Frimmel, Theodor von [Hrsg.]
Blätter für Gemäldekunde — 1.1904-1905

Seite: 63
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Nr. 4.

BLÄTTER FÜR GEMÄLDEKUNDE.

63

Abraham v. Cuylenborch: Landschaft mit Nymphen. Sammlung Gaston Ritter von Mallmann zu Blaschkow.

Zum Bildchen von David Teniers
dem jüngeren: Der Geruch, das im ersten
Heft dieser Blätter besprochen ist, kann ich
einige Bemerkungen nachtragen. Bezüglich des
Materials und der Technik ist zu bemerken,
daß es auf Eichenholz gemalt ist, dessen Fa'
serung, wie gewöhnlich, der längeren Ab'
messung parallel läuft. Eine leichte Schwin'
gung der Fasern gegen rechts unten kommt
auch auf der Vorderseite zum Ausdruck. Sogar
die Abbildung läßt sie erkennen. Auf dem Brett'
chen sitzt, wie bei allen echten Holzbildern
des Teniers ein dünner weißer Grund. Die
Malerei, frei und sicher, wie sie nur ein
Meister von Gottes Gnaden malt, ist in zäher
Farbe ausgeführt, die als Ölfarbe im wesent'
liehen anzusprechen ist. Wie es scheint, ist
das prächtige Stück alla prima gemalt. Es
hat, was bei Teniers gewöhnlich ist, nur
wenig durch Risse gelitten. In der Abbildung

rührigen Verlagsanstalt F. Bruckmann A. G. in Mün-
chen, die gegenwärtig neue Reihen von Aufnahmen
machen läßt, und zwar in der Pariser Ausstellung
altfranzösischer Kunst, in der Düsseldorfer Ausstellung
und in den Galerien zu Amsterdam und Wien.

bemerkt man links einen Schattenstreifer,
Es ist der Schlagschatten des Rahmens, der
nicht entfernt worden war, als die photo-
graphische Aufnahme geschah. Die Maße
sind i8-8Xi3‘6, was allerdings dem Felde des
alten Stiches *) nicht vollkommen entspricht.
Doch wird bei der sonstigen Übereinstimmung
die Identifizierung, die im ersten Heft fest'
gestellt wurde, in keiner Weise beeinträchtigt.
Nach wie vor bleibt es klar, daß wir das
Bildchen vor uns haben, das einst in der
Sammlung der Comtesse de Verrue ge'
wesen.

Die Wege des kleinen Bildes, seitdem es
aus der Kollektion der Comtesse de Verrue
fortgekommen ist, bleiben noch großenteils
dunkel. Smiths Catalogue raisonne (III, 1831,
S. 243) erwähnt die Reihe der fünf Sinne, der
das Bildchen angehört, als Bestandteil der

*) Wie mir Herr von Mallmann mitteilte, hat
Alfred v. Wurzbach ihm den Stich von Gabrieli zum
Geschenk gemacht, als Mallmann das dazugehörige
Bildchen in einer Wiener Versteigerung erworben
hatte. Die Reihe von Le Bas wurde durch mich auf
das kleine Gemälde bezogen.
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