Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 1.1904-1905

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Nr. 3.

BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

47

Wenn ich nach einer Photographie ur-
teilen darf, besitzt auch Herr Professor Lotmar
in Bern einen Jeroom Janssens.

Hieronymus Janssens hat wohl auch ge-
legentlich Figürchen in die Architekturbilder
gemalt, die in Antwerpen zwischen ungefähr
1650 und 1693 entstanden sind.

Dieser Janssens ist 1624 geboren
und 1693 gestorben. Zwischen
1662 und 1668könnte er mit An-
thoni Günther Gheringh
zusammengemalt haben, der
(nach Van den Brandens An-
gabe) 1662 in Antwerpen Frei-
meister wurde und 1668 ge-
storben ist. So kann man wohl
vermuten nach einem guten
signierten Bild des Gheringh
aus dem Jahre 1665, das 1902
in Budapest ausgestellt war
(Nr. 10 des Kataloges, der als
Besitzer nennt Gustav Ger-
hardt),auchnach dem Gheringh
von 1663 in München, ein wenig
auch nach den Bildern in Wien
im Hofmuseum und in der
Akademie der bildenden Künste.

Für die Figürchen auf den
Antwerpener Architekturbil-
dern aus der zweiten Hälfte
des XVII. Jahrhunderts kommt
freilich auch noch in Frage
JanSiberechts (geboren 1627,
zwischen 1672 und 1687 nach
London verzogen, wo er 1703
gestorben sein soll), ganz ab-
gesehen davon, daß einerseits
der berühmte David Teniers
der Jüngere hie und da
Figuren in Antwerpener (und
Brüsseler) Architekturstücke
von anderer Hand gemalt hat
und daß anderseits ganz kleine
Kunstleute auf dem Gebiet des
Staffierens tätig waren.

Belliniano nannte. Bei dieser Zuschreibung
stütze ich mich auf Übereinstimmungen mit
sicheren Werken des genannten Bellinesken-
Malers, besonders auf die stark hervortretende
Übereinstimmung in Auffassung und Mache
mit den Porträtfiguren links auf dem großen

Jeroom Janssens : Gesellschaftsbild in der Galerie Hoschek zu Prag.

MITTEILUNGEN ZU VITTORE DI
MATTEO, GENANNT VITTORE
BELLINIANO.

In der neu gebildeten Gemäldesammlung
zu Straßburg im Elsaß steht ein gutes vene-
tianisches Bildnis aus dem frühen XVI. Jahr-
hundert ganz kurz (mit Nr. 276) verzeichnet
als Werk des Giovanni Cariani. Ich halte das
Bild für eine Arbeit des Bellinischülers Vit-
tore, der sich selbst wiederholt Vittore

signierten Bilde in der Wiener Akademie.*)
Man kann sogar eine gewisse Porträtähnlich'
keit mit einem der Köpfe im Wiener Bilde
herausfinden. Ich lege diese Angelegenheit den
Fachgenossen zur Begutachtung vor.

Hierzu Frimmel: „Geschichte der Wiener
Gemäldesammlungen", Kap. IV, S. 105 ff., wo auch
G. Ludwigs archivalische Forschungen benützt sind
und die ältere Literatur angegeben wird. Ridolfi
(I, 61) und Boschini beschreiben das große Gemälde
noch als Bestandteil der Scuola di San Marco in Venedig.
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