Heidelberger Zeitung — 1865 (Juli bis Dezember)

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Ukidtlbergrr Itilung.

Krcisverküiidigungsülatt für üen Kreis Heiüelberg unü aintliches Äerlünüigungsblatt für üie Amts^ und Amts -
Gerichtsbezirke Heidelbcrg und Wiesloch und dcn Amtsgerichtsbezirk Neckargemnnü.

* Politische Umschan.

Aus Baden taucht das Gerücht auf, daß man
dort an eine Zusammenkunft des Kaisers Na-
poleon mit dem König von Preußcn in dcn
nächsten»Tagen glaubt.

Jn Altona ist am 18. d. der Geburtstag des
Kaisers von Oefterreich befonders festlich be-
gangen woroen

Zum ersten Male seit sieben Jahren hat am
Donnerstag zu Pesth eine Vorfeier des Ge-
burtstages des Kaisers stattgcfunden. Es war
ein Bankett veranstaltet, bei welchem auf das
Wohl des Kaisers getrunken und ein Glück-
wunsch-Telegramm an denselben gerichtet wurde.
Der Kaiser hat dasselbe beantwortet.

Es wird aus Rom berichtet, der Papst und
der König von Preußen hatten sich über die
Erhebung des Mainzer Bischofs von Ketteler
auf den erzbischöflichen Stuhl in Köln geeinigt.

Die englische. und die französische Escadre
sind am 18. Aug. von Cherbourg abgefahren.

Aus Quebec wird unterm 8. Aug» berichtet:
Das Canadische Parlament hat sich versammelt.
Die Regierung hat die Hoffnung ausgesprochen,
die Provinzen würden das Conföderationspro-
ject annehmen. — General Grant ist in Que-
bec angekommen.

D e n t s ch l a n d ,
x Heidelberg, 20. August. Heute Nach-
mittag 3 Uhr fand im grȧen Saale der Har-
monie die von Mitgliedern des Bezirksraths,
des Gemeinderathes und des engern Aus-
schusses ausgeschriebene Vorberathung für
die Wahlen in die Kreisversammlung
Statt. Der Saal war von Bewohnern Hei-
dclbergs und der Umgebung stark besetzt. Geh.
Rath Bluntschli verbreitete sich in ausführ-
licher Rede über Aufgabe und Bedeutung des
.neuen Jnstituts der Kreisversammlung und
über die geeigneten Mittel, die Wahlen in die-
selbe nach dem Sinne des Gesetzes ktnd zum
Wohle der Betheiligtcn zu leiten. Mit dem
Jnstitut der Kreisversammlungen thut die ba-
dische Gesetzgebung -einen neuen Schritt zur
Förderung der Selbstthätigkeit in den Gemein-
den des Landes und damit ihrer wahren Frei-
heit. Die Aufgabe der Kreisversammlung hat,
richtig verstanden, mit religiösen und politischen
Parteibestrebungen Nichts zu schaffeu; es liegt

ihr die Pflege wirthschaftlicher, gemeinnütziger
Angelegenheiten ob, bei der Leute der verschie-
densten Richtungen zusammenwirken können,
wenn sie nür guten Willen und Gemeinsinn
haben. Solche Angelegeuheiten, mit denen sich
die Kreisversammlung beschäftigen muß, sind:
Anlage von Straßen und Brücken, Errichtung
von Sparkassen, ArMenhäufern und Unterrichts-
anstalten für landwirthschaftliche, gewerbliche
Zwecke u. s. w., lauter Dmge, für die die
Kräfte der einzelnen Gemeinde zu schwach
sind, und deren sich der Staat'als solcher nicht
in ausreichendem Maaße annehmen kann, für
die darum der Kreis, vertreten in der Kreis-
versammlung, eintreten soll.

Die Kreisversammlung hat das Recht zur
Schaffung solcher Anstalten, Anleihen zu kon-
trahiren und Steuern und Umlagen auszu-
schreiben, 'bei denen die verschiedene Leistungs-
fähigkeit der einzelnen Gemeinden berücksichtigt
werden wird.

Ein Hauptzweck des Gesetzes ist der, in den
Gemeinden die Gewohnheit selbstständiger Sorge
für die eigenen Angelegenheiten und in den
Krcisen das Gefühl ver Einigkeit und Zusam-
mengehörigkeit zu begründen; daraus folgt, daß
in die Kreisversammlung solche Männer ge-
wählt werden müssen, die ein Herz haben sür
die Gegenwart und ihre gcsteigerten Bedürs-
nisse und nicht kleben an einer abgestorbenen
Vergangenheit, daß Alles fern gehalten werden
muß, was die Gemüther spaltet und die Ein-
trachl stört.

Alle Parteien und Richtungen müssen Zu-
tritt haben, wo es sich um die Jnteressen
Aller handelt; aber das muß festgehalten wer-
den, daß alle Parteien sichder Einheit des
Landes und der Herrschaft des Gesetzes
unterwerfen, daß keine ihren Son'dervortheil,
ihre Herrschaft über das Gemeinwohl stellt.
Damit die Wahlen leicht und ohne Störung
im Sinne des Gesetzes vor sich gehen, ist es
nöthig, daß in allen Gemeinden Männer des
öffentlichen Vertrauens zusammentreten und die
Wahlmänner bezeichnen, welche die Abgeord-
neten in die Kreisversammlung zu wählen haben.
So sind sür Heidelberg 16 Männer vorge-
schlagen,« deren Namen der Gemeinderath
Schaaff der Versammlung mittheilt. (Wir
geben sie am Schluß des stenographischen Be-
richts der Bluntschli'schen Rede). Dieselben
werden einstimmig genehmigt. Geh. Rath

Bluntschli schließt die Versammlung unter all-
gemeincm Beifall mit dem Ausdruck der Hoff-
nung, daß die Wahlen in gutem Geiste geleitet
Gutes hervorbringen werden.

(D Constanz, 19. Aug. Gestern Abend
4 U. 56 M. kamen mil einem Extrazug der
Kaiser und die Kaiserin von Frankreich hicr
an. Ungeachtet des anhaltenden Regenwetters
hatte sich eine große Zahl Nengieriger am
Bahnhof eingefunden. Die hohen Angekom-
menen und ihre Begleiter fetzten sich alsbald
in die für sie parat stehenden Chaisen und
fuhren im Schritt über dic Marktstätte und
durch die Paradiesenstraße aus der Stadt nach
dem 2 Stunden von hier auf Schweizerbodcn
entfernten Arenaberg, dem Zugendaufenthalt
Napoleous. S-owohl beim Aussteigen als Ab-
fahren herrschte unter den vielen Neugierigen
fast lautlose Stille. Der Kaiser unv die Kai-
scrin schieuen sehr vergnügt und grüßten oft
und frepndlich die Menge, an welcher sie vor-
beifuhren. Abends 6 Ühr hörten wir hier aus
der Gegend des Arenenbergs starken Kanonen-
donner,.welcher die Ankunft und den Empfang
der Majestäten ankündigte, wie wir heute er-
fahren. Der Kaiser wird einige Tage auf
Arenenberg verweilen, und wir zweifeln nicht,
daß er auch unscre Stadt befuchen wird, in
welcher sich seit seiner Jugend so viel verän-
dert hat, daß er sich an manchen Orten der-
selben schwerlich mehr auskennen wird. — Wir
sind hier gegeuwärtig stark mitden Vorbereitungen
zum KampfderWahlmännerivahlen für dieKveis-
versammlungen beschäftigt. Eine geschlossene Pha-
lanx soll mit gleichlaulenden Stimmzetteln aufmar-
schiren, damit sich die Stimmen nicht zerschlagcn.
Wenn dies überall geschiehl. so dürfle die Majorilät
der Wahlen im ganzen Großherzogthum zu
Gunsten des Fortschritts ausfallen, was wir
von Herzen wünschen,indem wir die Maßregel des
energischen Zusammenhaltens wie uns' selbst,
so auch unfern Mitbürgern im Unterland bestens
empfehlen.

ÄuS Daden, 18. Aug. Dem in diesem
Jahre noch zusammentretenden Landtage wird
auch ein Gesetz über Militärstrafgerichtsbarkeit
und das dabei einzuhaltende Verfahren vorge-
legt werden. Die betreffenden Entwürfe sind
bcreits vor einiger Zeit den Militärbehördcn
zur Begutachtung zugegangen. (S. M.)

c5 Aus Mitteldeutfchland, 18. Aug.
Wir habcn neulich schon des ganz abnormen

Jena, 17. Aug. Mit dem gestrigeu allgemeinen
Commers in der Festhalle hat das dreitägige
Iubiläum der deutschen Burschenschaft seinen

bleibenden Gästcn heute und morgen noch Gelegen-
heit zu einigen mufikalischen Genüffen geboten.
Der Commers, namentlich dessen Schluß) der

in nur von studentischen Kreisen zu würdigender
Accuratesse. Die gehaltenen Redcn (auch cin 87jäh-
rigrr Ienenser auS den Iahren 1798—1801, ein
Dr. Hagen, sprach) gingen theilweise auf die Frage

die wenigen Worte Horn's: „djon multa, seä mül-
tum! Wenn wir ein einiges, starkes Vaterland, so
erhalten wir cs nur burch Einigkeit. Es lehe das
einige, starke Vaterland!" Eincn kräftigen Gruß
der deutschen Turnerschaft brachte der Burschen-
schafter Götz aus Lindenau, Ausschußmitglied deS
deutschen Lurnvereins, mit manchcm treffenden
Worte über die Beziehung beider. Bei herein-
brechendcm Abend gewährte der Festplatz . einen
reizenden Anblick. Längs der Allren, welche der

! in ihrem grünen Tannenschmucke so freundlichen
Festhalle gegenüber liegen, zogen fich Reihen bmr-
ter Laternen; elektrisches Licht warf Tageshelle aüf

figen Burschenschaften und einigen Alten heute Be-
sprechungen über die Einigungsfrage gepflogen.
Einen besondern Erfolg versprechen wir uns davon

gende Leben, cine Erinnerung und Mahnung dem
erst aufgehenben Lebev männltcher Wirksamkeit.

__ (F- Ä )

Die Beschaffenheit des Kabels ist oft beschrie-
ben. Wir wollen zum weiteren VerstLndniß nur
thatsächlich erwähnen, daß es besteht aus einem

feinen Geflecht von Kupferfäden, nicht stärker als
ein gewöhnlichcs Zündhölzchen. Dirses Geflecht von
Kupfer wolleu wir die „Seele des Kabels" nen-
nen, weil dies die eigentliche Leitung ist. Sie muß
zwei Bedingungen erfüllen. Erstens muß fie völlig
ununterbrochen durch die ganze Strecke sein, weil
jeder Ritz, und.ließ er auch nur eine Lücke von
der Dicke eines Haares offen, sofort den.elektrischen
Strom unterbrechen würde. Zweitens muß bie
„Seele" vollkommen isolirt von einem Ende bis
zum andern sein, so daß auf der ganzen Strecke
nicht eine Spur von Wasser an dieselbe dringen
! kann. Geschähe dergleichen, so würde dcr elektrische
Strom diesen Nebenweg inS Meer einschlagen und
nicht bis an das andere Enbe deS Kabels gehen,

! wo er seine telegraphische Botschaft abzustatten hat.
j Diese kupferne „Seele" des Kabcls ist nun, um fie
> zu isoliren, von einer Schicht von Gutta-Percha
j umschlossen, etwa in der Stärke und in der Form,

i Holzschale. Gutta-Percha wird aber im Waffer mit
- der Zeit mürbe und zerreibltch, und darum wird
! diese Umhüllung nochmals dick umwickelt mit Werg
^ und Leinwandstreifen, die in verschiedenen Ketten
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