Heidelberger Zeitung — 1865 (Juli bis Dezember)

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Karlsruhe, Behaghel, Hofralh, Professor in
Mannheim, Scherm, Professor und Vorstand
des GymnasiumS in Bruchsal, Winter, Mini-
sterialrath und Laudescommissar in Karlsruhe,
Eisenlohr, Geh. Regierungsrath in Bruchsal,
Schneider, Oberamtmann in Ettenheim, Hipp-
mann, Oberamtmann in Staufen, Hack, Medi-
zinalrath in SinShcim, Kreuzer, Medizinalrath
in Durlach, Spohn, Georg, Ministerialrath in
Karlsruhc, Asmus, Dekan und Stadtpfarrer
in Müllheim, Trautz, Dekan und Stadtpfarrrer
in Friesenheim, WeingLrtner, Franz Xaver,
Stadtpfarrcr in Oberkirch. Neumaier, Dr. I.
B., Pfarrer in HandschuhSheim, Eimer, Hein-
rich, Consul in Neu-Orlcans, Baucr, Oberst-
leutenant im 2. Jnf.-Reg. König von Preußen,
Lebeau, Major, Mitglies des großh. KriegS-
ministeriums, Weber, Stabsarzt beim (1.) Leib-
Dragonerregiment, Hoffmann, Dr., Regiments-
arzt beim Feld-Artillerieregiment.

Scine Kön. Hoheit der Großherzog haben
Sich unter vem 11. Juni d. I. gnadigst be-
wogen gefunden, dem Director der Kunftge-
werbeschule August Kreling in Nürnberg das
Ritterkreuz des Zahringer-Löwen-Ordens zu
verleihen; unterm 14. Juni d. I. dem Premier-
lcutenant und RegimentSadjutanten v. Waldow
im kön. preuß. Uhlanenregiment Nr. 7 das
Ritterkreuz, und dem Major Wright, Adju-
tanten des ChefS des Generalstabes der Armee,
das Commandeurkreuz zmeiter Klasse des Or-
dcnS vom Zahringer Löwen zu verlejhen; un-
term 23. Juni d. I. dem Commandanten der
ersten Gendarmeriedivision, Major Oettinger,
das Ritterkreuz mit Eichenlaub des Ordens
vom Zahringer Löwen zu vcrleihen; unterm
24. Juni d. I. dem königl. sächsischen Finanz-
rath nnd Director der königl. Staats - Eisen-
bahncn, Max Maria v. Weber in Dresden,
das Ritterkrcuz des Ordens vom ZLHringer
Löwen zu verleihen.

Seine Königl. Hoheit der Großherzog haben
Sich unterm 27. Juni d. Z. gnLdigst bewogen
gefnnden, dem Kirchenrath, Prof. Dr. Schenkel
in Heidelberg die unterthLnigst nachgesuchte Er-
laubniß zu ertheilen, das ihm von Sr. Hoheit
dem Herzog von Sachsen-Koburg-Gotha ver-
liehene Ritterkreuz zweiter Klasse des Sachscn-
Ernestinischen Hausordens anzunehmen und
zu tragen. Die gleiche höchste, unterthLnigst
nachgesuchte Erlaubniß zur Annahme und zum
Tragen der ihnen von Sr. Maj. dem König
von Schweden verliehenen Orden erhielten un-
lerm 28. Juni d. I. Geheimrath Prof. Bun-
sen für das Commandeurkreuz, Prof. Dr. Kirch-
hoff, und Prof. Dr. Kopp in Heidelberg für
das Ritterkreuz des Nordstern-Ordens.

Dienstnachrichtcn. Se. K. Hoheit der Groß-
herzog haben Sich unter dem 20. Juni d. I.
gnLdigst bewogen gefundcn: den Kreisgerichts-
Rath Franz Peter Schmidt in Mannheim auf
seiu unterthLnigstes Ansuchen, unter Anerken-
nung seiner langjLhrigen treuen Dienste, in
dcn Ruhestand zu versetzcn; den Oberamts-
richter Sieb in Mecrsburg anf sein unterthL-
nigstes Ansuchen wegen Kränklichkeit in den
Ruhestand zu versetzen; den Obereinnehmer
Habercr in Bonndorf seiner ehrerbietigsten Bitte

bkstimmt wurden, sich in ihre Privatwohnung haben
tragen laffen und fich dort ärztiich behandeln lassen; >
die Zahl der Todten dürfte sich möglicherweise >
gleichfalls noch erhöhen, da der Trümmerhaufen, !
den die zerstörten Waggons bilden, noch nichl hat l
^ntfernt werden können, jrdenfallö werden mehrere

Zahl der Leichtverwundeten laßt fich^selbstverständlick !
gar nicht angeben. Die Namen der Todten, soweit >
fie bis jetzt bekannt geworden find, werden von
der Magdeb. Presse, wie folgt, angegeben: Loco-
motivführer Thiele, Lehrling Bode, der Bremser ^
des ersten Waggons und Kaufmann Simon Lucke ^
zu Magdeburg. Verwundet liegen im stäotischen >
Krankenhause zu Magdeburg: 1) Kaufmann Kühne,
2) Kaufmann TiVtge, 3) Seemann Oberländer,
4) Sckmied Haack, 5) Eiscnbahnwächter Gründel, !
6) deffen Frau, 7) der^n Pfiegtochter Perlcberg, !
8) Tischlerlehrling Leue, 9) Bremser Buttenstedt,
10) Oekonom Schenck, 11) Eisenbahnassistent !
Winckler.

London, 15. Juli. Auf dem „Great Lastern", !
welcher heute die Themsemündung verlassen soll. l
um sich mit dem atlankischen Kabel vorerst nach j
Balencia (Irland) zu begebcn, find nach langem >
Parlamentiren nun dock ein vaar Zeitungs-Be- '

gemLß wegen vorgerückten Alters in den Ruhe-
stand zu versetzen; den Commandanten der
ersten Gendarmeriedivision, Major Oettinger,
auf sein durch körperliches Leiden veranlaßtes
unterthLnigsteS Ansuchen, unter Anerkennung
seiner treu geleisteten Dienste in den Ruhestand
zu versehen; unter dem 21. Juni d. I. den Re-
visorKarlErhardt beidemB.-A.Freiburg inglei-
cher Eigenschaft zu dem B.-A. Karlsruhe zu vers.;
unter dem 24. Zuni d. I. den Justizminrste-
rialrath von Seyfried zum Mitglied des Ver-
waltungsraths der General-Wittwen- und
Brandkasse, den Polizeikommissar Ludwig Pfeif-
ser in Mannheim zum Erpeditor bei dem Ver-
waltungshof zu ernennen; den Bezirks-Assistenz-
arzt Niebergall in Eppingen seinem untertha-
nigsten Ansuchen gemäß in den Ruhestand zu
versezen; unterm 30. Juni d. I. den Gerichts-
notar Hecht in Weinheim zum Gerichtsnotar
bei dem Amtsgericht Mannheim zu ernennen.

Karlsruhe, 18. Juli. Die Verhandlun-
gen zwischen der Eurie und der Regierung be-
stehen direct nicht fort; allein immer uoch ist
mau bereit, der Kirche die freisinnigste Anwen-
dung des Schulaufsichtsgesetzes nach jeder Seite
hin zuzugestehen. Freilich die vielbegehrte
kathol. Section im Oberschulrath mit tirchlichem
Mitcrnennungsrecht wird nicht zu Standc kom-
men, und schon die ganz ernsthaft gemeinte
Stelluug eines sylchen Begehrens beweift, wie
wenig man in Freiburg erkennt, daß die Ge-
setzgebung von 1860 eine Thatsache ist und
nicht ein Versuch. Meine früheren Mitthei-
lungen, daß die Curie eine Denkschrift an das
Staatsministerium gerichtet habe. wird von
mehreren Seiten jetzt bestLtigt. Eben so gewiß
ist, daß schon vor zwei Monaten und noch jetzt
das Ordinariat auch im Jnteresse der Kirche
selbst die VerstLndigung für höchst wünschens-
werth erachtet. Außerhalb der Grundlageu des
Gesetzes isi eine solche schon darum nicht denk-
bgr, wcil die Kammern niemals ihre Zustim-
mung geben würden. — Mit den in diesem
Herbst vorzunehmenden 16 —18 Wahlen zur
2. Kammer ist die dritte Partialerneuerung seit
1860 eingetreten, so daß, vie freiwilligen Aus-
tritte mitgerechnet, die aus. 63 Mitgliedern be-
stehendc Kammer seit jener Zeit wohl 54—56
innerhalb der neuen Acra gewählte Mitglieder
zählt. Der Vorwurf, daß die Kammer aus
dem 50r Jahrzehnt herübergenommeu sei, ist
hiernach falsch geworden. (S. M.)

— Äus der Pfalz, 20. Juli. Fast keine
Frage wird gegenwärtig in dcn öffentlichen
BlLttern so allgemein und wiederholt, so eifrig
und doch mit so verschiedenartigem Ergebnisse
besprochen, als die Frage über Gewerböschul-
zwang uud Gewerbeschulfreiheit; und nicht
allein die gr. Regierung, welche zur Erörterung
dieser Frage aufgefordert hat, sondern auch
die Presse, welche ihre Spalten dazu öffnet,
scheint sich noch für keine der einander wider-
streitenden Ansichten entschieden zu haben, weß-
halb wir hier uno da, wie z. B. in ver „Bad.
Ldsz.", das Pro und Contra nebeneinander
abgedruckt sinden. Wir unsererseits konnten von
Anfang an weder der einen noch der andern
der streitenden Parteien unbedingt beitreten,

männern, denen dic Abwicklung des Kabels an-
vertraut ift. Das zarte Geschlecht ift gar nicht ver-
treten, dafür find eine Unmasse von Gänsen und
Hühnern, 13 Ochsen, mehrerc Milchkühe, 100
Sckafe, mchrere Schwcine und große Gemüsevor-
räthe an Bord geschafft. Die Hauptsache ist, ob
d^s^Wetter ^em^Unte^ne^men^ gülistig^ sein^ wird^

LSngc ^öog^MM.) Mrdr alS 4 Wotte

das zweckmaßigste anerkannte Varley'sche Instru-
ment ntckt zu signalifiren. Man hofft allerdings,
es aufs Doppelte zu bringen, boch das

der „Great Eastern" 50 Meilen zurückgelegt hat,
wird dics hieher telegraphirt werden, so daß wir
dem Schiff vermittelst einer guten Seekarte gxnau
zu folgen im Stanv sein weroen. Wenn Alles gut
geht, d. h. wenn daS Sckiff nicht durch widrige
Winde in seinem regelrechten Lauf gestört wird,

weil wir die Frage nicht als eine principielle
und deftnitiv zn entschcidende, sondern nur als
eine transitorische betrachten, dje von Seiten
ihrer Mtzlichkeit und Zweckmäßigkeit für den
jetzigen Augenblick ins Auge gefaßt werden
müsse. Von diesem Gesichtspunkte aus mußten
wir uns denn sür die Fortdauer des Gewerbe-
schulzwangs entscheiden, weil ohne denselben
der Zweck dieser Schulen nicht erreicht und
sogar ihre Existenz in Frage gestellt werden
würde. Wir könnten daher den principiellen
Charakter der Fragc ganz unerörtert lassen
und uns auf die Darstellung desjenigen be-
schränken, was für jetzt noth thut; allein da
inan HLufig auf den „Grundsatz" sich bcruft,
so wollen wir auch einer auf dieser Basis
ruhenden Besprechung nicht aus dcm Wege
gehen, da wir überzengt sind. daß, was man
in dieser Richtung gegen hen Gewerbeschulzwang
sagt, weder treffend noch stichthallig jst. Wer
in irgenv einer Peziehung für hie Freiheit
kqmpft, kayn zwar zum Vorqus versichert sein,
daß er.eine günstige Meinung für sich erweckt,
und Freunde und Kampfgcnossen findet; allein
die Ansicht, daß der Zwang die Mutter und
Vorbedingung der Freiheit sei. schließt eine
unbestreitbare Wahrheit in sich, ohgleich eine
solche Betrachtungsweise Manchem sehr serne
liegen und einem Andern sogar als eine solche
erjcheinen mag, die einen Widerspruch in sich
berge. Die so zuversichtlich ausgesprochene Be-
hauptung, „daß der Gewerbeschulzwang sich
mit der Gewerbefreiheit nicht vertrage," hätte
Diejenigen, die sie aussprechen, schyn bedenklich
machen müsscn, wenn sie erwogen HLtten, daß
die großherz. StaatsrcgMrung und die beiden
Kammern, ungeachtet sie ganz entschieden für
die Gewerbefreiheit waren, doch den Gewerhe-
schulzwang für nothwendig hielten. Wenn beide
völlig unvexträglich mit- einander wären. so
hätten jene sich ciner sehr groben und mit Hän-
den zu greifenden Znconsequenz schuldig ge-
macht, maö man ihnen doch nicht so mir nichts
dir nichts ausbürden darf. Uns will eS viel-
mehr vorkommen, als ob in obiger Behauptung
der Gewerbeschulzwang in eine sehr unpasfende
Vexbiudung mit der Gewerbefreiheit gedracht
worden sci, und als ob jencr eher die Bedin-
guug für diese enthalte, ats mit ihr unverträg-
lich sei. Die Gewerbcfreiheit ift namlich offen-
bar für die Erwachsenen, für diejenigen, die
etwas gelernt hqben, die reif und mündig sind,
um sich einen Berus zu wählen und ihre Exi-
stenz darauf zu gründen. Die Vorbedingung
dieser ihrer Freiheit, SelbststLndjgkeit und Reife
ist der Schulzwqng gewesen, bem Jeder unter-
worfen werden muß, der noch nicht reif uud
mündig ist, damit er es werde. Man darf
nur die Freiheit nicht mit Willkühr und Unge-
bundenheit für gleichbedeutend halten; Freiheit
ist Selbstbestimmung, das Recht der Selbst-
bestimmung sällt aber mit der Möglichkeit
der Selbstbestimmung, d. h. mit der Reife, zu-
sammen; die noch Unreifen, zu denen auch die
Lehrlinge gehören, habeu weder das Recht noch
die geistige und sittliche Kraft, sich unbedingt
selbft zu bestimmen; darum unterliegen sie dem
Schulzwang, und zwar nicht nur dem der Volks-

werden wohl 20 Procent der Kqbellänge erspart
werden können (der Vorficht wegen ist es um 33
Proc. länger fabricirt worden, als die Entfernung
zwischen Valencia und Neu-Fundland beträgt),
während bei ungünstigem Wetter vielleicht die letzte
Ellc verbraucht werden wird. Die an Bord befind-
lichen Compassi, von denen^eini^e durch den Gin-

während auffallender Weise bci andern unter gaNZ
gleichen Bedingungen die Abweichung bloß 6 Punkte
betrug.^sir^d sämmtlick auf's^ geuaueste adjustirt,

bedienen, der letztern aber allein, wenn es an oie
Versenkung des Kabcls geht. Die Sckaufelräder
we^rden dann bloß in langsam rotireiwer Bewegung

helfen^zu können, roenn etn ^isches^Anhalten deS
Schiffes nothwcndig erscheinen sollte. Man hofft,
daß der „Great Gastern" am näcksten Mittwoch in
Valencia eintreffen werde, um fick am barauf
folgenden Tag, in Begleitung ves „Terrible ,
„Sphynr" und „Hawk", auf die große Reise zu
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