Heidelberger Zeitung — 1865 (Juli bis Dezember)

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Uri-tlbkrgrr Zrilung.

KreisverkündigungsblaU sür üen Kreis Heiüclberg unü uiiiUichcs Lerkünaiguugsblatt sür üie AnUs- unü Amts-
Gerichtsbezirke Heidelbcrg und Wiesloch mid den Amtsgerichtsbezirk Nelkargeuiüud.

M 22«


Dienstag, IS> Lcptcmber I8«L

Äiilaüuii zuni Aboimement.

Auf das mit dem 1. Octbr. beginnende vierte
Ouartal der „Heidelberger Zeitung"
laden wir anmit zum Abonnement ergebenst ein.
Die Heidelberger Zeitnng ist dnrch Beschluß
Großh. Ministeriums des Inncrn voni 24. No-
vember v. I., Nr. 14,731, als Kreisver-
küttdigungsblntt für den Kreis Heidel-
berg und als amtliclies Verkündigungs-
blatt für die Amts- und Amtsgcrichtsbezirke
Heidelberg und Wiesloeh und den Amts-
gerichtsbezirk Neckargemünderklärt wordeu,
in Folge deffen alle Bekanntmachungen der
belreffenden Staatsstellen darin zu erscheinen
haben.

Jndem wir uns im Uebrigen auf das mehr-
sach veröffentlichte ausführliche Programm be-
ziehen, bemerken wir hier noch, daß das vier-
teljährliche Abonnement in hiestger Stadt 1 fl.

3 kr., durch die Post bezogen 1 fl. 24 kr. be-
irägt. Jnserate, welche durch unsere Zeitung
die ausgedehnteste Verbreitung finden, werden
mit 3 kr. die dreispaltige Petitzeile oder deren
Raum berechnet.

Heidelberg, im Septbr. 1865.

DLe Exvedition.

(Schifsgasse Nr. 4.)

* Politische Umschau.

Die „Eisenbahnzeitung" widerspricht die Nach-
richt, daß der Redacteur May nach Friedrichs-
ort transportirt worden sei; derselbe habe am
Freitag Morgen Lübeck passirt, um aus die
Wittenberger Eisenbahnstation gebracht zu
werden.

Eine Correspondenz des „Alt. Merk." aus
Schleswig meldet die erfreuliche Thatsache, daß
Manteuffel die letzten Schritte des Hrn. von
Zedlitz desavouire und die mißliebigen Beam-
tmernennungen rückgängig mache.

Nach der „Opinione" soll dieser Tage eine
Conferenz zwischen Bismarck und den Mini-
stern von Baden und Würtemberg zur Fesr- ^
stellung des deutschen Standpunktes in der !
Alpenbahnfrage stattfinden.

Die von der preußischen Negiernng gegen I

die Mitglieder oes Abgeordnetentags beabsich-
ligten Schritte werden auch in ihrer Beschrän-
kung auf die preußischen Abgeordneten von of-
fiziöser Seite entschieden in Abrede gestellt.

Der Wiener „Kamerad" bezcichnet dic in
den Blättern circulirenden Gerüchte über die
Beurlaubung des Armee-Commandanten FZM.
Ritter v. Bcnedek samml und sonders als
grundlose Combinationen.

Das neueste französische Nundschreiben (Nr.
219) erklären Blätter, welche dem Borussen-
thum sehr ergeben sind, plötzlich für die offenste
Einmischung Frankreichs in deutsche Angelegcn-
heiten, und nach den Mittheilungen preußischer
Preßorgane sei die Note Englands über den
Gasteiner Bertrag noch viel verletzender. Ob-
gleich wir noch langc nicht an ein ernstliches
Zerwürfniß zwischen den Westmächten und
Hrn. von Bismarck glauben, so dürfte es dem-
selben doch wünschensmerth sein, sich einiger
BundeSgenoffen zu versichern. Aber wo sind
solche zu sinden? Weder Rußland noch Oestcr-
reich sind für den Gasteiner Vertrag begeiftert,
nnd die deutschcn Mittelstaaten hat Hr. von
Bismarck schon längft sich zu Feinden gemacht.
Jn allen Beziehungen gestalten sich die Ver-
hältniffe für den Berliner Hof so ernst, daß
man wahrlich dort Grund genug hätte, sich
nicht länger der Einsicht zu verfchließen:
„Preußen bedarf des übrigen Deutschlands
allermindestens ebenso sehr, wie das üdrige
Dentschland Preußens." Will man die Wahr-
heit dieses Tatzes immer nicht erkennen und
darnach handeln; will man von Berlin aus
Deutschland nach Willkür beherrschen, statt sich
einem freiheitlich zu organisirenden Deutsch-
land zu unterwerfen, so geht Preußen unauf-
haltsam der schwersten Katastrophe entgegen.

Der französische Schriftsteller Rogeard in
Brüffel empstng gcstern den königlichen Aus-
weisungsbefehl, datirt Ostcnde, den 13. Sep-
tember. Rogeard publizirte am vorigen Sonn-
tag einen Band heftiger antikaiserlicher Gc-
dichte, betitelt „Pauvre France". Es ist be-
reits ein Meeting ^inberufen worden, um gegen
die Ausweisung Rogeard's zu protestiren und
letzterem ein glänzendes Ehrengeleit zu geben.

Die neue Eintheilung des Königreichs Polen
soll mit dem Januar 1866 beginnen. Das
Land wird statt jetzt in fünf Gouverncments
mit 48 Kreisen, dann in elf Gouvcrnements
mit 83 Kreisen eingetheilt sein.

Das englische Parlamcnt wird erft am 23.
November zusammentreten.

D e u t s ch l „ n d.

Karlsruhe, 15. Scpt. Wie von authen-
tischer Seite versichert wird, ist die Aufnahme
eincr Position für Erhöhung der Lehrergehalte
in das künftige Budget vorläufig bereits ge-
nehmigt. Jndeffcn scheinen die Arbeitcn zur
gcnaueren Fesfftellung deü erforderlichen Be-
trags noch nicht beendigt. Die Gehaltserhöhung
dürfte etwa 2500 Personen, Hauptlehrern und
Unterlehrern zu ftatten kommen. — Einer der
fähigsten jüngeren Lehrer des Polytechnikums,
Profcffor Löhlein, ist nach bem „Schw. M."
an das hiesige Lyceum versetzt worden, von
dessen älteren Lchrern einer in den Ruhestand
treten soll.

Karlsruhe, 16. Sept. Zur Ergänzung
unserer zufammenfaffenden Darstellung der
Wahlergebniffe kann die Karlsr. Ztg. Folgen-
des, theilweise schon Bckanntes nachtragen:
aus dem Bezirksamt Wertheim, wo die 74
Wahlmänner sich zu gleichen Hälften zwischen
die Klerikalen und Antiklerikalen vcrtheilen,
und fast das gleiche Resultat hören wir aus
dem entgegengesctzten Ende des Landes, aus
dem ultramontanen Eldorado Säckingen, wo
unter 82 Erwähltcn nur cinige 40 Klerikale
sich stnden. Ein Bezirk in Mitte dSs Landcs,
Gernsbach, scheint der cinzige zu scin, der es
vermied, sich bei den WahLcu zu ciner bestimm-
ten politischen Farbc zu bekenncn. Wir reihen
hier zwei Bezirke aus der gleichen Gegend an,
in welchen die U ltramontancn.unerhebliche Ma-
joriläten errangen: Achern, wo ihnen von 88
—51, und Offenburg, wo ihnen von 128—
72 Stimmen zugefallen sind. Dagegen haben
sie empfindliche Niederlagen erlitten in den
Bezirksämtern Durlach, wo 18 klerikalen 94
liberale Wahlmänner gegenüber stehen, und
Bretten, wo mit Ausnahme dreier Gemeinden
alle liberal gewählt haben. Aehnliche Verhält-
niffe finden sich in Ettenheim, wo unter 76
nur 18; in Schopfheim, wo unter 77 nur 12,
in Wolfach, wo unter 100—21, in Tribcrg,
wo unter 70—14, in Ueberlingen, wo unter
102 nur 47 Klerikale gewählt wurdcn; im
Bezirk Pfullendorf zählen sie kaum ein halbes
Dutzend der Jhrigen unter den Wahlmännern.
Solchen Resultaten gegenüber mnß wenigstens
die Bescheidenheit der Ultramontancn rühmend

Karlsruhe, 13. Sept. Dic großh. Landes-
Tewrrbehalle veröffentlicht folgende Erläuterungen
und Einladnng zur Amneldung für die allge-
weine Ausstellung der Kunstwerke, der Er-
ikUgniffe der Landwirthschaft unb der Industrie
°Üer Völker, welche zn Paxis in der Zeit vom
l-April bis^ 31. Ocwber^ 1867 stattknden wird. ^

so neben einander aufgestellt werden, daß jede
Waarengattung einen durch alle Länder hindurch-
laufenden Streifen bildet.

Juli 1865 zu erfehen, welche mit Gegenwärti-
grm ausgegkben wirv.

l!) Für die Ausstellungen von Oesterreich, von
^reußen und von den übrigeu deutschen Staaten
ßt ein Bruttoraum von je 8300 Quadratmeter be-
Üimmt. Hteruntrr tst für dic AuSsteller aus dem
Troßherzogthum Badrn ein Bruttoraum von 640
QnadratMkter begriffcn.

4) Gs ist die Abficht, rin gemetnsamrS Arrange-

Baden anzubahnen.

5) Als Vorbereitung hiefür ist nothwendig, das
Raumbedürfniß jener Angehörigen deS Großherzog-
thums zn kennen, welche fich bei der Pariser Aus-
stellung von 1867 betheiligen wollen.

Diese Angehörigen des Großherzogthums werden
deßhalb eingeladen, das (bcigefügte) AnmeldungS-

welche vom großh. Handelsministerium mit der Be-
sorgung der bezüglichen Geschäfte betraut ist, in
doppelter AuSfertigung unterzeichnet einznsenden.

Etwa weiter erforderliche Anmeldungsformulare
können unmittelbar von dcr großh. Landes-Gewerbe-
halle bezogcn werden. Hierbei wird bemerkt: ») Alle
Maße find in Metern und Centimetrrn, alle Ge-
wichte in Kilogrammen und Grammen, alle Gcld-
werthe in Franken und LentimeS quSzudrücken.
d) Die Ausstellungstische werden in der Regel eine
Breite von 1 Meter erhalten. e) Wer die Aus-

dung eine Zeichnung im Grund- und Aufriß unter
Angabe der Maße beizufügen. ä) Es find den
Anmeldungen noch besondere Beilagen anzufügen:

ausstellen will, welche Fundamentirungen oder" de-
sondere Bauconstructionen fordern, unter Angabe
der Dimensionen; wenn man Apparate aufstellen
will, welche die Verwendung von Waffer, Gas oder
Dampf erfordern, unter Angabe der Menge und
der Pression; wenn man Maschinen in Bewegung
setzen will, unter Angabe der Bewegungsgeschwin-
digkeit und der Bewegungskraft, auSgedrückt tn
Pfcrdekräften; wobei überhaupt nock die Verhält-
niffe, unter welchen die Aufstellung der Maschinen
geschehen soll, unter Beifügung von Grundplänen
näher zu bezeiebnen find. Aussteller, welche einen
Raum in dem Park verlangen, in der Abficht, da-
selbst Constructionen zu machen, landwirtbschaft-
liche Gebäude aufzuführen, oder Gärten herzustellen,
wollen einen Grundplan der projectirten Herstellun-
gen unter Angabe der nöthigenErdarbeiten beifügen.
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