Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 42.1931

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INNEN-DEKORATION

PROFESSOR WALTER GROPIUS-BERL1N CAFE MIT BAR. GEMEINSCHAFTS-HOCHHAUS

kubisch faßbare Raumgebilde, angesichts dessen
man in der Tat von einem neuen, von einem prin-
zipiell neuen Wohn-, Raum- und Bau-Gefühl,
d.h. von einem neuen Stil wird sprechen dürfen
Die leichten und durchsichtigen Möbel aus Stahl
und Glas, die immer wiederkehren, sind logisch
aus solchem Raumgefühl erwachsen und ent-
wickelt, weil eben ihre Körperlosigkeit sie be-
fähigt, unaufdringlich zu dienen. Den funkelnden
Lichtreflexen ihrer geschmeidigen Gerüste gesellen
sich Polster aus Velours oder Leder, Platten aus
edlen Hölzern oder spiegelndem Glas. So etwa in
dem schönen und wohlklingend proportionierten
Hauptraum der Wohnung von Carl Otto und
Jan Ruhtenberg. Die hellen, kühlen Töne von
Wand- und Linoleum-Bodenbelag werden belebt
durch den stumpfen, grauroten Velour von Teppich
und Couch, durch den tief braunen Ton der Ma-
kassar- Ebenholz -Tischplatte, die elfenbeinfarbe-
nen Pergamentpolster der Stahlsessel, ein guter
Zusammenklang von empfindsamer Delikatesse.
Wo irgend möglich, liebt man das »Erdge-
schoß-Wohnhaus«, das der Naturverbunden-
heit unseres licht- und sonnenhungrigen Zeitalters

entspricht. Da ist z. B. das Vierraumwohnhaus der
Brüder Luckhardt, bescheiden in den Ab-
messungen, doch von weltmännischer Eleganz der
Haltung. Hier ist die kubische Bestimmtheit der
Raumgrenzen nirgends verschleiert; eine recht-
eckig begrenzte, rechteckig überdachte Terrasse
bringt dies Gefügte auch dort zum Ausdruck, wo
die Bindung zur rahmenden Landschaft eintritt.
Nicht die Natur tritt in das Haus, sondern die
Festigung des Raumes erstreckt sich ins Freie. Der
Hauptraum öffnet sich in voller Breite; die zart-
gelb gesinterten Fliesen, die Wand und Boden des
Wohnraumes bekleiden, decken auch die Ter-
rasse. Warmes Purpur violett ist als Veloursteppich,
als Möbelpolster dazu abgestimmt und kehrt als
dunkelgetönte Rückwand wieder in den Kunst-
harz-Türplatten der eingebauten Schränke.

Eine andere Art, die Enge des gegebenen
Raums zu überwinden, findet Marcel Breuer in
dem luxuriös ausgestatteten »Hauseines Sport-
mannes«. Hier ist prinzipiell nur ein großer recht-
eckiger Raum vorhanden, von dem durch Schränke
oder Faltwände Kojen für »Schlafen«, »Baden«,
»Umkleiden«, »Essen« und »Arbeiten« abgeteilt
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