Heidelberger Zeitung — 1865 (Juli bis Dezember)

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Uridelberger Zeilung.

Kreisverkündigungsblatt für üen Kreis Heidclberg und amtliches Berkünüigungsblatt für üie Aints^ unü Amts-
Gerichtsbczirke Heidelberg und Wicsloch Md den Amtsgerichtsbezirk Neekargeinünö.

N» 187. . Freitag. rr August


186S

* Politische Umschan.

* Was man auch von der jetzigen Sachlage
denke, soviel ist sicher, die VerhäUnisse zwischen
den beiden deutschen Großmächten sind seit dem
Jahre 1850 nicht mehr so hoch gespannt ge«
wesen, als in diesem Augenblicke. Es ist be-
zeichnend für den Ernst der Situation, daß
auch in den Regierungskreiscn in Wien der
Krieg schon als eine Eventualität ins Auge ge-
faßt wird. — Die Möglichkeit einer Verstän-
digung ist ferner gerückl, aber immer noch nicht
ganz ausgeschlossen. 'Jn keinem Falle kann
die Entschcidung noch lange auf sich warten
lassen. Wenn, wie es'heißt, Graf Bloome mit
neuen Jnstruktionen nochmals seine Mission
am Hoflager des Königs von Preußen in Ga-
stein aufnimmt, so wird diese Mission wahr-
scheinlich der lctzte Versuch sein, auf dcm Wcge
der Verhandlung zu einer Derständigung zu
gelängeu. Die Stimmung in Gastcin ist eine
entschiedene, und wenn anderseits Oesterreich
an der äußersten Grenze seiner Concessionen
angclangt ist, so kann man sich der Erkennt-
niß nicht verschließen, daß der Frieden Deutsch-
lands allerdings bedroht ist.

Jn Rom hat die Polizei drei Werkstätten
von Falschmünzern entdeckt, welche spanisches
Geld fabricirten.

Nachrichten aus Peru zufolge ist die Lage
des Präsidenten Pezet bedenklich gefährdet;
drei Kriegsschiffe, fast der günze Bestand der
Regierungsflotte, sind in die Gewalt der Zn-
surgenten gefallen.

D e u t s ch l a 11 d

Karlsruhe, 8. Aug. Heute wurde vor
der hiesigen Straskammer Wendelin Schmitt,
Schneider von Oestringen, wegen Majestäts-
beleidigung zu 3 Monaten Kreisgefängniß ver-
urtheilt. Das Delict war in einer Ausein-
andersetzung gegen das Schulaufsichtsgesetz be-
gangen worden. .

— Aus der Pfalz, 9. Aug. Den neuen
Gesetzen, die zunächst aus Theorien und Prin-
cipien hervorgehen, kleben immer gewisse Män-
gel und Gebrechen an, die erst die tzrfahrung
enthüllt und zu verbessern die Aufgabe hat;
und es ist die'Pflicht der Presse, die Sache zur
Sprache zu bringen. Wir haben hier das neue
Schulgesetz, welches das Product eines tief ge- I

fühlten Heitbedürfnisses, aber erst theilweise ins
Leben gerreten ist, im Auge. Nach der früheren
Uebung konnten die Lessrer den Sitzungen des
Ortsschulvorstandes beiwohnen und sich an den
Berathungen, jedoch nicht an der Abstimmung
berheiligen, da sie keine wirklichen Mitglieder
des Schulvorstandes waren. Nach der neuen
Ordnung ist der erste Hauptlehrer der Confes-
sionsschule, oder, wo dereu mehrere sind, ein
von denselben aus ihrer Mitte gewählter Ver-
treter Mitglied des Ortsschulrathes mit bera-
thender und beschließender Stimme. Niemand
wird verkennen, daß dies ein Fortschritt ist,
wodurch man dem Stande der Volksschullehrer
gerecht zu wcrden suchte. Allein so lobens-
werth diese Einrichtung im Princip ist, so ent-
behrt sie doch in der Wirklichkeit des beabsich-
tigten Nutzens, wenn der ernannte Vertreter
nicht wirklich und wahrhast die Schule und seine
Amtsgenossen vertritt, d. h. im Sinn und Geist.
derselben spricht und handelt, sondern sich nur
vou seinem eigenen, oft sehr willkürlichen, Er-
messen und Gutdünken leiten läßt. Um dem
Geiste seines Berufes gemäß zu handeln, müßte
er einen fortwährenden geistigen Verkehr mit
seinen Collegen unterhalten, um aus ihrer Ge-
sammtanschauung heraus zu sprechen und ab-
zustimmen; und ebenso müßte er ihnen nach
jeder Schulvorstandssitzung die gesaßten Be-
schlüsse nebst den wesentlichen Motivirungen
mittheilen, um auf diesem Wege eine Vermitt-
lung zwischen dem Ortsschulrathe und den Leh-
rern herzustellen. Daß dies aber häuflg nicht
geschieht, ist ein Grund der Klage der Lehrer
über diese Einrichtung; und der Lweck unserer
Mittheilung ist, einer besseren Ordnung den
Weg zu bahuen.

Frankfurt, 9. Aug. Am 4. September
wird die vierte österreichisch-deutsche Postkon-
ferenz in Karlsruhe zusamm'entreten.

Berlin, 5. Aug. Beim Neubau an der
Stechbahn, der Ecke des Schloßplatzes, verschüt-
tete gestern Abend eine umstürzende Mauer die
an den Brunnenkesseln beschästigten Arbeiter.
Bisher sind 2 Todte und 6 Verwundete aus
den Trümmeru hervorgezogen.

Berlin, 8. Aug., Abends. Die Verhand-
luugen zwischen Wicn und Gastein bewegen
sich noch immer um die preußischeu Februar-
forderungen, gegen welche Oesterreich Schwie-
rigkeiten erhebt, die andererseits von Preußen
nicht als bcrechtigt anerkannt werden. Ein di-

plomatischer Bruch steht nicht in Aussicht, ge-
schweige denn ein 6->8U8 lrelli. Dic Reise
des Hrn. v. Beust nach Gastein geschah nur
aus Vcranlassung der reservirtcn Haltung v.
d. Pfordten's und ist der Besorgniß zuzuschrei-
ben, §2achsen könne bei den vorliegendcn Ver-
handlungen isolirt werden.

Kötn, 6. Aug. Aus Bonn wird über die
Betheiliguug der Stubentenschaft am Arudt-
Feste geschrieben, daß die Corps sich gänzlich
von der Arudt-Feier ausgeschlossen hatten. Nur
die Burschenschaften und Verbindungen glaub-
ten mit dem Volke Arndt feiern zu müssen..

Danzig, 2. Aug. Das „Carthauser Krcis-
btatt bringt eine Verfügung dcs Domänen-
Rentamtes zu Carthaus, in welcher den Orts-
behörden ernstlich untersagt wird, in ihren
Berichten sich als „ergebcnst" oder „ganz er-
gebenst" zu bczeichnen, denn „jcder Ortsvor-
steher und Schulze ist bei seiner Verpflichtung
darauf hingewiesen worden, daß er dem unter-
zeichncten Amte — seiner nächst vorgesetzten
Behörde — Gehorsam zu leisten schuldig sei.
Daraus ist aber nicht das Wort „ergebenst",
sondern „gehorsamst" herzuleiten."

Erlangen. Jn einer sehr stark besuchten
Versammluug des Schleswig-HolsteinvereinS
wurden nach trefflicher Begründung nachste-
hende Resolutionen angenommen: 1) Der
schleswig-holsteinische Verein zu Erlangen hält
heute noch und für immcr fest an dem noch
unerfüllten zweiten Theil seines Programms:
Schleswig-Holstein eiu selbstständiger deutscher
Staal unter seinem rechtmäßigen Herzog Fried-
rich VIII. 2) Deshalb vertreten wir mit dcm
Erbrecht oes Hcrzogs Friedrich zugleich daS
Selbstbestimmungsrecht des schleswig-holsteini-
schen Volkes und begrüßen mit freudiger Zu-
stimmuug die Festigkeit, mit der die Bevölke-
rung der Herzogthümer an ihrem Rechte hält.
3) Wir protestiren gegen die vaterlandSver-
derbliche Bismarck'sche Politik und sind über-
zeugt, daß jeder Versuch Prcußens, Schleswig-
Holstein zu vergewaltigen, schmählich zerfchellen
und Preußens Einfluß in Deutschland gründ-
lich schädigen wird.

Schleswig. 5. Aug. Die Landesregierung
hat ein Circular an die Polizeibcamten erlaffen,
die Presse aufs Sorgfältigste zu überwachen
und im Gebrauch der gesetzlichen Mittel strenge
zu verfahren, besonders Angriffe gegen die Be-
sitzrechte der Mitbesitzer unter keinen Umstän-

Haupt.

Ein vierfaches Gut Heil auf die übrigen PreiS-
turner, die Preisjungfrauen, die deutsche Turnerer
und das Vaterland schloß die erhebende Feier.

Möge dieseS Fest für die Entwicklung und Ver-
breitung der edlen deutschen Turnkunst, namentlich
auch in hiesiger Stadt, seine Früchte tragen!

(Fr. Z.)

Ueber den Schützen Knuti auS Basel, der mtt
Festpreisen beladen von dem Bremer Schützenfest
heimgekehrt, finden wir nachträglich Folgendes.
Den ersten Becher hatte fich im Laufe des Vor-
mittags des 17. wiederum, wie in Frankfurt, in
Jtalien beim Bundesschießen und tn Schaffhausen
beim eidgenössischen Schießen, der Schweizer Knuti
erschoffen. Letzterer, ein Mann in den dreißiger
Iahren, mit markirten Zügen, dunklem Trint, ist
der Schrecken auf allen großen Schießfesten, wetl
dcrselbe alle dergletchen Feste brsucht und daS
Schießen vollständig gewerbSmaßig, aber elegant

Freiburg, 8. Aug. Dcr Vormittag des gestrigen
zweiten Festtages war für den obcrrhein. Turntag
bestimmt. Die Verhandlungen wurden unter dem
Vorsitz dcs Herrn Profcssor Bücheler in der wür-
digsten Weise geführt. Die behandelten Gcgenstände
find jedoch nicht von allgemeinem Interesse, wes-
halb wir nur erwähnen, daß Mannheim als näch-
fter Vorort gewählt wurde, wo also in zwei Jah-
ren das IV. Oberrhein. Turnfest abgebalten wer-
den wird. Als Preisrichter für das Wettturnen
wurden gcwählt die HH. Karl M ez v. hier, Dr.
Wasmannsdorf, Professor Schneid.er von
Emmendingeu, Dr. Ravenstein von Frankfurt,
Turnlehrer Brehm von Mannheim, Müller
von Frankenthal, Wacker von Pforzheim. Den
. Glanzpunkt des Festcs bildete unstreitig das gestern
Nachmittag abgehaltene Wettturnen. zu welchem
stch 32 Turner gemeldct hatten. Die Theilnahme
ver hiesigen Einwohnerschaft war eben so groß wie
am Sonntag. Die Uebungen, mit Kraft, Gewandt-
heit und Elegan; ausgeführt, erregten allgemeine
-oewunderung. So Tüchtiges, Vortreffliches wurde
geleistet, daß die Preisrichter bedauerten, nicht mehr
Kränze verthetlen zu können. Während der Bera-

kranz Turnlehrer Basler von Gebwieler, den zwei-
tcn Preis (Gedenktafel) errang Eduard Kramer
von Basel.

hielten folgende Turner in nachstehender Reihen-
^ folge Lorbeerkränze: 1. Ernst Schuler von Pforz-
. heim, 2. Ehristian Riem von Mannbeim, 3. Borel
! von Emmendingen, 4. Merle von Pforzheim,
i 5. Werncr von da, 6. L. Löfler von Mannheim,

! 7. Hermann Bartsch von Baden, 8. Rüttger von
! Mannheim, 9. Gerwig von Pforzheim, 10. Roth
! von Baden, 11. Peter von Mannheim (früher
! Mitglied des htefigen TurNvcreins), 12. Groß von
! Mannheim.

I Nach dem Namensaufruf jedes Einzelnen erhob
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