Heidelberger Zeitung — 1865 (Juli bis Dezember)

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Heidelbergtr Ieilung.

KreiölierküilüiguiigSblatt sür den KrciS Heidelberg und aintliches Lerkündigungsblatt für die Amts- und AmtS-
Gcrichtsbezirke Heidelbcrg und Wiesloch und den Amtsgerichtsbezirk Neckargemünd.


Scimftag, 12 August


* Politisci»' ttmschan.

Jm Ministerium des AuSwärtigell in Wien
wird ein Memorandum vorbereitet, welches be-
stimmt ist, sür den'Fall des BrucheS mit Preu-
ßen die Entschließnngcn OestcrrcichS den aus-
wärtigen Höfen zu notificiren.

Ueber die Verhandlungen in Gastein fehlen
noch alle bcstimmteu Nachrichten. Nach einem
Wiener Blatte wäre Graf Bloome sogar beans-
tragt, wenn Preußen sich dadurch bcstimmen
lasse auf seine Februarsordenmg zu verzichten,
demselbei, das Herzogthum Lauenburg ohne jede
Coiiipcnsalion anzubieten. Bcharre eS aber aus
jener Forderung, dann seien iußersten Falls
die Verhandlungcn abzubrechen; zum Kriege
aber kämc es nur dann, wenn dic Preußische
Regierung es unternehmen sollte, zu einer sla-
granten Verlctzung des Artikels 3 des Wiener
Fricdensvcrtrags vom 30. Oct. 1864, auf dessen
Boden Oestcrrcich stchen bleibt, d. i. gegen
Oesterreichs dem xreußischen vollkommen eben-
bürtigen Mitbcsitz zu schreitcn.

Die Berhaiidliiiigen zwischcn Bayern und
Sachsen werden in der bayerischen Hauptstadt
und dercn Umgegend lebhaft fortgeführt. Bayern
scheint nun mehr als anfangs geneigt, fich an
Oesterreich anzuschließin.

Der im Auflrage des Ausschusses redigirie
Bericht über den ersten deutschen Protestantcn-
tag, gehaltcn zu Eisenach am V. und 8. Juni
d. I., ist jetzt im Druck erschienen. Er ent-
hält die Vorträge der Herren Dr. Bluntschli,
Dr. Rothe, Dr. v. Holtzendorfs, Dr. Schwarz,
Dr. Ewald, sowic die von ihnen vorgebrachten
Thesen und die Discussionen darüber. Die
Lectüre dieses BcrichtcS ist allcn aufrichtigcn
Protestanten aufs Angelegentlichste zu cmpfehlen.

Gn offcner Brief des Königs von Däue-
mark beruft eine außerordentlichc Vcrsaminlung
deS Reichsraths zum 28. August.

Bei der Königin »on England sand in Os-
borne am 7. Augiist ein Cabinctsrath statt.
Die Eröfsnung des neuen Parlaments wurde
aus Mittwoch, den 1. November, und die Er-
öffnung der ConvocatioiiShäuser (Kirchenver-
sammlung) auf Donnerstag, den 2. November
dertagt.

D e u t s ch l a n d

ü' Heibelberg, 9. Ailgust. Seitdcm dic

Spannung zwischen Oesicrreich und Preußcn
zu cincm so hohen Grade gedichen ist, wcndet
sich ein großer Theil der Ausmerksamkeit un-
serer Politiker nach Westen, um zu erforschen,
wic der Kaiser von Frankreich fich bei einem
ctwa ausbrechendeii Conslictc verhaltcn würde.
Manche gehen hiebei von dem Vorurtheile aus,
daß Rapoleon UI. es sich zur Aufgabe gcmacht
habe, einen der Gcgner jeines großen Oheinis
nach dem andern zu bekämpfcn und zu demü-
thigen, und nchmcn daher an, daß er sich auf
die Seite OestcrreichS stellen werde, um jetzt
Preußen dasselbe Schicksal zu bereiten, welches
cr 1859 dem Kaiserstaate Oesterreich b-rcitet
hat. Selbst von Wien aus scheint dieser Glaulke
lebendig erhalten zu iverden. D-nnoch kann
man diese Annahme nicht unbedingt als richtig
gelten lasscn. Napoleon III, obglcich er scine
Politik stets nach den Umftänden modificirt,
und deßhalb scheinbar ost scinc Plänr wechselt,
ohne sic jemals ganz aufzugeben, liebt es doch
nicht, wenn man scine Pläne durchkreuzt.
DiejcS hat nun aber Oesterreich in einer ihm
besonders am Herzen liegenden Frage gcthan,
nämlich bei Gelegcnhcit der Vcrhandlungen
zwischen Rom und dem Königreiche Jtalien,
und dies dürste sür Rapolcon ein neuer Sporn
sein, an die Einlösung seines srühern Vcrspre-
chcns: „Frei bis zur Adria" zu denken. Es
drängt ihn ader dies uuwillkürlich ans die
Seitc Preußens, und mvglicherweise dürfte der-
selbe diesen Staat jctzt vor einem zwciten Olmütz
bewahreit. Dies wird dann aber auch der
ganzc Gewinn sein, den Prcußen aus der Sach-
lagc zieht (wenn Rapolcon übcrhaupt aus sciner
jetzigen rcservirten Stcllung hervortritt), und
auf einc Untcrstütznng wcitergehender Plane
v. BiSmarcks (wic sic Manche viellcicht von
desscn.Bcsuche in Ploinbiercs crwaiteu), wird
von Scitcn Napoleoiis schwerlich zu rcchncn
sein, es möchte dcnn sein, daß maii Letzterem
Vortheile verspräche, Ivelche mit dem Worte,
welches der König »on Preußen dereinst in
Badcu an die deutjchen Fürstcn richtcte, in
grellem Widerspruch stünden.

^ Bom Nleckar, 9. Aug. Dic außer-
gcwöhnlichc Rührigkeit, wclchc dic Casinopar-
tci in verschicdcncn Ecgenden des Landcs, na-
mentlich auch in der Psalz, im Brurhein, vor
den Wahlen zu den Kreisversammlungen an
den Tag lcgt, sollte den liberalen Thcil der
Bevölkeruug mahncu, sobald der Augenblick

kommt, einig zu scin und zusammcnzntreten
um sich übcr die zu wählenden Persönlichkeiten
zu vcrständigeu, wie dies im Obcrlande schon
jetzt geschieht. Sich in dicsem Augenblick un-
lhätig zeigen, hieße Verrath an dcr Sache des
VolkcS; eine so wichtigc Angelcgenheit erior-
dcrt entschiedeues Zujainmeiihaltcn; denn, wcnn
auch dem größcren Theil der Bevölkerung nur
ein vcrschivindeiid kleiner gegcnübcrsteht, und
voraussichtlich letzterer gar keinc AuSficht auf
Erfolg haben kann, so glaubcn wir dies uur
in jenem Fallc behauptcn zu könncn, wcnn
dcr liberal gcsinntc Thcil fich übcr die Wahl
vcrständigt. Jede Zcrsplitterung gibt den Geg-
nern.Aussicht auf cinigen Erfolg. Mit deu
großartigcn Versammluugcn von 700 katholi-
schen Männern und den 1200, die in ZlveS-
vesheim und Kirrlach sich eingefunden haben
sollen, will es nicht vicl heißcn; man kennt
die Trompctenstößc des Bad. Beobachters, und
wic es dieses BlattmitZahlenangabenhält, ist de-
kannt. Wünschen möchten wir, daß dic Wahlen auf
cine Zcit verlegt würden, in welcher der Land-
mann nicht durch viele Feldgeschäfte in der
Ausübung seiner Wahlpflicht abgehaltcn ist.

Freiburg, 9. Aug. Zu dem heute hier
stattfindendeii KriegSrathe der Kasinopartei ist
bcreits eine größere Anzahl meist gcistlichcr
Herren auS vcrschiedenen Theilen dcS Landcs.
cingctroffen. Pfarrer Müller von Krotzingen,
der sich gerne die Anwartschast auf die erle-
digte Domkapitularstelle verdieuen möchte, steht
an dcr Spitzc und hat dic Bersammlung be-
rufcn, zn dcr auch der bckannte Agitator Lin-
dau von Heidelberg sich cinstellen zu müssen
geglaubt hat. Zunächst sollen die Feldzugs-
plänc für die KreisversaminIungS- u»d Abge-
ordnetcn-Wahlen festgestellt werden, wobei man
dcn schwarzcn Landsturm ins Trcffen sühren
will- (Frb. Ztg.)

Stuttgart, 9. Aug. Abgeordnetenkammer.
Oesterlen stellt die Jnterpellation wegen der
schleswig.holsteinischen Angelegenheit, ob das
Ministerium zur Lösung im nationalen Sinne
im Vereine mit Bayern nnd anderen Mittel-
staaten, so wie mit Oesterreich geneigt sei; der
Minister verweigert die Antwort. Hopf stellt
eine Motion weaen des vom Präsidenten an
ihn ergangenen Ordnungsruscs.

Darmftadt, 10. Aug. Soeben 9 Uhr,
ist die Königin von England hier eingetroffen
und alsbald, ohne die innere Stadt zu berüh-

^ Eine schauerliche Sage.

nach Mannheim führt, zwischen Feudenheim und
Mannheim, befindet fich, umgeben nnd theilweise
verdeckt von Schilf und Weidenstöcken — wenn wir
nicht irren, auf Mannheimer Gemarkung — cin
Teich, aus der Vorzcit bcn grauenvollen Namen:
das Teufelsloch tragend. In dieser Gcgend stand
einft ein Dorf, welches mit Mannheim (damals
gleichfalls noch ein Dorf) zu einer in der Näbe
defindlichen Burg Nheinhausen gehörte, das aber
mit dieser jetzt von der Erde verschwunden ist.
Hier wohnten unter Andern mehrere Brüder, welche
das Stuck Feld, das den genannten Teich umschließt,
brsaßen uud fleißig bebauten. Sie waren zugleich
Kischer und wünschten auf ihrcm Eigenthum ciuen
Brunnen zu besitzen. Wie noch heute in dicser
Gegend, dünkle ihnen die Herrichtung eines solchen
eine leichte Arbeit. Sie gingcn mit Eifer daran,
ramen bald in eine ziemliche Tiefe, aber wie staun-
ten fie, daß ihr Unternehmen nicht nur nicht zu
Waffer, sondern die Arbeit immer schwerer wurde.
Wider alle Erfahrung viel Ungemach beim Gra-

ringste Aussicht zur Errcichung ihres beabfichtigten
ZweckeS. Endlich meintcn fie auf eine große Eisen-
platt» zu stoßen. Ieder Schlag darauf verursachte
cinen dumpfen, unheimlichen Ton und dabei ein
fürchterliches unterirdisches Donncrrollen, so daß
ihnen bald der Angstschweiß ausging. Sie sahen
ein, daß fie allein nimmermehr zum Zielc gclangen
köimten und eincr rilte in das Dorf, um Unter-
stützung in ihrer Arbeit herbeizubolrn. Viele bereite
Hände, aber aucb viele Neugirrigc folgten- Die
Eisenplatte wurde mit vicler Anstrengnng gehoben
und ein filberner Sarg mit geheimnißvoller In-
schrift zu Tage gefördert. Der Donner im Erd-
innern begann wieder, ein unterirdischer Waffer-
strom drang hervor, der Sarg hob fich, tauchte
unter und die Waffer füllten die Tiefe und deckten
— Brunnengraber und Neugierige'. Wenige retteten
fich, um die schauerliche Kundr im Dorfe mitzu-
theilen. Riemand aber hat eS mehr gelüstet, jemals

sind dahin, aber im Westen des Platzes erhielt und
erhob sich Mannheim, rcich und schön zu des Lan-
deS Zierde.

Das steuerbare Luftschiff„L'Esperance", eine Er-
findung des Hrn. Delamarne, daS die Fähigkeit
habcn foll, die Luft so ficher und ruhig zu durch-
segeln, wie ein Schiff ben Ocean, erhob sich in
Crcmorne-Gardens in Folge des ungünstigen Wet-
terS erst zwei Tage später, als zuerst beabsichtigt
war, nämlich am Miktwoch Abend um 7 Uhr von
dem freien Rasen dieses Gartens. Eine pracht-
vollere Aufsahrt hat wohl sclten stattgefunden.
Für einige Augenblicke solgte der Ballo» der Wind-
richtung nach dem Südosten London'S, und Jeder-
mann zweifelte an der Steuerkraft des Luftschiffes,
alsdann aber begannen Windstügel und Ruder der
Maschine ihre raptden Bewegungen, der Ballon
kam „vor den Wind" und machte eine vollkommene
Wendung, worauf er direct über Battersea-Park,
wie es schien, dem Willen dcs ErfinderS folgend,
segelte, hier aber so schnell zu finken begann, daß
viele «n Unglück sür den Luftschiffer befürchteten.
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