Heidelberger Zeitung — 1865 (Juli bis Dezember)

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Ueidrlbtrgrr Zrilung.

Kreisverlüiidigungsblalt für den Kreis Heidelberg und auitliches 8erküiidigungsblatt für Sic Auits- uud Auits-
Gcrichtsdezirke Heidelberg und Wicsloch unü dcn Amtsgerichtsbezirl Neckalgeuiünö.

M 28«


Dtenstag, 28 November


' Politische Unischau.

* Die Schwierigkeiten in Bezug aus die
Lösung der österreich. Verfassungsfrage
werden immcr bedenklicher. So ist jetzt der
kroatische, sowie dcr sicdenbürgische Landlag cr-
öffnct, um daS künftige Verhältniß zu Ungarn
zu berathen. Da wic dort erhebt sick einc selbst-
standige Nationalpartei gegcn die Vereinigung
mit Ungarn, und in Kroatien scheint das von
dieser Partei aufgestellte Programm die Ober-
hand zu gewinnen. Jn den deutsch - östcrrei-
chischen Kronländern abcr erhebt sich die Mehr-
zahl dcr Abgcordncten der verschicdenen Land-
tage gegen daS, die Annäherung an Ungarn
anbahnende Septemberpatenl, und verlangt,
daß dic knnftige Verfassung oeS Kdiserstaates
auch auf vcrfasfungsmäßigcm Wege, d. h. nicht
durch die einzelnen Landtage, sondern durch den
Reichstag abgeändert wcrdc. Die österr. Regie-
rung aber hat fich hicrüber bis jctzt nicht offen
ausgesprochen, vielmchr verfährt sie äußerst zu-
rückhaltcnd, und man weiß bls jetzt nicht, in
welcher Weise sie den von' allen Seiten auf-
tauchenden Schwierigkeiten zu bcgegnen gedenkt.
Ueber die Verhältnisse Böhmerrs, die zugleich
von hochwichtigcm allgemeinen dcutschcn Jnter-
esse sind, werden wir uns in der Folge einmal
besonders aussprechen.

Die Admiralität in London empsin'g die Nach«
richt, der Aufstand auf Jamaica sci völlstandig
unterdrückt und neuc Truppenscndungen dahin
überstüssig. Der liberale Mr. W. E. Forster
hat daS Amt als Unlerstaatssecretär für die
Colonien angenommen.

Die „Nordd. Allg. Ztg." bringt gegenüber
den conservativen Örganen, wclche eS wider-
sinnig genannt hatlen, anzunehmen. der Kaiscr
Napoleon werde die Entwickelung Europas und
Deutschlands fortan ihren ruhigen Gang gehen
lasscn. — einen langen Leitartikel, welcher nach-
zuwe.isen sucht, daß des Kaisers Bestreben nach
Aufrechthaltung des europäischen Friedens auf-
richtig sei, weil ihm nach allen äußeren Er-
folgen nur noch die Befestigung seiner Dyna-
stie als cigemliche Krönung des Gcbäudes übrig
bleibe, und diese nur erreichbar sei, wcnn er
durch Weiterführung und Vollendung tiefein-
greifender innerer Reformen seine politischen
Gegner entwaffne:

Die Subscriptionsanmeldungcn für die öster-
reichische Anleihe beim Credit Foncier, dem

Comptoir d'Escompte und den änderen Bankiers
in Paris sind bereits schr zahlreich.

Nach vcm „Phare dc la Loire" hat am 28.
und 29. Octbr. auf dcr Jnsel Martinique cin
sehr ernster Zusammenstoß zwischen etwa 1100
Zuaven, bie nach Mexiko gingsn, und der dor-
tigen Garnifon stattgefunden. Es kam zum
offenen Kampf zwischen dcn verschiedenen fran-
zösischen Truppenkörpern. Lon den Zuaven
fielen 16 Mann und wurden 37 Mann ver-
wundel; die Garnisonstruppen hatten 3 Todte
und 10 Verwundete.

Die „Morn. Post" stellt für den Fall, daß
Admiral Pareja Valparaiso bombardiren sollte,
eine active Jnterventiou der Großmächte in
Ausstcht.

D e u t f ch l n d.

Karlsruhe, 25. Nov. Das heute erschie-
nene Negierungsblatt Nr. 55 enthält unmittel-
bare allerhöchste Entschließungen Sr. Königl.
Hohcit des Großherzogs. l) Die Einberufung
der Landstände auf Donnerstag den 30. Nov.
betreffend. 2) Die Ernennung vvn acht Mitglie-
dern in die Erste Kammer der Ständeversamm-
lung bctreffcnd, und zwar 1. Geh. Rath und
BundestagS-Gesandter Dr. v. Mohl; 2. Oberst
Friedrich Keller, Chef deS GeneralstabS; 3.
Geh. Rath und Professor Dr. Bluntschli; 4.
Geh. Kirchenrath und Professor Dr. Rothe;
5. FiSkalanwalt Dr. Theodor Bertheau in
Mannheim; 6. Fabrikinhabcr August Dennig
in Psorzheim; 7 Kuusthändler Philipp Artari«
in Mannheim; 8. Fabrikinhaber Franz Joseph
Faller in Lcnzkirch. 3) Die Ernennung des
Präsidenten und des Vicepräsidcnten für die
Erste Kammer der Ständeversammlung betref-
fend. Dadurch wird zum Präsidenten Seine
Großh. Hoheit der Prinz Wilhclm und zum
Vicepräsidenten Geh. Rath und Bundestags-
Gesandter Dr. v. Mohl ernannt.

Karlsruhe, 25. Nov. Aus guter Quelle
geht der „B. L.-Z." die Mitlheilung zu, daß
Se. K. H. unscr allgeliebter Großherzog seit.
demAufenthalt in Vevey sich einer wesentlichen
Bessernng des BesindenS zu erfreuen habe.
DaS nämlichc Blatt hört, daß I. K. H. die
Großherzogin in den erften Tagen des künfti-
den Monats dem durchlauchtigsten Gemahle
cinen Bcsuch abstatten wird.

Karlsruhe, 25. Nov. Die „Karlsr. Z."
sährt mit der Veröffcntlichung der Actenstücke

dcS Adelhauser Schulvorgangs uud mit der
hieraus geschöpften Bcurtheilüng des in der
Sache erlassenen Hirtenbriess fort. Demselben
wird bezüglicb eines Punktes „Abweichung von
dem Hergange" vorgeworfen, bezüglich cines
andern wird gesagt: „Wir kommen zum
letzten Punkt des HirtenbriefS, zu der Be-
hauptung, daß die Negierung den Religions-
unterricht verhindere. Lcsen wir doch, daß
zum größten Schmerz des Hrn. ErzbischofS die
für Ertheilung des Religionsunterrichts be-
stimmte Schule und übcrhaupt jedes hlefür ge-
eignete Local gesperrt sei. Wer hat diese Ull-
wahrheit dem grcisen Kirchenfürsten hinter-
bracht und ihn so getäuscht?"

^Uus Baden den 23. Novbr. schreibt der
„Lchw. M.": „Ein pfälzisches ^ölatt scheint
wohl unterrichtet zu scin, wenn es, sei eS
auch sehr schüchtetn, dic Absicht der Regierung
ankündigt,- das ganze Schulgesetz, nicht blos
den Theil über die Aufbesserung der Lehrerge-
halte, den Ständen vorzulegen. Unrichtig ist
aber dic Meinung, man werde dadurch Oel in
das Feucr des sog. Kirchenstreites gießen. Ent-
schließt sich die Regierung überhaupt zu der
Vorlage, so ist sie gewiß von dem Bestreben
gelcitet, die ganze Angelegenheit gesetzlich zum
Abschluß zu bringen und so das sicherste Mit-
tel zu ergreifen, einen endgiltigen Zustand
herbeizuführen.

Wiesbaden, 15. Nov. Jn der gestrigen
Sitzung der SMideversammlung wurde der
größcre Theil deS Kriegsbudgets erledigt. (Der
Milltäraufwand, das Gendarmeriecorps mitge-
rechnct, beträgt bei einer Bevölkerung von
460,000 Seelen etwa 900,000 fl., drei Viertel
aller directen Steuern.) Zunächst erhob sich
eine Debatte übcr den Betricb von Wirthschaf-
tcn und Kramläden in den Kasernen, welche
vörpachtet seien. Raht: Wohin fließt das Geld?
General v. Holbach: Der Pachtertrag wird un-
ter die verheiratheten Unterosfiziece vertheilt.
Wimpf: Jn Weilburg hat man davon Cigar-
ren gekauft und zur Wahlagitation verwendet.
General v. Holbach: Mir nicht bekannt. Dr.
Lang: Wird dcnn Ncchnung abgelegt? v. Hol-
bach : Nein. Lang: Das erweckt Verdacht. v.
Holbach: Davor ist Niemand sicher. Lang: We-
nigstenS nicht der, welcher sich gcflissentlich der
Kontrole entzieht. — Heute wurde der Rest
des Militärbudgets erledigt. Raht reclamirte
das Militärstrafgesetzbuch, das einseitig von der

Die Bantingkur.

„Ach, liewer Mnnn, bn werscht so dick
llnd willscht nit us mich horche,

Ietzt weiter mache loffe;

An jedem Schilleh fehlt e Knopp,

Un 's Futter isch verriffe,

WaS nutzt des, wann ich stopp und stopp —
Werschl neue bawe misse.

Un erfcht — drum geh ich ntmme mit —

Du dappelscht dorch die Stroße
Un hoscht dann alle fufzig Schrttt
Zu schnaufe un zu blose.

Guck, 's war jo gar ke schwert Dur,

Brauchst nit in's Bad zu rese,

Geh, brauch emol die Banttngkur,

Du hoscht devun gelese!"

liwie Fra, sägt do der Mann,

's muß was dehinncr sticke!""

Er geht un frogt un loßt stch dann
E Bantingbüchel schicke.

.,„Fra, sägt er, awer meiner Seel'!

Ke Stärk, ke Zucker und ke Mehl,

Des kann sich gar nit fehle;

Jch wett', du kannscht in verzeh Dag
Mir alle Rippe zähle!""

Sel Leut de Kaffee trtnke,

Geh, hol e Bissel Schinke!

Un aach e Bissel Wein dazu
Vun unserm gute alte,

Un nochher loscht de mer met Ruh,
Du wescht — ich muß mich halte.

Am rlfe geht er in die Poscht
Die SpriSkart vifitire.

„No, denkt er, wann's aach ebbeS koscht,

Jch muß de Bauch verliere.

E Ent', e Hahn, e Rehragu
Das sin grsunde Sache.

Die gibt em all der Banting zu
Weil fie em mager mache.

Er halt sich werklich gut; mer fiehtS,

Er loßt sich nic versuche, .

Ke Grumbir eßt er un ke Fiz,

Ke Zucker un ke Kuche.

Un wie er 's ball en Monat kann
Do kummt bie Fraa dehinner,

„Ia, sägt se, awer ltewer Mann,

Du btscht noch gar nit dinner,

Du hörscht nur immer wie ich klag:

Det Portmonnä werd leerrr —

Dn awer bischt seit verzeb Dag
E halbe Zentner schwerer!" Woll.

__ (Pf.Z.)

Karlsruhe, im Nov. Am 12. d. M. hielt die
badischeZweigstiftungderdeutsLenSchil-
lerstiftung ihre satzungsmäßigeGeneralversamm-
lung am gegenwärttgen GeschäftSorte KarlSruhe ah,
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