Heidelberger Zeitung — 1865 (Juli bis Dezember)

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ren, nach dem IVz Ltunde vou hier entfernten
Jagdschloß Kranichstein gefahren, wo heute
Mittag Tafel sein wird. Heute Abend wird
dieselbe von der Kranichstrin zunächft getttzenen
Station Dkffel auS ihre Reift nach Eoburg
fortschr»u

Wiesbaden, 9. Aug. Unsere 1. Kammer
hal sich nunmehr definitiv constituirt. Den
Borsitz fühü der Prinz Nikolaus von Nassau.
Vicepräsident ist der protestantische Landes-
bischof Dr. Wilhelmi. Beidr sind vom Hdrzog
hierzu ernannt.

Berli«, 9. Aug. Bekanntlich wurde schon
am 27. v. M. der hiesige allgemeine deutsche
Arbeitervcrrin polizeitich fnr aufgeköft rrklärt.
Dem Vereinsgesetze nach hatte nun binnen acht
Tagen die weitere endgültige richterliche Ent-
scheidung, ob die Auflösung zu Recht besteht,
eingeleitet werden uiüssen; dies ist aber, der
„Elb. Atg." zufolge, bis heute nicht geschchen,
auch jcde desfallsige Anfrage unbcantlvortet ge-
blieben.

Berli», 9. August. Wic der „Elb. Ztg."
aus Berlin geschrieben wird, hat der hiesige
amerikanische Gesandte bereits Schritte bei der
preußischen Regierung gethan, um die Zurück-
nahme dcr Verhaftung zu bewirken, wclche
amcrikanische Bürger, die sich zu dem Schützen-
fest nach Bremen begeben hatten, bci ihrer
Rückkehr in ihre früherc Heimath betroffen
hat, weil sie ihrer Militarpflicht nicht genügt
hatten. Es soll Aussicht vorhanden sein, daß
dic preußijche Regieruug dieien Vorstellungen
nachgebcn wird.

Köln, 9. Mg. Wcgen der Forderung des
Gürzenich - Restaurateurs Herrn Kellcr an
Hrn. Classen-Kappelmann, derselbe moge die
Vorbcreitungen zu dem Festeffen zum Abge-
ordnetenfest (800 Couverts zu 1*/z Thlr.) mit
1066^/g Thlr. vergüten, wnrde heute am hie-
sigen Friedensgerich't ein Sühneversuch gemacht,
aber ohne rveitere Verhandlungen mit leinem
Erfolg. Nunmehr kommt die Klage vor das
Landgericht.

RendSburg, 7. August. Dr. May wird
fortwährend sehr streng bewacht; so ist ein
Militarposten vor dic Thüre des Arreftzimmers
gestellt und ein andcrer cigends damit beauf-
tragt, daS Fenster des Locals zu überwachen.
Was dcn Comfort des Gcfangenen anlangt,
so ist dafür einigermaßen Sorge getragen. Da-
gegen ift uach wie vor jeder Besuch deffelben
nicht crlaubt und wiederholt an die Platzkom-
mandantschaft zum Behuf der UebermiÜelung
an den Verhafteten gesandte Zeitungen sind
zurückgewieseu.

Kiel, 9. Aug. Es werdcn großc Vorbe-
reilmrgen getroffen zur Feier des Geburtstages
des Kaiscrs; dieselben nehmen besonders in Hol-
stein große Dimensionen an.

Wien. Dic Neue Freie Preffe bringt die
Mittheilung, daß von mittelstaatlicher Seite
bereits vorbereitende Schritte gethan seien, um,
sobald die Verhandlungen mik Gastcin als de-
finitiv geschcitert zu betrachten, mit de» Hand-
habe, welche in dem letzthin am Bunde gestell-
ten mittelstaatlichcn Antrage bcrcits gegcben

Zum allgemrinen Erstaunen aber crhob er fich
Plötzlich hoch in die Luft und segelte majestätisch
südlich in die Näbe der London Bridge, wo er
seinen Lauf wieder ändcrte, über drn Fluß nach !
Surrry flog, den Krystallpal.ast pasfirte und bald !
darauf sich endgiltig und glücklich wieder auf die ^

des Herrn Delamarne sollte man in der That an
einer Möglichkeit der Steuerbarkeit des Ballons,
wenigstens unter günstigen Umständen, nicht mebr

maßigen Luftfahrt ist noch ein weiter Schritt. Hr.
Delamarne wird, wie Hr. E. T. Schmidt ange-
zeigt, nächsten Montag, dcn 7. August, eine zweite
Auffahrt in ker Esperance unternehmen. Wir find
sehr neugierig auf den AuSgang.

Aus Troppau, 2. August, berichtet man ker ^
„Olmützer Neucn Zeit" fvlgenden schändlichen Bu- ^
benstreich: Als ber kühne Thurmbestciger Vincenz
Mildner, welcher gegenwärtig mit dem Anstreichen
des Thurmes der Stadtpfarrkirche zu Maria Him-
melfahrt beschäftigt ist, heute den Thurm bestieg, !
um setne Arbeit zu brginnen und sich zu»diesem !

ift, sofort die Anerkemlung dcs Herzogs von
Augu'ftenburg in Frankfurt zu urgiren. Mit
ganz besonderem Nachdruck solle Baden cinem
solchen Vorgchen das Wort reden.

Wien, 8. Aug. Graf Paul Almasy, wel-
chrr bekannMch wegen Hochvevraths, deffen
Thatbestand indeffen nie veröffentlicht ist, zu
LOjähriger Festungsstrafe verurtheilt wurde, be-
findet sich in Folge kaiserlicher Erlaubniß zur
Herstellung seiner leidenden Gesundheit augen-
MMch in Karlsbad. Eine vollständrge Am-
nestie aller gleichzeitig verhasteten Ungarn
(schreibt nran der Preffe) steht übrigens, wie
Unterrichteke hier behaupten wolleN, noch vor
Eröffnung deS LäNblagS in Anssicht.

F r a n k r e i ch.

ParLS, 6. Aug. Die Zuvorkommenheit,
womit die Kniserin die Großherzogin voil Ba-
den und ihre zwei Kinder gleich nach ihrem
Absteigen im Grand Hotel mit einem Besuch
überraschte, wird selbstverftändlich sehr bemerkt.
Die Großherzpzin, welchc sich nach Trouville
begibl, wird den Besuch 1n Fontainebleau er-
widern. . (A. L.)

E !! g I «I n d

London, 6. Aug. Aus einer zwciten mit
dem atlantischen Kabel in Valentia untcrnom-
menen Prüfung ergibt stch, daß die ^enaue
Entfernnng des Fehlers 1,175 Meilen beträgt.
Der Great Eastern wird am Do-snerstag zu-
rückerwartet. — Der Prinz dtapoleon wird
invrgen von Southampton, wo seiue Uacht an-
gekommen ist, seine Rückreise wieder antreten.
— Abd-eli-Kader soll mit seiner Anfnahme in
England nicht fehr zufrieden sein rurv daher
daffelbe früher verlaffen haben, als er nrsprüng-
lich beabsichtigte.

^ L -r L .-e

Rom, 2. Aug. Man will wiffm, däß die
7 Notabeln von Pastena, welche von den Bri-
ganten auf päpstliches Gebiet geschleppt wur-
den, nlln ermordet worden seien. Die ganze
Provinz von Terra di Lavorv ist durch dieses
düstere Gerücht in die gröHte Aufregung ver-
setzt. Den Franzofen ist es getnngen, bei Fro-
sinone mehrere BngantcN zu verhaften. Einer
derselben hatte nämlich als Ernnit verkleidel,
mit vem R'evvlver in der Hand, das Almosen
verlangt, war aber von einem mnthigcn Rei-
scnben Äberwältigt wvrdcn. Man fand bei ihm
ein Pfeifchen, durch deffen Ruf die Hekbeige-
holten Soldaten mehrere Brigcmten in die Faüe
lockten nnd festnahmen. (Allg. Ztg.)

S p a » i e »

Madrid, 9. Aug. Der Vater des Königs
ist kränker geworden. Der Hof kehrt unver-
züglich nach Madrid zurück. Die Zusammen-
kunft der Köuigin mit dem Kaiser der Fran-
zosen ift ausgegeben.

Madrid, 9. Aug. Es geht cin Gerücht,
die Königin werde zu Gunsten ihres L-vhnes
abdanken.

^ ner auch die Stricke, und auch diese hatten an !
! mehreren Stellen so ticfe Einschnitte, daß beim !
GebrauL derselben ein Zerreißen unvermeidlich ge- ^

pflaster gestürzt wäre. Die strengste Untersuchung -
dieses Vorfalles ist im Zuge.

* Literarisches.

Von dem schon wiederholt durch uns besprochcnen -
Werke Schleswig-Holftein, KriegS- und Frie-
densbilder, herausgegeben vom Grafen A Bau-
^ diffin, liegen der Redaction die seither weiter er-

gediegenen Werke mit jebcm Hefte zunimmt. So -
vielfach auch eben jetzt die deutschen Sicge und
! Ehrrn vom vorigen Zahre in der Presse erzählt ,
l und mehr odcr minder begeistert geschildert und

S ch w e - e n

Stockholm, 9. Aug., Abends. Der ge-
wesene ^tatthalter von Polen, Großfnrst Con-
stantin, und der Großfürst Alexei tamen mit
dem ass 27 Schiffen bestehenden russischen
Panzergeschwader an; sie blieben zwei Tage
beim Könige.

T rr r k e i.

Bucharest, 8. August. Nach Privatnach-
richten sind in Jaffy und Crajowa Emeuten
vorgekommen und ist das Militär eingeschritten.
Äuf Seite des Militärs, sowie der Civilisten
gab es Todte und Lcrwundete.

A m e r i k a.

Newyork, 21. Juli. Alle Zeitungen sind
angefüllt mit Berichten über das hier abgehal«
tene dcutsche Sängcrfest. Der Festcharakter
umschloß die ganze Stadt. Den ersten Preis,
einr prachtvolle Fahne , erhielt der Philadel-
phia-SLngerbuud; den zweiten der Philadel-
phia-Jungmännerchor und den dritten die
Buffalo-Liebertafel. Der Abschiedsrede Fried-
rich Kapps entnehmen wir solgende Schluß-
worte: „Zum Ansangs- und Endpunkte seiner
Politik soll der Deutsche seine nationale Jndi-
vidualität nehmen. Zn dieiem Sinne wollen
wir die Zukunst dieses schönen Tages begrü-
ßen. Unser Einfluß wird um so tiefcr fein,
wenn wir an dem festhalten, was Deutschland
der WelL gebolen hat. Ueb'erlasien wir es über-
müthigen Aristokraten oder eitlen Flüchtlingen,
ihr Vaterland herabzusetzen. Es ist wahr,
daß Deutschland seiner Verbannlen sich sollte
erinnern. Jch denke mir trotz alledem das
Verhältniß, wie das der Cordelia in Sha-
kespeare's König Lear zn dcm Vater. Sie .ge-
dachte in den Tagen des Unglücks ihres Er-
zeugers uicht an die ihr von ihin zugesügten
Beleidigungen uud unterstützte ihren alten
Vater. So wollen wir stets zu unserem Va-
terlandc hälten. Ein Hoch auf Deutschland!
Ein Hoch aus die Ver. S>taaten! Ein Hoch
auf die neugeborenc Republik! Ein Hoch dem
neunteu allgemeinen Sängerfest!" Das nächste
zehnte deutsche SLngerfeft findet am 10. Sept.
1867 in Philadelphia statt.

NewyorL, 29. Iuli. Herr Seward hat
in einer Depesche an den amerikanischen Ge-
sandten in Paris angedeutet, die Regierung
der Vcr. Staaten behalte sich vor zu gelegener
Zeit die mexikanische Frage zur Verhandluug
zu bringen.

AuS Rio de Janeiro schreibt man der
„Korr. Hav." einiges NLHere über den Kampf,
welcher zwischen der brafilischen und der para-
guayanischen Flotte in der Nähe von Corrien-
tes stattgefunden hat. Am 11. Juni, gegen
8 Uhr Morgens, nahmen die brysilischen
Schiffe, neun an der Zahl, die paraguayanische
Flotte wahr, dic mit vollem Dampf auf sie
zukam. Es waren acht Dampsschiffe, von denen
jedes eine schwimmende Batterie im Schlepptau
hatte. Das Feuer wurde von beiden Seiten
bald cröffnet. Einen Augenblick stand es schlimm
um das brasilische Geschwader, das nur der

Abelbert Baudisfin diejenige, welche ncich jeder
Seite hin dic höchste Bcdeutung verdient. Der Jn-
halt dersclben läßt kein wichtiges Moment jenes
glorreichen Kampfes vermissen, und orientirt übcr-
dieß den Leser auf'S Genaueste nicht nur in ben
Verhältnissen, welche die Deutschen in's Feld rtefen,
sondern auch über den Kriegsschauplatz, den Cha-
rakter ber Bevölkerung der Herzogthümer. Das
Alles aber geschieht in jener gewandten und span-
nenden Darstcllungsweise, welche den Namen des
Verfassers schon längst den bedeutendsten Belle-
tristen der Gegcnwart zugesellte, und ziehen wir
hiebet noch bie wahrhaft künstlerische Ausstattung
des Werkes mit gegen 200 JUustrationen in Be-
tracht, so können wir nicht umhin, zu sagen, daß
Verfasser und Verleger dem deutschen Volke hier
daS würdigste Denkmal ruhmreicher Waffenthaten
errichtet haben. Das Prachtwerk sollte daher, zu-
mal bei dem billigen Prcise von nur 6 Sgr. oder
21 kr. rhein. pr. Lieferung. tn keiner Btbltothek
fehlen.
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