Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 22.1911

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XX». JAHRGANG.

DARMSTADT.

NOVEMBER 1911.

DAS HOTEL »KÖNIG LAURIN« IN BOZEN.

ERBAUT VON ARCH1T. BRÜDER LUDWIG MÜNCHEN.

Das Ziel des modernen Hotels ist - - kein Hotel
zu sein. Darin liegt der Gedanke, der die
Entwicklung des Hotelwesens in neuerer Zeit be-
stimmt hat. Die Absicht ist, alles vergessen zu
machen, was an die Unruhe der Reise erinnert
und alles das zu geben, was den Fremden sich
»zu Hause« fühlen läßr. Denn der Reisende be-
gehrt heute nicht nur Wohnung mit Essen und
Trinken, sondern er will nicht einmal mehr an das
Berufsmäßige des Hotelbetriebes erinnert werden.
Die Kunst des Hotelbetriebes ist die, viele Leute
zu vereinigen, die alle möglichst für sich bleiben
wollen. So treten an die Stelle der table d'höte
die Einzeltische und an Stelle der Einzelzimmer
die Zimmerreihen, aus denen sich leicht kleine ab-
geschlossene Wohnungen zusammenfügen lassen.
Aus dem Gasthause wird ein gastliches Haus, das
mehr und mehr den Charakter des vornehmen
Privathauses erhält. Dem Architekten erwachsen
aus diesen Problemen ganz neue, eigenartige Auf-
gaben. Wo diese Aufgaben richtig gelöst sind,
da fühlt sich der Reisende auch an fremdem Orte
gleich behaglich. Man kommt heim wie vom
Spaziergange, betritt ein Haus, vor dem man
zwanzig Jahre früher nie auf den Gedanken ge-

kommen wäre, daß ein Hotel darin stecke. Man
wird von einem wohltuenden, geräumigen Hallen-
räum aufgenommen, der den Eindruck macht, als
seien wir von einem reichen Freunde eingeladen.
Man steigt eine bequeme Treppe empor und erhält
die angenehmsten Zimmer angewiesen, in denen
jede Linie darauf bedacht scheint, behagliche
Ruhe und Zuflucht vor der Außenwelt zu schaffen.
Von der Art ist das Hotel »König Laurin«
in Bozen. Die Architekten Brüder Ludwig haben
es für den Bozener Hotelier Staffier als moderne
Ergänzung zu dessen älteren Bauten »Bristol« und
»Greif« errichtet. Bozen gewährt alle Möglichkeiten,
einen solchen Bau schon durch seine Lage wirken
zu lassen. Die Berge türmen sich zum bedeutenden
Hintergrund, und von ferne leuchten die Gipfel des
Rosengartens und erinnern an die alte Sage vom
Zwergenkönig Laurin, der mit Dietrich von Bern
und dessen Recken manches Sträußlein auszufechten
hatte. Es war ein glücklicher Gedanke, den Neu-
bau mit dem Namen König Laurins zu verbinden.
Die Architektur knüpft in reizvoller Weise an
heimische Baugewohnheiten der ausgehenden Barock-
zeit an; der Mittelteil des harmonisch gegliederten
Gebäudes wird begrenzt von zwei maßvoll vor-

1911. XI. 1.
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