Die Gartenkunst — 1.1899

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DIE GARTENKUNST

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Aufserdem waren noch schöne Cinerarien mit Riesenblumen
in wundervollem Farbenspiel vorhanden. "Wir begaben uns
dann in die Gärtnerei von Herrn Kuntze daselbst, welcher
uns schon erwartete und in liebenswürdiger "Weise seine ge-
samten Schätze zeigte. Macht diese Gärtnerei von aufsen
schon einen imposanten Eindruck mit den vielen Gewächs-
häusern, wieviel mehr erst im Tnnern die Masse der kost-
baren Pflanzenschätze.

Hier sahen wir Topfrosen in 5 Abteilungen, zum Teil in
vollendeter Schönheit, zum Teil noch weiter zurück, alles in
gesundem Zustande; ebenso Nelken in feinen Sorten, sowie
Hortensien, Calla, Flieder etc., letzterer in den schönsten
Naturfarben. Nie sah ich „Andenken an L. Späth" so schön
und so voller Blüten als hier. Erwähnen will ich noch die
schönen Ostereier aus Maiblumen; letztere sind in Drahtballons
ausgepflanzt und so egal gewachsen, dafs das Ganze wie ein
Riesenei aussah, indem sich ca. 800 Keime in dem Gestell
befanden. Alles hier aufzuzählen, würde zu weit führen. "Wir
verabschiedeten uns von Herrn Kuntze, welcher in liebens-
würdiger Weise uns führte und in jeder Beziehung uns die
nötige Aufklärung gab.

Diesem Herrn, sowohl wie auch Herrn Dietze sei hiermit
für das Gebotene unser herzlichster Dank gesagt. W.

Der Verein zur Beförderung des Gartenbaues in den
preußischen Staaten hat in der Monatssitzung am 23. März
in 2. Lesung genehmigt: der königlichen Gärtner-Lehranstalt
zu Potsdam zu ihrem 75 jährigen Jubiläum eine Summe von
5000 Mark zu überweisen mit der Mafsgabe, dafs die Zinsen
als „Stipendium des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues"
vergeben werden. In derselben Sitzung hielt Herr Geheimrat
Professor Dr. Orth einen mit grofsem Beifall aufgenommenen
Vortrag über seine Reise nach Ägypten und Palästina ge-
legentlich der Einweihung der Erlöserkirche in Jerusalem.
An der Hand der zahlreich ausgelegten Photographien und
Zeichnungen entwickelte der Redner ein fesselndes Bild von
der Vegetation und den wirtschaftlichen Zuständen der von
ihm bereisten Länder. Besonders lehrreich waren seine Aus-
führungen über die eigenartigen Bewässerungs-Vorrichtungen
sowohl in Ägypten als auch in Palästina, wie es auch äufserst
interressant war, über die eigentümlichen geologischen Ver-
hältnisse des letztgenannten Landes, der "Wüste Juda und
des Jordanthaies von einem so ausgezeichneten Fachmann
näheren Aufschlul's zu erhalten. Der Vortrag soll in den
„Nachrichten aus dem Club der Landwirte zu Berlin" er-
scheinen.

Bücherschau.

Die Grassamenmischungen. Ihre quantitative und
qualitative Zusammenstellung für Zier- und Gartenrasen,
Parkwiesen, "Weiden, Böschungen, Festungswällen, Wasser-
rändern etc., nebst kurzer Anleitung zur Rasenanlage
und Rasenpflege von R. Hugo Haefsner, gepr. Obergärtner,
Wien 1899. Im Selbstverlag. Kommissionsverlag von
Max Schubert, Köstritz in Thüringen. — Preis 75 Pfg.

Es ist mir allemal erfreulich, auf dem von mir vertretenen
Gebiete auch einmal andere Stimmen zu hören, zumal wenn
ich dabei Gelegenheit finde, Quellen zu entdecken, die mir
bisher unbekannt waren. So war es mir auch interessant,
die äufserlich anspruchslose oben bezeichnete kleine Schrift
mit dem grolsen Titel kennen zu lernen. Sie stellt sich die
Aufgabe, auf 26 Druckseiten kleinen Oktavformats den zweifel-

los schwierigen Stoff — wie man von vornherein annehmen
mufs — erschöpfend zu behandeln. Meine Erwartungen sind
leider nicht erfüllt worden: der Inhalt ist nicht dem Titel ent-
sprechend. Der Aufbau der Schrift läfst an Klarheit zu wünschen
übrig. Die nötige Staffage und die Dekorationsmittel fehlen zwar
nicht; die Bearbeitung des höchst dankbaren Stoffes hat mich
leider nicht befriedigt. Der Verfasser hat sich die Her-
stellung der Mischungen leicht gemacht. Nach seiner Methode
werden die Samen der verschiedenen Grasarten ohne Berück-
sichtigung der Gleichberechtigung der Arten, ohne Berück-
sichtigung der Körnerzahl, welche in einer bestimmten Ge-
wichtseinheit enthalten ist, und ohne dem natürlichen Be-
dürfnisse der Arten Rechnung zu tragen, zusammen ge-
mischt. Auf das Volumen und die Schwere der Samen
ist keinerlei Rücksicht genommen; die Angaben sind in
keiner Weise wissenschaftlich begründet. So bequem
runden manche Samenhändler nicht die Quantitäten ab —
selbst nicht solche, die von Natur weitherzig veranlagt sind.
Die Auswahl der Arten läi'st Mängel erkennen, welche jeden
wirklichen Gräserkenner sofort auffallen müssen. Von den
mancherlei Angaben, welche nicht einwandfrei sind, seien nur
einige herausgegriffen. Seite 12, unter 5 a bei „Wiesengras-
mischungen" wird Agrostis alba stolonifera für Sandboden in
trockener freier Lage empfohlen; ebenso Lolium perenne. Auf
Seite 13 sind diese beiden Grasarten ,,für feuchten Sandboden
oder solchen mit feuchtem Untergrunde" am Platze!

Ähnliche Angaben sind mehrere vorhanden, so dafs die
universelle Bedeutung dieser beiden Gras arten nunmehr
durch den Verfasser der Schrift festgestellt erscheint. Bei der
Auswahl der Gräser für Rasenflächen (Seite 22) finden sich
.,für schattige Lagen unter Bäumen etc.'1 seltsame Mischungs-
angaben. Dichthorstige Grasarten, welche im 2. und 3. Jahre
ihrer Entwickelung hochwachsen und als unschöne, struppige
Polster sich präsentieren (Aira caespitosa und das blaue
Pfeifengras, Molinia (Melica) coerulea (beide auf Torfmooren
und torfigen Wiesen heimisch), spielen hier eine hervorragende
Rolle, so dafs in 100 kg Samen-Gewicht allein 40 kg von diesen
nichtsnutzigen Gräsern in die Mischung genommen werden
soll! Alle schlechten Grasarten, deren Samen den Samen-
markt unsicher machen, finden in der Schrift des Herrn
Haefsner die bestmöglichste Verwendung, in seinen Grassamen-
mischungen eine vorzügliche Herberge. So Holcus mollis,
Aira flexuosa und caespitosa, Festuca gigantea, Molinia (Melica)
coerulea und sogar überwinternde einjährige Grasarten, wie
Bromus mollis und Bromus racemosus werden untergebracht.
Das ist Wasser auf die Mühle gewissenloser Samenhändler.

Die Verbreitung solcher Erzeugnisse der gärtnerischen
Fachlitteratur öffnet dem Stumpfsinn und der Reaktion auf
dem Gebiete gartentechnischer Wissenschaft Thor und Thür
und ist geeignet, alle dürftig ausgebildeten Gärtner, für die
eine wissenschaftliche Verarbeitung des Stoffe ohnehin grofse
Schwierigkeit hat, irre zu führen und in ihnen gänzlich ver-
kehrte Vorstellungen zu erwecken.

Der Umstand, dafs schon auf dem Titelblatt (s. oben)
grammatikalische Fehler sich finden, eine Inhaltsübersicht
überhaupt fehlt und die Schrift weiter noch beweist, dafs sie
schlecht korrigiert ist, macht sie nicht eben wertvoller.

Heinrich Hein.

Die Gärtnerei als Lebensberuf. Von C. Graeber,
Direktor der Hygien. Obst- und Gartenbauschule, Kloster-
lausnitz i/Thür. Verlag von A. Köhler, Dresden und Leipzig.
Preis broschiert 75 Pfg. Gewifs ein höchst zeitgemäfses Unter-
nehmen: Eltern, Lehrern, Erziehern Aufklärung über unseren
vielfach noch falsch verstandenen Beruf zu geben. Ebenso
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