Heidelberger Zeitung — 1865 (Juli bis Dezember)

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klärt habe, nur denjenigen Prätendenleu anzu-
erkennen, welcher dio-Fehruarsorderungen an-
nehme Wd garäntire;, der Corrcspopdent habe
den Kew der Fragc, den, .engcn märitimen und
militgriichen Wschluß, nbergangen.

Ber^tin. 29. Jüli. Von ministerieller Seite
werden die österreichischen Zugeständnisse als
ungenügend bezeichnet und ein Ergebniß be-
zweifclt. — Gestern empfing der preußische
König dcn Grafen Bloome. — Preußen wird
den neuestcn Antrag der Mittelstaaten bckämpfen
und bie Zuständigkeit des Bundes bestreiten.
— Die Gerüchte über cine bevorstehendc Mo-
bilmachung daucrn forL. — Die Verhandlungen
OesterreichS mit Jtalien sollen Ersolg verspre-
chen. — Es bestatigt sich, daß Ocsterreich
wegcn der Verhaftuug May's Eiusprachc er-
choben hat.

Köln, 28. Jüli. Dem Stadtvcrordneten
Herrn Classen-Kappelmaun wurde gesteru Abend
von Seitcn des Kölncr Sängcrbundes eine
solenne Scrcnade gebracht.

Köln, 28. Juli. Die gestrige Stadtver-
ordnetensitzung hatte ein außerordentliches Jn-
teresse. Das zahlreich anwesende Publikum
grüßte durch Aufstehen den eintretenden Hrn.
Gassen-Käppclmann. — Jn Betreff des Gür-
zenichsaaleS, der durch Polizeigewalt dem Hrn.
Classcn-Kappelmann vorenthalten wurdc, wird
beantragt, Hn Classen wegen Zahlung der
75 Thlr. Miethe, dcren Erhebung von dem
Obcrbürgermeister untersagt worden, einFü-
klagen; dann würde das Gericht Gelegenheit
finderi, über die Berechtigung zur Schließung
des Gürzenich zu erkennen. Dieser Antrag
wurde der juristischen Kornmission zur Bericht-
erstättüng überwicsen

Dcr weitere von Hrn. Hopclst gestellte An-
trag: die Stadtverordnetenvcrsammlung möge
bestinlmen, bei der königl. Regiernng Beschwerde
darübcr zu führen, daß der Hr. Oberbürger-
meister Bachem den auf Grund des ^ 7 der
Stadtverordncten am 18., 20. und 21. von
8 Stadtverordneten gestellten Antrag auf An-
beraumung einer Ltädtvcrordnetcnsitzung ab-
gelehnt habe, wurde mit 12 gegen 9 Stimmen
angenommen. Mehrere Redner erklärten, es
sei niemals ein so offener Rechtsbruch vorge-
kommen, als betrcffender, und es seicn in der
vorigen Woche die großartigsten Rechtsver-
letzungen vorgekommen, welche die Geschichte
unserer Zeit zu Protokoll nehmcn wird.

Kiel, 26. Juli. Das Ausweisungsdekret,
welches dem Abg. Dr. Freese aus Westphalen
gestern spät Abends durch die preuß. Feldpost
zuging, lautet: „Da alle während Jhres dor-
tigen Aufenthältes gemachten Wahrnehmungen
die Ueberzeugung begründen, daß Jhr fernerer
Aufenthalt daselbst und in den Herzogthümern
der Förderung der wohlbegründeten Ansprüche
und Jnterefsen des preußischen Staates nach-
theilig ist, sehe ich mich genöthigt, im NaMen
der königl. preüßischen Regierung und als de-
ren Kommissar, Euer Wohlgebören hierdurch
anzuweisen, die Herzogthümer binnen 24 Stun-'
den nach Empfang dieses Schreibens zu ver-
lassen, mit dem Bedeuten, daß, wenn Sie dieser
Ausweisung nicht Folge leisten sollten, Sie den

thatkräftige Theilnahme stets zugewandt hat, wissen

ihn geförderten , seit sieben Jahren fortbestehenden
Wintervorlrsungen, sowie die Wirksamkeit des hie-
sigen Vrreins für Naturkunde geben davon Zeug-
niß. Möge ber verdiente Mann nun auch seine
freiere Muße in ungestörter Gesundheit genießen!
Dte Wissenschaft wiro dabei sicherlich nicht unbe- !
theiligt sein."

Der Lincolniana in amerikanischrn Blattern ist
kein Enbe, und man liest fie immer mit Vergnü-
gen, weil sie alle ohne Ausnahme den guten Hu-

ein schönes Licht stellen. Herr F. B. Earpenter,
etn in Amerika bekannter Künstler, bürgt für die
Wahrheit folgender Geschichte: Ein armes Mäd-
chen hatte einen einzigen Bruder, einen Auslän-
der, drr sich alS Soldat anwerben lteß, dann ader
in schlechte Grsellschaft gerieth und desertirte. Er
wurde gefangen und verurtheilt, erschossen zu wrr-
den. Zwei Tage lang hatte sie vergeblich auf eine

zwangsweisen Transport durch Militair bis
an die preußische Grenze und bei etwaiger
Wied^rkehr ui die Herzogthümer Jhre Verhaf-
tung zu gewärtigeü haben. Schleswig, den
25. Juli 1865. Der königl. preußische Kom-
missar in den Elbherzogthümern. gez. Frhr. v.
Zedlitz." — Dr. Freese hat sich beschwerend
durch Expressen gegen diese einseitige Drohung
an die oberste Civilbehörde gewendet, einstwei-
len aber. doch sich außer den Bereich der v.
Zedlitz'schen Machtsphäre begeben.

Kiel, 29. Juli. Die „Kieler Zeitung"
thcilt dcn Wortlaut dei? zwei Proteste mit,
welcho Hr. v. Halbhuber wcgen der Verhaf-
tung May's und Freese's gegen Hrn. v Zed-
litz nnd das preußischc Obcrcommando erhoven
hat. Auch die hiesigen Stadtverordncten haben
in der gleichcn Angelegeüheit einstimmig die
Erhebung einer Beschweroe bei der Civilbchörde
uud der Landesregierung beschlossen.

Schteswig, 29. Juli. Aus dem Worl-
laut des von Hrn. v. Halbhuber erlasseneu
Protestes geht heroor, daß Hr. v. Zedlitz münd-
lich dieVerhaftung.May's wegen Vergehen als
preußischer Unterthan gegen preußische Gesetze
dem Hrn. v. Halbhuber angezeigt hat; hinsicht-
lich Freese's sagt der Protest wörtlich: ich er-
kläre diese und jede Lhnliche einfeitig vonJhnen
(Zedlitz) ausgehende Verfügung als einen gegen
Oesterreichs Mitbesitzrecht gerichteten Gewalt?-
schritt UNd in rechtlicher und gesetzlicher Be-
ziehung ungültig. Die höchsten österreichisthen
Officiere haben sich bei Hrn. v. Halbhuber
über die dnrch May's Verhastung geschehene
Verlchung österreichischer Militärehre beklagt.

Hamburg, 29. Juti. Der „Altonaer
Mercur" erfährt officiös: Die östcrrcichische
Regierung licß sich neüestens durch das preu-
ßische Cabinet vom Vorhanvensein einer däs
Condominat gefährdenden Nebenregierung in
den Herzogthümern überzeugen und beaustragte
Hrn. v. Halbhüber, im EiMrflchmen mit Hrn.
v. Zedlitz gegcn die Beamten ünd Corporatio-
nen, welchc den Geburtstass deS Herzogs feicr-
ten, gesetzlich vorzugehen. — Auf Schloß Eulin
ist telegraphisch die bevorstehende Ankunft des
Großherzogs von Oldenburg angekünvigt.

Schwerin, 23. Juli. Die Rostockcr Mit.
glicder des Natiottatvereins haben oer Auffor-
derung des Rostocker Polizeiamts zur Zahlung
der zuerkannten Geldstrafc keine Folge geleistet,
sonvern stnd entschkossen, stch äbpfänden zu
lässen. Gestern nun hat der Polizeidirektor
Blanck, dessen tzegen vie Nationalvereinsmit-
glieder gefälltes Straferkenntniß die Ehre wi-
derfahren ist, durch kabinelsjustizlichen Akt
wieder hergestellt zu werden, jeine Boten um-
hergesandt, um die Exekutionsobjekte auszu-
wahlen und anzuschreiben. Unter Protest ha-
ben die Bethettigten die verschiedenartigsten
Gegenstände zur Verfügung gestellt. Der Ro-
stocker Magistrat hat die scharfe Kritik seines
Benehmens in der Natioüalvereinssache von
Seiten des aus Kauflenten bestehenden ersten
Quartiers so übel empsunden, daß er den
Syndicus desselben, Advokat Büsing, in eine
Strafc von 10 Thlrn. wegen ungebührlicher
Schreibweise genommen und ihm verboten hat,

Gelegenheit gewartet, sich eine Adienz beim Staats-

kannte, fuhrte er fie selbst zum Präsiventen hinein.
Lincoln las ihre Bittschrift, studirte ihre Phy-
siognomie, und alS sein Blick auf ihren dürftigen,

Crinoline; auspcitfchen soll man mich, wenn ich
Jhren Bruder nicht begnadige!"

(Vom Drcsdener Sängerfeft.) Um uur
etnen uügkfähren Ueberbktck über den Verkehr auf
den nach Dresdeu führenden Verkehrswegen wäh-
rend der nun verfloffenen drei Festtage des ersten
deutscken SängerbunvesfesteS zu gewinnen, dürften
föltzende Zablen nlcht ohne Jnteresse fetn. Auf ver
Leivztger Bahn, welche unstreitig die meisten Gäste

in jener Sache, bei welcher er als Mitglied
des Nationalvereins intcressirt sei, fernerhin
dem Quarlier beirälhig zu fein.

RS'stock, 26. Juli. Jn der Untersuchungs-
sache gogen dcn Professor Dr. Julius Wig-
g'ers hkerfelbst wegen Thcilnahme am deutschen
Nationalvercin lautct das Urtheil dcs akade-
mischen Gerichles auf einc Geldstrase von 10
Thlr. und Tragung der Untersuchnngskosten.

Wien, 28. Zuli. Der „Karls. Ztg."
wird von hier geschrieben, die französische Rc«
gierung habe hier vertraulich angekündigl, ste
werde sich dcmnächst in derLage befinden, zum
Zweck des Versuches riner Auscinandersctzung
Oesterreichs mit dem Königreich Ztalien eine
formelle Erösfnung hicher gelangen zu laffcn.
Von Seiten des östcrrcichijchen Kabinets ist,
so fügt man hinzu, sofort entgegnet worden,
daß Oesterreich sich der ernstestcn Erwägung
ciner durch VermittlungFrankreichs getragenen
Eröffnung nicht entziehen wcrde, daß es aber
von vornherein voraussetzcn zu dürfcn glaube,
Frankreich werde sich zum Mittler keines Vor-
schlags machen, der Oesterreich ein unter allen
Umständen unzMssiges Aufgeben cines großen
Princips zumuthe und nicht viclmehr den
ausrichtigen Willen bekunde, selbst die vollen-
deten Thatsachen mit dem Maß des Rechts
und der Verträge zu messen

. T kt-ig i tt n d.

Löttdon, 28. Zuli. Bon dem Great-Eästern
ist fdlgende Depesche ein'getroffenWir waren
diesen Moigen, Freitag, um 9 Uhr 50 Min.
450 Meilen vön der Küfte. Um 10 U. 50 M.
wärcn 500 Meilen Drahtseil abgcläusen. - Die
Vevbinduüg ist ausgezeichnet; das Wetter fchön.

I't "a 1 ? e ^tt-

Florenz, 28. Züli. Die spanischc 'Ge-
'jandtschast bei Fränz II. ist äüfgehoben. —
Jn Ancöna kamen gestern 20 Erkpänkungsfälle
ÜNd 4 Todcssälle vor.

S P a n i e n

Madrsd, 28. Juli. Der General Prim
ist hicr eingciroffen. Die progresststische Par-
tei wird dic Taktik dcr Enthaltung beibchalten.
Durch königliches Decret ist der Verkrcter
Spaniens in Chili, Tavica. seines Pv'tens
enthoben.

A m e r i k a.

Neuyork, 18. Juli. Die Lage ber Neger
ist im ganzen Süden eine sehr schlimme. Zwi-
schen Hrn. Seward und der spanischen Negie-
rung wurde eine freundschafkliche Corrcspondenz
gewechselt und von letzterer der Stonewall aus-
geliesert. — Der Generalconsul der Vereinigten
Staäten in Canada hat eine Mittheilung gegen
den GegenseitigkcitSvertrag veröffentlicht. Es
wird darin gesagt, daß, wenn den Canadiern
der Handel entzogen werde, sie in weniger als
zwei Jähren den Vereinigten Dtaaten annexirt
sein, würden. Es heißt, die von dem General-
consul ausgedrückten Zdeen würden von hohen
Persönlichkeiten der Bundesregierung getheilt.
— Nach dem „Herald" soll die Baumwollen-
erndte im Mississippi dieses Zahr sich auf 25,000
Ballen belaufen.

brackte, gelarnsten am 22. Juli 1158, am 23. Jult
1036 und am 24. Juli 1057 Personenzugachsen in
DreSden an, was die Achse zu 2 Eoupes ä 10
-Personen in überschläglicker Sckätzung gerecknet,
eine Anzahl von ca. 70,000 Personcn ergibt. A»f
der scklesischen Bahn langten nack ähnlicher Schätzung
ungefähr 15,000 und auf dex säcksisch - böhmischen
Bahn gegen 10,000 Personen wäorend der dret
Festtage an. Dic Alberts-Bahn beförderte Sonn-
tag und Montag ca. 22,000 Menscken. Was nün
die Dampfschifffahrt anlangt, so wurden an den
beiden Hauptfesttageu, Sonntag und Montag, vor
der Appareille »ach dem Festplatze und zurück ca.
70,000 Menschen aüf Dampfschiffen befördert.

. Leipzig, 23. Juli. Jn der Wüsenstraße tst sett
einigen Tagen dte aus 5 Köpfen bestehende Kin-
derschaar eines Schneiders obne jeglichc Auffickt
sich selbst üherlassen und hat der Unfug, den die
Ktnder — das alteste ist 11 Iahre alt — treiben,
sckon zu polizeilickem Einschrciten Anlaß gegeben-
Fragt man aber nach dem Grunde, aus welckem
die Lieinen von ihren Eltern verlaffen worden find,
sv ist die Antwort die: daß letztere sich nicht haben
versaaen könneg, zum Sängerfeste nach Dresven
zu gehen; die Kinder mockten sehen, wie sie einst-
weilen durchkommen.
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