Heidelberger Zeitung — 1865 (Juli bis Dezember)

Page: 669
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/hdtz1865a/0669
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
KrcisverküiidiguligMatt fiir den Kreis Hcidclberg mid anitlichcs ^crkiiiiüiguiigsblalt füc die Amts- unü Amts-
Gerichtsbczirkc Hcidclbcrg und Wicsloch und dcn Anitsgcrichtsbezirk Nclkargeniünü.

Nll Donnerstag, 28 Decembcr I8«S

Einladmiij zum Abonnemcnt.

Auf das mil dem 1. Jcmuar 1866 beginnende
1. Ouartal der „Heidelberger Zeitung"
ladcn wir anmit zuin Abonnement ergebenst cin.
Die Hcidelberger Aeitung ist durch Beschluß
Großh. Miuistcriums des Jnncrn vom 24. No-
vember v. I., Nr. 14,731, als Kreisver-
kündigungsblatt für den Kreis Heidel-
berg nnd als amtlichesBerkündigungs-
biatt für die AmtS- und AmtSgerichtsbezirke
Heidelberg und Wiesloch und den Amts-
gerichtsbezirk NeckM gemünd erklart worden,
in Folge dcssen alle Bekanntmachungen der
betreffenden Staatöstellen darin zu erscheinen
haben.

Zndem wir uns im Uebrigen auf das mehr-
fach vcröffcnllichte ausführliche Programm be-
zicheu, bemerken wir hier noch, daß das vicr-
tcljahrliche Abonnement in hicsiger Stadt 1 fl.
3 kr., durch die Post bezogen 1 fi. 24 kr. be-
trägt. Jnserate, welche durch unsere Zeitnng
die ausgcdehutestc Verbreitung finden/werden
mit 3 kr. die dreispaltige Petitzeile oder deren
Naum berechnct.

He^idelberg, im Decbr. 1865.

Die Exvedition.

(Schissgasse Nr. 4.)

* Polttifche Umschau.

Die Wiener „N. Fr Pr." meldet aus Prag,
daß im Ministcrium bereits der Plan zu ciner
vollsländigen Reorganisation der Verwaltung,
namentlich auch für Ungarn, auSgearbeitet
und sanctionirt sei, wodurch nicht weniger als
10,000 Beallltc diSvonibel wcrden.

Dcr Zollvcrtrag zwijchcn Lremcn und dem
Zollvercin ift endlich definitiv abgeschlosien.

Die Fcnicr - Vcrschwörung in Jrland läßt
sich durch die Vcrurtheilung mchrcrer ihrer
Führer nicht abschreckcn. Zu Dublin ist eine
Proklamation erschicnen, in w.lcher das „Ueber-
wachungS-Comite" vie Vcrschworcncn 'aufior-
' dert, keine uubesounenen Schrittc zu thun. Die
Stuude der Entschciduug sei noch nicht gckom-
men. Aber binuen .Kurzenr würden sie frei
und in Waffcn vastc^'N nnd auf den Nuinen

Achwurgericht s v erhandlungen.

Mannheim, 18. Dcc. U»>ter d,m Vorsltz deS
großh. KreiSgerichts-RalhS Klel»e verbandrlte daS
heutige Schwnrgrricht die Anklage geg>n die Ehe-

Bauer, in Wajbstadt, wegen Brandstiftung; die
Anklage hatte a!S Vrrtreter ken großh. StaatS-
aymalt Dr. La.denba ch, die Verthcidigung Hrn.
Gernandt.

Sopkie Wittmsnn war brschuldigt, die Nrhebe-
rin e»neS am Abend deS^ 1. Oct. d. I. ^u Waib-
stakt auSgebroch.'iienkn DrandkS zu sein, wrlcher
5 Wohn- nebst WirthschafkSgebaudei, in Asche legte
und eineu tzchaden von übrr 28,000 fl. verurfachtez

Die AnAeklagtr behauptrte, tn der. in unmittel-
darrr Rähe ihrer Wohnung beftndlichcn Scheuer
des Karl Konrah', in wrlcker ker Branb.auShrach,
tbrr LicblingSkatze gesuckt u»d zu. di»skMLwkck ein
ZÜNdhölzchea mitg.eyvmmrn zu babc^ bei« An-
streichkn des HölzcktnS foll der ZünWoff fich ab-
gklöst habcn und uock br.nnend in daS Heu gefal-
lest sci». wamit dsf ganze (Lckeurr angesstllt war.
Die Anklage nahm etn abfichtliches Anbrandstecken

der englischen Tyrannei eine Republik errichten,
in welcher die Bürger Soldatcn scin werdeu
und das grüne (irländische) Banner über ihren
Häuptern flattcre.

Ju Dublin sind wieder zwei Fenier zu 10-
jähriger ZwangSardeit vcrurtheitt worden.

Der „Moniteur" sagt: Die Negieruug
kann nicht dulden, daß die Arbeiten der flei-
ßigen Studcnten durch eiuige verirrte Ruhe-
störer untcrbrochey werden. Schon stnd einer
Anzahl der Letzteren die Studentenkarten ent-
zogen worden; vassclbe wird allen Theilneh-
meru an deu Unordnuugen geschchen.

Die Madrider „Cyrr." widerlegt auf das
Beftimmteste die Nachricht, nach welcher die
Negierung beabsichtigt hätte, eine Anleihe ab-
zuschließen und die englischen Coupans nicht
anzucrkennen.

Zum italienischen Gesandten für Baiern ist
der bisherige Ministerrestdent in Karlsruhe,
Marchese Philipp Oldoini, ernannt.

Deutschland.

Karlsruhe, 23. Decbr. Seine Excellenz
der Herr Staatsminister des großh. Hauses
und der auswärtigen Angelegenheiten, Frciherr
von EdelSheim, ist nach mehrwöchentlichcr dienst-
lichcr Abwes.enhcit hente mit dem Stuttgarter
Eilzug wieder hier eingetrosien.

Karlsruhe, 23. Dccbr. Der Schw. M.
schreibt: Das Budget für die Universität

Heidelberg- verlangt eine Erhöhung vou 22,000
fl., nachdcm sich ein ständigeS Dcficit von
10,000 fl. im bisherigen Budget herauSqestellt
hat; für Freiburg werdeu beiläufig 12,000 fl.
mehr verlaugt, nachdem die bisherigc Dcckung
deS Deficits aus dem Reservefond nicht mchr
zu ermöglichcn ift. Dabei zeigt sich, daß. wie
alle anoeren Dinqe, so auch gute Profesforen
in dcr zweitcn Hälfte deS 19- Jahrhunderts
im Preise bedeutcnd gestiegen sind.

Karlsruke, 22. Dec. Das „Fr. Journ."
schreibt: Was man über den Gcs.tzentwurf
hört. das Vcrcinswesen betrcffend, den dic Ne-
gierung den Kammern im Januar k. I. vor-
legen dürfte, läßt die Crwarkung zu, daß er
von der libcralen Partei als ein groher Fort»
schritt bctrachtet werden wird. Es heißt, daß
in dern Entwurf die Bildnng von Vcreinen
ganz freigegeben sei und daß für die Versamm-
lungcn die vorgängige polizeiliche Erlaubniß
nicht mehr gefordrrt werden wird. Von ein-

schneidender Bedeutung wird dieses Gesetz we-
nigcr sein, alS daS i-n AuSsicht gcstellle Preß-
gcsctz, wclches die Vcrleger dcr öffentlichen
Blätter deS Zwanges der polizeilichcn Conces-
stouiruug und der Cautioncu entledigcn soll.
— Die Budgetcoinunsiiün der zweiten Kammer
hat gestern die Vorprüfuug der Ncchuungs-
uachwcisungen für 1862/63 bccndigt und ihre
mcisten Mitglicder haben Karlsruhc wicder
vcrlasien. Die Commission wird in dcr zwei-
ten Woche dcs Januar wieder zusammcntrclen
und cinige Tage später der ganze Landtag.

c? Bom Neckar, 24. Dec. Den Ultra-
montanen, die angeblich nur „fromme, kirch-
liche" Zwccke verfolgen wollen, passirt zuweilcn
daS Unglück, daß daS znm Deckmantel ihrer
wohlbekannten Zwecke gebrauchte Schafskleid
etwas verschobcn und die rauhe Wolfsnatur
sichtbar wird. Achnlich erging cs dem „Bcob-
achter" in Nr. 296, wo in einem von Con-
stanz datirten Correspondenzartikel die Constan-
zer Zeitnng heftig angegriffen wird, weil sie
gegcn die Jesuiten sich in einer den Römlingen
mißlicbigen Weise ausgesprocben hat. Leicht
möglich ist es, daß bei Leuten dieseS
Schkages oine „Erbitterung gegen die Con-
stanzer Zeitung" eingctreten ist; daß diesclbe
angebkich „überall Platz gegriffcn hat," müssen
wir bis auf Weitcrcs sehr bezweifeln. Mit
srinen weiteren Bchauptungen in Bezug auf
den Jcsuitenorden dürfte dieses Blatt kanm zu
viek gesagt haben: die allgcmeme Fama hat
wenigstenS immer verlautet, daß nicht nur
Papst Clemens XIV. (der bckaunllich seincrzeit
den Jcsuitenordcn aufgehobcn), svndern auch der
reformeifrige Kaiser Joscph H. (der ebenfalls
nichks weniger als ein Jesuitenfreund war)
von dcn Mitgliedern dieses Ordens auS der
Welt geschaffen wordeu sei. Zu gleicher Zeit
sind fie nach AuSwcis der Geschichte die An-
ftifter der Pariser Bluthochzeit, sowie von all'
1>em unsägtichen Elend qewcsen, welchcs über
Dcutschland in Folge dcr durch sie dircct und
indircct vcranlaßten Religionskriege gekommen
ift. Wenn daher dcr Bcobachter sich zum Ver-
theidigcr deS dnvch die Geschichte und das all-
gemcin übcreinstimmcnde Urtheil aller Unbe-
fang«nen gerichtctcn AcjuitenordenS aufwirft,
so untcrzieht er sich.nur dem ganz vcrgcblichen
Unterfangcn, einen Mohren weiß waschen zu.
wollen, und wirft sich zum Vcrtreter eineS
nichtswürdigen, unsittlichen PrincipS auf, wcl-

was auch alsbald gesckah. Der Bewcggrund wurde
in der langjährigen Feindschast zwjschen Sliefmut-
ter und Tockter gefunden ; daS Verdältuiß Berder
war stetS ein sehr gespannteS gervesen; die Tockter

Fahrnisse die Angeklagte auch einen Gewinn auS
dem Brand beabfichtigte.

Dir Vcrtheidigung führte auS, daß ein halt-
barer Beweggrund nicht osrhandrn, jedenfaUS aber

nickt überzeugen; drr Lble Lindruck, drn einige
HauptbelastungSzeugen durch auffallende gvisttge

> heim airf Kenerverwahrlosung gericktete Frage b^ ^
! jabt, und verurthei'te demgemaß der Geri^OM''

! die Angrklagre in eine drm böchsten ^(a'finäß

s l'/r Jahrrn.

I Mannheim, 19. Dec. Die gestrige und hrutige
Sitzung war zur Derhandlung des letzten anf der

i Vcrtrrtcr der Anklage der großh. Obcrstaatsanwalt
Mays, Vcrtbeidigrr Hr. Anwalt Moritz Fürst.
Dic B fcknldignng ging dabin, daß Zob Sckmitt,
der Mitpäcktrr drr Jagd auf Laudarr Grmarkung
ist, fich am Morgen drS 28. Srpt. d. A. a»f drn
Anstemd in dcn District „Hoblrbrrg" hrgrben, dort
wit Micharl Weigand, einem Mitpächter ver Aagd
loading ...