Die Gartenkunst — 1.1899

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DIE GARTENKUNST

mission für Umarbeitung der Honorarforderungen ist, anheim-
stellte, diesen Punkt bei der Durchberatung mit in Betracht
zu ziehen.

Da dieser Gegenstand verlassen wird, so fragt Herr
Lindemuth an, wie es möglich wäre, dafs mit Bezug auf den
Bericht der im Mai abgehaltenen Sitzung, welcher im Vereins-
organ erst am 1. Juni, dagegen im Handelsblatt schon am
25. Mai erschienen sei, andere Fachzeitschriften die Sitzungs-
berichte eher brächten als das Vereinsorgan. Hierauf erwidert
der Schriftführer, dafs es in solchen Fällen sich nur um Aus-
züge handeln könne, welche anderen Zeitungen zu übergeben
er im Interesse und zum Wohle des Vereins für nötig erachte.
Zu diesen Artikeln jedesmal die vom Vorredner verlangte
Genehmigung des Vorsitzenden einzuholen, dürfte zu weit
führen und die Thätigkeit eines Schriftführers als nicht
erspriefslich beeinflussen. Unter Bezugnahme auf den betreffen-
den Artikel entspann sich ein längerer Meinungsaustausch, in
welchem Herr Lindemuth die Richtigkeit der geschilderten
Sachlage nicht anerkannt haben wollte, während die übrigen
Redner die Schilderung als den Thatsachen entsprechend hin-
stellen.

Der Vorsitzende machte dann noch die Mitteilung, dafs
die heutige Sitzung in diesen Räumen die letzte gewesen sei,
da der Verein mit dem Klub der Landwirte nach Wilhelm-
strafse 133 übersiedele, wo auch die nächste Sitzung schon
stattfinde.

Der Vorsitzende: Der Schriftführer:

Fintelmann. Weifs.

Ein Besuch des Berliner zoologischen Gartens seitens
des Vereins deutscher Gartenkünstler.

Ein kostbarer Spätsommernachmittag hatte am 8. September
eine stattliche Anzahl Mitglieder des Vereins „Deutscher Garten-
künstler" zur Kenntnisnahme der gärtnerischen Umgestaltungen
des Berliner zoologischen Gartens am neuen, japanisch-indischen
Elefantenportal, welches diesesmal in sinnig-stimmungsvoller
Weise den Rendez-vous-Blatz abgeben sollte, zusammengeführt
Wer bis etwa vor einem Jahre unseren zoologischen Garten
kannte, dem war er als eine verworrene, umfangreiche Wald-
idylle im Gedächtnis mit planlos verschlungenen Wegen, zahl-
losen, die Kamele umhüpfenden Kinderscharen, geputzten
orientalischen Adoptivgermaninnen und einem überreichen dicht-
gedrängten Baumbestand alter Eichen, aus deren Wipfeln der
indische Elefantenpalast als das eigentliche, charakteristische
Wahrzeichen des Gartens mit seinem bunten Kuppelbauch
hervorragte. Seit einem Jahre nun ist mit dem neuen Aktien-
gold für diesen so überaus beliebten, aber ganz und gar ver-
alteten und den Ansprüchen an modernen Komfort lange nicht
mehr genügenden Garten der Residenz ein neues, vielver-
heifsendes Morgenrot angebrochen. Mit aufserordentlichem
Geschick haben jetzt Gartonkünstler und Architekten ihr bestes
Können eingesetzt, um ihre eigenartigen, klar diirchdachten
Projekte zu verwirklichen. Aus einer Konkurrenz, welche die
Gesellschaft zwecks Errichtung neuer Verwaltungsgebäude am
Kurfürstendamm ausgeschrieben hatte, ging die bekannte
Berliner Architektenfirma Zaar & Vahl als Siegerin hervor.
Man mufs gestehen, sie haben mit kühnem Griff einen guten
Wurf gethan, als sie für diese neuen Bauten den reizvollen
japanischen Stil in Anwendung brachten. Diese weifsen Wand-
flächen mit den fein modellierten Tiermasken, diese eleganten.

frischroten Holzgalerien mit den aufgemalten, japanischen
Ornamenten und oben drüber die kühn geschwungenen, grün-
gedeckten Dächer mit den keck sich vorlegenden Randlinien
geben ein farbenfrohes, heiteres Stimmungsbild, das den Ein-
tretenden allein schon in hoffnungsfreudige Laune versetzen
mufs. Dazu das pompöse Mittelportal, dessen flott geschweifter
Dachbogen auf Säulen ruht, welche man wiederum auf den
Rücken von gewaltigen Sandsteinelefanten gestellt hat,
denen diese Last auf die Dauer jedoch etwas schwer erschien,
so dafs sie, in philosophische Seelenbetrachtung verloren,
schwerbeladen hingesunken sind.

Aber nicht die Schöpfungen genialer Baukünstler, nein,
vor allem die wohlgelungene gartenkünstlerische Umgestaltung,
ohne welche die obigen launigen Architekturen doch nur eine
Kulisse bleiben würden, hat uns hierhergeführt. In dankens-
werter Weise hatte Herr Tiergartendirektor Geitner uns im
Tiergarten empfangen, um die weitere Führung und Erläuterung
zu übernehmen. War es uns allein schon eine besondere Ge-
nugthuung, diesen für die moderne Berliner Gartenkunst so-
bedeutungsvollen Herrn auch einmal im Kreise unseres Vereins
zu begrüfsen, was uns bisher leider versagt blieb, so konnten
wir für unseren Besuch keinen geeigneteren Führer wünschen,
als den zielbewufsten Schöpfer all dieser neuen gartenkünst-
lerischen Ideen, die gröfstenteils bereits durchgeführt vor uns
lagen, teils aber noch der Vollendung harren. In der Achse
des oben erwähnten Elefantenportals ist rechtwinkelig zum
Kurf ürstendamm eine grofsartige Avenue durch Ausholzen des
alten Baumbestandes durchgelegt, die zunächst ihren Abschlufs
findet in einem monumental aufgebauten, vornehm in blau
und gold gehaltenen Musikpavillon, der ein vorzügliches Pendant
zu dem obigen Eingangsportal bildet, wodurch diese ganze
Allee zweifellos einen imposanten Charakter erhalten hat. Diese
selbst ist in der Mitte mit einem breiten Rasenstreifen ge-
schmückt, der an den Hauptpunkten in Form und Farbe sehr
fein durchdachte Blumenornamento aufnimmt, während zu
beiden Seiten breite, vornehm mit Mosaiksteinen ausgelegte
Promenadenwege laufen, die ihrerseits wieder einen wirksamen
Abschlufs in prächtigen Platanenkronen finden, deren helles
frisches Blattgrün einen famosen Kontrast zu den dunklen
Laubmassen der alten Eichenbäume giebt. Ein belebendes
Element hierzu bildet das üppige Strahlenbouquet einer eleganten
Fontäne, die vor dem erwähnten Musikpavillon ihre Wasser-
massen hochwirft und gleichsam als Centraipunkt gedacht ist
für 2 weitere Avenuen, die sich links nach dem Bahnhof und
rechts nach dem alten Haupteingang am Lützow-Ufer ab-
zweigen. Während beide in gleich vornehmer Weise durch-
gebildet sind, wie die oben geschilderte Hauptallee, ist der
linksseitigen noch ein prächtiger, kostbarer point de vue in
einer echt Begasschen Marmorgruppe gegeben. Mit fein-
künstlerischem Humor hat Meister Begas den Moment erfal'st,
wo ein zynisch lüsterner Zentaur mit linkischer Grazie seinen
Arm einer üppigen formenschönen Nymphe als Steigbügel
offeriert, um mit dieser Sülsen Last fortzujagen in wonnige
Zaubergefilde. Zunächst scheint es beiden aber noch wohlig
zu behagen in dem lachenden Sonnengold, das durch die neu
geschaffenen Baumlichtungen zittert, und ich habe die Über-
zeugung, dafs es gelingt, dieses edle Paar zum Bleiben zu be-
wegen, wenn man ihm namentlich für den Winter, wo die
entlaubten Eichen keinen günstigen Hintergrund bilden werden,
eine dunkle Coniferenwand giebt.

Ist mit diesen neu geschaffenen Alleen, die, dixreh den
mittleren Gartonteil führend, die 3 Haupteingänge untereinander
verbinden, vorzugsweise eine geeignete Konzertpromenade für
die elegante Welt gewonnen, so hat man an der Peripherie
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