Heidelberger Zeitung — 1865 (Juli bis Dezember)

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Undrlbrrgrr Zrilmig.

Kreisvcrkündiguiigsblatt fiir den Kreis Hcidelberg und aintliches Berkündigungsblatt für die Amts- und Amts-
Gerichtsbczirkc Heidelbcrg und Wicsloch und den Aintsgerichtsbezirk Neckargeinünb.

M 183


Sonntag, « Aiigust



* Politischc ttmschan.

Der Wiener „Wanderer" will wissen, die
deutschen Großmächte stünden einer Vereinigung
in der Herzogthümerfrage fertter als je. Die
Zusammenkunft der Monarchen in Gastein
werde jetzt und wahrscheinlich auch später nicht
stattfinden. Der Kaiser werde demnächst nach
Wien zurückkehren.

Eine höchst wichtige Cabinetsordre an das preuß.
Kriegsministerium ift so eben publicirt worden.
Dieselbe lautct: Es ist öfters vorgekommen, daß
die Tamboure der Wachen beim Honneurmachen
den Fahncnlrupp oder den Abtrupp der Wachen,
stall der im § 147 deS Exercierreglements vor-
geschriebenen Märsche, geschlagcn haben. Jch
will streng darauf gehalten wissen, daß der-
gleichen nicht vorfalle, und beauftrage das
Kricgsministerium, hiernach das Weitere zu
vcranlassen. Karlsbad, den 17. Juli 1865.
(gez.) Wilhelm.

Das österreichische Ministerium, vom Wiener
Volkswitz „Dreigrafenministerinm" gcnannt,
wird kein Programm erlassen. Es thut klug
hierin; denn in Folge dessen kann es niemals
von dcm Vorwurf betroffen werden, von seincm
Programme abgewichen zu sein.

Die englische Bank hat den Disconto auf
4 pCt. erhöht._

Ratd Jäqer, ^dem ObA inizenieur der pfälzischen Bahnen,
Casimir Basler, daS Rilterkreuz deS Ordens vom Zäh-
ringer Löwen zn verleihen; unter dcm 20. Juli d. I.
dem kais. königl. östcir. Major ^ Franz Goifin^ v.^Gott-

z» trmzen.

Dienstnachrichten. Se. Könicfi. Hoheit der Groß-
herzog haben Sich unterm 24. Juni d. I. gnädigst
dewogen gefnnden: den bisherigen Ministerialsecretär im

Angelegenheiten, Legationssecretär Karl v. Reck, unter
Verleibung des Titels als LegationSrath. zum Ministe-
rialasst-ssor bei diesem Ministerium zn ernennen; an

St. Gallen. Urber die schon gestern kurz er-
wäbnten Verheerungen der Bergwasser bei Ragaz
theilt der „Oberl. Anzeiger" Folgendes mit: „Jn
Folge eines Wolkenbruchcs, der sich über der A!p
Lasen und Umgebung am 27. v. Mts. Nachmit-
tags entlud, schwoll die Tamina zu einer Höhe
an, wie dirs seit 103 Jahren nie der Fall gewc-
sen. In wenigen Minuten schlug fie an einigen
Orten ihre Wellen über die llfer. Sie lief dick und
kohlschwarz, einc Masse von Holz und Geschiebc mit
fich führend. Steine im Gewichr von 40 bis 50
Lentnern tröllte fie vor fich hin wie Kegelkugeln.
Die Mühle im Tobel unter Vasön ist bis auf die
letzte Spnr verschwunden und daS dabci stehende.
Haus dem Einsturz nahe. Dic Wasserlettung bom
Bad Pfäffers nach Ragaz tst an einigen Stellen
beschädigt, und der Badweg an verschiedenen Orten
in die Tamina Heruntergerutscht. Eine Brücke auf

Augenblicke weggespült, als fich darauf ein Fuhr-
werk befand, welches in dle reißeude Tamina stürzte.
Das Pferd wurde gerettet, der Wagen fortgeriffen;
gluckltcherwcise nahm auch der Fuhrmann dte Ge-

höchster Entschließung auS großh. Geheimeu Cabinet
vom 14. Juli 1865 Höchstihrem Leibarz', Grb. Hosrach
Dr.^Ferdinmid Bucheggcr, dci^N^in^akter als

Offenburg wegeii^Kraukheit in den Rubestand^zu ver-
setzen.

Karlsruhe, 4. Aug. Jhre Königl. Hoh.
die Frau Großherzogin ist hcute mit Seiner
Königl. Hoheit dem Erbgroßherzog und der
Großherzoglichen Prinzessin Sophia Maria Lic-
toria von Baden abgercist, um Sich über Paris
nach Tronville s. M. zu begeben.

Karlsruhe, 4. Aug. DaS heute erschie«
nene Negbl. Nr. 37. enthält (außcr Personal-
nachrichten):

I. Allerhöchstlandesherrliche Verordnungen:
a) Die thcilweisen Erneuerungs- und Ersatz-
wahlen sür die Erste Kammer der Stänvever-
sammlung betreffend. Nach den Bestimmungen
des Gesctzes vom 5. August 1841 und auf
Grund der Loosziehuug in der 33. öffentlichen
Sitzung der Ersten Kammer der Sländever-
saminlung vom 16. Septbr. 1846 haben von
den Abgeordnelen des grundherrlichen Adels
auszutreten:

Aus dem Wahlbczirk obei halb der Murg: 1) Frhr.

Stotziugen, 3) Graf Heiurich v. Kagcueck.

0. Äus dem Wablbczirk unterhalb der Murg: Frhr.
^arl E v.^ ^ö^er^ ^a^eu^h^

OSch'luß' folgt.)^

Stuttgart, 3. August. Jn der heutigen
Sitzung der zwciten Kammer murde über die
Exigenz der Regierung von 1,200,0lX) fl. auS
Restmitteln für eine neue Jrrenanstalt in Tü-
bingen verhandelt. Die Regierung beabfichtigt,
solche für 300 Kranke zu bauen, aber mil Er-
weiterungsfähigkeit für 500, und sic dabei zur
Unterstützung dcr Vorlesungen über Psychiatrie
als psychialrische Klinik zu benützen. Die

fahr noch rechtzeitig wahr und entging durck scknelle
Flucht dem Tode. Tas Hochwehr beim Wafferfall
ob dem Dorfe ist stark beschädigt, und die über

wurde mtttelst eineS Holzfanghakens gerettrt. Zwei
Knaben, die fich auf einer trocknen Stclle (Insel)
des Bachgebietes aufhielten, wurden durch das

St. Gallen, 2. Aug. Amtliche Mittheilung:
Der Fahrweg von Ragaz nach dem Bade Pfäffers
ist wieder hergestellt, dte Thermalwasserleitung bis
Bad Psäffkrs fertig. BiS zum 3. August wird auch
die Tbermalwafferleitung naL Ragaz vollendet sein.
Staatskanzlei des Eantons St. Gallen.

Commission beantragt: cs definitiv bei der
Einrichtung für 300 zu belassen und nur 1
Mill. Gulden zu verwilligen. Prälat v. Hau-
ber beantragt, nur 800,000 fl. zu verwilligcn
mit Weglaffung jeden ökonomischen Betriebs.
Mack beantragt, nur 500,000 fl. zu verwilli-
gen, und Zcller stelll den Antrag, 500,000 fl.
aus den Restmitteln zu entnehmen und diese
in besondere Verwaltung insolange auf Anmach-
sung niederzulegen, bis damit dic nölhigen
Bauten für 300 Kranke ausgcführt merbcn
können. Nach längerer Debatte wird der Com-
missionsantrag abgelehnt mit 55 gegen 26
Stimmen, der Antrag dcs Prälaten v. Hauber
mit 53 gegen 28 Stimmcn und der Antrag
des Abg. Mack mit 43 gegen 38 Stimmcn.
Angenoinmcn wird dcr Antrag Zeller's mit
70 gegen 11 Stimmen. Zum Schlusse ergreift
der Präsident v. Webcr das Worl: Dcr Abg.
Hopf habe in dcr 181. Sitzung vom 26. Juli
Ausfälle auf den König von Preußen und den
Herzog von Nassau gemacht, die, wenn er sie
gehört hätte, einen Ordnungsruf nach sich ge-
zogen haben würdcn. Er habe sic deshalb
nicht gehört, weil ^crade ein Abgcordneter ihm
eine Mittheilung gemacht habe. Jndcß an-
dern Tags darauf aufmerksam gemacht, habe
er warten wollen, bis das Protokoll fertig sei,
und da habe er gefunden, daß Hopf gegen den
König von Preußen die Ausdrücke „Kartälschen-
prinz" und „beschränkter Despot" und gegen dcn
Herzog vonNasiau denAusdruck„kleinerTyrann"
gebraucht habe, wie sie in eincr dcutschen pärlam.
Versammlung nicht vorkommen solltcn. Er rufe
ihn deshalb nachträglich zur Ordnung. Hopf
bemerkt: es könnte grausam erscheinen, daß
man ihm auf diese Weise das Mittageffcn vrr-
dcrben wölle, allcin er könne versichcrn, daß
man ihm damit den Appetit nicht verdorben
habe, und er wünsche allen übrigen Herren
Abgeordneten eincn ebeuso guten Äppetit. Jhn
werde das nicht abhalten, sich bei jcder andern
Gelegenheit ebenso sreimüthig auszusprechen.
Er frage aber den Herrn Präsidenten, warum
er erst nach acht Tagen mit diesem Ordnungs-
ruse komme. Er glaube, daß es auf preußische
Reklamation geschehen sei. Der Präsident vcr-
neint dies. Hopf behält sich eine Aufforderung
an die Kammer vor, ihm gegen einen solchen
Ordnungöruf Hülfc zu leisten. — Zu Änfang
der Sitzung interpcllirte Becher den nicht an-
wesenden Kriegsminister, was an der von ös-

der große Elcphant, welcher fich am 22. v. M.
plötzlich in dte Mitte zwischen das bewaffnete und
unbewciffnete Volk Preußens im zoologischen Garten
stürztc, hat, dem Bcispiele des Gartendtrectors Bo-
dinus folgcnd, eine Erklärung erlassen, und zwar,
um jeden Schein einer reglementwidrigen Ungebun-
denheit zu vermeiden, in gebundener Surache. Sie
lautet: d

„Man streitet fich,

Warum wohl ich
Herbeigcrannt,

Als man die Reste
Von jenem Krste

Aus unserm Garten hat verbannt.

Nun, mich that eben
— Jch muß es sagen —,

Dic Neugier plagen.

Jch dabe mich dahin begeben,

Um Nie-erlebtes
Zu erleben.

Denn im Nubierland,

Das miL entstndet,

Sinv solche Dinge unbekannt.

Der große Köln'fche Elrphant.
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