Heidelberger Zeitung — 1865 (Juli bis Dezember)

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Hridtlbergrr Zeilung.

KreisveMildigMgsblatt für üen Kreis Heidclberg unü auttliches Berkündignngsblatt für die Amts^ unü Auits-
Gerichtsbezirke Heidelberg und Wiesloch und den Amtsgerichtsbezirk Neckargemünd.

R 181


Mittwoch, 18 August


18«S

* Potitische Nmschau.

* Die langst gchegten Besürchtungen sür das
neue Kaiserreich Merico scheiuen sich verwirk-
lichen zu wollen. Der schon längst, in dieser
Beziehung wohlbekannten, Volksstimme auS den
Vereinigten Staaten solgen jetzt Kundgebuugen
auS ofsiziellen Kreisen Kaijer Maximilian
sandte einen Staatsrath nach Washington.
um anknüpsend an den Tod Lincolu's sreund-
schaftliche Erörterungen herdeizusühren. Es
wurde ihm höflichst bedeutet, die Regierung
der Vereinigten Staaten kenne nur eineu di-
plomatischen Vertreter Mexiko's, den Gesandten
des Präsidenten Juarez, ein anderer könne
nicht empfangen werden! Gleichzeitig hat der
Staatssecretär Seward an den amcrikanischeu
Gesandten in Paris eine Depesche gerichtct, in
welcher er darauf hinweisl, daß die Regierung
der Vereinigten Staaten sich vorbehalten habc,
die mexikanische Angelegenheit bei geeigneter
Gelegenheit in Betracht zu ziehen. Zugleich
mehren sich die Nachrichten von Uebertritten
nürdamerikanischer Offiziere in das Heer des
Juarez, und dessen kleincs Heer unter Negrete
scheint den vereinigten Streitkräften der Fran-
zosen und Kaiserlichen fortwährend viel Schwie-
rigkeiten zu bereiten. Zwischen den Truppen
der beiderseitigen Mächte (dcr Union und ves
Kaisers Mar) am Grenzflusse Rio Grande
herrscht eine sehr feindselige Stimmung; die
kaiserliche Regierung will dort die ihrigen auf
35,000 Mann vermehren, weil in Brownsville
und andern G.renzpunkten eine schon große
Zahl von Unionstruppen concentrirt ist.

^ Nach neucster tclegraphischer Nachricht hat
zwischen den dcutschen Großmächten jetzt end-
lich eine Verständigung übcr die Frage der
Elbherzogthümer stattgefunden. Die zweite
Sendung des Grafen Bloome nach Holstein
hat also jedenfalls das Ergebniß gehabt, daß
der Bxuch vermieden worden. Das Resultat
ist, obwohl dankenswerth, vorerst nur ein ne-
gatives; ob es als ein durchweg befriedigendes
zu betrachten ist, wird sich erst dann entschei-
den lassen, wenn die Einzelnheiten der getrof-
fenen Vereinbarungen in die Oeffentlichkeit ge-
langen. Zugleich soll die Monarchen-Zusam-
menkunft jetzt bestimmt nächstcr Tage statt-
finden. Auch dieser können wir jedoch vorerst
uur einen beschränkten und bedingten Einfluß
auf die Lösung der zwischen Preußen und

Oesterrcich objchmebenden Frage beimesseu. Es
erscheint kaum glaublich, daß die schleswig-hol-
steinische Angelcgenheit jetzr bereits vollständig
und in einer Weise geregclt sei, daß zwischen
den beidcn deutschen Großstaaten, geschweige
denn, daß zwischen Preußen und den Herzog-
thümern nichts mehr zu ordnen übrig bleibe.
Vielmehr wird jetzr allem Anschein nach das
Schicksal Schleswig-Holsteins nicht entschieden,
sondern die Entscheidung nur vertagt werden.
Der Conflikt darf daher wcnigcr als ausge-
glichen, viclmehr nur als bei Seite gcschoben
bctrachtet werden. Die Situation hat ihre
Schärfe verloren, allein die Schwierigkeiten
sind mehr umgangen, als gehoben.

Dem „Nürn. Corr." wird telegraphisch ge-
meldel: Die Verhandlungcn iu Gastein sind
cinem friedlichen Schluß nahe. Oesterreich hat
in Betreff des Condominiums Zugeständnisse
an Preußen gemacht. Die Zusammenkunst der
Monarchen wird in Salzburg am Donnerstag
odcr Samstag stattfinden. — Anch bie KarlL.
Ztg. meldet aus guter Quclle, daß dic Ver-
handlungen einen überraschend günstigen Fort-
gang nehmen.

Ueber die Grundlagen der neuen Vereinba-
rung zwischen Oesterreich und Preußen in
Gastein erfährt man Folgendes: 1) Die Kon-
domini greifen nicht in die bestehende Gesetz-
gebung ein; dieselbe kann nur im Einklang
mit den versassungsmäßig kompetenten und dem-
nächst zu berusenden Organen umgestaltet wer-
den. 2) So lange aber dies nicht geschehen
ist, erkennen es die Kondomini, welche die Re-
gierungsgewalt in den Herzogthümern faktisch
und rechtlich ausüben, als ihre Pflicht, die be-
stehenden Gesetzc nach ihrem vollen Umfange
zur Geltung zu bringen. 3) Zhre Vertreter in
den Herzogthümern werden instruirt, die ge-
meinsame Regierung in den Herzogthümern
strikte in diesem Kinne zu führen.

Die „Neue Freie Presse" spricht sich scharf
gegen Hcrrn von Schmerling aus, der so eben
erst die Ehren-Promotionen von Gneift und
Virchow gestrichen habe und dann ein Hoch
auf die deutschen Universitäten ausbringe. Sie
schließt mit den Worten: „Unser Jubelfest hat
es bewiesen, daß es ohne Studenten, daß es
als ein Kirchenfest, daß es ohne Universitäts-
haus, daß es mit politischer Censur gefeiert
wurde, alles dies war noch das Verdienst des
Ministeriums Schmerling." Herrn v. Schmer-

ling's Rede wird in allen öffcntlichen Blättern
u-ngünstig beurtheilt.

Herr Samwer hal bei seiner Anwesenheit
in Frankfurt a. M. auch eine Conferenz mit
Hrn. v. Dalwigk nachgesucht. ist jedoch nach
der „Bank-Ztg." abschlägig beschieden worden.

Wie die „Kicler Zeitung" meldct, ist die
Festung Friedri.l sort mit schweren Geschützen
armirt worden.

Das Verbot der „Neuen Frankfurter Zei-
tung" ist im Großhcrzogthum Hessen aufge-
hobeu worden. Die Verfügung tritt sofort in
das Leben. — Auf ein Gesuch der Verlags-
handlung war vorgängig die gegen den frühern
verantwortlichen Redacteur Wolffhardt ausge-
sprochene Gefängnißstrafe in eine Geldbuße von
200 fl. umgewandelt und dicse von den Ver-
legcrn entrichtet worden.

Eine Bekanntmachung des preußischen Mi-
nisteriums des Jnnern enthält das Verbot der
in Coburg erscheinenden Blätter „Allgemeine
deutsche Arbeiterzeitung" und „Wehrzeitung"
im ganzen Umfange des preußischen Staates
auf Grund des § 52 des Preßgesetzes.

D e u t s ch l a n d

ö' Vom Neckar, 14. Aug. Wer mit den
Zuständen der österreichischen Monarchie eini-
germaßen vertraul ist, muß einsehen, welche
Schwierigkeiten es hat, eine harmonische Ge-
staltung der Staatseinrichtungen herzustellen,
welche den einzelnen Kronländern und Volks-
stämmen die von ihnen angestrebte freie Be-
wegung und eigenthümliche Entwicklung ge-
stattct, ohne den Zusammenhang des Ganzen
in bedenklicher Weisc und die einheitliche Kraft
der obersten Leitung der Reichsangclegenheitcn
zu lockern. Zwar der Absolutismus hatte der-
einst „viribus unitis" zu handeln versucht, doch
gegen den erwachtcn Geist der Völker einen
vergeblichcn Kampf geführt. Das constitutio-
nelle Princip wurde hieraus in dem Sinne be-
gründet, daß der communalen und provinciellen
Autonomie Alles überlassen bleiben solle, was
nicht in den Bereich der gemeinsamen Jnter-
essen des Staatsganzen gehöre, und durch das
Octoberdiplom und die Februarverfassung ist
in der That dieser Richtung ein weiter Lrpiel-
raum eröffnet worden. Die Landtage in Oester-
reich, namentlich in den Ländern der ungari-
schen Krone sind (verschieden von den Provin-

Das Vlnglück auf dem Matterhorn.

(Fortsetzung.)

Das Hinabsteigen und die furchtbare Katastrophe
Ichildert Whymper folgender Maßen: „Wir blteben
etwa eine Stunde lang auf dem Gipfel, und wäh-
rend dieser Zeit besprachen Hudson und ich uns
mitetnander, wie wir es schon den ganzen Tag
über gtthan hatten, über die beste und ficherste Art,
uns zu vertheilen. Wir kamen dahin überein, daß
es am besten sein würde, wenn Croz als der Stärkste
unter uns voranginge; dann sollte Hadow als Zwei-
ter folgen. Hudson, der eS an Sicherhett des Fußes
mit jedem Führer aufnehmen konnte, wollte der
Drttte-sein; Lord F. Douglas erhielt den vierten
Platz, und der alte Taugwalder, als der stärkste
der übrigen, den hinter ihm angewiesenen. Jch
ward gebeten, fie aufzuschreiben, und entfernte
mtch, während ich dtes that. Jch holte dte Gesell-
schaft ein paar Minuten später ein, gerade in dem
Augenblick, wo das Herabsteigen an der schwierigen
Strlle begann, und hielt mich dem jungen Taug-
walder zunächst am Seil fest. Wir verfuhren mit j
der größten Vorficht. Nur immxr Einer allein be- j

wegte fich zur selben Zeit; wenn er festen Fuß ge-
faßt hatte, so that der nächste einen Schritt vor-
wärtS, und so fort. Dte durchschnitt tche Entfer-

schließlich um Hadow's willen gemacht worden, und
ich weiß wahrhaftig nicht, ob mir der Gedanke
überhaupt wieder einfiel. Ich war, wie ich aus-

und folgte thnen; aber nach ungefähr einer Vier-
telstunde bat mich Lord F. Douglas, das Seil in
der Nähe des alten Taugwalder zu fassen, da er,
wie er sagte, fürchtete, daß, wenn ein Fehltritt
stattfinden sollte, Taugwalder nicht im Stand sein
würde, ihn zu halten. Es geschah dtes kaum zehn
Mtnuten vor dem UnglückSfall, und rettete ohne
Zweifel Taugwalder's Leben.

So viel tch weiß, war in dem Augenblick, wo
fich der Unfall zutrug, kein Einziger von unS tm
Vorwärtsschreiten begrtffen. Doch kann ich daS
nicht mit Bestimmtheit behaupten, und eben so
wenig können es die Taugwalders, da dte beiden

gelegt, und um Herrn Hadow größere Sicherheit
zu verleihen, faßte er ihn geradezu bei den Beinen
und setzte seine Füße, einen nach dem andern, in
die richtige Stellung. Nach den Schulterbewegun-
gen der Beiden zu urtheilen, glaube ich, daß Croz,
nachdem cr das eben Gesagte gethan hatte, gerade
im Begriffe war, Kehrt zu macheu, um selbst einen
oder zwei Schritte vorwärts zu thun, als Hadow
ausglitt, auf ihn fiel und ihn ntcderwarf. Ich
hörte einen jähen Aufschret des Michel Croz, und
sah, wie er und Hadow abstürzten; gleich darauf
verlor Hudson seinen Halt, und Lord F. DouglaS
ssog ihnen sofort nach. Das Alles war daS Werk
eines Augenblicks; sobald aber Taugwalder und
ich den Aufschrei des Lroz hörten, stemmten wir
uns so fest gegen, wie die Felsen es uns gestat-
teten; das Seil zwischen uns war straff, und der
Ruck traf uns Beide wie einen einztgen Mann.
Wir hielten uns; aber daS Setl riß mttten zwischen
Taugwalder und Lord F. Douglas. Zwei oder
drei Secunden lang sahen wir unsere unglückltchen
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