Heidelberger Zeitung — 1865 (Juli bis Dezember)

Seite: 184
DOI Artikel: DOI Seite: Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/hdtz1865a/0184
Lizenz: Public Domain Mark Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
hier in den Tagen vom 18. bis 23, Septem-
ber abgehalten werden soll, wird sich wunder-
bar überrascht sehen, wenn fie hier ihreS deutschen
Charakters, weaigftens äußcrlich. sich cntkleidet
und zu einer sladt-hannoverischen erheben fieht.
Eine »Mloffene Sache ift es, daß das Abzei-
chen der Mitglieder der Versammlung nicht in
deutschen, sondern in stadt-hannoverischen Far-
ben, und zwar in einem roth-weißgestreiften
Knopfe, gegeben werden soll.

Kiel, 15. Aug. DaS russifche Geschwader
wird in den nächsten Tagen hier erwartet.

Wieu, 15. Ang. Nach der „Kreuzztg."
hat die Schmerling'sche.Rede beim Univerfitäts-
Bankett hohen Orts ein unangenehmes Aufsehen
erregt, was, wie auf das Bestimmteste verfichert
wird, dem ehemaligen Staatsminister nicht un-
bekannt geblieben ist.

Wien, 17. Aug. Die „Generalcorrespon-
denz" schreibt: Es liegt in den unabweislichen
Forderuugcn des internationalen Verkehrs, daß
die in den letzten Tagen zu Stande gekommene
Uebereinkvnft zwischen Oesterreich und Preußen
der Oeffentlichkcit vorenthalten bleibe, bis sie
formal die allerhöchste Sanction erlangt hat.
Da diese voraussichtlich in der kürzesten Leit
erfolgen wird, gereicht es uns zur großen Be-
friedigung, schon heutc versichern zu können,,
daß durch den neuesten Act alle bisherigen Con-
flicte in der gemeinschaftlichen Condominats-
Führung der Herzogthümex beseitigt und küns-
tigen Zerwürfnissen vorgcbeugt ist. Wird da-
mit das Freundschaftsverhältniß zwischen Preu-
ßen und Oesterreich hcrgeftellt, so ist zugleich
selbstverftändlich, daß beide ihren berechtigten
Ansprüchen nicht entsagen, daß aber auch den
Rechten des deutschen Bundes durch den Ver-
trag kein Abbruch gcschieht. Der Eintracht
unter den deutschen Mächten und der Befesti-
gung des europäischcn Friedens wird durch die
Gasteincr Uebereinkunft neue Bürgschaft ge-
geben. — Die „Generalcorrespondenz" erklärt
ferner die von der Agentur „Havas" gebrachte
Notiz, Graf Belcredi habe die Anfrage wegen
allgemeiner Amnestie für Galizien dahin beant-
wortet, einer solchen stünden diplomatische Rück-
sichten ^entgegen. als leere Ersindung.

Wien, 17. Aug. Graf Bloome ist heutc
auS Jschl hier eingetroffen. um dem Grafen
Mensdorff das Vertragsinstrument vorzulegen,
wclches am Sonntag in Salzburg unterzeichnet
und von beiden Monarchen ratificirt werden
soll. Der König von Preußen soll am Sams-
tag in Salzburg cintreffen, und wird wahr-
fcheinlich den Kaiser nach Jschl begleiten, um
der Kaiserin und der Königin - Wittwe von
Preußen einen Besuch zu machen.

Frankreich.

Paris, 1.7. Aug. Die „Patrie" hat einen
Brief aus dem Lager von Chalons, der meldet,
daß der Kaiser und die Kaiserin nach Mühl-
hausen abgereist sind und am 24. in Fontaine-
bleau eintreffen werden, um daselbst bis zum
5. Sept. zu bleiben. Der kaiserliche Prinz ist
direct nach Fontaineblcau gegangen.

Paris. 17. Aug. Wie man auS den Be-
richten der* Abcndblätter ersieht, hat das große
Schauspiel auf der Rhede von Cherbourg eine
große Beeintrachtigung durch das schl'echte Wet-
ter erlitten. Es ging ein äußerst scharfer Wind
aus Nordwest, der den zahllosen Neugkerigen,
welche von allen Seiten herbeigeströmt waren,
allen erwarteten Gcnuß verdarb, und die Schiffs-
mannschaften selbst in die unbehaglichste Stim-
mung versetzt haben muß.

Cherbvurg, 17. Aug. Das englische und
das französische Geschwader fahren morgen ab,
um sich nach Brest zn begeben.

Brest, 17. Aug. Die hiefigen Festlichkeiten
haben einen Aufschub erfahren; sie-werdcn am
nächsten Dienstag und Mittwoch stattfinden.
Die englische Flotte wird, wegen des Sonn-
lags, erst am Montag hier anlangen. Dic
Flotten werden am Donnerstag unsere Rhede
wieder verlassen.

E » g l a ii d

London, 17. Aug. Der „Great-Eastrrn"
ist h-ute morgen uach Crookhaven (Jrland)
zurülkgek-hrt. Das Kabcl brach am -2. Ang.,
als es zurückgewunden wurde, um eineu Fehler

zu verbcssern. Der erste Versuch der Auf-
fischung gelang beinahe. aber das Scil brach.
Dic weileren Vcrsuche bis znm 11. Ang. warcn
ohne Erfolg. Der „Great - Eastern" soll mit
besseren Apparaten zur Aufsischung znrnckfah-
ren. Die Berichle der Sachvcrftändigcn über
den Verlauf der Expedition lauien günstig nnd
zuversichtiich.

London, 17. Aug. Vom Cap dcr gntcn
Hossnung stnd Nachrichten cingclaufen, wonach
zwischen der freicn holländischen Colonie und
den Bassuten Krieg ansgebrochen ist. Letztcre
plündcrten und mordeien im Lande. Die Co-
lonie Natal ist von ihnen überfallen. Englische
Truppen stnd an die Grenze gesandt.

Z t a l i e »

Florenz, 15. Aug. Die Ernennnng des
Hrn. Cortese zum Justizminister wird von meh-
reren bedcutendcn Jonrnalen, n. A. von der
„Perseveranza", als eine neue Bürgschaft da-
fnr betrachtet, daß das Ministcrinm nicht eine
Politik der Unthätigkeit nnd passivcn Znwar-
tens in Betreff der deiden großen Fragen von
Rom nnd Venetien einhalten, sondcrn die voll-
ständige V-rwirklichnng des nationalen Pro-
grammcs zu verfolgen fortsahren wird.

Florcnz. 16. Äug. Die „Jtalia" beftä-
tigt das Gcrücht, daß dcr österreichische Gc-
sanote in Madriv eine Protestation gegen die
Anerkennung Jtaliens übergeben hat.

B e l g i e n.

Brüffel, 17. Aug. Der Könrg und die
Herzogin von Brabant sind heute nach Ostende
abgereist. — Sollte die Regierung wirklich
Herrn Rogeard ausweifen, so wird hier eine
großartige Demonstration ftatthaben. Ein Co-
mite wird sich bereits dieser 'Tage bilden, um
dem Verfasser der „propvs cko ^akionus" ein
großes demokratisches Bankctt anzubieten.

T ü r k e i

Ducharest, 17. Aug. Der Aufruhr ist
vollkommen unterdrückt und die Ruhe herge-
stellt. Zahlreiche Verhaftungen, darunter die
der Herren Rosetti und Biateano. Der Fürst
Kma wird in cinigen Tagen zurückerwartet.

'A rn e r i k n.

Newpork, 5. Aug. Die in Alexandria,
Virginien versammelte Convention von Farbi-
gen faßte Beschlüsse zu Günsten des Neger-
Stimmrechtes und tadelte bitter den Gouver-
neur Pierpoint von Virginien, daß er mit
seiner Vexjetzung nach Richmond die Rechte der
Farbigen verschachert habe.

Neueste Akachrichten.

Neuyork, 8. Aug., Abends. (Mit dem
Dampfer „Scotia".) Die Regierung besiehlt
den Truppen stricte Neutralität gegenüber oon
Mexico an. Die Gesundheit des Präsidenleu
Johnson ist wieder völlig hergestellt. Die far-
bigen Garnisonen werden in die Hauptstädte
des Jnnern von Süd-Caroiina verlegt. Zu
Charleston erhob sich ein Conflict zwischen Mi-
litär- und Civilbehörden. — Gold 144^/z,
Wechselcours 156, Bonds 105 Vs, Baumwolle
45, rnatt.

Stuttgart, 18. Aug., Vormittags' Die
Kammer der Abgeordneten genehmigte den
Hauptfinanzetat für 1864/67 mit 71 gegen 2
Stimmen — Dagegen stimmten Tafel und

Hopf-

Stuttgart, 18. Aug., Nachmittags. Die
Abgeordnetenkammer beschloß heute, die Regie-
rung zu bitten, die mit den nationalen Jnle-
reffen im Einklang stehenden Mittel anzuwen-
den, um eine Gleichstellung des Zollvereins
mit den meistbegünstigten Nationen im Han-
delsverkehr mit Jtalien zu erwirken. Herr v.
Varnbüler erklärt, dem nicht entgegen sein zu
wollen.

Wien, 18. Aug. Die „Neue fr. Prcsse"
schreibt: Es verlautet, daß die deutschen Groß-
mächte sich über einen die definitive Constitui-
rung der Herzogthümer betreffenden Antrag ge-
einigt haben, wclcher seiner Zeit von beiden
gemeiuschaftlich am Bund gestellt werden soll.
Die Feststellungen in Gastein seien erst erfolgt,

nachdem man fich überzeugt, daß der Antrag
beim Buns die Mehrheit erümgen werde. Der
Antrag eitthalte bedeutende Aenderungen der
Bundeskriegsverfaffung nnd in gewiffem Sinn
eine Revifion der ganzen Bundesverfaffnng.
Es sei ein Congreß deutscher Fürstcn in Aus-
sicht genommen, welcher eventuell in Berlin
zusammentreten und für den deutschen Bund
eine ncue Kriegsverfaffung feststellen werde.

-j-* Heidelberg, 18. Auguft. Die ultra-
montanen Blättchen schießen in den neuesten
Tagen .in unserm Großherzogthnm wie die Pilze
aus der Erde. Die Krau Großmama, der Pa-
dische Beobachtcr, kann sich einer zahlreichen
Nachkommenschaft rühmen.

Nach den Vorgängen in den obern und mitt-
lern Landestheilen ist nun auch unsere Pfalz
mit solch' einem Sprößling des jesuitischen Ul-
tramontanismus, unter deffcn Fahne sich unsere
Kirchenmänuer und Reactionäre zusammen-
schaaren, beglückt worden. Nach mancherlei
Lärm und Trompetenstoß hat gestern der
„Pfälzer Bote für Stadt und Land" dahier das
Licht der Welt erbtickt, und ist scine Geburt
männiglich von Haus zu Haus notificirt worden.
Die Gevatterschaft des Kindes ist zwar genü-
gend bekannt; da sie aber blöder Augen wegen
das Licht schcut und daher gerne der Maxime
huldigt, im Duukeln ist gut munkeln, so haben
die Herren Capläne, Doctoren beidcr Rechte,
Söhne des Merkurius u. Compagnie es für
gut gefunden, sich einen sichtbaren und greif-
baren Stellvcrtreter zu geben, dessen erste Ei-
genschaft nach ihrer Berechnung Sitz-Fähigkeit
von Professton wäre.

Aus diesem Grunde haben sich die Herrcn

— (so heißt es wörtlich in der Probennmmer)

— den „Trcfflichen Redakteur", Herrn
Flaschon, erkoren, der sich öfter dix Frcihcit
nehmen werde, mit den hochgelehrten Herrcn
gothaer Geheimenräthcn und Hosräthen ein
Hähnchen zu rupfen; denn wenn er auch wedcr
pkilosopbion gehört babe, noch Lateinisch und
Griechisch verstehe und , seines Zeichens nur
ein „quiescirter Schuhrüacher" sei, so
werde er doch als Reoakteur des Pfälzer Bo-
ten cbenso gut sich herauszubeißen wiffen, wie
der ehrsame Schneider Johnso n an der Spitze
der amerikanischen Unionsstaaten" — Man
sieht, die Herren Capläne, Oootoro.-i gHs und
Genoffen sind Demokraten vom reinsten Waffer
gervorden. Während nun diese neuen Demo-
kraten in eincm Zuge das badische Volk noch
lange nicht geistig reif genug erklaren, um an
Schöffengerichten, Ortsschulrathen u. s. w. ohne
Gesahr Thcil zu nehmen, und daher selbstver-
ständlich diese ganze neuere Gesetzgebung, die
„der ersten Bcdingung der Lebensfahig-
keit" — wegen noch mangelnder Bildung der
Bürger — entbehre, wicder abgeschafft wissen
rvollen, so ist nach ihrcr .'lngabe selbst der
Schuster aus ihrer Mitte bereits avancirt ge-
nng, urn den großen Geistcskarnpf mit dem ge-
lehrten Professorcnthum aufzunehmen. Ja, der
„treffliche Redaktenr Flaichon" freut sich bereits,
auf dem nächsten Journalistentag die Bekannt-
schaft jener Herren zu machen, und ihnen gei-
stig ebenbürtig herzlich die Hand zu schütteln."

„Herr Flaschon ist überhaupt entschloffen,
für Recht und Wahrheit in die Schranken zu
treten; übrigens bescheide er sich, rrur über das
zn sprcchen, was er verstehe. Er bescheide sich.
daß der Antheil seines Blattes an der großen
Politik nicht weltbewegend sein werde. (Wir
glaubcn ihm dics, ohne besondere Versicherung).
So rverdc er z. B. „dem großen dentschen Ba-
terland, rvo es zur Zeit gar traurig aussehe,
erst dann ganz gehören, wcnn dcr alte Bar-
baroffa rvieder aufersteht." Bis dies geschieht,
meint er dann weiter, sei es für die deutschen
Staaten am gerathensten, mit Sack und Pack
in's österreichische Lager überzugehen.

Denn in Preußen stehe es schlimm; doch
am schlimmstcn in unserm kleinen Großherzog-
thum Baden, rvo „dre Einflüsterungen dcr auf
dem Dreifuß sitzenden Profefforen den „D ul-
dern" in der Residenz dic Gesetze vorschrieben.
Und was für Gesetze? es erregt, «Lchauder, sie
nur zu nennen; z. B. das Schulgcsetz, das für
religiöse Erziehung und die h. Kirche wahrhaft
loading ...