe nicht
nötig, sich im Übermafs allzugrofser Bescheidenheit hintenan-
stellen zu lassen.

Nach kurzen, erklärenden Worten seitens des Vorsitzenden
jn Bezug auf die Beteiligung des Vereins an der Pariser Welt-
Ausstellung spricht derselbe Herrn Hoffmann für seine ausführ-
lichen und anregenden Schilderungen den wärmsten Dank, dem
die Versammlung durch Erheben von den Plätzen zustimmt, aus.

Herr Rohlfs legt sodann noch einige Sommeräpfel vor,
unter denen Charlamowsky und Saefstaholm als die besten an-
erkannt wurden.
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