Die Gartenkunst — 1.1899

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blühenden Rhododendron Cunninghamii, da sich sonst die
verschiedenen Farben gegenseitig stören.

Zu den eingangs aufgezählten Rhododcndron-Artcn,
welche schon seit langem hier zu Züchtungsversuchen be-
nutzt wurden, kommen neuerdings als absolut hart: Rhodo-
dendron brachycarpum und Metternich!], punctatum und
endlich als jüngster: Rhododendron Smirnowii, von dem wir
eine ganze neue Rasse erwarten dürfen.

Im ganzen haben wir damit 8 Arten und etwa 15 Ab-
arten. Hierzu kommt nun die grofse Menge betreffs der
Winterhärte völlig zuverlässiger laubabwerfender Arten:
Rhododendron flavum, sinense, calendulaceum, viscosum,
arborescens, Vaseyi u. a. und die zahllose Nachkommen-
schaft der Kreuzungen derselben. Diese ganze Gesellschaft
mufs man, wie in Gamenz in Schlesien, auf freien Rasen-
flächen im Mai bei sonnigem Wetter in Blüto gesehen
haben, um deren volle Leistungsfähigkeit zu kennen. Sie
vertragen Schatten überhaupt uicht, werden dann nur
spindlig und unten kahl und blühen nicht. Sie worden im
Winter nur am Fufse mit etwas Laub- oder Nadelstreu ge-
deckt gegen das Austrocknen, im übrigen gar nicht weiter
geschützt; nur so hat man in jeder Beziehung Freude an
ihnen. Nach all dem Vorstehenden kann man die Rhodo-
dendron in ihrer Gesamtheit als ein kaum noch entbehr-
liches, aber immer noch zu wenig verwendetes Pflanzen-
material für öffentliche Parks, städtische Anlagen und
bessere Vorgärten mit vollstem Rechte bezeichnen. Mögen
diese Zeilen diese Wertschätzung verbreiten helfen! —

Kiu schöner Zierapfel.

(Hierzu eine Abbildung.)

Mit dorn Sammelnamen „Zieräpfol" bezeichnen wir eine
ganze Reihe von Arten aus der grofsen Gattung der Pirus,
die nicht wie die edlen Apfelbäume unserer Obstgärten grofse
und wohlschmeckende Früchte liefern. Vielmehr verstehen
wir unter dieser Bezeichnung unserem edlen Apfel sehr
nahe vorwandte Sträucher oder kleine Bäume, die in der
Regel kleine, oftmals auch sehr saure und unansehnliche,
nur durch ihre Monge auffallende Früchte besitzen, die
selten zu geniefsen und nur für die Obstweinfabrikation
von einigem Wert sind, da sie sehr viel Säure enthalten_
Diese Zieräpfol jedoch ihrer Früchte wegen in den Obst-
gärten anzubauen, wäre demnach pure Spielerei, wohl aber
sollten sie in keiner Parkanlage fehlen, da sie sämtlich zu
unseren schönsten Blütensträuchern gehören, die sich nicht
allein durch grofsen Blütenreichtum auszeichnen, sondern
uns auch alljährlich zu einer Zeit mit ihren Blüten zu er-
freuen pflegen, wo das Leben in der Natur eben zu erwachen
scheint und blühende Sträucher noch ziemlich rar sind.
Aus der grofsen Zahl der Zieräpfel die schönsten heraus-
zugreifen, dürfte nicht leicht fallen, denn schön sind sie zum
gröfsten Teile alle, nur ist bei einigen Arten die Blütenfülle
gröfser als bei anderen. Wir werden hoffentlich noch öfter
Gelegenheit haben, die besten Arten zu besprechen; heute

führen wir unseren Lesern einen Zierapfel im Bilde vor,
der dadurch noch besonderes Interesse beansprucht, dafs
er sehr wahrscheinlich bei der Entstehung so mancher
unserer grofsfrüchtigen Edelsorten beteiligt ist. Der pflaumen-
blättrige Apfelbaum, Pirus prunifolia Willd., stammt aus
dem nordöstlichen Asien, speziell aus dem nördlichen China
und den an dieses grenzenden sibirischen Landesteilen, und
stellt einen 5 bis 8 m hohen Baum oder baumartigen Strauch
dar, der durch kräftigen Wuchs und feste, aufwärts gerichtete
Äste und rotbraune Triebe ausgezeichnet ist. Die mittel-
grofsen Blätter sind oval, auf der Unterseite schwach behaart,
kerbiggesägt und erinnern sehr an die Blätter des gewöhnlichen
Pflaumenbaumes. Die Blüten sind reinweifs, mittelgrofs und
erscheinen in der ersten Maihälfte. Die Frucht ist etwas
kleiner als die des gewöhnlichen Holzapfels, sonst aber in
der Form und Farbe diesem nahezu gleich. Es giebt in
den Baumschulen mehrere Varietäten dieses Zierapfels, die
sich aber zum gröfsten Teile nur in der Form oder Farbe
von der Stammart unterscheiden, weshalb ich hier auf
dieselben nicht weiter eingehe. Erwähnt werden mufs
jedoch die Varietät pendula, die, hochstämmig gezogen,
zierliche Trauerbäume liefert.

Wie alle Zieräpfol, so macht auch Pirus prunifolia in
der Kultur nur geringe Ansprüche. Er liebt mäfsig feuchten,
lehmigen Boden, nimmt aber auch mit anderen Bodenarten
vorlieb, sofern sie nicht zu arm an Nährstoffen sind. Er
ist bei uns in Deutschland überall vollständig winterhart
und, da er auch sonst wenig empfindlich ist, in Bezug auf
den-Standort nicht wählerisch. Die Anzucht der Stammform
und der samenbeständigen Varietäten erfolgt durch Aussaat.
Die Varietät pendula mufs, wenn ihre ganze Schönheit
recht zur Geltung kommen soll, auf 2 m hohe Wildlinge
veredelt werden. Aufserdem verwende man diese Form nur
als Einzelpflanze auf grünem Rasen; es sei hier darauf
hingewiesen, dafs solche Bäumchen auch für kleine Gärten
geeignet sind. Sehr schöne Kontraste kann man mit den
Zieräpfeln im allgemeinen erzielen, wenn man sie im Vorder-
grunde von Coniferengruppen anpflanzt, da sich alsdann das
Weifs oder Rosa der Blumon von dem dunklen Grün des
Hintergrundes vortrefflich abhebt, nur dürfen die Zieräpfel
in ihrer späteren Entwickelung nicht von den Nadelhölzern
beeinträchtigt werden. Der pflaumenblättrige Apfelbaum
läfst sich als Einzelbaum wie auch innerhalb oder am Rande
gröfserer Gruppen gleich gut benutzen.

Kurt Marquardt.

Pflanzenkrankheiten.

Das Absterben der Pyramidenpappeln,
Von Johannes Schomerus.

Es dürfte vielleicht anmafsend erscheinen, ein so viel-
besprochenes Thema noch einmal erörtern zu wollen. Ent-
gegengesetzt der Meinung, dafs das Absterben der Pappeln
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