Heidelberger Zeitung — 1865 (Juli bis Dezember)

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rücht, welchem zufolge auf der Jnsel em Cholera-
fall vorgekommen sein sollte, in Abrede.

Die „Correspondencia" und andere spanische
Blätter versichern, daß die Ancrkennung des
Königreichs Jtaliens nachstens statthaben werde,
ohne die Jnteresien des Katholicismus zu ver-
letzen.

Nachrichten aus Aegypten zufolge, hat in
Alcxandrien die Cholera jetzt stark abgenommen
und ihre Daucr ist wohl nur noch eine sehr
kurze.

D e ii t f ch l a » d

Karlsrtthe» 7. Juli. Ueber das höchst be-
dauerliche Ableben Jhrer Kön. H.oh. d,er Gryß-
herzogin Sophie theilt die „Karlsr. Zeitung"
noch folgendes Mhere mit:

Ein schwerer Schlag hat unekwartet die
Großherzogliche Familie betroffen; nachdem die-
selbe crst vor wenigen Tagen so reich, gesegnet
worden war, ist hcute die erhabene Fürsten-
mutter dem Großherzoglichen Hause» und dem
Lande durch den Tod entrissen worden.

Jhre Königliche Hoheit die Großherzogin
Sophie, geborne Kön. Prinzessin von Schwe-
den, ist heute Abend halb sicben Uhr ihrer
Krankheit erlegen.

Nachdem die hohe Verewigte schpn seit mehre-
ren Jahren an Lungentuberkulose schwer ge-
litten hatte, trat am 29. Juni zu dem beste-
hendeu Leiden ein entzündlicher Rheumatismus
der Brustmuskcln, der rasch daS Ende herbei-
führte.

Seit dem Auftreten der letzten Krankheit
kamen Scine Königliche Hoheit der Großherzog
und Sesne Großherzogliche Hoheit der Prinz
Wilhelm täglich von Baden hieher und ver-
brachten den größten Theil des Tages im Pa-
lais der Durchlauchtigsten Mutter; auch Jhre
Kaiscrliche Hoheit dic Frau Prinzessin Wilhelm
verweilte scit gestern in Karlsruhe, um der
hohen Kranken nahe zu sein. Jm Laufe des
heutigen TageS traf Seine Königliche Hoheit
der Prinz Wasa, Brudcr der Großherzogin
Sophie, dahier ein.

Während dic hohe Kranke heute Vormittag
Sich anscheinend erleichtert gefühlt hatte, trat
gegen 2 Uhr NachmittagS ein abwechselnd mit
Bewußtlosigkeit verbundcuer, stets zunehmender
Schwächezustand ein, der allmälig ein schmcrz-
loscs, schlummerähnliches Dahinscheiden herbei-
führte. Beim Eintritt des Todes war die hohe
Sterbende umgeben von Jhren Söhnen, dem
Großherzog und dem Prinzen Wilhelm, der
Prinzessin Wilhelm und dem Prinzen Wasa,
sowie den Personen Jhrer Umgebung, die
Höchstderselben seit einer langen Reihe von
Jahren treu zur Seite gestanden haben, und
welchen sich auch der Hofprediger Doll ange-
schlosien hatte.

An diescm zunächst die Großherz. Familie
so tief erschütternden Ercigniß wird das Land
den aufrichtigsten Antheil nehmen; dic Ba-
dener verrhrten in der hoben V§rewigten nicht
blos die Mutter ihres erlauchten allverehrten,
theuern Landesfürsten, sondern auch die durch
hohe Gaben ausgezeichnete, in treuer Liebe für
Jhre Landesangehörigen segensreich wirkende
Fürstin.

Die „Bad. L.-Ztg." bemerkt noch über die
letzten Augenblicke der hochverehrteu Fürstin:

Die hohe Verblichene scheint bewußtlos von
dieser Erde geschieden. zu sein, denn noch kurz
vor dem Tode erhielt die sämmtliche tief gc-
beugte Dienerschaft der Höchstseligeu von S. K.
Hoh. dem Großherzog die Erlaubniß, die in-
nigst geliebte, allverehrte Herrin noch einmal
im Leben zu sehen, welche ohne Zcichen des
Bewußtseins und des Schmerzes auf dem Slerbe-
bette lag. S. K. H. der Großherzog und S. G.
Hoh. der Prinz Wilhelm weilteu in Thränen
bis zum letzten Augenblicke am Lager der vielge-
liebten Mutter und auch S. K. H. der Prinz
Gustav von Wasa war noch rechtzeitig hier
angelangt, um die durchlauchtige Schwester
das letzte Mal im Leben zu sehen.

Karlsruhe, 7. Juli. Heute früh 7 Uhr
begab sich der Präsident des Ministeriums des
Großh. Hauses in Begleitung des großh. Geh.
LegationSraths v. Pfeuffer in das Palais der
Großherzogin Wittwe, um daselbst den Beur-

kundungsact über das höchstbedauerliche Hin-
scheiden Jhrer Königlichen Hoheit der höchst-
seligen Großherzogin Sophie von Baden in
üblicher Weise aufzunehmen. — Auf Sr. K.
Hoheit des Großherzogs Allerhöchstcn Befehl
soll eine Hostrauer auf drei Monate angelegt
und gctragen werden. — Das Großherzogliche
Armee-Corps trägt die Trauer nach der ihm
besonders crtheilt wexhenden Weisung.

K r g n k r e i ch.

Marseille, 5. Juli, Abends. Abd-el-Kader
ist diesen Nachmittag mit einem Dollmetschcr,
dem Sohne des französischen Consuls in Da-
mascus, angekommen. Briese aus Konstanti-
nopel yom 28. melden, daß der Sultan einen
bedenklichen Blutandrang gegen das Gehirn ge-
habt hat. Die Gefahr war überstanden. Am
27. befand sich der Sullan bereits weit besser.
Fuad Pascha hatte den Zustand seines Herr-
scherS geheim gehalten. Er hatte sogar den
Gesandten ein Fest und einen Ball gegeben,
um besser allen Verdacht abzulenken. Die
Börse war spätkr von der Bedenklichkeit der
Krankheit unterrichtet worden und'die Fonds
waren gefallen. Der Vicekönig von Egypten
ist in Konstantinopel mit großen Ehrenbezeu-
gungen empfangen worden. Man vcrsichert,
die Pforte gestehe ihm die Regierung über alle
türkischen Besitzungen des afrikanischen Ufers
des rythen Mceres zu.

— 6. Juli. Man meldet aus Konstanti-
nopel, daß das Gerücht einer Anleihe, welche
die türkische Regierung mit der allgemeinen
Gesellschaft abgeschloffen haben soll, durchaus
unbegründet is^ Die Unterhandlungen mit
dieser Gesellschast haben einzig und allein die
Ueberlassung eines Thejls der Abgaben mittelst
600,000 Fr. zum Zweck.

C n g la n d

London, 5. Juli, Abends. Die officielle
Correspondenz, welche dic Cabinette von London
und Washington miteinander gewechselt haben,
ist dem Parlament vorgelegt worden. Jn einem
Schreiben vom 2. Juni benachrichtigt Graf
Russell den Hrn. Bruce, englischen Gesandten
in Washington, davon, daß die englische Regie-
rung, da sie den Krieg als geendet betrachtet,
den conföderirten Schiffen das Rechl Kriegfüh-
render entzogen hat. Die Antwort des Hrn.
Seward an Hrn. Bruce ist vom 19. Juni da-
tirt. Der amerikanische Minister sagt darin,
ver Präsident habe mil Befriedigung erfahren,
daß England das Enve des Krieges anerkannt
und den conföderirten Schiffen das Recht Krieg-
führender entzogen habe, aber, fügt er hinzu,
die Retzierung der Vereinigten Staaten gibt
nscht zu, was sie stets geleugnet hat, jondern
behauptet nach wie vor, daß das anfänglich von
England gemachte Zugeständniß der Rechte
Kriegführender an die Empörer weder gerechl,
noch nothwendig, noch den internationalen Rech-
ten entsprechend war. Hr. Seward bedauert,
daß England es für angemesseu gehalten habe,
sich mit Frankreich über die Frage zu verstän-
digen, ob die englifche Regierung die Wieder-
herstcllung des FrtedenS in dcn Vereinigten
Staaten anerkennen werde. Er bedauerl die
Verfügung der Regierung, welche den conföde-
rirten Schiffen, die sich bereits in englischen
Häfen befanden, 24 Stunden zu ihrer Abfahrt
vergönnte. Er bedauert auch die Freiheit, die
den conföderirten Schiffen gclassen ist, während
eines Monats von Verkündigung des Decrets
an ihren militärischen Charakter abzulegen und
im Hafen zu bleiben, während sie eine anvere
Flagge aufziehen. Die Depesche des Herrn
Seward fährt fort, indem sie sagt, daß die
Vereinigten Staaten weit davon eutfernt sind,
die Gerechtigkeit oder die Gesetzlichkeit derartiger
Bestimmungen zuzugeben, und daß sie nicht
einer Verminderung der gegenseitigen Gast-
freundschaft zwischen den englischen und ameri-
kanischen Schiffen beipflichten köunen. So lange
England bei Aufrechthaltung der Negel der
obenerwähnten 24 Stunden beharrt, werden
die Vereinigten Staaten dieselbe Regel auf die
englischen Kriegsschiffe in Anwendüng bringen.
Die Vereinigten Staaten protestircn ebenfallS
gegen die den südstaatlichen Schiffen ertheilte
Erlaubniß zu entwaffnen und eine andere Flagge

aufzuziehen. Was die südftaatlichen Corsaren
betrifft, die sich in den unter englischer Herr-
schaft stehenden Häfen besinden, ob sie nun in
diese Häfen vor oder nach den neuen Befehlen
der engllschen Regierung dort eingelaufen sind,
so hält die Regiiwung der Vereinigten Staaten
mit Beharrlichkeir die Forderung aufrecht, daß
diese Schiffe ihr auf Verlangen überliefert wer-
den müssen. Wenn sie auf offenem Meere ge-
nommen.wcrden, wird ihre Wkgnahme als le-
gitim bctrachtet. Da die normalen Beziehun-
gen zwischen den beiden Ländern wiederherge-
stellt sind, so hört das Recht dcr Vereinigten
Staaten, die englischeu Schiffe zu visitiren auf.
Die Regierung der Vereinigten Staaten wünscht,
die englische Regierung möge oie dargelegten
Ansichten in einem Geiste aufiassen, der der
Herstellung ciner innigen und bleibendenFreund-
schaft zwischen den bciden Nationen günstig ist.

London, 6. Jnli. So eben hat der Schluß
der diesjährigen Session des Parlaments durch
eine königliche Commission stattgefuuden. Jn
der Schlußrede dankt die Königin dem Parla-
mente für die von ihm bewiesene Thätigkeit,
kündigt zugleich die Auflösung des Parlaments
an, bezeichnet die Beziehungen zum Auslande
als befriedigcnd und sagt, keine Frage sei in
der Schwebe, welche den europäischen Frieden
störcn dürfte. Die Königin drückt ihre Freude
über dic Becndigung des amerikanischen Krie-
ges aus, hofft das Wiederaüfblühell der Ver-
einigten Dtaaten, bedauert, daß die englisch-
amerttanische Conföderation nichl zu Stande
gekommen sei, äußert ihre Freude über die
Hebung des Wohlftandes in England, sagt, der
Vertrag mit dem Zollvereine sei vor.gelegt, und
hofft, daß durch denselben die Fortentwicklung
der Handelsbeziehungen zu Deutschland und
die Jnteresscn des Landes gefördert wcrden
mögen. Schließlich zählt die Rede die im Laufe
der Session angenommenen Bills auf.

S pa n i e n

Madrid, 6. Juli. Jn der Deputirten-
kammer unterstützte Nocedal einen Antrag gegen
die Anerkennung des Königreichs Jtalien. Der
Staatsminister erklärte: Die Regierung könne
wegen schwebender Unterhandlungen Spaniens
mit Jtalien und anderen Mächten stch nicht
an der Debatte betheiligen.

Neueste -tachricl-ten.

Newyork, 28. Juli. Alle Handelsbeschrän-
kungen westlich vom Mississippi wurden aufge-
hoben, ausgenommen die auf Kriegscontrebande
bezüglichen. Jn Savannah, Charleston, Norfolk
fanden scharfe Conflicte zwischen weißen und
schwarzen Truppen statt. — Goldagio 4(?/g,
Wechsel 54^/z, Bonds 37—38, Baumwolle
46-47.

Men, 7. Juli. (Tel. d. Postztg.) Frhr.
v. Halbhuber erklärte des Freiherrn. v. Zedlitz
Verlangen, regelmäßig den Sitzungen der Lan-
desregierung beizuwohncn, für ganz unzulässig.
Sämmtliche Regierungsräthe erbaten eventuell
ihre Entlassung.

Wien, 7. Juli, Nachmittags. Zn der heu-
tigen Sitzung des Herrenhauses wurde über
verschiedene Änträge zum Finanzgesetz verhan-
delt. Graf Leo Thun beantragt eine Erklärung
des Jnhalts: „Das Herrenhaus erkennt an,
daß es unthunlich sei, im Staatsvoranschlage
die StaatSausgaben abermals mit dem Betrage
einzustellen. welcher in den Einnahmen seine
Bedeckung nicht findet, und er spricht demnach
über die Finanzlage seine Ueberzeugung dahm
aus: Eine Steigerung der Einnahmen im Wege
der Steuergesetzgebung ift nicht mehr erreich-
bar, die Herstellung des Gleichgewichts ist daher
vor Allem dadurch bedingt, daß die Zähres-
ausgaben biS zum Betrag der Einnahmen redu-
cirt merden. Dies ist nur durch eine Aenderung
der bestehenden Einrichtungen zu erzielen, und
fernere Benutzungcn des Staatscredits sind nur
zu rechtfertigen, wenn dieselben sich als Mittel
darstellen, auf diesem Wege das Gleichgewicht
in naher Zukunft herzustellen. Das Herren-
haus erwartet daher, die Regierung werde eine
Creditvorlage nicht machen, ohne nachzuweisen,
ob und wie damit der erwähnten Anforderung

entsprochen werden könne." Dieser Antrag wird

einer Com'miffion von 7 Mitgliedern zugewiesen.
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