Heidelberger Zeitung — 1865 (Juli bis Dezember)

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Ueidrlbergtr Zeilung.

Kreisoerküildigungsblatt fiir üen Kreis Heiüclberg unü anttliches Berkünüiguiigsblatt sür üie Äints- und Amts-
Gerichtsbczirke Heidelbcrg und WieSloch uuü üen Amtsgerichtsbezirk Neckargemüiiü.

M 23«


Samstag, 80 September


* Politische Umschau.

Die Kieler Zeitung stellt die Nachricht, daß
Hr. Francke zum Präsidenten der holstein'-
schen Regierung bestimmt sei, in Abrede.

Die Hamburger Nachnchten bringen die Mit-
theilung aus Kiel, daß der Erbprinz von
Augustenburg den Herrn von Gablenz besucht
habe. Ein Ratzeburger Telegramm des glel-
chen Blattes sagt: Sicherem Vernehmen nach
hat der König von Preußen die bisherigen
Privilegien der Ritter- und Landschaft schon
vor der Huldignng bestatigt. Ein Pariser
Telegramm des nämlichen BlatteS endlich sagt:
Zn gewissen Kreisen ist das Gerücht verbreitet,
Oesterreich gedenke die Herzogthümer gegen eine
Geldentschädigung an Preußen abzutreten, und
es würden die Großmächte ein derartigeS Ab-
kommen nicht mißbilligen, in der Voraussetzung,
daß Preußen Nordschleswig an Dänemark zu-
rückgrbe.

Der Moniteur sagt in seiner Wochenschau:
Es hat sich kürzlich in der Presse eine Polemik
erhoben über die Räumung der römischen
Staaten sowie über den Zeitpunkt, an dem die-
selbe stattfinden werde. Es kann kein Zweifel
bestehen über die Absicht Frankreichs; sobald
es den geeigneten Augenblick gekommen glaubt,
wird es in Uebereinstimmung mit der päpst-
lichen Regierung die erforderlichen Dispositio-
nen treffen, um die Räumung in der Art zu
beginnen, daß dieselbe in der sestgesetzten Frist
vollständig beendigt sein kann.

Die Enthebung Bach's vom Botschafter-
posten in Nom wird in Oesterreich freudig auf-
genommen werden und der Rücktritt des Gra-
fen Mensdorff wird Niemand betrüben, ob
aber, bemerkl das Fr. I., der Wiedereintritt
des Grafen Rechberg viel Freude Hervorrufen
wird, möchten wir sehr bezweifeln.

Wahlberichte.

^ Ladenburg, 28. Sept. Bei der heute
slattgehabten Wahl eines Kreis-Abgeordneten
durch die Vertreter der Gcmeinden des Amts-
gerichtsbezirkS Ladenburg wurde Hr. Bürgcr-
weister Schäfer von hier — ein lreuer An-
hänger der Verfaffung — gewählt.

f Schwetzingen, 28. Sept. Jm Amts-
bezirk Schwetzingen sind die Kreisabgeordneten-
wahlen durchaus liberal ausgefallen. Am 25. !

d. M. gingen bci den Krciswahlmännern mit
großer Majorität bie liberalen Candidaten durch,
am 28. fielen sämmtliche Stimmen der Gc-
meindewählcr auf großh. Amtsrichter Diez
und Rentamtmann Kärcher von Schwetzin-
gen. Die Niederlage der klerikalen Partei ift
.vollständig.

* Mosbach, 28. Sept. Bei der so eben
vollendcten Wahl der Abgeordneten der Ge-
meinden des Bezirks Mosbach zur Kreisver-
sammlung wirrdcn als solche fast einstimmig
Wasser- und Straßenbauinspektor Schmitt
von hier und Rentamtmann Achenbach von
Neckarelz, beide cntschiedenc Freunde der R^gie-
rung, gewählt.

-j-fi Bruchfal, 28. Sept. Heutc waren
dic sämmtlichen Bürgermeister deö Amtsbezirks
dahier versammelt. um die von Seiten der Ge-
meinden in die Kreisversammlung zu entsen-
denden Abgeordneten zu wählen. Die Wc^hl
fiel mit ganz überwiegender Mehrheit auf drei
liberale, im Bezirk schr angesehene Männer:
Bezirksrath Geometer Petermann dahier,
Ochsenwirth Eberhard in Langenbrücken und
Müllcr Kramer in Philippsburg. Der Amts-
bezirk Bruchsal wird demnach in der Kreisver-
sammlung durch sünf Liberale und vier Ultra-
montane vertreten sein.

Kartsruhe, 27. Sept. Bei der heute da-

ver Gemeinden zur Kreisvcrsammlung wurden
erwählt: BezirkSrath Bürgermeister Ganser
in Mühlburg, Bezirksrath Hofbuchhändler Kn it-
tel in Karlsruhe, und Altbürgerm. Zwecker
in Linkenheim.

x Lahr, 28. Sept. Von den Gemeinde-
räthen des Amtsbezirks wurden heute als
Kreistagsabgeordnete gewählt: Bürgermei-
ster Schiff vonZchenheim und Bürger-
meister Althaus von Sulz. Bereits
früher schon sind gewählt worden: im Wahl-
bezirk Friesenheim: Karl Hechinger
von Schuttern und als Ersatzmann: Bür-
germeister Lögler von Oberschopfheim; im Wahl-
bezirk Dingl ingen: Bü rgermeister Fur-
rer von Hugsweier uub als Ersatzmann:
Wolfwirth Häß von Nonnenweier; im Wahl-
bezirk Seelbach: Pfarrer Förderer in
Lahr und als Ersatzmann: Bürgermeister We-
ber; im Wahlbezirk Jchenheim: Bürgermei-
ster Kaderlein von Meißenheim und als Ersatz-

mann: Bürgermeister Roth von Dundenheim-
— Von den Wahlmännern der Stadt Lahr
wurde Fabrikant Sommerlatt und als Er-
satzmann: Kaufmann Groos gewählt. Ueber--
morgen wird noch der Gemeinderath der Stadt
Lahr einen Abgeordneten wählen, und wird
die Wahl wahrscheinlich auf Bürgermeister
Bittmann fallen. Von den gewählten Ab-
geordneten sind nur Hechinger und Förderer
der klerikalen oder ultramontanen Richtung
zugethan; die übrigen Wahlen aber sind als
regierungsfreundliche zu bezeichnen. —

-j-j- Freiburg, 27. Sept. DaS Amt Frei-
burg hat 5 Wahlbezirke, darunter wählte die
Stadt Freiburg drei Kreis-Abgeordnete, und
wie berichtet, im liberalen Geiste. Von den
übrigen Wahlbezirken wählte Zähringen mit
den zugetheilten Orten ebenso wie St. Geor-
gen (also der 2. u. 3. Wahlbezirk) gleichfalls
liberal. Dagegen die Wahlbezirke Ebnct und
Zarten. wozu namentlich St. Peter gehört,
wählte nach dem klerikalen Programm — die
Herren Baurath Dr. Bader und Anwalt Dr.
Wänker mit Ersatzmännern gleicher Farbe.

K Lörrach, 28. Sept. Nach dem Ergeb-
niß dcr nunmehr beendigten Wahlen für die
Kreisversammlung des Kreises Lörrach durch
die Kreiswahlmänner und die Vertreter der
Gemeinden wird dieselbe aus 18 Mitgliedern
bestehen. Hiervsn gehören 15 der liberalen,
1 der gemäßigt klerikalen und 2 der neu-
katholischen Partei an.

* Heidelberg, 29. Sept. Zur Ergänznng
unserer heutigen ansführlichen Wahlberichte
führcn wir noch folgende erfreuliche, der Sache
des Fortschritts günstig« Wahlresultate zu den
Kreisversammluugen an: anS demWahldistrikte
Baden, dem I. und II. District Donau-
eschingen, (wie bereits gemeldet, sind auch
in den beiden andern Wahlbezirken dieses Bez.-
Amtes die Wahlen liberal ausgefallen), ferner
aus den Wahldistricten Jestetten, Liedolsheim(Amt
Carlsruhe), NheinbischofSheim (Amt Kork) und
Salem. Die clericale Partei hat dagegen nur
zwei mit großer Mühe gegen eine starke Mi-
norität errungene Siege zu melden. Die Wah-
len der Vcrtreter der Gemeinden werden nun
auch bekannt. Soweit dieselbcn bis jetzt vor-
liegen, sind sie mit einer einzigen Ausnahme
libcral ausgefallen. Auch die Wahlen der
Wahlmänner für die Abgeordneten werden nach

** Stadt-Theater in Heidelberg.

Heidelberg, 28. Sept. Die gestrige Vorstellung
der Maria Stnart hat gezeigt, daß auch für das
Schanspicl in dieser Saison wirklich ausgezeichnete
Kräfte gewonnen sind. Diese Vorstellllng hätte jeder
örößerrn Bühne Ehre gemacht. Fräulein Branv
desitzt rine imponirende Gestalt und ein mächtiges
^rgan; ihre Maria Stuart war cine vortrefsiiche
«eistung. Das Fach der Heldinnen war seit Jahren
-dahier nicht so brillant vertreten. Herr Marr,
Ichon früher cin Liebling des hiefigen Publikums,
spielte den Mortimer mit leidenschaftlicher Begeiste-
rung nnd legte Zeugniß ab von den schönen Fort-
schritten, bic er gemackt. In Herrn Tiefel machte
die Direction ebenfalls für das Fach der Helden-
rollen eine gute Acqutfition, eine schöne Bühnen-
rrscheinung und klangvolles Organ zeichnen den
lungen Mann aus; ein rascheres Tempo der Rede
wäre hie und da zu wünschen geweftn. Frau Stei-
urcke hat zwar ein schwaches Organ, spielte aber
d«r Elisabeth mit*vielem Verständniß und ent-
nuckelte cine brillante Toilette. Herr von Strrn-

kennen lernten. Die schwächste Leistung war wohl
dte deS Lord Burleigh', doch ging die Vorstellung
tm Ganzen grnommen sehr gcrundet, und dürfte

Vorstellung Lherese KroneS sein wtrd, worin
die Soubrette Fräul. Adrian, welche kürzlich zu
einer stummen Rolle verurtheilt war, debutiren
wird. Auch Herr AlbinuS, ein beliebter Komikcr,
wird darin in der bedeutenden Rolle deS Raimund
auftreten. Die muntere Liebhaberin Fräul. Alt-
mann, welcher ctn günstiger Ruf vorangeht, ^rd

rin tn Unterhandlung^ und fo dürfte dann die dirs-
jährige Theatersaison fich zu einer glänzenden ge-
stalten. Allerdings ist eS nothwendig, daß daS
Publikum dem Theater das vollste Lntereffe zu-
wendet, denn wtr begretfen sonst nicht, wie die

; Direction mit einem Personalbestand von vierzig
Personen ohne jede Subvention eristiren kann.

Der Marterpferch zu Ändersonville.

(Schluß.)

Dr. Burrows, Arzt des 27. Massach. RegimentS,
kam im Frühjahr 1864 als Gefangcner nach An-
dersonville und ward, nachdem er seine Parole ge-
geben, als Spitalarzt verwendet. Er sagt: „Als
ich hinkam, lagen 6 — 700 Patienten, theilweise
nackt, auf dem bloßen Erdboden. Neuu Zehntel

Wenn irgend ein Gefangener einen Entweichungs-
versuch machte, pflegte Wirtz fluchend und scheltend
anzukündigen, daß er alle verdammten Aankees
dafür verhungern laffen werde. Die Gefangenen
wurden in den Stock oder in Ketten gelegt. Der
Stock bestand auS einem fast sechs Fuß hohen Ge-
rüste mit Brettern, die fich so zusammenschieben
ließen, daß fie just Raum für den Hals des Gr-
fangenen lirßen, der dann aber auf seinen Zehen
stehen mußte. Der „Kettengang" bestand aus 6 bis
18 Gefangenen, die mit Handschellen gefeffelt waren.
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