Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 22.1911

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INN EN-DEKORATION

ARCHITEKT CARL WITZMANN-WIEN. FENSTERPLATZ MIT SCHREIBTISCH U. LESETISCH IN DEM WOHNZIMMER EIN. MIETWOHNUNG.

dürfnisse erkennen. Die Forderungen der Zweckmäßig-
keit und Behaglichkeit finden ihre Erfüllung in der Raum-
disposition ebensosehr wie in dem geschickten Einbau
der Schränke, in der Formgebung der Einzelmöbel
und Stühle, der praktischen Schreibtische und Schreib-
schränke, der reizvollen Vitrinen und Tischchen. All
diesen Möbeln ist bei aller Schönheit und markanter
Eigenart eine gewisse Selbstverständlichkeit eigen; in
keinem der Räume ist irgend etwas Überflüssiges, die
Übersichtlichkeit und Ruhe Störendes oder unnötige
Hausarbeit Verursachendes, jeder Raum ist ein in sich
vollendeter Organismus, in dem der Mensch, der Bewohner
sich unbeengt bewegen kann. — Auch die Waschbarkeit
der in dem hellen Schlafzimmer reichlich verwendeten
Behangstoffe ist nicht außer Acht gelassen. — Dieselbe
Atmosphäre schmiegsamer Eleganz und modernen Kom-
forts weisen die Räume des Wiener Kaffeehauses auf, die
VVitzmanns Können und Gestaltungskraft auch solchen
Aufgaben gegenüber zeigen. — Besonders die Einzel-
heiten Witzmannscher Kunst sollten einem sorgfältigem
Studium von jenen unterzogen werden, die sich darüber
unterrichten wollen, was unsere Neuzeit in der Tat
Neues für Wohnung und Innenraum gezeitigt hat. L.

UEBER EINRICHTUNG DER KÜCHE.

TV'ein Raum im Wohnhaus hat in neuerer Zeit eine
gründlichere Verwandlung durchgemacht, als die
Küche. Das historisch gewordene Bild der alten Küche,
wie wir sie heute fast nur noch auf dem Fände an-
treffen, zeigt in allen Stücken seinen Gegensatz zu
unserer heutigen, von Hygiene und Technik beherrschten
Kultur des Wohnens. Mit der urwüchsigen Einlachheit
seiner Einrichtung, seiner rauchgeschwärzten Decke war
ein solches Kücheninterieur einem modernen an male-
rischem Reiz ebenso weit überlegen als es ihm an
praktischer Vollkommenheit nachstand. Namentlich nach
zwei Richtungen hin hat das moderne Küchenwesen
das alte überholt: das ist der sanitäre Gesichtspunkt
der Sauberkeit und die technische Vervollkommnung der
Kücheneinrichtung mit der damit zusammenhängenden
Erweiterung und Vervielfältigung der Küchenräume selbst.
Der'Hauptgegenstand aller technischen Verbesserungen
der Kücheneinrichtung ist naturgemäß der Mittelpunkt
der Küche: der Herd. Den alten Backsteinherd mit
offenem Holzfeuer und Rauchfang, der noch seine un-
mittelbare Abstammung von der vorzeitlichen Steinplatte
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