Die Gartenkunst — 1.1899

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wird das Kolorieren, besonders bei Plastelin. sich nicht
empfehlen, weil dadurch die Masse nur zum Teil wieder
benutzt werden kann. Wo es sich aber darum handelt,
ein Modell für immer zu haben, müssen wir dem Kolorieren
das Wort reden, weil der Anblick des in Farben aus-
geführten Reliefplanes ein viel übersichtlicher ist, als
bei einem unkolorierten. Man wählt bei Plastelin Ol-, bei
Gyps, Cement, Thon etc. auch Aquarellfarben, wendet aber
dieselben Farbenmischungen, besonders die Ölfarben, in
weit helleren Nuancen an. Ganz wie beim Zeichenplan
werden dann die Rasenflächen hellgrün, die Wege gelb-
lich, die Grotten und Felspartien in braunem Tone, da-
gegen die Lauben und Häuschen grau und die Gehölz-
gruppen ziemlich dunkelgrün gehalten. Wasser bekommt
eine hellblaue Tönung und der Grundrifs der Wohngebäude,
Stallungen etc. wird, nachdem er schraffiert ist, mit
Zinnober gedeckt.

Weitere Angaben über das Verfahren bei der Mo-
dellierung der Gärten dürften nicht notwendig sein. Ein
jeder, der sich in dieser Neuerung übt, wird die kleinen
Kunstgriffe bald selbst herausfinden. Jedenfalls dürfte das
Modellieren von Gartenplänen allerseits empfohlen werden,
die bedeutenden Vorteile, die das Verfahren bietet, sind
aus dem Vorhergehenden ersichtlich und nicht zu unter-
schätzen. Vielfach werden in landschaftsgärtnerischen
Geschäften Reliefpläne für jede neue Anlage hergestellt
und ist es daher der jüngeren Gärtnerwelt anzuempfehlen,
sich mit der praktischen Fertigkeit in der Ausführung der
Gartenmodelle vertraut zu machen.

C. Kim an n.

Rasenanlagen.

Rasengräser, Grassamen und Grassanienmischungen.

Von Heinrich Hein, Kiel.

(Fortsetzung.)

6. Lolium perenne L. — Ausdauernder Lolch,
englisches Raigras (Raygras).
Engl. Common Rye-grass.
Franz. Ray-grass anglais.

Natürliche Standorte. Überall an Wegen, auf Gras-
plätzen, Wiesen und Weiden durch ganz Europa und Teile
anderer Erdteile verbreitet, jedoch mehr im Flachlande und
in Thälern als auf den Bergen.

Klima, Empfindlich gegen strenge Kälte und Spätfröste.
Wohl kaum eine andere Grasart unserer einheimischen Flora
zeigt eine gleiche Empfindlichkeit gegen die Spätfröste im
Frühlinge als das englische Raigras. Es liebt ein vorwiegend
feuchtes Klima und gedeiht daher in dem feuchten Seeklima
Norddeutschlands und Grofsbritanniens vorzüglich.

Boden. Es liebt vorzugsweise guten, schweren frischen
bis feuchten humusreichen Lehm- und Thonboden. Auf
gut gedüngtem Gartenboden gedeiht es besonders üppig,

wie es jede Düngung durch ein erneutes freudiges Wachsen
bald vergilt. Schwere feste Thonböden eignen sich für das
englische Raigras, wenn durch geeignete Drainage für Ab-
führung überschüssiger Feuchtigkeit gesorgt wird. Auf
trockenem Sandboden, auch wenn derselbe etwas lehmig
ist, und auf Moorboden gedeiht das englische Raigras nicht.

Wuchs. Es ist eines derjenigen Gräser, welche als
Rasengras auf gutem, schwerem Gartenboden durchaus nicht
fehlen dürfen. Man kann es auch überall dort noch an-
bauen, wo eine Boden Verbesserung durch Zufuhr von Lehm
möglich ist. Allein um englisches Raigras mit im Rasen
verwenden zu können, sollte man bei solchen Böden, die
dem Gedeihen desselben abhold sind, lieber zu einer Lehm-
zufuhr, als zu der Verwendung anderer Grasarten seine
Zuflucht nehmen. Bei hinreichend dichter Besamung einer
Fläche bilden die Pflanzen einen dichten geschlossenen
Rasen von prächtiger Farbe. Aus diesem Grunde ist es
für kurzliegende Rasenflächen als Reinsaat ganz be-
sonders zu empfehlen. Es treibt im Frühjahr sehr zeitig
und ist für gewöhnlich allen anderen Rasengräsern voraus.
Wo viel englisches Raigras im Rasen vorhanden ist, kommen
Unkräuter meist nicht auf. Öfteren Schnitt erträgt es sehr
gut und ebenso ein wiederholtes Niederwalzen und Betreten,
wenngleich das Betreten von Rasen aus gemischten Gräsern
diesen nicht zum Vorteil gereicht. Durch Niederwalzen und
Betreten des allein aus englischem Raigras entstandenen
Rasens bestockt sich das Gras in der Regel besser, als
wenn der Boden locker bleibt und ein Niederwalzen nicht
stattfindet.

Lebensdauer. Beschaffenheit, Lage und Feuchtigkeit
des Bodens üben auf die Lebensdauer des englischen Rai-
grases einen grofsen Einflufs. Aus diesem Grunde bietet
der Ankauf von Raigrassamen, welcher von Eltern gewonnen
wird, die unter den denkbar günstigsten Verhältnissen ge-
diehen und eine lange Lebensdauer zeigten, auch eine
Gewähr dafür, aus diesem Samen langlebige Individuen zu
erziehen. Je nach den örtlichen Verhältnissen erreicht das
englische Raigras ein Lebensalter von 3 bis 8 Jahren und
darüber hinaus.

Blütezeit: Mai bis Herbst. Samenreife: Ausgangs
Juni bis Herbst.

Körnerzahl in einem Pfunde ca. 257000.

Gröfse der Frucht: 5 bis 7 mm, im Mittel 6 mm und
1 bis 2 mm breit. Länge des Korns: 3y2 bis 4 mm, seine
Breite: 1 mm.

Samengewinnung und fremde Beimengungen,
Die Samengewinnung macht beim englischen Raigrase ver-
hältnismäfsig weniger Schwierigkeiten als bei anderen Gräsern,
weil ein reiner feldmäfsiger Anbau hier angängig ist und
dabei höchstens Verunreinigungen des Samens durch andere
Grassamen vorkommen können. Der Samenertrag ist an
Orten mit feuchtem Seeklima und schwerem Boden nicht
zu verachten; wo aber diese Bedingungen nicht zutreffen,
ist es nicht geraten, das Raigras allein zur Samengewinnung
anzubauen. Die Hauptsache für den Samenbau bleibt immer,
das erhältlich beste Saatgut zu verwenden. Das ist allemal
die beste schottische Ware, d. h. diejenige, welche pro
Bushel das höchste Gewicht enthält.

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