Die Gartenkunst — 1.1899

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170 DIE GARTENKUNST I, 10

Friedhofsanlagen.

Der parkartige Friedhof.

Von Ibach, Stadt. Friedhof-Inspektor in Köln-Mclaten.

(Hierzu der Plan Seite 173.)

Die Frage: „Ist die Anlage parkartiger Friedhöfe er-
strebenswert" beantworte ich unbedenklich mit „Ja", und
zwar aus nachstehenden Gründen.

Der regelmäfsig angelegte Friedhof ist zweifellos seit-
her in den meisten Fällen nur deswegen bevorzugt worden,
weil seine Anlage wenig oder gar keine Schwierigkeiten
bot und man dabei der Hilfe des Gärtners entraten konnte.
Die Einteilung der Gräberfelder war eine sehr einfache
und unleugbar zweckentsprechende, die Kaufgräber
wurden entlang der Hauptwege angeordnet und das Innere
der Felder für die Gräber der allgemeinen Reihe ver-
wendet. Kurz, der regelmäfsig angelegte Friedhof machte
die wenigsten technischen Schwierigkeiten, gestattete zweifel-
los die rationellste Ausnützung des Grund und Bodens —
allerdings auf Kosten der Schönheit — und erfüllte so
lange seinen Zweck, als man keine höheren Anforderungen
stellte und, was wohl sehr in die Wagschale fiel — meist
nur über verhältnismäfsig kleine Friedhofgrundstücke ver-
fügte. Noch zu Beginn unseres Jahrhunderts lagen in den
meisten Städten die Friedhöfe inmitten der Stadt und um
die Kirchen; eine Erweiterung war nahezu vollständig aus-
geschlossen; jeder noch so kleine Raum mufste benützt
werden, es blieb also — selbst bei gutem Willen — kein
Platz für eine auch noch so bescheidene Pflanzung. Als
man dann später anfing, die Friedhöfe vor die Thore der
Städte zu verlegen, war die sparsame Benützung des
Grund und Bodens zu Beerdigungszwecken so in Fleisch
und Blut übergegangen, dafs man sich auch hier scheute,
einen Teil des Terrains zu Schmuckanlagen zu verwenden,
und so unterblieb vielfach auch hier jedweder gärtnerischer
Schmuck oder beschränkte sich auf die Pflanzung einzelner
Baumgänge.

Nichtsdestoweniger findet man schon eine ganze An-
zahl von Friedhöfen aus der Mitte unseres Jahrhunderts,
deren Anlage die Hand des Gartenkünstlers erkennen läfst
und die, obgleich in regelmäfsigem Stile angelegt, auf
hervorragende Schönheit berechtigten Anspruch erheben
können. Es soll überhaupt der regelmäfsigen Friedhofs-
Anlage keineswegs der gartenkünstlerische Wert abge-
sprochen werden — im Gegenteil — ein mit Verständnis
angelegter regelmäfsiger Friedhof kann in einzelnen Partien
imposant wirken und wird den Besucher in eine feierlich
ernste Stimmung versetzen. Wirkt im allgemeinen schon
eine in regelmäfsigem Stile hergestellte Anlage — ich
erinnere nur an viele unsrer alten Schlofsgärten — ernst
und feierlich, so ist dies in erhöhtem Mafse bei einem
Friedhofe der Fall, da naturgemäfs der Ernst und die Würde
des Ortes in Verbindung mit dem feierlich-imposanten Ein-
druck der langgestreckten Alleen dunkellaubiger Coniferen,
oder hochragender Platanen, Ahorn oder Linden eine noch
erhöhte Wirkung erzeugt.

Aber — so darf man fragen — ist es recht, den an

sich schon jeden denkenden Menschen ernst und feierlich
stimmenden Friedhof durch eine ernste und in vielen
Fällen düster gehaltene Bepflanzung noch düsterer zu
stimmen? Sollte es nicht die Aufgabe des .Gartenkünstlers
sein, dem Friedhofe durch die Art seiner Anlage und Be-
Bepflanzung das Bedrückende und Leidvolle, wenigstens
so weit dies möglich ist, zu nehmen? Würde es nicht das
Herz einer Mutter, die ihr Liebstes der Erde anvertrauen
mufste, mehr erfreuen und trösten, wenn sie ihren Liebling
zwischen blühenden Sträuchern gebettet weifs, als auf
einer kahlen, nackten Fläche?

Sollte nicht der Anblick einer im vollen Schmuck des
Frühlings stehenden Anlage, der Blick über wohlgepflegte
grüne Rasenflächen, ein an passender Stelle angebrachtes
schönes Blumenbeet das Herz des Trauernden erfreuen und
trösten ? Wer will es dem Gartenkünstler verdenken, wenn er
den Trauernden geradezu zwingt, ehe er die Stätte, die sein
Liebstes birgt, erreicht, sich am Anblick einer lieblichen
Scenerie zu ergötzen, seinen Weg erst durch eine Herz
und Sinne erfreuende kleinere oder gröfsere Parkanlage zu
nehmen ?

Und wer würde es namentlich an all den Orten, die
öffentliche Anlagen nicht besitzen, nicht mit Freuden be-
grüfsen, wenn ihm wenigstens der Friedhof, auf dem er
später seine letzte Ruhestätte finden soll, schon zu Lebzeiten
ein ruhiges, freundliches Plätzchen zur Erholung böte?

Wohl soll der Friedhof an erster Stelle Ruhe und
Frieden bewahren, das wird er aber durch den ihm selbst
innewohnenden Ernst und ist es datier in den wenigsten
Fällen zu befürchten, dafs er diese Ruhe durch erhöhten
Besuch verliere.

Wird nicht ein schön angelegter und gut unterhaltener
Friedhof die Hinterbliebenen mehr veranlassen, ihre lieben
Verstorbenen öfter zu besuchen, als dies geschähe, wenn
das Gegenteil der Fall wäre?

Wir schmücken die Gräber unserer Lieben so gerne
mit den lieblichen Kindern Floras und selbst wenn der
Winter sein grofses Leichentuch über den Gottesacker aus-
breitet, wollen wir Blumen auf den Gräbern — und sei es
nur in Form eines Kranzes oder Straufses — nicht
missen; sollen wir den Ruhestätten unserer Lieben, diesen
Bildern der Vergänglichkeit, aber auch der über das Grab
fortdauernden Liebe nicht durch ihr Verbringen in eine
künstlerisch-schöne, dauernde Umrahmung erst die rechte
Schönheit verleihen?

Und würde es nicht die Herzen der mit Glücksgütern
nicht Gesegneten, denen in so vielen Fällen bittre Armut
nicht gestattet, die Ruhestätten ihrer Heimgegangenen zu
schmücken, ganz besonders erfreuen, wenn wir wenigsten
die Umgebung der Grabstätten dieser Enterbten des Glückes
möglichst freundlich gestalteten?

Empfiehlt sich also die Anlage parkähnlicher Friedhöfe
schon aus Gründen der Schönheit und des Gefühles, so
dürfte es nicht schwer fallen, sie auch aus praktischen
Gründen erstrebenswert zu finden.

Wenn wir uns vergegenwärtigen, mit welch grofsen
Schwierigkeiten es in vielen Fällen verknüpft ist, alte,,
innerhalb der Städte gelegene und längst für Beerdigungen
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