Heidelberger Zeitung — 1865 (Juli bis Dezember)

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welche mittheilt, daß die seierkiche Schließung
der Sesston am Donnerstag, den 27. Juli,
Vormittags 11 Uhr, unter gleichen Modali-
taten, wie im vorigen Zahre ersolgen werde.
DaS Haus beschließt, keine Sitzung mehr zu
halteu. Hr. Pratobevera spricht dem Prasi-
denten den Dank des Hauses aus, und der
Präsident v. Hasner dankt dem Ha'lse für
sein Entgegenkommen, wirft einen summarischen
Rückblick auf die THLtigkeit des Hauscs in
dieser iDession und schließt mit dem Wunsche,
die Verfassung möge unter dem Schutze des
Himmels und des Kaisers gedeihen und sich
entwickeln. Hierauf dreimaliges Hoch auf den
Kaiser.

Wien, 24. Jnli. Heute crfolgt die Pu-,
blicirung des neueu Cabinets. — Die'Schlie-
ßung der Session des Reichsrathes erfolgt am
27. d. mit der kaiserlichen Thronrede.

Paris, 24. Juli. Die Ergebnisfe der bis
jetzt bekannten Gemeinderathswahlen sind für
die bisherigen Gemeinderäthe sehr günstig. Fast
überall gingen dic gemeinderäthlichen Listen
vollftändig durch und wurden die Bürgermeister
und ihre Adjimkten wieder gewählt.

London, 24. Juli, Vormittags. Das Ufer-
ende des transatlantischen Kabels ward 27
Meilen lang gelegt und gestern Nachmittag
mit schönstem Erfolg mit dem Hauptkabel ver-
flochten. Um 41/2 Uhr begann der „Great
Eastern" bei sehr güustigem Wetter die Fahrt
nach Westen und die Abrollung des Kabels.
Angestelltc Versuche bewähren die Tüchtigkeit
des Kabels.

Karlsruhe, 24. Jul. Die gestern im
Saale der Landesgcwerbehalle untcr dem Vor-
sitz des Hrn. Eimer aus Freiburg stattgehabte
Versammlung badischer Arbeiterbildungsvereine
verdient wegen der Bedeutsamkeit ihrer Ver-
handlungen eine Besprechung. Schon seit
längerer Zeit wünschte man eine engere Ver-
bindung der Vereine unseres Landes. Durch
die gestrigen Beschlüsse ist dieser Wunsch zur
Thatsache geworden. Sämmtliche Lokalvereine
werden in Zukunft dem Vorort halbjährlich
einen Bericht zustellen, und dieser Vorort hat
alle Jahre zu wechseln. Für den nächften
Turnus wurde fast einmüthig Freiburg dazu
gewählt. Es geschah dies wohl wesentlich,
um damit die Leistungsn des schwäbischen Gau-
vorstandes in ehrender Weise anzuerkennen.

Die Verwaltungskosten für die Thätigkeit des
Landesausschusfes follen durch eine kleine
außerordentliche Steuer der Mitglieder aller
Einzelvereine gedeckt weroen. Man beschloß
ferner, daß Stellvertretung eines Lereins durch
einen andern auf der Landesversammlung nicht
statthaben und jeder Verein nur eine Gcsammt-
stimme abgeben soll. Der zweite Gegenstand
der Tagesordnung, die Gründung einer Wan-
derunterstützungskasfe betreffend, wurde als noch
nicht genügend für eine definitive Erledigung
vorbereitet, späteren Feststellungen vorbehalten,
jedoch erklarte man, daß der geschloffene Ver-
band auch sortbestehen solle, salls über die
angeregte Frage keine Einigung zu erzielen sei.
Man ging sodann zum Gewerbeschulzwang
über. L)ämmtliche Vereine erklärten sich sür
die Nvthwendigkeit seines Fortbestehens, so daß
also dieser Gegenstand als von Seite oer Ar-
beiterbildungsgenoffenschaften in bestimmter
Weise begutachtet angesehen werden kann. An
der Debatte betheiligten sich von Heidelberg
die Herren Professor Canlor (derselbe fun-
girte auch als Schriftführer), Wundt, Watten-
bach und Hr. Siegel, sonsl wären noch die
Hrn. Dr. Busch, Dr. Nestler, Prof. Pro-
vence, Hr. Stöckler, Hr. EichelSdörffer zu nen-
nen. Bei dem gemeinsamen Mittagsmahl, das
nach den Berhandlungen statthatte, herrschle
die heiterste Stimmung, auch fehlte es nicht
an angemesfenen Toasten.

Aus Baden. Der „B. B." ersährt, daß
eine Aenderung in der höheren Leitung des
Post- und Eisenbahnwesens bevorstehe. Post-
und Eisenbahnverwaltung sollen von einanoer
getrennt werden, und die letztere weiter in zwei
Branchen zerfallen. Die Eine würdc den Be-
trieb umfassen, und die Anderc lediglich den
baulichen Thcil. — Bei dem großh. Armee-
corps ist man beschästigt, eine bequemere Uni-
formirung einzusühren. Die stehenden Kragen
der Waffenröcke, sowie die Helme werden ab-
gefchafft. Der Mann erhält eine leichtere Kops-
bedeckung, und wird überhaupt in allen ande-
ren Beziehungen von der Einschnürung befreit.
— Man erwartet in den nächsten Tagen die
bezüglichen Ernennungen zur Neubesetzung der
in der Rechtspflege erledigten Stellen.

Vermischtr Nachrichten.

^Bcrn, 21. Juli. Ju Burgdorf sind 52 Firstcn,

Personen smd obdachlos geworden. Bon den Abge-
branntcn solleu nur Wenige vecsichert gehabt habrn.

/A Dom Neckar, 20. Juli. Dem jüngst erschiene-
nen Regierungöblatte vom 44. d. zufolge wurdeu die
beiden philologischen Seminare drr Uuiversitäten Heidel-
berg und Freiburg in ihrer hergebrachten Form ausge-
'hobm. Wir erkennen dieses als eine steudig iiber-
raschende Blüthc am weitverzweigten Baunre deS Fort-
schrittes dankend an. Althrrgebrachte Einrichtuilgm
standen dem jnngen Forschergeiste Hemmend im Wege
nnd die reichen Quellen des klassischen Alterlhums flossen
nicht in dem Maaße erquicklich. als eS HStte geschehen
können; vielmehr erschienen dieselben dem in LebenS-
srische aufstrebenden Jünglinge mehr alS Bürde, denn
als lebensbesruchtende Saat. Nicht zu verkennen ist es,
daß eine zeitgemäße Umgestaltung dieser Institute keinc
zn nnterschätzende Aufgabe sein dürste. Tiefe und weit-
reichende Kenntniß des AlterthumS, klare Auffassung der
Neuzeir, pädagogische Begabung und insbesondere orga-
iiisawrisches Taleitt sind die Faktoren, welche eine der-

)( Sinsheim, 2l. Iuli. Unter den von Sr. Kgl.

Hoheit dem Moßherzog mit AuSzcichnung — dem Ritter-
kreuz dcS Aähringer Löwenordens — bedachtcn StaatS-
drenern befinden sich auch zwei hiefige Beamten: Herr
Bezirksförster Laurop und Med.-Rath Hack dahier.
AuS Veranlassuug dieser sürstlichcn Huldbezeugung
brachtt gestern Abend der hiesige Liederkranz denselben
ein Ständchen mit Fackelzug, welchem sich eine weitere
zahlreiche Begleitung anschloß. Diese Ausmerksamkeit
wM- für Beide von angenehmer Ueberraschung und ward
mit freundlichem Dankc aufgenommen.

* Heidelberg, im Juli. Ueber die Biersteuer

dahier und im Hauptsteueramtsbezirk geben wir fol-

Maas. fl. kr.
Heidelberg, Stadt 1864 aus 2,778.980 23.158 10

1863 „ 2.818.610 23,488 25

weniger 1864 „ 39.630 330 —

1864 . 33.590 —

1863 . 32,823 —

mehr 1864 . 767 —

94.940

1,001

1,265

19,790 264

1364 .....

Heidelberg, Stadt 1864 ans 75,150
1863 -

z 1864

1863 _

weniger 1864 . 256 —

Vom 1. Mai 1864 bis dahin 1365 haben in Heidel-

1,159 —
1.415 —

Gundl . .

. 451,410 MaaS

3761 fl. 45 kr.

Diemer . .

. 429,220


3576 . 50 .


. 189,120


1576 .


. 134.650


1122 „ 5 „

Jäger. . .

. 132.750


1106 . 15 „

Hofheinz . .

. 117.460


976 . 50 .

Ehrmann .

. 66.760


.556 . 20 .


. 66,360


553 . — „

Pfisterer. .

. 58.200


485 . - .

Hormuth. .

. 51,980


433 „ 10 „

Obrigkeitliche Bekanntmachungen und Privat-Anzeigen.
Einladung.

Näcksten Mittwoch, den 26. d. M., wird die
freie Lehrerconstrenz des Bczirks Mannheim-Hei-
delberg dahier im ev. Schulhause, Augustinerstraße
Nro. 7, Nachmittags pr^äcis 2^UHr ^anfan-

ben. Den lpauptgegenstand der Thätigkeit und der
Besprechung bildet ^ine Unterrichtsprove über Na-
turgkschichte (Pflanzenkunde), daran werden sich
«nige interessante Mittheilungen aus dem Gebiete
des Lehrerlebens und einiges Gesckäftliche reihen.
Uin zahlreiche Theilnahme wird gebeten.
Heidelberg, den 21. Juli 1865. (1)

Meckesheim. Die Erben des Ioh. Easp. Rapp
von hier lassen der Untheilbarkeit wegen Donner-
ftag, den ,7. August l. I., Nachmittags 1 Uhr,
im Rathhaus dahier zu Eigenthum versteigern:
Em zweistöckiges WohnhanS, u'ck Scheuer, Stal-
lung, sammt Grund und Boden nebst Garten
dem Berg, cins. Joh. Iuhl, anders. Iohann

Psttscher, angcschlagen zu. 600 fl.

Meckeshetm, den 24. Juli 1865.

Das Bürgcrmeisteramt:
_Kiltan.

Haser- u. Hanfversteigerung.

Donnerstag, den 27. Juli d.

Morgens um in Uhr, "
werden im Seefeld bci Hüttenfeld, ohnweit Hems-
vach a. d. Bergstraße

1« Morgen Hufer u. 2v Loofe Hanf

^dem^Halm und resp. Stengel parcellenweise

-H) _Ehrhardt.

Kapitas auszuleiheiH^

.

''°n d. Ztg. sagt w° s

Dic ordentliche Couscription für das Jahr 1866 betr.

Da nunmehr die Vorarbeiten zür Cvnjcription sür daS Jahr188k beginnen, werden in
Gemäßheit des § 17 des ConscriptionSgefttzeS vom Jahr 1825 alle Badencr, welche in der
Zeit vom 1. Zanuar bis 31. Dezcmber 1885 das zwanzigste LebenSjahr znrückgelegt haben
oder zurücklegen, hiemit ausgefordert, stch be> dem Gemeinderath ihres Orts zu melden oder
anmelden zu lasscn, und ihre Zntercsscn bei der Vorbereitung dcr Aushebung nach Vorschrift
deS Gefttzes und der VollzugSverordnungcn rechtzeitig zu wahren, sofort aber spätestens am
31. Oktober d. I. stch zu Hausc einzufinden, um auf Vorladung vor der Aushebungsbehörde
persönlich crscheincn zu Wnnen oder aber bei Zeiten die Erklärnng abzugeben, daß, wenn ste
durch das LooS zum Dicnst gerufcn wcrden, sie einen Mann cinstellen, widrigcnfalls in Er-
manglung eincs nach § 22 des Conscriptionsgesetzes untauglich machendcn GebrechenS diesclben
als tauglich angeschen und — fallS sie das LvoS zum Militärdicnst trifft — nach Vorschrift
des § 4 dcs Gesetzes vom 5 Oktober 1820 als Ungehorsame behandelt werden sollen.

Die Großherzoglichen Bezirksämter werden beanftragt, für die Bekanntmachung vorstehen-
der Auffordcrung auch durch die Lokalblättcr und auf die für Verkündigung in deü einzclnen Gc-
meinden vorgeschricbene Weise Sorge zu tragcn.

Karlsruhe, dcn 20. Zuni 1885.

Großh. Ministerium des Znnern:

(gez.) A. Lamey.

vckt. Baumgärtner.

Nr. 15854. Die Gemeinderäihe dcS Amtsbezirks werden angewiesen, vbige Auffordsrung
Großh. Ministcriums des Jniicrn vom 20. v. Mts. der zu versaminelnden Gemeindc und noch
wcitcr durch Ausschcllen nnd öffcntlichen Anschlag bekannt zu machcn, sofort aber stch genau
nach den bejtehcndcn Verordnungen zu richtcn.

Wngstens bis 20. August d. Z. sind sämmtliche Vorarbeiten bei Vermeiden einer Geld-
strafe »on 15 fl. hierher einzusenden.

Dabci werden die Gemeindcräthe noch inSbesondere aus Folgendes aufmerksam gemacht:

1) Die AusnahmSliste ist nach Beilage 17 Scite 78 ff. der Böckh'schen Schrift, der Con-
scriptionssreund, aufzustellen.

Jn diesclbe müssen alle im Zahr 1845 in dcr Gemeinde Geborcnen — anch die Auslän-
dxr — mii AuSnahmc der Gestorbenen anfgenommen werden, und zwar stnd die Namc» der
Pflichtigcn in alrhabetischer Ordmmg in die Liste cinzntragen.
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