Heidelberger Zeitung — 1865 (Juli bis Dezember)

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höchste, 185 mederste; im lll. Bezirk 425
Stimmzettel, 366 höchste, 215 nieoerste; im
I^ . Bezirk 365 Stimmzettel, 332 höchste, 178
niederste Stimmzahl. Daß die Gewähltcn
übrigens sämmtlich liberaler Richtung angehören
bedarf kaum der Erwahnung.

Dnrmstadt, 4. Sept. Am 1. dss. Mts.
wurde Friedrjch Ducat aus Frankfurt a. M.
„wegeir Herabwürdigung der katholischen Reli-
gion" in Nr. 38 der von ihm herausgcgebencn
Zeitschrift: „Religiöse Reform" vom Bezirks-
gericht Alzey in cine geschärfte Correctionshaus-
strafe von 16 Monaten, fowie in 180 Gulden
Geldstrafe ver'urtheilt.

Ansbach, 30. Aug. Der hiesige Tchles-
wig.Holstein-Verein erklärt: 1) „Durch den
Gasteiner Ländcrschacher hat sich die Diploma-
tie an der hciligen Sache des Rechts und des
Vaterlands abermals schwer versündigt. 2)
Wären wir blos schadensrohe Zuschauer, so
könnten wir uns frcuen über das Unmaß von
Schuld, welchcs sich allein in dieser Angelegen-
heit angehäuft hat und sich nach göttlichen wie
menfchlichen Gesetzen an den Schuldigen un-
fehlbar rächen muß. 3) Da wir aber schon
jetzt den Sieg dcs Rechtes wollen, so legen wir
hiemit Zeugniß ab wider das begangene Un-
recht und wiederholen die Erklärung, daß in
den Augcn deS deutschen Volks jede Abma-
chung null und nichtig ist, welche das Lelbst-
bestimmungSrecht der Herzogthümer tyrannisch
mißachtct."

Miinchen, 5. Sept. Jch habe über die
Erfolgc, welche der bekannte Aufruf von Wie-
ner Damen zur Gründung einer katholischen
Universität, dem sich dann auch noch einige in
München wohnende, mit den ersten Unterzeich-
neten verwandte Damen angeschlossen haben,
Erkundigungen eingezogen und überall gehört,
wie geringfügige Resultate dieses von irgend
einem Wiener Geistlichen veranlaßte Schreiben
in unserem Lande erzielte und mit welch' un-
getheittem Mißtrauen der Vorschlag unter un-
serem Adel aufgenommcn wurde. Wir haben
zur Zeit keine außerordeutliche bigotle, irgcnd-
wie einflußreiche Prinzessin mehr am Hofe,
und da es also auch von oben an einem Bei-
spiel fehlt, das nachgeahmt wird, so dürfte die
gemachte Anstrengung nichts Wesentliches er-
zielen. Man wundert sich richtiger Weise dar-
über, daß Frauen nach Dingen griffen, die
ihnen fremd, unzugänglich und unverständlich
oder höchftens nur ganz obcrflächlich bekannt
sind, daß sie sich von einem Wiener Beicht-
vater zu Schritten verleiten ließen, die keines-
wegs geeiguet sind, auf ihre Weiblichkeil, die
sich in stiller HLuslichkeit gefallen soll, einen
Glorienschein zn werfen. (Fr. I.)

BerLin, 7. Septbr. Der König ist heute
Morgen um 6 Uhr mit cinem Extrazuge hier
eingetroffen und wurde am Bahnhofe mit stür-
mischen Hochs begrüßt. Herr v. Bismarck
wird erst heute Abend in Berlin eintreffen.

Berlin, 7. Sept. Redakteur May soll als
preußischer Unterthan, wie dic „Prov. Corr."
meldet, wegen feiner „gehässigen und verbre-
cherischen Wühlereien gegen das preußischc Lan-

Pferd wurde; G. Flersheim's KuchSstute Schooner
war drittes Pferd. 5. Consolationspreis 1500 Fr.,
Einsatz 25 Fr., Entfcrnuug 2000 Meter, das zweite

der br. H. „Tambour-de-Basque" drs Hrn. Reiset,
der br. H. des Grafen.v. Dampierre „Benjamin",
der F.-H. des Herrn Delatre „Meli-Melo", Hrn.
Voifin's dunkelbr. H. „Robert" und dks Grafen
Lagrange br. St. „Lafronde". „Tambour" errang
in schwerem Kampfe den Preis. Zum nächsten
großen Iagdrcnnen tzaben II. HH. der Herzog
von Naffau, Prinz Kriedrich Wilbelm von Hrffen
und Herzog Georg von Mecklcnburg-Strelitz den
Ehrenpreis verliehen. Nach dem Rennen gab ein
Schnellläufer eine VorsteÜung, indem er in
8 Minuten das Areal der Rcnnbcchn durchltef.

__ (B. Lztg.)

(Ein verdächtiges Subject.) AuS Gastein
wird von dem Aufenthalte des preußischen Königs
einem Wiener Blatte folgende Episode erzählt:
Eines Morgens bei der Promenave bkgegnete dem
Könige in einiger Entfernung ein älterer Herr,

desintcresse" vor dem KreiSgericht zu Perleberg
prozessirt werden. May isl weoer preußischer
Unlerthan, da er diese Eigenschaft nach preu-
ßischer Gesetzgebung durch 12jährige Abweseu-
heit aus Preußen verloren hal, noch sindet sich
einc Bestimmung im Strafgesetzbuch, unter
welche die angeblich von ihm begangenen „ge-
hässigen und verbrecherischeu Wühlereien" ge-
drachl werden könnten. Durch eine doppelte
Fiktion soll der bcgangene Gewaltakt juristisch
gerechtfertigt werden; indessen bleibt noch abzu-
warten, ob das Gericht sich hierzu hergeben
wird.

Magdeburg, 5. Septbr. Heute wurde
beim Criminalgericht eine Anklage wider den
Buchhändler Ruediger wegen Vcrbreitung der
an Stelle der verboteuen „Gartenlaube" er-
schienenen Hefte „Familien-Album", „Linden-
blüthc" rc. verhandelt. Da nachgewiesen war,
daß Ruediger 760 Exemplare verbreitet hatte,
so lrug der Staatsanwalt auf 7600 Thaler
Geld-, im Unvermögensfalle 4 Jahre Gesäng-
nißstrafe an. Das Gericht hat den Angeklag-
ten freigesprochen.

Bozen, 4. Sept. Am 2. d. M. fand bcim
hi^igen Kreisgericht die Schlußverhandlung ge-
gen den 16jährigcn Hermann Kerber, einen
Buchhändlerjungen aus Meran, statt. Er hatte
auf die Wand eines Crucisixes das Blatr eincs
Baumes geklebt, auf letzteres dreimal mil Ku-
geln aus einer Pistole geschossen und dabci
zweimal das Crucifix getroffen. Der Junge
wurde zu 8monatlicbem Gefängniß verurtheilt.

Z-)

Altona. 5. Sept. Denjenigen holfteini-
schen Ständcmitgliedern, welche sich in Kicl
heute versammelten, ist folgende Erklärung zu-
gcstellt worden: „Auf die an uns ergangene
Einladung zu einer Versammlung der holstei-
nischen Ständemitglieder beehren wir uns, Fol-
gendes zu erwidern: Gewiß verkennen wir nicht
die Bedeutung der gegenwärtigen Lage des Lan-
des, können aber eine Aeußerung der Stände-
mitglieder über dieselbe schon deßhalb nicht für
unbedenklich halten, weil dieselben dadurch einer
in ofsicieller Weise etwa von ihnen verlangten
Aeußerung vorgreifen könnten. Sollte aber
auch dieses Bedenkcn sich bcseitigen lassen, so
kommt in Betracht, daß bekannllich die An-
sichlen darüber weit auseinandergehen, welche
Ursachen hier im Lande zur Hcrbeiführung der
augenblicklichen Sachlage mitgewirkt haben, und
über die zur Aenderung derselben geeigneten
Mittel, daß es daher großen, vielleicht unüber-
windlichen Schwierigkeiten unterliegt, sich über
Vorschläge zu einigen, durch deren Befolgung
das Wohl des Landes. welches wir gcwiß Alle
vor Augen haben, würde gefördert werden.
Unter allen Umständen ist nach unferer An-
sicht in dieser Beziehung kein anderer Weg
moglich, als der Weg dcr Vorstellung an die
beiden deutschen Großmächte, von denen die
preußische uns als diejenige erscheiut, auf welche
die Herzogthümer für die Zukunft zunächst an-
gewiesen sind. Da aber selbst dicse Prälimi-
narfrage nach demjenigen, was uns von den
Verhandlungen bekannt geworden, die dcr jetzi-

König nir." Herr v. Pratobevera ist bekanntlich
sehr kurzfichtig, woraus sich dieses scheue Umsehen
beim Gehen erklärt.

Die Bayreuther klagten schon lange, ihre Brauer
uud Wirthe hätten das Recept zu bem früheren
schmackhaften und gesundcn Biere verloren; wenn
fie jctzt ein paar Seibel Bier tränken, so hätten
sie Kopfweh und Katzenjammer. Der Lehrer der

gen Einladung vorhergegangen, nicht mit Ein-
stimmigkeit wird zur Erlediguug gebracht wer-
den können, so versprechcn wir uns von der
beabsichtigten Vcrsammlung keincn geeignetcn
Erfolg und verzichtcn auf eine Betheiligung an
derselben. v. Scheel-Plessen. v. Blome. Röt-
ger." Wcitere Unterschriften sind zunächst nicht
bekannt.

Wien, dcn 3. Sept. Jm Anschluß an die
Amnestie für Preßvergehen hat der Justizmi-
nister an dic Oberstaatsanwaltschaften ein
Rundschreiben über die Preffe erlassen, welches
für die gegenwärtig .vorherrschende Nichtung
bezeichnend ist. Dasselbe verwahrt zunächst
den allerhöchsten Willen gegen die Jmputation
eines „Buhlens uni wohlfeile Popularität"
wegen der ertheilten Amnestie und fährt dann
fort, wie solgt: „Soll die erzielte Befriedi-
gung eine daucrnde werden, so muß auch künf-
tighin das Verfahren gegen die Presse sich in
der Art gestalten, daß zwar die bestehenden
Gesetze gegen die dem öffentlichen Wohle wirk-
lich schädlichen Ansschreitungen der Tagespresse
iml unerschütterlicher Festigkeit gehandhabt, daß
amr Alles sorgfältig vermieden werde, was
den Verdacht einer tendenziösen Verfolgung zu
erregen vermöchte. Sobald in einem konstitu
tionellen Staate das politische Leben erwacht,
ist die Bkldung politischcr Parteicn und das
Ringen dersclben nach Geltendmachung ihrer
Grundsäze eine unvermeidliche Folge. Unter
diesen Parteien kann es nun auch solche geben,
welche zwar in ihren Endzielen, nämlich in der
Förderung der geheiligten Jnteressen der aller-
höchsten Dynasüe und dcs damit in engster
Verbindung stehenden Wohles des Volkcs, mit
einander im Einklange stehen und nur in den
Mitteln und Wegen auseinander gehen. Solche
politische Gegner werden einander mit allen
inncrhalb der gesetzlichen Schranken gelegenen
Mitteln bekämpfcn, aber tendeuziöse Verfol-
gungen vermeiden. Jn Oesterreich, wo so viele
Nationalitäten neben einandcr bestehen. welche
Se. k. k. apostolische Majestät alle mit glcicher,
nur durch ihre Loyalität bevingter Liebe um-
faßt, fällen die politischen Anschauungen oft
mit den nationalen Beftrebungen zusammen,
und es würde dem von Se. k. k. Majestät wie-
derholt betonten Grundsatze der Gleichberechti-
gung nicht entsprechen, wollte man politische
Anschauungen schon allein deßhalb verdammen,
weil sie aus Kreisen nationaler Färbung her-
vorgehen. Fern von jeder unzeitigen Empsind-
lichkeit, wiro die kaiserl. Regierung eine gründ-
liche Kritik ihrcr Maßnahmen dankcnd entge-
gegennehmen, wenn sich nur das Streben nach
Förderung des öffentlichen Wohles varin kund-
giebt und der Geist der Bildung sie durchweht.
Solche Erzeugnisse der Presse müssen mit lei-
denschaftsloser Ruhe aufgefaßt und im Geiste
der gegenwärtigen Znstitutionen Oesterreichs be-
urtheilt werden. Wo aber die Tagespresse,
ihre hohe Mission vergessend, sich mit ihren
Angriffen auf die allerhöchsten geheiligten Kreise
wagt, die Einheit und Jntegrität der Monar-
chie in den Kreis ihrer- Erwägungen oder gar
Bekämpfungcn zieht, wo sie die Grundpfeiler

„Wer 5 Scidel von diesem Bier trinkt, nimmt
damit ein vollcs Seidel gewöhnlichen Schnaps zu
sich und das ist für einen soliden Kopf und Magen
denn doch zu viel. Die auffallende Menge von
Alkohol soll dadurch entstehkn, daß die Brauer ihr
Bier zu stark einsieden unb durch gewisse Manipu-
lationen die Erzeugung des Alkobols bei der Gäh-
rung begünstigen und vermehren." ,

(Kirchenreichthnm in Italicn.) Die „Unita
Italiana", eine gute Autorität, derichtet, daß in
den Kirchen der italienischen Weltgeistlichkeit mehr
alS 500,000 Pfd. Silber und 20,000 Pfd. Gold,
in den Kirchen der Ordensgeistlichkeit 800,000 Pfb.
Silber und 18,000 Pfund Gold vorhanden find.
Zn der Kirche Loretto 7000 Pfb. Silber und
4000 Pfd. Gold, in der des heiligen Dominik zu
Soriano in Calabrien 5000 Pfd. Silbcr und
1500 Pfd. Gold. Der Werth der Edelsteine über-
steigt' die Summe von 20,000,000 Krcs.
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