Heidelberger Zeitung — 1865 (Juli bis Dezember)

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digt. Ganz besonders ragte unter der großen
Anzahl von ausgezeichnelen Turnern EichelS-
heim auS Siegen hervor, der sich jedoch als
Preisrichter an der Concurrenz auf einen PreiS
nicht bethciligen konnte. Heute Nachmittag
findet die Verthcilung der Preise an die Sieger
statt.

München, 27. Juli. Bci der Sprengung
deS Abgeordnetenfestes in Köln ift auch der
Erbprinz Fürst von Thurn und Taxis ins
Gedränge gekommen. Auf der Reise von
London begriffen, war der Erbprinz im „Hötcl
BcÜevue" mit seiner Gcmahlin, Herzogin He-
lcne. abgestiegen. Er stand mit Anderen auf
der Stiege, als preußisches Militär eindrang.
Ein Offtzier forderte die Fremden auf, sich in
ihre Gemächer zu begeben. Ein Rellncr be-
merkte, auf den Erbprinzen zeigend, dies sei
der Fürst Taxis, welcher eine bayerische Prin-
zesstn habe. „Das ist mir janz ejal" — be-
merkte der Offizier und fügte bei: „wer nicht
jeht, auf den wird jeschossen."

Berlin,. 29. Juli. Wie die „Rh. Ztg."
mittheilt, wird auf din neues Werk: „Wilhelm
der Erste, König von Preußen", allcn ,,„kö-
nigstreuen"" Preußen gewidmet von Bruno
Weißhun, Premierlieutenant im königlich preu-
ßischen zweiten pommerschen Grenadierregiment,
Ritter rc.", in allen Garnisonen zur Sub-
scription eingeladen. Es heißt da u. A.
wörtlich: „Ew. p. p. werden höflichst gebeten,
in Anbetracht des patriotischen Zweckes (der
Ertrag ist zum Theil für Jnvaliden bestimmt)
die sorgfältigste Circulation dieser Subscrip-
tionsliste in Em. p. p. Wirkungskreise befeh-
len zu wollen!" Ferner: „Jn treuen Farben
schildert er uns den Monarchen von der Wiege
bis auf unsere Tage, und König Wilhelm
strahlt als Mensch, als Feldherr und Regent
durch Tugend, durch Thatkraft und Gerechtig-
keit als ein erhabener Fürst der Hohenzollern,
die PreußenS Ruhm und Größc schufen... ."
„Vorzüglich berufen, das Leben ihres Königs
und LandesvaterS zu kennen, sind Alle, die im
Dienste des StaateS uud seineS königlichen
. Regimentes wirkcn, die dem gelicbten Herrscher
treu zur Seite stehen und offcn für des Mo-
narchen Macht und Größe sich bekennen. DeS-
halb ergeht an sie auch daS Gesuch, dies
Buch recht wacker anzukaufen, um aus dcnl-
selben des ritterlichen Fürsten Bild sich rmmer
tiefer einzuprägen."

Gumbinnen, 27. Juli. Der Abg. Fren-
tzel, welcher bekanntlich seit 14 Tagen seine
Gefängnißstrafe verbüßt, erhielt, wic dic „Pr. Lit.
Ztg." mitthcilt, kürzlich folgenden Brief un-
frankirt aus Berlin: „An Herrn Frentzel im
Zuchthause. Wenn Du nicht die große Schnautze
gehabt hättest, säst Du nicht im Zuchthause.
Jetzt willst Du nach Köln zum Feste, was
sollte wohl daraus werden, das halbe Zellen-
gefängniß hätte alsdann das Recht hinzugehen.
Ein Bund Stroh und Dich darauf. Du ver-
fiuchter Hund so gehört es sich, ich muß aber
zum Durchhauen kommen Dann könnteft Du
was spüren. Berlin 19. July 65. Nix,
Sergant im 2ten Garde Regt." Es ist jedoch

Rhein Deutschlands Strom, nicht DeutschlandS
Gränze", auf der Nordseite Arndt's poetische Ein-

westlichen Fläche des Piedestats stehen die Worte:
„Errichtet vom deutschen Volke 1865."

Nachdem die Hülle von dem Denkmal gefallen
war, stimmtrn bie Sänger in lautem Chor das
Lied an: „Was ist des Deutschen Vaterland?" und
wohl selten mag dieser Gesang so sckön in den
fernen Bergen wiedergehallt haben, welche am süd-
lichen Horizonte sich so malerisch in den herrlichen
Fluthcn des Rhcinstromes spiegeln. Hierauf er-
folgte dic Uebergabe deS Denkmals au die Univer-
fität. Nun trat der Curator der Universität, Herr
Beseler, wiederum an bie SchweUe deS Denkmals
und sprach enthusiasttsch folgenve Worte: „Laßt
uns im Geiste des Verstorbenen ausrufen: Gott
segne Deutschland, Gott segne Preußen, das Wache
hält am Rhein!" Diefen Wortep folgte ein lauter,
allseitiger Jubelruf. Der Gesang des Arndt'schen
Liedes: „Sind wir vereint zu guter Stunde", bil-
dete den Schluß drr Enthüllungsfeier. Während
die Blicke ter Menge noch an den Zügen des ent-

sehr zu bezweifeln, daß dieser Brief von einem j
Soldaten herrührt, dcnn nicht eiumal einem
Berliner Gaffenjungen sieht diese Büberei
ähnlich.

Merseburg, 26. Juli. Zu dem im Sep-
tember stattfindenoen großen Ntanöver werden,
wie der „Leipz. Anz." meldet, bcreits Vorkeh-
rungen zu einem feftlichen Empfaug des Kö-
nigs getroffen. Der Graf Stolberg-Wernige-
rode hat zu dem Behufe eines im hiesigen
Schloßgartensalon abzuhaltenden großartigen
Balles eine Subscription unter dem Adel und
der Ritterschaft der Provinz mit dem Bemer-
ken eröffnet, daß der geringste Beitrag nicht
unter 12 Friedrichsd'or jein darf. Die Kosten
dieser mit großem Pomp anszuführenden Fest-
lichkeiten sind auf 20,000 Thaler veranschlagt.
Um der Sache das volle aristokratische Ansehen
zu verleihen, wird jedes bürgerliche Element
ferngehalten.

Bonn, 30. Juli. Hr. Classen-Kappelmann,
welcher zu der vom Kölner Gemeinderath zur
Arnvtfeier entscndeten Deputation gehört, wurde
bei seiner Ankunft mil glänzender Ovation em-
pfangen! Das Fesicomite hatte ihn zu dem in
der Lesegesellschaft arrangirten Festmahle ein-
geladen; — da erklärte der hiesige Oberbnrger-
meister, er habe Orvre, das Fest aufzuheben,
svbald Classen-Kappelmann an der Tafel Theil
nehmen solle. Hcrr Classen - Kappelmann er-
klärte hierauf, er werde sich, um den Verlauf
des Festes nicht zu stören, der Theilnahme an
dem Festmahle enthalten. (Rhein. Z.)

Hamburg, 31. Juli. Der ofsiciöse Dres-
dener Correspondent dcr „Börsenhalle" bezeich-
net sowohl Hrn. v. Bismarck geneigt, mchrere
seiner Februarforderungen fallen zu lassen, als
auch die österreichische Regierung, ihre Zuge-
ständnisse an Preußen zu erweitern, wenn
Preußen nur den Augustcnburger anerkennt.
Eine Verständigung sei höchst wahrscheinlich.
Aehnliches verlautet aus Stuttgart.

Plön, 26. Juli. Ueber einen hier statt-
gehabten Exceß berichtet man dem „Alton.
Merk.": Sonntag fand in einem Wirthshause,
die „Wache" genannt, cine Tanzmusik statt.
Der Polizist war anwesend, um unter der Ge-
sellschaft, die meistens aus preußischen Dra-
gonern und einigen „Grautmonarchen" (so
nennt man hier die Eisenbahnarbeiter) bestand,
Ruhe zu halten. Es blieb auch Alles in
Ruhe, bis der Unteroffizier, der gerade ckugour'
hatte, mit der Patrouille erschien. Diese wa-
ren allein bewaffnet. Der Unteroffizier und
ein Gefreitcr sollen schon früher einen Streit
mit einigen Arbeitern wegen eincs Mädchcns
gehabt haben, und snchten, wie alle Anwesen-
den aussagen, Streit zu provociren. Von den
Anwesenden wurden drei Arbeiter, die sich
ganz fern von Allem gehalten hatten, mit Sä-
beln in den Unterleib gcstochen. Einer, aus
Firsau bei Eutin gebürtig, stand bei seiner
Braut und einem andern Mädchen. Zwischen
beide durch stieß ihn ein Unterofftzier in den
Leib, daß er bald darauf seinen Geist aufgab.
Es soll herzzerreißend gewesen sein, wie das
eine Mädchen sich über ihn geworfen und ge-

j jammcrt habe. Von den beiden audcrn Ver-
wundeten liegt der eine im Ltterben; der an-
dere schrint mit dem Leben davon zu kommen.
Von den Prcußen ist keiner verwundet. —
Das gute Verhältniß, was bis dahxn zwischen
Bürgerschaft und Bcsatzung bestand, ist ganz
und gar vorbei. Das Volk überträgt eben die
That Einzelner auf die ganze Besatzung und
auf daS ganze preußische Volk. Glücklicher-
weise geht die Escadron in acht Tagen nach
der Lockstedter Haide. Hoffentlich wird dann
eine andere Besatzung hierher verlegt werden.

Schleswig, 28. Juli. Die beiden Pro-
teste des Frhrn. v. Halbhuber lanten: 1) Jn
der Angelegenheit des Redacteur May: „Nach
einer mir soeben von dem preußischen Civil-
commiffär Frhrn. v. Zedlitz mündlich gemachten
Mittheilung hat sich verselbe veranlaßt gefun-
den, den Redacteur der „Schleswig-Holstein.
Zeilung" May, weil er preußischer Unterthan
sei und sich gegen die preußischen Gesetze ver-
gangen habe, in Altona verhaften zu lassen.
— Gegen dicsen ohne meine Zustimmung vor-
genommenen Act erhebe ich als eine gewaltsame
Verletzung des östcrreichischen Mitbesitzrechtes,
meines WirkungSkreises und der LandeSgesetze
Protest und ersuche den preußischen Herrn Ci-
vilcommissär, die von ihm einseitig getroffene
Verfügung zu widerrufen. Schleswig, 25. Zuli
1865. Frhr. v. Halbhuber, K. K. österr. Ci-
vilcommissär in den Elbherzogthümern. — 2)
Jn der Angelegenheit des Herrn Dr. Freese:
„Aus einem mir soeben zugekommenen Schrei-
ben des in Kiel sich aufhaltenden Mitgliedes
des preußischen Hauses der Abgeorvneten Dr.
Freese habe ich entnommen, daß derselbe von
Euer Hochwohlgeboren mittelst Schreiben vom
25. d. M. angewiesen worden, die Herzog-
thumer binnen 24 Stunden zu verlassen, wi-
drigenfallS derselbe zwangsweise durch Militär
bis an die preußische Grenze transportirt und
bei etwaiger Wiederkehr in die Herzogthümer
verhaftet werden würde. Da in den Herzog-
thümern nur die oberste Civilbehörde die Re-
gierungsautorität auszuüben hat, so erkläre ich
diese und jede ähnliche einseitig von Euer Hoch-
wohlgeboren, ausgehende Versügung als cinen
gegeu das Mitbesitzrecht Oesterreichs gerichteten
Gewaltschritr und in rechtlicher und gesetzlicher
Beziehung für ungültig. Schleswig, 26. Juli
1865. Frhr. v. Halbhubcr, k. k. österr. Civil-
commissär in den Elbherzogthümcrn."

Wien, 27. Juli. Gerechte's Aussehen
macht ein vom 8. Juli datirtes Schreiben des
Papstes an den Präsidenten des katholischen
Vereins in Jnnsbruck, die Antwort auf ein^
Kuudgebung ves Vereins zu Gunsteu der
„Glaubenseinheit" in Tyrol: „Wir wünschen
euch Glück — heißt es in dem päpstlrchen
Schreiben — daß ihr, je üppiger das Dorn-
gestrüppe emporwuchert und je häufiger das
Unkraut den Waizen zu belästigen und zu er-
sticken schien, eine desto sorgfältigere Bcarbeitung
dem Acker des Herrn angedcihen ließet. Denn
dies bemerken Wir zu gauz besonderem Troste
Unseres Herzens an den gepflogenen Bera-
thungen, die Einwanderung andersgläubiger

hüllten Monumentes hingen, wurde die Wittwe
des Gefeierten slhnell der Mittelpunkt etsier sie

(Schluß folgt.)

(Wirkung der Hitze.) Die Hitze, welche jetzt
in PariS, so wte in anderen Städten hcrrscht, ist
so stark, datz die Hariscr Schönhciten gezwungen
sind, ganz gegen alle Logtk noch viel dtchtere Schleier
als im Winter zu tragen. Denn die von der Hitze ^
bewirkte Transptration bringt dte Schminke, den '

: Puder, die Kohle, den Kleister, den Gummi, die
Kreidr und was sonst Alles zur Confection einer
Pariser Schönheit gehört, in vollkommenste Un-
ordnung; die Kohle nimmt einen Ehrenplatz auf
der Nasenspitze ein; daS Weiß steigt auf die Lip-
! pen herab, das Roth verbrettet sich über die Augen«
lider und das Braun fließt nach den Mundecken.
! Eine gewiffe Fürstin, die sich nach etner Promenade
im Park im Spiegel sah, wurde darüber so ent-
^ setzt, daß sie in höchster Eile ihre Sachen packen
! ließ und am nächsten Morgen nach Deutsckland
auf ihr Schloß abreiste. Unglücklicker Weise hat
! man noch nichtS erfunden, um die Farben zu siri-
^ ren. Eine starke Hitze bringt all' die geschminkte
Schönheit in Unordnung.

! Zm „Leipztger Tageblatt" vom 25. Juli wird
l berichtet: „ES dürfte nickt ohneJntereffe sein, daß
diL Tage des 20. und 21. Juli die wärmsten Tage
des Jührhunderts waren. Jm Vergleich mit ihnen
werden nur wenige Tagr kommen, z. B. 7. biS
9. Juli 1826. 14. Auli 1832, 13. Juli 1834^
17. bis 19. Ausust 1842 , 8. Zuli 1845, 5., 6.
und 7. August 1846.
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