Frimmel, Theodor von [Editor]
Blätter für Gemäldekunde — 1.1904-1905

Page: 158
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BLATTER FÜR GEMALDEKUNDE.

Nr. 8.

3300 G„ zwei weitere Bildnisse Romneys je
über 3000 G„ Crome: „On the Yare, Norwich,
above the New Mills" 1900 G„ ein Bildnis von
Hoppner 1750 G„ ein Cotes: Kitty Fisher
1700 G.

Bei der Versteigerung von Gemälden
moderner Meister durch E. Hirschler & Cie-
in Wien (I., Plankengasse 7) wurden Mitte
Dezember 1904 u. a. folgende Preise erzielt:
Für ein Aquarell von Eug. v. Blaas: Vene^
zianerin 1050 Kronen, für Defreggers Tiroler
Mädl 3150* für G. Jacquet: Blondine 1680,
für J. Jungblut: Holländische Fischer 578,
für zwei Strandbildchen von Eug. Kampf
358, für Isidor Kaufmann: Polnischer Jude
294, für zwei kleine Orientbilder von A. L.
Mielich 440 und 494 K, für einen kleinen
späten Pettenkofen 588 K, für eine Meraner
Landschaft von Rob. Ruß 452 und für Joh.
Sperl: Oberbayrische Bauernstube 1995 Kro
nen. (D. N.)

Bei der Auktion Bratmann im k. k.
Versteigerungsamte in Wien gingen im
Dezember 1904 vier Bilder von J.Em. .Schind-
ler um 4800, 4700, 4100 und 3800 Kronen weg.
Rud. v. Alt: Kirchenportal brachte 3150 K,
Lenbach: Malaiisches Mädchen 3000 K.

Am 4. Jänner 1905 wurde im k. k. Ver-
steigerungsamte zu Wien der künstle^
rische Nachlaß des Malers Josef Fux unter
den Hammer gebracht. Der zweite Entwurf
von Fux zum Vorhänge des neuen Hofthea-'
ters in Wien ging mit 128 Kronen fort. Eine
Aquarellstudie von Leopold Burger, einem
Schüler des Malers Fux brachte 60 K. Geringe
Preise bei einigen Fuxschen Aquarellen. Das
Hauptbild des Nachlasses, ein Ölgemälde von
J. Fux: „Führe uns nicht in Versuchung"
wurde von Primavesi in Olmütz um 1000 Kro^
nen erstanden. (D. N.)

— In Wien wird am 12. Januar durch
C. J. Wawra das „Atelier C. Kaiser^Herbst"
im Künstierhause versteigert.

BRIEFKASTEN.

Kunstfreund in P. Über das fragliche Bild von
Hans Thoma aus der Versteigerung Keller & Reiner
in Berlin erfahre ich durch die genannte Kunsthand-
lung, daß es an M. Goldschmidt & Cie. nach Frank-
furt a. M. gegangen ist.

Herrn J. v. B. Auf Ihre Frage weiß ich eine,
vielleicht zutreffende Antwort, die ich damit gebe, daß
ich den Schluß eines Dramoletts hersetze, das den
Titel Neueste Philosophie führt:

Szenerie: Ein üppig eingerichtetes Zimmer. Durch
ein großes Fenster blickt man auf einen Hafen, wo
große Dampfer vor Anker liegen.

Personen: Doktor Wahllos, Professor der Philo-
sophie. Doktor Practicus, Naturforscher.

Sie schreiten in lebhaftem Gespräch auf und ab.

Doktor Wahllos: Mit Ihrem praktischen oder
praktisch sein sollenden Monismus, Neomaterialismus

und all dem Zeug, das immer wieder an eine wirk-
liche Welt glaubt, haben Sie mich gar nicht überzeugt.
Für mich ist alles, was ich mit den Sinnen wahr-
nehme, nur „Vorkommnis“. Ich für meine Person
habe das „Ich“ gänzlich aufgegeben. Ich bin nur eine
Reihe von Empfindungen.

Doktor Practicus: Aber Sie sprechen doch fort-
während von Ihrem Ich und wenden sich an mich als
an eine Art anderen Ichs! Und dann gestatten Sie mir
auch die Frage, ob Ihre Empfindungen an Ihnen oder
an anderen Vorkommen.

Doktor Wahllos: Ja natürlich an mir.

Doktor Practicus: Also an dem Ich, das Sie nicht
haben und das Sie nicht sein wollen.

Doktor Wahllos: Aber ich bin ja nur ein Emp-
findungskomplex. Begreifen Sie denn gar nicht?

Doktor Practicus: Sie treiben mich wirklich in
die Enge und werden wohl ungeduldig, wenn ich Sie
noch frage: woher kommen Ihre Empfindungen, wie
verbinden sie sich zum Denken? Die haben wohl kein
Vorher, kein Nachher : die treten wohl ganz zeitlos
bedingungslos, substratlos auf.

Doktor Wahllos: Daß ich durch solche Fragen
ungeduldig werde, ist ganz richtig. Denn ich lasse
mich auf Ihre platten Erörterungen überhaupt nicht
ein. Ich bleibe streng bei der Wissenschaft und gehe
über die Empfindungen nicht hinaus. Die sind meine
Vorkommnisse. Alles andere ist unreife Vermutung,
ja Phantastik oder gar vulgäres Gewäsch, im besten
Falle nichtige Metaphysik, die keinen Heller wert ist.

Doktor Practicus : Sie mögen ganz recht haben,
und ich will Ihnen nicht weiter widersprechen. Ob-
wohl Sie mir eigentlich den Beweis Ihrer Behaup-
tungen ein wenig verhüllen, bin ich doch vielleicht
nur eine Reihe von „Vorkommnissen“, vielleicht gar
nur ein „Empfindungskomplex“. Um so besser für
mich. Ich schulde Ihnen, wie Sie wissen, zwei Milli-
onen Mark mitsamt mehrjährigen Zinsen, Weder das
Kapital noch die Zinsen werden Ihnen jemals er-
stattet werden. Ich zahle grundsätzlich nur wirklich
vorhandenen Menschen. Stellen Sie sich das gefälligst
als ein „Vorkommnis“ zwischen zwei „Empfindungs-
komplexen“ vor. Ich habe keine Zeit zu weiteren Er-
örterungen, denn der Dampfer wartet nicht, mit dem
ich in wenigen Minuten abreise — nach Amerika.

Doktor Practicus wendet sich rasch nach der Tür
und will das Zimmer verlassen. Doktor Wahllos
stürzt auf ihn zu. Wüste Prügelei.

Der Vorhang fällt.

Herrn L. K. Wien. Ich habe mich um diese An-
gelegenheit nicht gekümmert, kenne das fragliche Re-
lief nur nach Abbildungen und mag mich auch jetzt
nicht in diese eklige Geschichte mischen.

Herrn J. in G. Joh. Michael Sattler ist am
28. September 1786 „auf dem Berge Neuberg bei Her-
zogenburg in Unterösterreich“ geboren und am 28. Sep-
tember 1847 zu Mattsee gestorben. Die Selbstbiographie
seines Sohnes Hubert Sattler ist getreu nach der
Handschrift abgedruckt in der Wiener „Montagsrevue“
vom 6. Juni 1904. Dieser Hubert Sattler ist in Wien
am 27. Jänner 1817 geboren und am 3. April 1904 in
Wien gestorben (Todesdatum nach dem Partezettel.
Das Datum der Geburt nach den eigenen Angaben
Hubert Sattlers). Wie ich sehe, sind Sie über das
Panorama in Salzburg wohl unterrichtet. Was ich
als Ergänzung Ihrer sonstigen Angaben bieten kann,
wäre ein Hinweis auf eine J. M. Sattlersche Ansicht
von London aus dem Jahre 1840 und auf eine Ansicht
des Wiener Stefansdomes in der Universitätssamm-
lung in Würzburg und darauf, daß J. M. Sattler ein
Brustbild Hubert Maurers gezeichnet hat, das 1816
von Benedetti gestochen ist. Werke von Hubert Satt-
ler befinden sich in Gran. 1903 wurden einige in
Wien versteigert.

Mehreren Hörerinnen des Athenäums. Den
Kurs über Galerienkunde werde ich nicht
fortsetzen, da die Bedingungen sich wesentlich ge-
ändert haben.

Für unverlangte Einsendungen wird keine Bürgschaft geleistet. Preis dieses Heftes 1 K 20 h = 1 M.
Klischees von der „Graphischen Union“. — Druck von Friedrich Jasper in Wien,
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