Heidelberger Zeitung — 1865 (Juli bis Dezember)

Page: 199
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/hdtz1865a/0199
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
dern wurde auch zum Dieust herangezogen;
dasselbe Verfahren wird auch in den neucrdings
vorgekommenen Fallen gehandhabt werden.

E rr g l rr d

London, 17. August. Wie cs heißt, wird
die -französtsche Flotte am 28. d. in Spithead
ankommen und ihr Aufeuthalt bis zum 2, Sep-
tember dauern, wahrend wclcher Zeit der Flag-
gen-Offizier als Gaft des HerzogS von Somer-
set, als crsten Lords dex Admiralität. an Bord
dcr Osborne unterhalten werden wird. Jnl
Hafen des Admirals, sowie an Bord des Duke
of Wellington wird ein großeS Banket gegeben
wevden. Eine Nevue dcr Truppen wird auf
Southsea-Commou stattfinden; am Abelld dieses
Tages werdcn die französtschen Offiziere Gäfte
dcs General-Lieutenants Sir C. Buller sein.
Ein Banket in großem Mäßstabe, von einem
Balle gefolgt, gegeben vvll dem Bürgernleister,
dem Stadtrath nnd den Einwohnern wird dem
Feste ein volksthümliches Aussehen gebcn.

<N. Fr. Z.)

Z t a l i e n

Rom, 21. Aug. Das „Giornale di Noma"
dementirt die Nachricht, daß die Regicrung von
den bisher-vcrfolgten Principien abgchen wolle;
die angeordnete Rekrutirung habe bloß den
Zweck, dic durch Berabschiedungen und Krank-
hciten im Heeve entstandcnen Lncken auszu-
fnllen.

Florenz, 21. Aug. Gegen das Circular
des Kriegsministers haben etwa 70 Senatoren
nnd Deputirte protestirt. Die amtliche Zei-
tung veröffentlicht cin Circnlar des Ministers
des Jnncrn an die Präfektcn, wclchcs den
Zmeck hat, die Erklärungen des Kriegsministers
nber die Vertheidigungsmittel dcr ungerecht an-
gegriffenen Offiziere zu rechtfertigen, den Vor-
wurf, der Kriegsminister habe die Verfaffnng
verletzt und dic Armee beleidigt, zurückzuweisen
und die Präfekten zu beauftragen, für die red
lichen Abstchten des Ministeriums cinzustehen.

S P a n i e y

Madrid, 21.Aug. Aus Uldecona in Ca-
talonien wird von Unruhen berichtet. Aufrüh-
rerische Nufe im karlistischen iKinue wurden
aehört; doch fft die Ordnung bereits wiedcr
hergcstellt.

D ä n e m a r k

Kopenbageu, 19. Aug. Wie der „Wc-
ser-Zeitung" mitgetheilt wird, bringen die
hiesigen Blätter die- überraschende Nachricht,
daß der jüngere Bruder des regierenden Kö-
nigs von Dänemark, Prinz Hans voil Glücks-
burg, in höhercm Anftragc zu der Monarchen-
Zusammenkunft in Salzburg abgereist ist, trotz-
dem das amtliche Blatt das prinzliche Reisezicl
nach dcr Schweiz verlegte. Manche muthma-
ßen auch in dieser Mifston dic Beeinfluffung
des dänischen Hofes durch Rußland.

Neueste Machrrcyke^r.

Verlin, 22. August. Die Erhebung des
Hrn. v. Bismarck in dcn Grafenstand ist eine
Thatsache. — Mch der „Bankzeitung" wäre
eine Verabredung getroffen, welche den Herzog
von Augustenburg in der Wahl seineS Aufent-
haltes schützt; Preußen hätte auf eine gewalt-
same Entfernung deffelben verzichtet. Die Sen-
dullg des Dr. Lorentzen nach München be-
zweckt, die Theilnahme des Herzogs an der
cventuellen Conferenz der Mittelstaaten zu
sichern. — Aus Kiel verlautet, daß das dort
bestehende preußische Generalkommando nach
Flensburg, das österreichische dagegen nach Kiel
verlegt werde.

Hambrrrg, 22. Aug.' Der „Hamb. Corr."
meldet aus vorzüglicher Quelle: „Die zu Ga-
stein pactirtc Gebietsabtrcnnung ist nicht identisch
mit dem getrennten Gebiete Schleswig-Holsteins,
sondern wird durch eine Demarcationslinie be-
zeichnet, welche mit Rücksicht auf Preußens Jn-
teressen in beiden Herzogthümern gezogen und
Preußen die nöthigen Stützpunkte gewährt.
Eine Entfernuug dcs Augustenburgers mit Ge-^
walt sei nicht beschloffen, wenn er sich als Pri-
vatmann verhalte.

Hamburg,'22. Aug. Da der Corvetten-
Capitän Wcrncr vom preußischen Kriegsmini-
ster den Urlaub zur Leitung der von nament-
lich süddeutschell Capitalisten unterftützten Pe-
termann'schcn Nordpool-Erpedition nicht crlan-
gen konnte, so wird der hiesige Capitän Hage-
mann mit cinem englischcn, zn diesem Bchufc
gemietheten Dampfer die Expedition leiten.

ÄKien, 22. August. Die „Presse" mcldet:
Die Gasteiner Vcreinbarung, welche nächstcn
Dvnnerstag veröffentlicht werden dürfte, spricht
Preußen gegen Geldentschädigung Lauenburg
definitiv zu. Schleswig kommt uuter preutzische,
Holstein unter österreichische Verwaltung. Preu-
ßcn bchält den Kieler Hafen, das Mitbesatzungs-
recht für Rendsburg und daS Rccht, den Nord-
ostseekanal, sowie eine Eisenbahn von Lübeck
nach Nendsburg zu baucn. — Der „Wanderer"
bringt die gleiche Meldung.

London, 22. Aug., Vormittags. Dic Ge-
sellschaft für Legung des Kabelshatbeschlossen, die
Nückgewinnungs- nnd Vollendungsversuche auf
das Frühjahr aufzuschieben und dann zugleich
ein zw.cites Kabel zu lcgen.

Neuyork, 11. Aug., Mokgens. (Durch
den E-tradampfer „Tarifa".) Die Regierung
hat erfahren, das conföderirte Korsarcnschiff
„ Senandoah" habe sich nach Melbourne mit
1200 Toalnen Kvhlen eingeschifft. Der jetzige
Oberleutnant des „Scnandoah" -hat das Com-
mando eincs englischcn SchiffeS verlassen, um
auf dem Scnandoah zu dienen. Goldagia 42.
Wechsclcours 154. Bonds 106. Baumwolle 44.

Maunheiu», 19. Aug. Die Mitglieder
der Rheinschifffahrthcommission sind seit vor-
gestern hier versammelt; ihre Anwesenheit wird,
da die völligc Befreiung des Stroms von Ab-
gaben diesmal nicht zur Verhandlung kommcn
wird, höchstens zwei Wochen dauern. Baden
ist für jene Befreiung bekanntlich dcr Vor-
kämprer.

Aus Baden. Staatsminifter Stabel ist
seit Kurzem von einer Reisc nach Oberitalien
znrückgckehrt; dagcgen wird der Präsidcnt des
Ministeriums des Jnncrn kaum vor Mitte
September von Reichenhall zurückkehren. —
Für die Profefsur der Physik am Karlsruher
Polytechnikum soll ein sehr tüchtiger Gelehrtcr
aus Braunschweig gewonnen sein. — Dic Ge-
rüchte über Veränderungen in der Direclion
des Oberschulraths tauchen in etwas veränder-
ter Gestalt lviedcr auf. Jndessen ist es'vorerst
um so nichtiger, sich damit zu beschäftigen, als
sowohl Staatsrath Lamey als Director Knies
in Urlanb sich befinden. — Eine für die ma-
teriellen Jnteresscn dcs Landes besonders wich-
tige Frqge, die Errichtung eines ejnhcimischen
Bankinstituts, darf nunmchr beirder nächsten
Ständcversammlnng einer besriedigenden Lösung
entgegensehen, da jetzt Regierung und die öf-
sentliche Meinung über das dringende Bedürf-
niß eincs solchcn, die Jnduslrie und dcn Han-
dcl unterstützenden Jnstituts übercinstimmen.
Dic Anstchten des Publikums haben sich auch
bei uns, wie in Württemberg, wesentlich geän-
dcrt und in das Gegentheil gekehrt. Die frü-
here Scheu vor Banknotcn ist einer ruhigeren
nnd verständigeren Auffassung gewichen, seit
zumal in neuester Zcit nnser Land mit frem-
dem Papier, namentlich der Frankfurter nnd
Darmstädter Anstalten, fast übcrschwemmt ist,
und die Unentbchrlichkeit solcher Hilfsmittel bei
demjetzigen Stande derJndustrie und des Verkehrs
sich tagtäglich mehr hcrausstellt. Es ist in der
That nicht abzusehen, warum Baden nicht, wie
andere, selbst kleinere Staaten, sein eigenes
Bankinstitut haben und dessen Vortheilc, na-
mentlich eine größere Zuverlässigkeit der zu
emittirendcn Noten, sich wahren sollte. Die
Mittel sind vorhanden, alle Vorbereitunzen ge-
schehen; es bedarf nur noch der Vorlage der
Rcgiernng und dcr jetzt unzweifelhaften Geneh-
migung der Stände. (S. M.)

Aus Baden.. Als Kommandant des
Forchheimer LagerS wird Generalmajor Keller
genannt. — Gestern ist die Königin von Prcu-
ßen zu ihrem zweiten längcrn Aufenthalt in
Baden eingetroffen und wie stets im Meß-
mer'schen Hause abgestiegen. Das Gesolge ist
30 Personen stark.

-j- Malsch bci Wiesloch, 20. Aug. (Schluß
deS Berichts der Heutjgen Volksversammlung).

Hierauf Lindau: „Katholiken! Zch habe gelesen-
daß män uns den Vorwurf macht, daß wir
gewagt hätten, einen Verfassungsbruch vom
Großherzog zu verlangen. (Das sei Verleum-
dung; er ergeht sich über die schlechten Blätter.)

Das muß anders werden, es muß wieder
katholisches Bewußffein in's Staatsleben; gebt
Euren Schlendrian auf und wahret Eure
Nechte. — Das Wohl des Landes wird nicht
gefördert, -wenn stcts ein Polizeidiener sich her-
stellt, wo öffcntliche Angelegenheiten besprochen
wcrden. Man beschränkt unsere Freiheit, man
hat uns ein Schulgesetz aufgestellt, welches die
Katholiken nicht wollen.

Volk ruft: dreimal „Hoch Lindau!"

Als hauptsächlichstes Mittel, die katholische
Religion wieder zur Geltung zu bringen, em-
pfehle ich Euch, Jhr Bürger, zu überlegen, ob
es nicht das Beste sei, bei den bevorstehenden
Wahlen Euren O rtsgeistlich en an die
Spitzc. zu stellen! Er versteht Eure Jnte-
ressen am Besten; ' zweitens ist ber Geistliche
an den Kampf gegen den Beamten gewöhnt,
er muß gegen ihn auftreten."

Hierauf sprach der Präsident Dekan
Schmidt Folgendes: „Jm Jahre 1848 trat
ich auf gegen die Freischärler, vertheidigte Fürst
und Vaterland, sollte erschossen werden, mein
Tod für die gute Sache war schon beschlossen rc.
Das Christenthum hat mich gerettet. Wir ha-
ben es jetzt mit Freischärlern zu thun, es sind
dieselben, welche chcmals den Thron zu stürzen
drohten. Wir stehen ein für unsern Fürsten,
wenn wir für unsere Religion einstehen. (Hoch
auf gesetzliche Ordnung, Kirche und Staat!")

Außerdem sprachen noch Stadtpfarrcr Oberle
von Bruchsal und der Pfarrverweser Netzbach
von Ladenburg, jedoch nichts besonders Erheb-
liches, worauf Lindau den Versammclten den
in Heidelbcrg erscheinenden „Pfälzer Boten"
zur Anschaffung dringend empfahl und die
Versammlnng schloß Sie endete um 5 Uhr.
— Wir enthalten -uns jeder weitern Kritik.
Die gehaltenen Reden richten sich durch ihren
an Lächevlichkeit streifenden Fanatismus von
sclbst, und wrr haben auch nur aus diefem
Grunde cinen Theil dcrselbcn ziemlich vollstän-
dig gebracht.

vermischte Nachrichten.

Ucknc' A^bsch^döf^ d s Verkeh^slev?^

Pörieuverrchl.

Franbfnrt, 22. Auqust. Der Umsatz bewe>ste sich
aroßleuthcils ^iu ainerik.^ BoudS, welche^ durc^ die iieue-

175.60, Loosc 89.60. Valuta l!)9.35) vorlagen. 1864er
Loose waren 88^/4. 4Vz O/o Berner Obliq. 100, volle
Ostbahu 114Vr, Wiesbadener 992/4, Wiener Wechsel
108'/r, PariS 95Vg. London 120 Br Gegen Schluß
waren österreich. Effeclen wegeu Wieuer Notiruuc; mit
174.90 iür Crcdjtaclien flau.

Um 2 Uhr: Oesterr. Creditactien 190. Loose 83Vtz.
1882er Amcrikaner 73^8

6 Uhr Abends. Jn der EfftctensocietLt wurhen 18Wer
Bonds ;u 74- 73'/,—732/4 nmgesetzt. Oesterr.-Papiere
loading ...